Nietzsche, Friedrich

Der Antichrist

Der Antichrist
  • Verlag: Nikol Verlags-GmbH
  • Erscheinungsdatum: 2008-01
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 144
  • ISBN: 3937872736
  • EAN: 9783937872735
  • Amazon.de Verkaufsrang: 1.785
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Beschreibung von buecher.de

Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen ...«Nietzsches Auseinandersetzung mit der Religion und seine polemisch vorgetragene Kritik am Christentum mündet schließlich in eine Kritik an seiner Zeit.Der Antichrist ist eines von Nietzsches Spätwerken, welches (in wenigen Wochen) 1888 niedergeschrieben wurde. Dieses an sich kleine Büchlein beinhaltet unglaublich viel. Es verlangt dem Leser allerdings auch Einiges ab und sei es nur mit der Kraft der Polemik Nietzsches umzugehen. Man kann den Antichristen auf viele Weisen lesen, man kann vieles überlesen, daher erfordert das Buch auch große Wachsamkeit. Es ist unglaublich anregend, man kann vieles über sich selbst lernen, über das Christentum und die Kirche. Nietzsche selbst wuchs als Pfarrerssohn auf und sollte eigentlich die theologischen Gewänder seinesVaters ausfüllen, der sehr früh verstarb. Daher erlebt man auch den ernsthaften
Versuch einer Kritik an den Religionen. Große Theologen haben das Buch als hilfreich verstanden und dankbar angenommen, was sicher nicht die schlechteste Art ist mit dieser Schrift umzugehen. Bewundernswert ist, neben dem kritischen Geiste, auch die sprachliche Brillanz, die man in Nietzsches Schriften finden kann. Ist der Leser kritisch genug und Liebhaber wundervoller Sprache, so wird er durch dieses Büchlein auf beeindruckende Weise bereichert.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Kritischer Leser fanden 40 von 49 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen "Der Priester herrscht durch die Sünde"

"Ich verurteile das Christentum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die fruchtbarste aller Anklagen, die je ein Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Korruptionen, sie hat den Willen zur letzten auch nur möglichen Korruption gehabt. Die christliche Kirche ließ nichts mit ihrem Verderbnis unberührt, sie hat aus jedem Wert einen Unwert, aus jeder Wahrheit eine Lüge, aus jeder Rechtschaffenheit eine Seelen-Niedertracht gemacht. Man wage es noch, mir von ihren 'humanitären' Segnungen zu reden! Irgend einen Notstand abschaffen ging wider ihre tiefste Nützlichkeit, sie lebte von Notständen, sie schuf Notstände, um sich zu verewigen ..."

Dieses Zitat stammt aus dem letzten der 62 kurzen Kapitel. Schon im kurzen Vorwort schreibt Nietzsche, dass dieses Buch für eine Minderheit geschrieben ist und dass man es wohl zu späteren Zeiten besser verstehen würde. Man tut das hoffentlich heute, 120 Jahre nach Niederschrift.

Es ist kaum möglich, dieses Werk zu knapp zu würdigen: da ist die intensive Sprache, in der jeder Halbsatz ein Volltreffer, eine Punktlandung ist. Nitzsche bringt es fertig, nicht nur eine erbarmungslose, begründete Kirchenkritik zu verfassen, er findet auch Kritik an den großen deutschen Philosophen, besonders an Kant, die zu sehr Knechte der Theologie seien.

Er vergleicht Buddhismus mit Christentum, geht auf das Judentum ein und bringt eine interessante Interpretation von Jesus. Nitzsche stellt das Verhältnis der Kirche zur Wissenschaft dar - mit vielen Seitenhieben auf Paulus: "Der 'Glaube' als Imperativ ist das Veto gegen die Wissenschaft, - in praxi die Lüge um jeden Preis ... Paulus begriff, dass die Lüge - daß der 'Glaube' not tat; ...".

