Montaigne, Michel de

Von der Freundschaft und andere Essais

Von der Freundschaft und andere Essais
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2008-03-03
  • Format: Broschiert
  • Umfang: 239
  • ISBN: 3596900298
  • EAN: 9783596900299
  • Amazon.de Verkaufsrang: 168.020
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Beschreibung von buecher.de

Wenn ich mit meiner Katze spiele, wer weiß, ob sie sich nicht noch mehr die Zeit mit mir vertreibt, als ich mit ihr?« Unscheinbare, skeptische Fragen sind es, die Michel de Montaigne zu einem Vorbild des 21. Jahrhunderts machen. Vor 475 Jahren in eine Zeit der Glaubenskämpfe hineingeboren, hat Montaigne stets neugierig und kritisch auf sich selbst und seine Umwelt geschaut. Wo andere den Überblick zu haben glaubten, sah er vor allem die Beschränktheit eigener Perspektiven. Wo andere im Namen ewiger Wahrheiten Kriege führen, steht er für Toleranz und radikale Subjektivität.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von kpoac fanden 13 von 16 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Que sais-je? - der Wahlspruch eines Großen

Was hat er nur alles gedacht, dieser Michel de Montaigne (1533-1592), als er in seinem Turm saß und nichts als schäumende Ideen niederschrieb mit einer Präzision in der Beobachtung und in der Beurteilung, dass wahre Philosophie des Alltäglichen sich nahe ins eigene Innere schleicht. Alles in einer Zeit, die sich selbst nicht mehr kannte, die sich neu suchte im Streit und im Mord im Staate wie in der Religion. Montaigne ist somit etwas Besonderes, einer der sich wie Boethius den griechischen und römischen Maximen verschrieb, der in seinen drei Bücher umfassenden Essais Gedanken formulierte, die Alltägliches und Besonderes beschreiben und beurteilen, die einladen zur Selbstreflexion der Dinge und Erfahrungen des Lebens, wie Freundschaft, Furcht, Erziehung oder einfach über Bücher. Sie bringen geschichtliches sowie philosophisches. Wer nicht weiter weiß in seinem Denken, wird sogar hier der Hilfe fündig, wenn Montaigne über die Selbstbehinderung des Urteilsvermögen schreibt. Es ist kein Buch, welches man nur so liest. Es ist Begleiter am Schreibtisch, passend zur Hand und damit einladend zum spontanen Blättern und Lesen.

Nach ca. 410 Jahren und fortdauernde Aktualität verdient sein Werk eine besonderer Aufmachung, um den Leser zu erfreuen. Darum ist die große Ausgabe von bibliophiler Eleganz.

Die in seinem Vorwort aufgestellte Behauptung, "es gäbe keinen vernünftigen Grund, Muße für so einen nichtigen Gegenstand [wie seine Essais] zu verwenden", wird am Ende feststellen, dass es Montaignes Koketterie war, die ihn dazu veranlasste. Denn die Widerlegung der Behauptung ist das Werk selbst. Ehre für ihn ist sein Name an der Universität zu Bordeaux.

Diese Rezension von Helga König fanden 19 von 24 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen " Leben heißt sterben zu lernen" ( Montaigne)

Der französische Schriftsteller Michel de Montaigne ( 1533- 1592) legte seine Reflexionen über Philosophie, Geschichte, Politik , Literatur u.a. in seinen " Essais " nieder.

Damit schuf er eine eigenständige Form, die im Gegensatz zu Traktat eine subjektive, lockere, vielseitige Darstellung ermöglichte.

Montaigne knüpfte an den antiken Skeptizismus an, den er dogmatischen Wahrheitsansprüchen entgegenstellte.

Seine " Essais " zeigen Montaigne als typischen Sohn seiner Zeit: ein weltlicher Geist, kritisch, skeptisch - bemüht sich von Vorurteilen frei zu machen - .

Im Mittelpunkt seines Denkens steht der Mensch. Der Mensch der Renaissance, befreit von vielerlei Bindungen und im Bewusstsein ungeahnter neuer Räume und Möglichkeiten möchte das Rätsel seiner selbst ergründen.

Was ist der Mensch? Was ist unser Leben?

Seine Reflexionen gehen auf Staat und Politik, auf Geist und Wissen, Erziehung, Tugend und Tapferkeit, aber sie kehren doch immer wieder zurück zu Leben und Tod.

" Leben heißt sterben zu lernen" , so die Worte des Philosophen.

Der Tod scheint Bedingung und Teil unseres Wesens, das Werk unseres Lebens ist unseren Tod zu bauen.

Im vorliegenden Büchlein finden sich seine " Essais " Von der Freundschaft", " Dass unsere Empfindung des Guten und Bösen großteils von der Meinung abhängt, die wir davon haben ", " Philosophieren heißt sterben lernen", " Von der Einsamkeit" und " Von der Schonung des Willens ".

Die Texte sind wie viele andere Essais von Montaigne von großer gedanklicher Tiefe, scharf in der Beobachtung und dabei elegant im Ausdruck.

Um zu zeigen , wie der Philosoph schreibt möchte ich zwei Zitate anfügen, zum einen einen Gedanken aus seinem Essay " Von der Freundschaft" :" In der Freundschaft ist es eine allgemeine und alles erfüllende Wärme, milde überdies und gleichmäßig; eine beständige und ruhige, ganz Innigkeit und Zartheit, die nichts Brennendes oder Durchbohrendes hat. Mehr noch als dies, in der Liebe ist nur ein ungestümes Verlangen, nach dem, was flieht....... Sobald das Freundschaftsverhältnis eintritt, dass heißt die Übereinstimmung zweier Willen, verraucht sie und erlahmt. Der Genuss zerstört sie, weil seine Absicht körperlich und deren Sättigung unterworfen ist. Die Freundschaft wird in eben dem Maße genossen, indem sie begehrt wird, und keimt, nährt und wächst nur mit ihrem Genuss, weil sie geistig ist und die Seelen sich in ihrer Ausübung verfeinern."

Zum anderen eine Passage aus " Philosophieren heißt sterben lernen " : " Es ist ungewiss, wo der Tod uns erwartet: erwarten wir ihn überall. Die Besinnung auf den Tod ist die Besinnung auf die Freiheit. Wer sterben gelernt hat, der hat das Dienen verlernt. Sterben zu wissen, befreit uns von aller Unterwerfung und allem Zwang. Das Leben hat keine Übel mehr für den, der recht begriffen hat, dass der Verlust des Lebens kein Übel ist."

Ich hoffe, ich konnte Ihre Neugierde hinsichtlich des klugen Franzosen wecken.

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