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Mit über 1000 registrierten Forschungsvorhaben seit 1990 gehört die DDR-Geschichte zu den Themen, die gegenwärtig sehr intensiv erforscht werden. Beate Ihme'Tuchel stellt die wesentlichen Forschungsprobleme und Deutungsmuster zu den zentralen innenpolitischen Zäsuren der DDR-Gesellschaft gebündelt und anschaulich dar und skizziert offene Fragen und Entwicklungsperspektiven. Eine unentbehrliche Orientierungshilfe zur Geschichte der DDR!
Nichts NeuesNachdem die DDR nun schon 15 Jahre nicht mehr existiert, könnte man annehmen, die Wissenschaft hätte sich in der Zeit auch mal mit anderen Fragen beschäftigt als den üblichen wie "Wie kam es zum Mauerbau?" und "Was geschah am 13. Juni wirklich?" Es gibt so viele Themen und Fragen, die einen neben diesen Standardthemen interessieren, aber es beschäftigt sich kaum jemand damit, auch nicht dieses Buch. Daher leider nichts Neues!
Solides Lehrbuch zum EinstiegDas Buch "Die DDR" von Beate Ihme-Tuchel ist ein geschichtswissenschaftliches Lehrbuch; keine historiographische Meistererzählung, keine pseudoinnovative "So-wars-damals-wirklich"-Enthüllung, auch keine akribische Quellensektion - wie gesagt, ein pädagogisch aufgearbeitetes Lehrbuch eben. Die Autorin hält sich an die Vorgaben der von der WBG Darmstadt konzipierten "Kontroversen um die Geschichte"-Reihe: es wird auf etwas mehr als 100 großformatigen Seiten bilanziert, problematisiert, kritisiert. Fünf besondere "Bruchpunkte" in der Geschichte des "zweiten deutschen Staates" sollen verschiedene Forschungsdiskurse um die DDR exemplarisch vertiefen: die Staatsgründung, der Aufstand am 17.06.1953, der Mauerbau 1961, der Wechsel an der politischen Spitze von Ulbricht zu Honecker und schließlich das (lange?) Ende des real existierenden Sozialismus in Folge der "Refolution" des Jahres 1989. Dabei geht es nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, um einseitige Politk- und Ereignisgeschichte der großen Männer um Honecker und Ulbricht; viel eher ist die Autorin stets bemüht, komplexe gesellschaftliche, ökonomische und (außen)politische Strukturen und Konfigurationen, ihre umfassenden Wechselbeziehungen und nicht zuletzt auch Mentalitäten, Lebenswelten und Alltagserfahrungen in ihre geschichtswissenschaftliche Synthese einfließen zu lassen. Eine anregende Bilanz äußerst heterogener Forschungsdebatten, etwa zum unvermindert hochaktuellen Themenbereich des Diktaturenvergleiches, bildet den Abschluss des Bandes.So bleibt festzuhalten, dass diese Monographie genau das ist, was sie auch bestrebt ist zu sein: ein instruktives, facettenreiches Lehrbuch, bestens geeignet zur fachlichen Orientierung. Ein erster Schritt vor allem für jene, die sich abseits der populären Ostalgie-Romantik-Literatur der Geschichte der DDR wissenschaftlich fundiert nähern möchten.