"Der Priester kennt nur eine große Gefahr: das ist die Wissenschaft, - der gesunde Begriff von Ursache und Wirkung. Aber die Wissenschaft gedeiht im ganzen nur unter glücklichen Verhältnissen, - man muß Zeit, man muß Geist überflüssig haben, um zu 'erkennen' ...'Folglich muß man den Menschen unglücklich machen', - dies war zu jeder Zeit die Logik des Priesters. - Man errät bereits, was, dieser Logik gemäß, damit erst in die Welt gekommen ist: - die 'Sünde'... Der Schuld- und Strafbegriff, die ganze 'sittliche Weltordnung' ist erfunden gegen die Wissenschaft, - gegen die Ablösung des Menschen vom Priester...; der Priester herrscht durch die Sünde."

Diese Rezension von Christian Puls fanden 52 von 64 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wir Freigeister

wissen, dass Nietzsche nur kleines Stück eines großen Puzzel ist. Wer Nietzsche liest, sollte auch Haeckel, Goethe, Feuerbach, Lessing, Kant, Darwin etc. und die Bibel (!) lesen. Denn Glaube allein, heißt nicht wissen wollen - heißt, einseitig denken - heißt, Unwissenheit - heißt, Intoleranz - heißt, Krieg und Zerstörung. Lesen erweitert den Horizont. Jeder "Glaube" (ergo, jede unhinterfragte Annahme einer subjektiven Meinung) verbirgt - in sich - die Gefahr einer einseitigen Betrachtungsweise. Deshalb können Freigeister niemals eine Meinung als richtig oder falsch einordnen. Es ist immer eine gewisse Dualität vorhanden. So z.B. steht auf der einen Seite eine eindeutig zu verurteilende und zu verwerfende dogmatische Kirche, auf der anderen stehen die (gesellschaftspolitisch konstruktiven) zehn Gebote. Wie Haeckel schon richtig sagte, das gute und gerechte am Christentum sollten wir übernehmen, das schlechte jedoch verwerfen.Jeder der sich mit Religionen objektiv, konstruktiv auseinandersetzt wird früher oder später zur Ansicht gelangen, dass diese als gesellschaftliche Phänomene zu betrachten sind. Sie sind Ergebnisse menschlicher Phantasien, unbegründeter Hoffnungen und unerfüllter Wünsche. Der Mensch wird eines Tages begreifen müssen, dass er auf diesen Planeten zwar einzigartig, aber nicht unentbehrlich ist. Wer mit diesen Wissen handelt, handelt für die gesamte Menschheit und für den Erhalt unseres Planteten.Nietzsche und all die anderen Freigeister, die schon vor langer Zeit (!) ihre Thesen an die Pforten der menschlichen Unwissenheit genagelt haben, werden leider immer unpopulärer und geraten in Vergessenheit. Wenn ihre Meinungen für sich auch nicht immer mit der unsrigen korrelieren, so müssen sie jedoch im Gesamtkontext als "Lest und hinterfragt!" gesehen werden. Und nur das zählt!Jemand hat mal gesagt: "Das schlimmste an Geschichte ist, dass sie sich immer wiederholt!"In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß mit diesem Buch. Ich kann es nur jedem Empfehlen, der den Mut aufbringt, etwas an und in sich verändern zu wollen.Mit freundlichen Grüßen!

Christian

Diese Rezension von Tartschthomas fanden 34 von 42 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Fortführung des Zarathustra

Der "Antichrist" führt Nietzsches Lehre des Übermenschen als evolutionäre Entwicklung zum Souveränen Menschen konsequent weiter. Das man seit der "fröhlichen Wissenschaft" weiss, dass Gott tot ist, gibt es keine Wahrheit mehr. Kein Oben und Unten. Kein Gut und Böse. Die Lösung folgt aus dem Nihilismus, der apodiktischen Entwertung der bisherigen, auch durch das Christentum als deontologische Moral vertretenen Moral und Parusieerwartung, die die Entwicklung des freien Geistes hemmt. Nietzsche hat dem Christentum immer vorgeworfen:

-es hätte Anteil an der Verherdung und Verweichlichung des Menschen

-es bestehe dogmatisch aus relikten einer paradoxen antiken Vorstellungswelt (Platons zwei Reichslehre von Ideen und Abbildungen)

