In den Darstellenden Künsten steigt der Marktwert des Realen unaufhaltsam. ?Reality?-Show-Formate werden für die Bühne adaptiert und die Beuys-Formel ?Jeder Mensch ist ein Künstler? wandelt die Bühne in ein ?Jedermann ist ein Schauspieler? ab. In der aktuellen Inszenierungspraxis der Theater häufen sich die Indizien für einen fundamentalen Wandel der Grundlagen heutiger Theaterarbeit. Ob damit die Gesellschaft des Spektakels endgültig zu der von Nietzsche befürchteten Theatrokratie bläst, oder das von Heiner Müller geforderte Ende der Repräsentationskultur anbricht ? es ist Zeit für eine fundierte Untersuchung der politischen und ästhetischen Implikationen unserer Realitätsverständnisse.
Im September 2006 versammelten sich im Forum Freies Theater in Düsseldorf namhafte Philosophen, Theoretiker, Film-, Theater- und Kunstwissenschaftler zu einem Symposium, um über den Umgang mit der Realität in den Künsten unter heutigen Vorzeichen und vor dem Hintergrund der neuesten Erkenntnisse aus ihren jeweiligen Disziplinen zu debattieren.
Der vorliegende Band, ergänzt um weitere Originalbeiträge, liefert Stoff für eine Realismus-Debatte des 21. Jahrhunderts.