Grundmann, Siegfried

Der Geheimapparat der KPD im Visier der Gestapo

Der Geheimapparat der KPD im Visier der Gestapo
  • Verlag: Dietz, Berlin
  • Erscheinungsdatum: 2007-09-20
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 496
  • ISBN: 3320021133
  • EAN: 9783320021139
  • Amazon.de Verkaufsrang: 491.435
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Beschreibung von buecher.de

Am 16. Mai 1935, am Tage nach der Festnahme der Funktionäre Ewald Jahnen und seines Mitarbeiters Dr. Felix Bobek aus der Betriebsspionageorganisation der KPD, mußte der Gestapo-Beamte Karl Giering noch feststellen: Es sei bisher 'nicht möglich, über dieses Ressort Näheres zu ermitteln'. Bereits viereinhalb Monate später, am 3. Oktober 1935, konnte gemeldet werden, daß der BB-Apparat zerschlagen worden sei.
Wie konnte das geschehen?
Verrat spielte eine entscheidende Rolle. Bei der Arbeit mit V-Leuten war die Gestapo erschreckend effektiv. Wie kam es, daß Mitarbeiter aus dem BB-Apparat die Seiten wechselten? Welche Motive bewogen sie, ihre einstigen Genossen an die Gestapo auszuliefern - wohl wissend um die Folgen?

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Helmut Roewer fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Konspiration und Provokation

Das Buch ist die Geschichte der Zerschlagung eines kommunistischen Spionageapparats in den ersten vier Jahren des Dritten Reiches. Der BB-Apparat (das BB steht für Betriebsbeobachtung, manchmal auch: Betriebsberichterstattung) war eine Sparte des Parteigeheimdienstes des KPD (AM-Apparat). Betriebsbeobachtung war die verschleiernde Umschreibung für Industrie- und Technikspionage. Die Ergebnisse dieser illegalen Informationsbeschaffung wurden reichsweit gebündelt und flossen sodann an sowjetische Geheimdienstoffiziere ab. Der BB-Apparat unterschied sich somit von den übrigen Sparten des KPD-Parteigeheimdienstes, die vor allem innenpolitisch eingesetzt waren, nämlich zur Spitzelabwehr innerhalb der Partei, zur Waffenbeschaffung, zur Passfälschung und zur Ausspähung und Zersetzung des politischen Gegners und von staatlichen Organisationen, insbesondere der Polizei und der Reichswehr.

Der BB-Apparat entstand um das Jahr 1928, er erlebte seine Blütezeit am Anfang der 1930er Jahre, 1935 bis 1937 wurde er restlos zerstört. Soweit seine Mitglieder nicht ins Ausland flohen, wurden sie verhaftet, zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt; etliche sogar hingerichtet. Die Todesstrafe war fast die notwendige Folge, denn sie stand auf landesverräterische Weitergabe von Staatsgeheimnissen (hier an den sowjetischen Nachrichtendienst).

Die Bekämpfungserfolge der Gestapo beruhten vor allen Dingen auf Verrat von Seiten ehemaliger KPD-Funktionäre, einige von diesen dienten der Gestapo als V-Leute. In etlichen Fällen waren Geständnisse aus den Festgenommenen herausgeprügelt worden. Oft eben aber auch nicht.

Grundmann geht bei der Beschreibung seines Themas so vor, dass er sowohl die unterschiedlichen Handlungsstränge als auch, jeweils angefügt, die Lebensläufe der handelnden Personen schildert. Hierbei kommen sowohl die KPD-Funktionäre wie auch die Mitarbeiter der Gestapo und einige der Volksgerichtshofrichter in den Blick. Der Autor ist mit Wertungen sehr sparsam, Verdammungsurteile vermeidet er ganz. Das ist wohltuend, denn die Faktendarstellung ist derartig reichlich und genau, dass es nicht schwer fällt, sich ein Urteil selbst zu bilden.

Besonderen Wert legt der Autor auf die im Handlungszusammenhang vorkommenden V-Leute und deren Schicksal. Mit Akribie verfolgt er die einzelnen Verratshandlungen und ordnet aus dem Wust der Deckbezeichnungen Klarnamen zu, auch müht er sich, die jeweiligen Motive zu verstehen. Längst nicht jeder, der innerhalb der KPD als Gestapo-Spitzel verdächtigt wurde, war auch einer. Der Gestapo konnte, wie jedem Geheimdienst, dieses wechselseitige Misstrauen nur Recht sein. Der Fall des im Buch in diesem Zusammenhang nicht erwähnten BB-Mitarbeiters Herbert Lessig ist vermutlich so einer; er wurde 1938 wegen des Spitzelverdachts aus der KPD ausgeschlossen (siehe: Gregory Singal: Inventaire Ligue des droites de l'homme [Bestand Lessig, Herbert 253/4784]).Zum Glück versucht er sich allerdings nicht an einer Soziologie des Spitzels.

Eine ganze Reihe von Fotos, meist sind es solche des staatspolizeilichen Erkennungsdienstes, runden den Band ab. Insgesamt ist dem Autor mit seiner Arbeit ein beeindruckendes, nahezu 500 Seiten umfassendes Grundlagenwerk gelungen, an dem niemand, der sich mit kommunistischer Geheimdienstarbeit und Gestapoermittlungstätigkeit befasst, vorbeikommt.

Der Geheimapparat der KPD im Visier der Gestapo



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