-es vertröstet auf ein Jenseits, an welches schon jetzt niemand glaubt

-die Heuchelei, da die "Christen" selbst nicht das leben, was sie vorgeben zu glaubenNietzsche beschreibt diese Determinanten in einer wuchtigen Sprache, die schwer zu beschreiben ist (zumal manchmal der geistige Verfall Nietzsches durchschimmert). Auch die Wortwahl reizt dazu, ihn mit der Ideologie des Nationalsozialismus gleichzusetzen. Das stimmt aber nicht, da auch der Natinalsozialismus dem Wesen nach eine säkulare Ersatzreligion darstellt, die das Christentum durch einen biologistischen Rassismus ersetzt hat. Nietzsche selbst war aber Anti-Antisemit. So verachtet er den Mann seiner Schwester, der ein Antisemit war.

Insgesamt ein lesenswertes Buch, da es die Frage stellt, an was soll man glauben, wenn der bisherige Glauben nicht mehr ist und auch nicht mehr sein wird. Wie soll man werden, wenn man nicht vorgegebn bekommt, was man sein soll.

Diese Rezension von Michael Dienstbier fanden 37 von 46 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen "Gegen den Priester hat man nicht Gründe, man hat das Zuchthaus" (Gesetz wider das Christenthum).

Zur Zeit rollt die Welle der sogenannten "new atheists" über Deutschland und den Rest der Welt. Der in Oxford lehrende Evolutionsbiologe Richard Dawkins ist der bekannteste Vertreter dieser Bewegung und sein neuestes Buch "Der Gotteswahn" (orig: "The God Delusion") ist diesen September auf Deutsch erschienen. Nur wenige Wochen später kam Christopher Hitchens "Der Herr ist kein Hirte" (orig: "Why God is not Great") auf den deutschen Buchmarkt. Beide Autoren rechnen in schärfster Polemik mit dem unkritischen Glauben an eine göttliche Instanz ab und ziehen sich so den Hass vieler Gläubigen zu. Und dennoch, gegen Friedrich Nietzsches Spätwerk "Der Antichrist" wirken Dawkins, Hitchens & Co eher harmlos. Was Nietzsche hier liefert, ist der brutalstmögliche nur denkbare Angriff auf das Christentum sowie dessen zersetzende Wirkung auf die Menschheit.

Was Nietzsche anprangert ist die Tendenz des Christentums, Schwäche und Demut zur Tugend zu erklären. Seine Wut richtet sich vor allem gegen die Primärtugend des Christentums, das Mitleid: "Die Schwachen und Missrathnen sollen zu Grunde gehen: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen auch noch dazu helfen. Was ist schädlicher als irgendein Laster? - Das Mitleiden der That mit allen Missrathnen und Schwachen - das Christentum..." (Abschnitt 2). Da die Nazis sich Nietzsches Rhetorik zu Eigen gemacht haben, benötigt sie heute einige erklärende Worte. Das "Schwache und Missrathne" bezieht sich bei Nietzsche niemals auf irgendwelche körperliche Eigenschaften oder ähnliches. Als schwach prangert Nietzsche die freiwillige Unterwerfung eines jeden Menschen unter ein göttlich legitimiertes Moralkonstrukt wie das des Christentums, zum Beispiel, an. Sich davon zu befreien, alle aufoktroyierten Werte abzulehnen und sich selbst seine Lebensmaximen zu schaffen, das bedeutet für Nietzsche Stärke. Diesen potentiellen Zustand eines jeden Menschen bezeichnet Nietzsche in "Also sprach Zarathustra" als den Übermenschen. Das Konstrukt des Göttlichen sei der Haupthinderungsgrund für den Menschen, den Zustand des Übermenschen zu erreichen, da Religion von Grund auf diesseitsverachtend sei: "Gott die Formel für jede Verleumdung des 'Diesseits', für jede Lüge vom 'Jenseits'! In Gott das Nichts vergöttlicht, der Wille zum Nichts heilig gesprochen!" (Abschnitt 18) Religion also als der Wille zum Nichts. Demgegenüber steht Nietzsches Wille zur Macht, der nichts anderes ist als der Wille zum Übermenschen.

