Schleim, Stephan

Gedankenlesen

Gedankenlesen
  • Verlag: Heise
  • Erscheinungsdatum: 2007-11
  • Format: Broschiert
  • Umfang: 184
  • ISBN: 3936931488
  • EAN: 9783936931488
  • Amazon.de Verkaufsrang: 113.062
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Beschreibung von buecher.de

Die Hirnforschung hat eine dominante Rolle bei der Erforschung des Menschen eingenommen. Dabei findet sie manches wieder, das schon aus anderen Wissenschaften bekannt ist. In bestimmten Bereichen geht die Hirnforschung aber einen entscheidenden Schritt weiter, als es bisher möglich war. Dies wird insbesondere beim 'Gedankenlesen' deutlich, dem Versuch, im individuellen Gehirn nach bestimmten Mustern zu suchen, die mit subjektiven Bewusstseinszuständen einhergehen. Das Buch stellt die neuesten Ergebnisse der Hirnforschung allgemein verständlich und kritisch dar. Es führt den Leser von der Geschichte des Gedankenlesens über die Methoden der bildgebenden Hirnforschung schließlich zur aktuellen Grundlagen- und Anwendungsforschung. Die Anwendungen können gesellschaftlich brisant sein, wenn es etwa um das Erkennen verborgener Absichten, der sexuellen Orientierung oder von Lügen geht. Deshalb werden die Forschungsergebnisse abschließend auch im gesellschaftlichen, ethischen und juristischen Kontext diskutiert. Das Buch bietet damit allen an der Hirnforschung und Neurophilosophie Interessierten die Möglichkeit, sich über die aktuellen Ergebnisse auf dem Gebiet des Gedankenlesens sowie ihre gesellschaftlichen Konsequenzen ausführlich zu informieren.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Mimi fanden 8 von 8 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Nicht nur drei, sondern vier Wünsche auf einmal erfüllt

Sie wollen keine telepathischen Fähigkeiten erwerben.

Sie suchen nicht nach einem Persönlichkeitsratgeber.

Sie suchen sachliche Information zur Hirnforschung.

Sie wollen Unterhaltung.

Dann liegen Sie mit dem Buch "Gedankenlesen" von Stephan Schleim richtig:

In dem derzeitigen "Hype" um die Erkenntnisse der sogenannten Hirnforschung gelingt dem Autor der schwierige Spagat zwischen voreiligem Optimismus und unangebrachter Bedenkenträgerei. Stets fachlich fundiert und sachlich bringt er dem neuro- und kognitionswissenschaftlich interessierten Laien insbesondere die Grundlagen der sogenannten bildgebenden Verfahren in einer gut verständlichen Sprache auf unterhaltsame Weise näher und informiert ihn über den aktuellen Stand der Hirnforschung und ihrer praktischen Anwendungsmöglichkeiten von der Medizin bis zur Lügendetektion in Gerichtsverfahren. Illustrationen erleichtern zusätzlich das Verständnis.

Für Fortgeschrittene und durchaus auch für Studenten aus den Bereichen Medizin, Psychologie und Neurowissenschaften hält Stephan Schleim eine Auswahl an lesenwerten Fundstellen bereit, die sich nicht nur auf die in den einzelnen Kapiteln verwendeten Quellen beziehen, sondern außerdem Hinweise auf weiterführende Literatur geben.

Abgerundet wird das Buch durch zwei Artikel des Autors zum Thema "Hirnforschung", die in den vergangenen Jahren im Online-Magazin "Telepolis" erschienen sind.

"Gedanklich so weit gehen, wie der Verstand einen trägt, dabei aber voreilige Schlussfolgerungen vermeiden" - es ist zu wünschen, dass sich in Zukunft auch andere Forscher und Wissenschaftsjournalisten dieses Prinzip des Autors, mit dem das Buch schließt und dem es vollständig gerecht wird, zu Herzen nehmen.

3 von 5 Sternen Wir sind geborene Gedankenleser. Wie weit dürfen wir gehen?

