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In einer seiner bekanntesten Schriften entwickelt Immanuel Kant mit atemberaubender Modernität ein Staatskonzept, das zum Ewigen Frieden nicht nur eine politisch argumentierende Öffentlichkeit voraussetzt, sondern auch internationale Rechtsverbindlichkeit fordert. 150 Jahre später beginnen die Vereinten Nationen ihre Arbeit daran. Aber Kant mischt sich in seinen anderen Schriften auch in Fragen der Alltagskultur ein, die nichts an Aktualität verloren haben, zum Beispiel das Raubkopieren
"Dann halten alle Menschen Frieden, / Allein die Philosophen nicht". (Kästner)Das Schild eines holländischen Gastwirts, ein Bild eines Friedhofes mit der Textzeile "Zum ewigen Frieden" mag in seiner ganzen Satire den großen Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) angeregt haben, eine besondere, auf dieser Welt bisher einmalige Schrift zu verfassen, die in der Revolutionszeit im Jahre 1795 erschien. Für Kant ein Jahrzehnt vor seinem Lebensende die Geburtsstunde für das Denken "zum ewigen Frieden".
Friede als nur das Ende der Revolution und als bloßen Waffenstillstand abzutun, liegt nicht im Interesse Kants, zumal er ihm das Attribut "ewig" anhängen wird. Kein Friedensschluss mit Vorbehalt, kein Tausch von Staaten, die er als Habe bezeichnet mit einer Gesellschaft von Menschen. Kein Waffenheer, keine Staatsschulden gegenüber anderen Staaten.
Der Friedenszustand unter Menschen ist, wie man meinen kann, durch Verbote zu erreichen. Friede ist kein Naturzustand, er muss gestiftet werden, wie Kant postulierte. In einer Gesellschaft, die Freiheit aller, eine Abhängigkeit aller zu einer Gesetzgebung und so vollständige Gleichheit verspricht, wird unter der Idee der Republik Recht und Friede gestiftet. Zwischen den Staaten gilt dann das Völkerrecht auf Basis des Föderalismus. Völker als Staaten werden wie einzelne Menschen betrachtet. Deren Maximen des Zusammenlebens gelten ebenso unter Staaten, das Recht hat zu siegen und nicht durch Sieg im Krieg das vorgebliche Recht. Trägt man diese Maximen unter eine Sonne, gilt das Weltbürgerrecht, nämlich als Recht auf dem Boden anderer nicht feindselig behandelt zu werden. Dieses Recht auf Hospitalität denkt bereits das allumfassende Recht als Grundlage einer globalen Wanderung und impliziert, dass sich der Fremde in einem für ihn fremden Land ebenso nicht feindselig verhält. Tritt dieses Weltbürgerrecht als oberste Maxime über alle Völker, Staaten und Menschen in Kraft, so findet die Rechtsverletzung dagegen im Prinzip an einem Platz statt und wird in allen gefühlt - und wird so als öffentliches Menschenrecht zum Codex das ewigen Friedens.
Gewährleister dieses Codexes ist die Natur selbst, die in ihrer Zweckmäßigkeit hervor leuchtet und die Friedenssicherung zuletzt notwendig macht, in dem sie a) für alle Menschen in allen Erdgegenden gesorgt hat, b) die Menschen durch Krieg in jeden Winkel der Erde getrieben hat und c) die Menschen gerade durch den Krieg in gesetzliche Verhältnisse genötigt hat.
Wenn Staaten wegen der in ihnen wohnenden Menschen wie einzelne Menschen zu behandeln sind, dann gelten für diese Staaten auch die Vernunftgründe, die sich im kategorischen Imperativ der praktischen Vernunft zeigen und zudem die moralischen Instanzen in ihnen selbst. Der Streit zwischen Moral und Politik kann objektiv aufgehoben werden, findet sich jedoch subjektiv verdeutlicht, wenn man den Vernunftmaximen nicht folgt.
"Trachtet allererst nach dem Reiche der reinen praktischen Vernunft und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch euer Zweck (die Wohltat des ewigen Friedens) von selbst zu fallen."
Auf einen ewigen Frieden ist aber gemäß Kästner in einem Fall zu verzichten: "Auf ewig ist der Krieg vermieden, / Befolgt man, was der Weise spricht; / Dann halten alle Menschen Frieden, / Allein die Philosophen nicht."
Kant hält gerade die streitbare Verfassung der Philosophen als Frieden sichernd. (Von der wirklichen Vereinbarkeit der kritischen Philosophie ...)
Lesenswertes, weil einmaliges Traktat; "Die Vorankündigung des nahen Abschlusses eines Traktats zum ewigen Friedens in der Philosophie" ebenso als frohe Aussicht.
"Alle Philosophie der Menschen kann nur die Morgenröte zeichnen; die Sonne muß geahnt werden." KantZwingt die Natur die Menschengattung zur Auflösung? Ist die vollkommene bürgerliche Gesellschaft die Lösung? Kant geht auf diese Gedanken näher ein und zeigt dem Leser das Ziel, die Entwicklung einer vollkommenen äußeren Staatsverfassung, in der sich die Menschheit ihren Anlagen entsprechend völlig entwickeln kann. Dabei geht er von den Naturanlagen der Geschöpfe aus, die sich vollständig und zweckmäßig entwickeln wollen. Er zeigt dem Leser, die menschliche Vernunft strebt immer nach Freiheit. Diese gliedert er dann für ein ideales Staatsgebilde wie folgt:
1. Freiheit jedes Gliedes des Staates, als Mensch.
2. Gleichheit der Menschen mit jedem anderen, als Untertan.
3. Selbständigkeit eines jeden Gliedes, als Bürger.
Kant zeigt das Spannungsfeld auf zwischen den unterschiedlichen Interessen: Der Souverän will das Volk nach seinen Begriffen glücklich machen und wird Despot; das Volk will sich seinen Anspruch auf eigene Glückseligkeit nicht nehmen lassen und wird Rebell. Kant sieht die Philosophie als einen notwendigen "Gerichtshof" an, der hilft zur Einsicht und zur höchsten Weisheit zu gelangen. Er geht am Ende des Buches kurz auf Plato, Pythagoras, Aristoteles und Archimedes ein.
Kant erklärt in seinem Entwurf zum ewigen Frieden weiter sechs zentrale Punkte, die beachtet werden sollten um den Frieden auch zwischen unterschiedlichen Staaten zu gewährleisten.
Kants Gedanken (oft etwas kompliziert formuliert) waren seiner Zeit sicherlich weit voraus. Seine Visionen sind inzwischen zur Realität geworden, denn die meisten seiner Grundgedanken wurden von den europäischen Staaten und Gesetzgebern aufgegriffen und umgesetzt.
Brockhaus-1809: Immanuel Kant · Immanuel Kant
Brockhaus-1837: Schriften · Kant
Brockhaus-1911: Pseudoclementinische Schriften · Schriften · Kant · Kant-Laplacesche Theorie
DamenConvLex-1834: Kant, Immanuel
Eisler-1912: Kant, Immanuel · Kant
Herder-1854: Aachner Frieden · Schriften · Kant
Kirchner-Michaelis-1907: Kant-Laplacesche Kosmogonie
Meyers-1905: Quelle der ewigen Jugend · Beweis zum ewigen Gedächtnis · Nautĭcus-Schriften · Pseudoclementinische Schriften · Fette Schriften · Kant · Kant-Laplacesche Theorie
Pierer-1857: Münsterscher Frieden · Aachner Frieden · Vermischte Schriften · Fette Schriften · Kant