Und so geht es munter weiter: "Das Christenthum ist ein Aufstand aller Am-Boden-Kriechenden gegen das, was Höhe hat" (Abschnitt 43). "Der Christ, diese ultima ratio der Lüge" (Abschnitt 44). An anderer Stelle wird das Christentum als "Gehirn-Dressur" (Abschnitt 59) bezeichnet, um im letzten Abschnitt zu bilanzieren: "Ich heisse es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit" (Abschnitt 62). Jede mögliche Beleidigung, die man sich nur denken kann, findet sich an irgendeiner Stelle in "Der Antichrist". Für jeden, der political correctness sowieso für überschätzt hält, ist das genau das Richtige. "Der Antichrist" ist im höchsten Maße unterhaltsam, politisch unkorrekt und trifft abseits aller Polemik genau den Punkt. Alle Religion basieren auf dem Grundsatz der bedingungslosen Akzeptanz bestimmter Wert- und Moralmaßstäbe. Kritisches Denken wird in sämtlichen Schriften der monotheistischen Religionen als Gefahr diskreditiert. Darin lag damals und darin liegt heute eines der Hauptprobleme der Menschheit.

Fazit: Hart, polemisch, gnadenlos. Da die Nazis Nietzsches Terminologie für ihre Zwecke missbraucht haben, ist es unbedingt erforderlich Begriffe wie den "Übermenschen" oder das "Schwache und Missrathne" zu erklären und im Kontext zu verstehen. Ist das geschehen, ist es leicht nachzuvollziehen, warum Nietzsche bis heute einer der faszinierendsten und aktuellsten Philosophie geblieben ist.

Diese Rezension von Leviathan fanden 40 von 50 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Meisterwerk der kritischen Reflexion und Polemik

Wem die nachfolgende Inhaltsangabe zu lang ist, der möge bitte bis zum letzten Abschnitt fortschreiten.

Friedrich Nietzsches Schrift "Der Antichrist -Versuch einer Kritik des Christentums",

geschrieben 1888, veröffentlich 1895, gliedert sich in 62 kleine Kapitel, war ursprünglich als das erste Buch der auf vier Bände angelegten "Umwertung aller Werte" geplant und handelt von Nietzsches Auseinandersetzung und Kritik mit den Religionen Christentum, Judentum und Buddhismus und mündet schließlich in eine Kritik an seiner Zeit.

Nach dem Vorwort, in dem Nietzsche zum Ausdruck bringt, dass ihn die wenigsten verstehen werden, diese Menschen vielleicht noch gar nicht geboren sind, beginnt er sein Werk mit dem Gedanken des Hyperboräers, einer Art "Übermensch". Er bezeichnet diesen als Formel des Glücks und stellt eine Relation zur Menschheit seiner Zeit her. Er macht deutlich, dass man diese Glücksformel verwenden muss um zum Ziel zu gelangen: die Menschheit zu überwinden und deren Platz durch etwas Überlegeneres zu ersetzen. Nun definiert er die Werte Gut, Schlecht und Glück, sowie das christliche Mitleid, das er als sehr schädlich abtut. Er zeigt auf, in welche Richtung die geistige Entwicklung auf schnellen Sohlen schreiten soll, nämlich zurück, in die von ihm sehr verehrte Renaissance.

Er stellt nun das Christentum und den "Übermenschen" gegenüber und spricht davon, dass das Christentum aufgrund bestimmter Eigenschaften einen Krieg um Leben und Tod gegen diesen Typus geführt hat. Er erklärt die Verdorbenheit des Menschen und bezeichnet die Werte, in denen die Menschheit ihre oberste Wünschbarkeit zusammenfasst als Werte des "Verfalls". Danach vergleicht er den christlichen Mitleidsbegriff mit Selektion. Für ihn wirkt Mitleid depressiv, es ist ebenso Multiplikator allen Elends wie auch Konservator und dementsprechend Hauptwerkzeug der "décadence". Schließlich schlussfolgert er, dass Mitleid zum Nichts überredet. Im nächsten Kapitel greift er den Theologengeist an und macht klar, dass er alles daransetzt den "Theologen-Instinkt" zu bekriegen, denn was ein Theologe als wahr empfindet muss falsch sein. Ein jeder Theologe ist ein von Macht vergifteter Dogmatiker. Den Protestantismus definiert er nun als halbseitige Lähmung des Christentums -und der Vernunft, er lässt kein gutes Wort an dem Philosophen und Zeitgenossen Goethes Kant und dessen Morallehre. Er wundert sich scherzhaft, dass man Kants "kategorischen Imperativ" nicht als lebensgefährlich empfunden hat, erklärt aber, dass allein der "Theologen-Instinkt" diesen in Schutz nahm.

