Wissenschaftlicher Aufsatz aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Geschichte - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung, einseitig bedruckt, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Erschienen in: Aufklärung - Vormärz - Revolution. Jahrbuch der 'Internationalen Forschungsstelle Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa von 1770-1850' an der Universität Innsbruck, Bd.21 (2001), S.27-49. , Abstract: Die Studie wird von der Frage geleitet, inwieweit deutsche Studenten Symbole der Französischen Revolution übernahmen und damit eine ausdrückliche Parteinahme für die mit der Symbolik korrespondierenden politischen Ideen verbanden. Ferner sollte geklärt werden, ob dieser Prozeß in einem Zusammenhang zu den unterschiedlichen Phasen der Revolution stand, die in Frankreich eine Veränderung politischer Symbole und symbolischer Kleidung und Farben mit sich brachten. Die Ergebnisse zeigen, daß an allen untersuchten Universitäten Studenten die neuen politischen Symbole und die 'revolutionäre' Kleidung annahmen. Zu den wichtigsten Symbolen der Revolution zählte die rote Jakobinermütze, auch 'Freiheitskappe' genannt. Hinzu kam die dreifarbige, blau-weiß-rote Kokarde. Neben diesen eindeutigen Symbolen, die in der ersten Hälfte der 1790er Jahre dominierten, kam Mitte der Dekade unter den Studenten die Anlehnung an die revolutionäre Kleidung in Mode. Nicht immer ist in den Quellen die Kleidung genau beschrieben (ihre Bedeutung und Details wurden bereits als bekannt vorausgesetzt), doch zwei 'Typen' lassen sich im wesentlichen unterscheiden: Die farbliche Übereinstimmung mit der französischen Trikolore und die Anlehnung an die Kleidung der Sansculotten. Bei der ersten Kleidervariante war die blau-weiß-rote Farbkombination wesentlichstes Merkmal. Die Details der Kleidung waren weniger bedeutsam. Vermutlich stellte sie eine Anlehnung an die Nationaluniform der französischen Soldaten dar. Die zweite Kleidervariante ahmte die schlichte, teilweise auch grobe Kleidung der Sansculotten nach. So trugen Studenten lange Matrosenhosen oder paßten sich in anderen Äußerlichkeiten wie der Haartracht an, indem sie auf Zöpfe oder gepudertes Haar verzichteten und stattdessen den runden Haarschnitt oder langen, wilden Haarwuchs bevorzugten. Es kann kaum verwundern, daß derart 'sansculottisch' gekleidete Studenten in der Öffentlichkeit auffielen, sei es wegen der offensichtlichen politischen Grundhaltung oder sei es wegen des schroffen Gegensatzes zur Erscheinung des früher adrett gekleideten Studenten, der mit Perücke und Degen ausgestattet eher den Adel nachahmte und das genaue Gegenteil eines 'Sansculotten' war. Die bereits in der Spätaufklärung aufgekommene Tendenz zur schlichten, eher uneleganten Kleidung wurde hier noch verstärkt, indem man sich der Kleidung der französischen Unterschichten näherte und die letzten 'höfischen' Bestandteile der Kleidung ablegte.
Verlag: GRIN Verlag
ISBN: 3638713369
Preis: 14,99 €
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