Hesse-Wartegg, Ernst von

Tunis - Land und Leute

Ernst von Hesse-Wartegg ist augenscheinlich der letzte europäische Reiseschriftsteller gewesen, der Tunesien, die Regentschaft Tunis, vor dem Verlust der Unabhängigkeit besucht hatte. Er konnte daher berichten, wie es unmittelbar vor der französischen Okkupation von 1881 - die Protektoratszeit währte bis 1956 - im Lande ausgesehen hatte, ein Umstand, der sein Buch 'Tunis - Land und Leute' besonders interessant macht. Seine Reise unternahm von Hesse-Wartegg im Jahr 1880. Das Buchmanuskript war, wie er selbst anmerkt, bereits schon lange Monate fertig gestellt, als die Herausgabe des Bandes 1882 bei A. Hartleben (Wien/Pest/Leipzig) erfolgte. Im gleichen Jahr 1882 kam auch eine englische Übersetzung heraus, zum einen bei Chattoo & Windus (London/Edinburgh), zum anderen bei Dodd, Mead & Comp. in New York. Vermutlich musste er, um der damals neuen politischen Entwicklung in Tunesien Rechnung zu tragen, einige Passagen ändern bzw. neue Abschnitte hinzufügen. Artikel von und über v. Hesse-Wartegg zum Thema des Buches erschienen in der New York Times bereits am 14.10.1881 sowie im Magazin The Century (Century Comp., New York) vom April 1882. In 'Tunis - Land und Leute' schildert v. Hesse Wartegg in sehr lebendiger, gut lesbarer Weise seine Begegnungen in der Regentschaft Tunis: Mit dem damaligen Landesherren Sadok Pascha Bey, mit Militärs, Würdenträgern und Beamten, aber auch mit Angehörigen des einfachen Volkes. Gewiss sind seine Feststellungen (der damaligen Zeit entsprechend) von eurozentrischer Sichtweise geprägt, seine Ausführungen dazu manchmal spöttelnd, auch sarkastisch. Ebenso wird man dort Abstriche machen müssen, wo v. Hesse-Wartegg nicht eigene Beobachtungen mitteilt, sondern Kolportiertes oder einfach nur plumpe Vorurteile wiedergibt. Dennoch ist ein Band wie dieser besonders lesenswert, vor allem, wenn man sich für das Leben in Tunesien vor der Kolonialzeit interessiert. Quellen dazu sind selten, häufig in solchen Ländern selbst gar nicht vorhanden. Oft bilden die Berichte europäischer Reisender die einzigen erhaltenen Zeitzeugenschilderungen damaliger Verhältnisse. Besonders wichtig sind diese dort, wo es um die 'einfachen Leute' geht, deren Lebensbedingungen häufig 'zu uninteressant' oder 'zu gewöhnlich' waren, um schriftlich festgehalten zu werden. So finden wir bei v. Hesse-Wartegg neben einer breiten Darstellung der Hauptstadt und ihrer führenden Gesellschaftsschichten alleine drei ausführliche Kapitel zum Thema 'jüdisches Leben in Tunis', ebenso finden sich Abschnitte zu den Lebensverhältnissen von Berbern und Beduinen. Während v. Hesse Wartegg den ersten Teil des Buches ausschließlich Tunis und seiner Umgebung widmet, beschäftigt sich der zweite Teil mit Orten und Gegenden in der übrigen Regentschaft. Seine Reiseziele sind im Norden Mateur und Bizerte, die Siedlungen im Flusstal des Mejerda wie auch das antike Utika. Mit persönlicher Genehmigung des Beys besucht er die heilige Stadt Kairouan, reist dann in die Küstenzone des Sahel und schildert die Städte Mahdia, Monastir und Sfax. Aus dem Süden des Landes beschreibt v. Hesse-Wartegg Gabes, Zarzis und das tunesisch-libysche Grenzgebiet, sowie Gafsa und die Oasenlandschaft des Bled el Djerid und ihre Bewohner, nördlich des Salzsees.


Verlag: Books on Demand GmbH

ISBN: 3837007294

Preis: 19,95 €


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