Im nächsten Kapitel geht Nietzsche nun wieder auf die Priester ein und bringt zum Ausdruck, dass ein jeder Priester seine Macht missbraucht und herrscht, da er die Begriffe "wahr" und "unwahr" bestimmt, er fühlt sich durch die "heiligen Aufgaben" selbst schon als geheiligt, für Nietzsche Grund genug diese als "Truthähne Gottes" zu beschimpfen. Daran anschließend fasst Nietzsche nun die Darstellung des Menschen als Tier auf, welches, seiner Meinung nach, das gefährlichste, krankhafteste aber auch interessanteste ist. Im folgenden stellt Nietzsche nun imaginäre Ursachen wie z.B. "Gott", "Seele", "Ich", "Geist" auf und geht dann über zum christlichen Gottesbegriff. Er kritisiert diesen als einen der korruptesten Gottesbegriffe, die auf Erden erreicht worden sind, als den "Pegel des Tiefstands" in der absteigenden Entwicklung der Götter.

Danach macht er die Folgen der Unterdrückung deutlich um von der Lüge des Jenseits zu berichten, denn das "Jenseits" entwertet das "Diesseits".

Er stellt fest, dass ein Fluch auf den starken Völkern liegen muss, da diese den schwachen christlichen Gott nicht von sich gestoßen haben, geradezu aus Hass verflucht er diese nun auch von seiner Seite aus. In den nächsten Kapiteln geht Nietzsche zum Vergleich zwischen Buddhismus und Christentum über. Er zeigt die psychische Grausamkeit des Christentums und den entsprechenden Unterschied im Buddhismus. Nietzsche lobt den Buddhismus. Zwar bezeichnet er diesen auch als Dekadenz, jedoch empfindet er ihn als 1000mal realistischer. Das Christentum betrachtet er nun intensiver und lässt verlauten, dass alles auf jüdischem Gedankengut gewachsen ist, was für ihn Grund der Dekadenz ist. Im nächsten Kapitel berichtet Nietzsche von der Geschichte Israels und dessen Entnatürlichung der Natur-Werte, die ihn zutiefst traurig stimmen, denn was noch so wundervoll für ihn begann, explorierte und explodierte umso schlimmer zur "Krankheit der Dekadenz". Nietzsche erzählt nun eine Geschichte der religiösen Umwertung, der Fälschung, die dann zum "Thema Jesus" mündet. Diesen bezeichnet er als "heiligen Anarchist", kritisiert aber die Überlieferung (auch die von Paulus überlieferten Dinge, die seiner Meinung nach nicht mehr als Heiligen-Legenden sind).

Ebenso kritisiert er es Jesus als "Heros" und "Genie" zu bezeichnen, was seiner Meinung nach einem Begriffsmissbrauch gleichkommt. In den nächsten Kapiteln berichtet er von den psychologischen Grundlagen der Erlösungslehre und zeigt die Widersprüchlichkeit Jesu auf, um diesen danach als "Freigeist" darzustellen. Die von Nietzsche verkündete frohe Botschaft, hat zum Inhalt, dass jeder das "wahre Leben" in sich trägt. Nun folgt Nietzsches Sicht auf die christlichen Symbole. Die Geschichte des Christentums ist, laut Nietzsche, die Geschichte des schrittweise immer gröberen Missverstehens eines ursprünglichen Symbolismus. Das Wort "Christentum" ist schon ein Missverständnis, denn laut Nietzsche gab es nur einen Christen und der starb am Kreuz. Daran verknüpfend macht er den Kontrast zwischen Kirche und Evangelium deutlich. Laut Nietzsche liegt die Menschheit vor dem Gegensatz dessen auf den Knien, was der Ursprung, der Sinn, das Recht des Evangeliums war, dass sie in dem Begriff "Kirche" gerade das heilig gesprochen hatte, was der "frohe Botschafter" als unter sich, als hinter sich empfand, für Nietzsche die größte Form welthistorischer Ironie.