Menschen sind geborene Gedankenleser. Wir haben die Fähigkeit, uns in die Gedankenwelt eines Anderen hineinzuversetzen. Und, wir wollen genau dies noch besser können. Richter möchten wissen, ob Angeklagte die Wahrheit sagen; Sicherheitskräfte herausfinden, was Terroristen denken; Mediziner und Angehörige erfahren, was in locked-in Patienten vorgeht. Wie weit dürfen, sollen oder müssen wir gehen? Die nötige Debatte wird bisweilen unsachlich, jedenfalls recht oft emotional geführt.

Wir können uns zu diesem Thema sinnvolle Gedanken nur machen, wenn wir die neurowissenschaftlichen Fakten verstehen, wenn wir wissen, was die neuen Verfahren zu leisten im Stande sind und was nicht. Andererseits dürfen wir die ethischen, gesellschaftlichen und philosophischen Zusammenhänge nicht außer Acht lassen. Um die Diskussion nicht nur in elitären Zirkeln führen zu lassen, muss ein solches "Orientierungswissen", wie es der Neuroethiker Thomas Metzinger im Vorwort nennt, in allgemeinverständlicher Form, zeitnah und leicht zugänglich verfügbar gemacht werden. Dieses Buch ist zweifellos ein Schritt in diese Richtung.

*Grundlagen, Anwendungen, ethische Aspekte *

Das Buch erklärt anschaulich verschiedene Verfahren, mit denen man Einblicke in das erhält, was im Kopf vorgeht. Eine übersichtliche Tabelle stellt Methoden und ihre Vor- und Nachteile gegenüber. Diverse Anwendungen, von der Grundlagenforschung über den "Lügendetektor" auf Basis der Magnetresonanztomographie (amerikanische Firmen bewerben bereits entsprechende Produkte) bis hin zur Medizin, kommen zur Sprache.

Ein weiteres Kapitel beleuchtet gesellschaftliche Folgen und ethische Aspekte. Die Forschung dringt einerseits in das Innerste des Menschen ein (Bewusstsein, Gedanken, Ehrlichkeit, sexuelle Orientierung) und neue, bisweilen fragwürdige Möglichkeiten eröffnen sich für das Rechtswesen, das Militär und den Geheimdienst. In besonderem Maße ist das Rechtswesen betroffen. Erinnert sich der Zeuge korrekt? Sagt der Angeschuldigte die Wahrheit? Bringt ein Lügendetektor Licht ins Dunkel? Der Mensch kann nur für seine Taten belangt werden, nicht für seine Gedanken! Wer soll ein Gerichtsurteil fällen, der Richter oder der Gutachter? Bislang ist es der Richter.

Es geht auch um Heilung und Linderung bei Erkrankungen des Gehirns, darunter zunehmend Alterserkrankungen. Und, um die einzige Hoffnung für manche Patientengruppen, über Gehirn-Computer-Verbindungen mit der Außenwelt zu kommunizieren (dies ist beispielsweise der Fall bei locked-in Patienten, deren Körper nicht mehr auf die Gehirnsignale reagiert).

*Als Einstieg ins Thema, okay*

Vor- und Nachteile, sowie Unzulänglichkeiten bildgebender Verfahren sind anschaulich erklärt; hier ist das Buch informativ. Ein klares Manko ist, dass der Verlag auf ein Sachregister verzichtet hat.

Ethisch-philosophisch schürft das Buch nicht allzu tief. Die prinzipiell wohlwollende Einstellung des Autors zu den bildgebenden Verfahren merkt man dem Buch an. Dies ist durchaus legitim, aber manche Passagen wirken mir gar zu kritiklos gegenüber einer doch offensiv voranschreitenden und vieles beeinflussenden Neurowissenschaft. Beispielsweise: "Würde man die neuronalen Mechanismen dieser Zustände besser verstehen, ließe sich Gesundheit und Krankheit besser auseinanderhalten". Dabei sind "gesund" und "krank" Begriffe, die nicht nur medizinisch, sondern auch psychosozial und gesundheitspolitisch definiert werden.

Insgesamt lässt mich die Paperback-Ausgabe eher an eine Broschüre als Textvorlage für ein Gremium denken, denn an ein ausgereiftes Buch zum Thema. Trotzdem könnte es dazu beitragen, die öffentliche Debatte zu versachlichen. Als Einstieg in die Thematik und für Denkanstöße ist es durchaus brauchbar; ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal.

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