Er veranschaulicht auch, dass das Christentum an fremden Ritualen krank ist, in einen Mantel aus Lehren und Riten des "Imperium Romanum" und der Barbarei gehüllt ist und kritisiert Religion als Schauspiel für selbsternannte Stellvertreter Gottes. Danach prangert er das Missverständnis um den Tod Jesu an und zeigt die Absurdität des Opfergedankens auf. Nietzsche entlarvt den Unsterblichkeitsglauben, der seiner Meinung nach, nicht mehr als ein unerfüllbares Versprechen ist und empfindet den Glauben an Jenseits wiedereinmal als entwertend für das Diesseits. Im nächsten Kapitel zeigt er anhand von Bibelsprüchen die Grausamkeit Gottes bzw. wie grausam Gott laut der Bibel sein müsste. Er fragt, was Wahrheit ist und macht deutlich, dass sich Glaube und Wissenschaft nicht miteinander vertragen. In den nächsten Kapiteln interpretiert er den Sündenfall und zeigt die "Psychologie des Priesters" auf. Für ihn ist Seligkeit kein Beweis für Wahrheit und das Christentum, das größte Unglück der Menschheit, denn Glauben heißt seiner Meinung nach "Nichtwissenwollen". Er fühlt sich außerdem von Überzeugungen gefangen genommen bzw. stellt Überzeugungen als Käfige, Gefängnisse, als Einschränkungen dar, denn man muss selbst die Grenzen der Vernunft begreifen und darf sich nicht durch den Begriff der Sünde schänden. Im nächsten Kapitel plädiert er für die Kastengesellschaft und spricht seine Freude über die vorbildliche Kultur Roms aus. Seiner Meinung nach sind die wissenschaftlichen Methoden für ihn Erzeugnis und Leistung des Römischenreiches. Anschließend hält er ein Loblied auf die von ihm sehr geschätzte Renaissance und kritisiert konträr die Kreuzzüge des Christentums als "höhere Seeräuberei". Für ihn hat sich das Christentum endgültig gegen das Leben verschworen, Rechtfertigung genug um seine Anklage an alle Wände zuschreiben, von einer Schwere so dass auch Blinde mit seine Buchstaben sehen und seine Worte lesen können. Er heißt das Christentum einen "unsterblichen Schandfleck der Menschheit" und fordert abschließend zu einer neuen Zeitrechnung, die nach dem letzen Tag des Christentums beginnen soll, auf.

Der Antichrist ist eines von Nietzsches Spätwerken, welches (in wenigen Wochen) 1888 niedergeschrieben wurde. Dieses an sich kleine Büchlein beinhaltet unglaublich viel. Es verlangt dem Leser allerdings auch Einiges ab und sei es nur mit der Kraft der Polemik Nietzsches umzugehen. Man kann den Antichristen auf viele Weisen lesen, man kann vieles überlesen, daher erfordert das Buch auch große Wachsamkeit. Es ist unglaublich anregend, man kann vieles über sich selbst lernen, über das Christentum und die Kirche. Nietzsche selbst wuchs als Pfarrerssohn auf und sollte eigentlich die theologischen Gewänder seines Vaters ausfüllen, der sehr früh verstarb. Daher erlebt man auch den ernsthaften Versuch einer Kritik an den Religionen. Große Theologen haben das Buch als hilfreich verstanden und dankbar angenommen, was sicher nicht die schlechteste Art ist mit dieser Schrift umzugehen. Bewundernswert ist, neben dem kritischen Geiste, auch die sprachliche Brillanz, die man in Nietzsches Schriften finden kann. Ist der Leser kritisch genug und Liebhaber wundervoller Sprache, so wird er durch dieses Büchlein auf beeindruckende Weise bereichert.

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