Massaquoi, Hans J.

'Neger, Neger, Schornsteinfeger!'

'Neger, Neger, Schornsteinfeger!'
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2008-05-06
  • Format: Broschiert
  • Umfang: 507
  • ISBN: 3596180295
  • EAN: 9783596180295
  • Amazon.de Verkaufsrang: 49.307
Bestellen Sie über obige Links! Sie fördern dadurch die Digitalisierung weiterer Bücher, da Zeno.org eine Provision von dem Sponsor erhält. Wann immer Sie etwas bestellen möchten - prüfen Sie vorher die Millionen von Angeboten, die im Zeno.org-Shop beschrieben sind. Bookmarken Sie die Einstiegsseite in den Zeno.org-Shop für spätere Gelegenheiten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Beschreibung von buecher.de

Der Führer« kommt nach Hamburg. Die Straßen, durch die sein Konvoi rollt, sind gesäumt von begeistert jubelnden Schulkindern. In dem Meer von blonden und blauäugigen Schülern ein achtjähriger Junge mit brauner Haut, krausen Haaren und noch kindlichem Enthusiasmus. Vorerst erreichen ihn nur die Spottverse gleichaltriger Nachbarskinder: »Neger, Neger, Schornsteinfeger!«
Eines Tages aber wird man den Jungen vom Spielplatz jagen mit der schlichten Bemerkung: »Kannst du nicht lesen? Das Betreten dieses Platzes ist nur Ariern erlaubt.« Hans J. Massaquoi beschreibt in seiner Autobiographie seine Kindheit und Jugend zwischen 1926 und 1948 als einer der ganz wenigen schwarzen Deutschen in diesem Land. Seine Hautfarbe bewahrte ihn unter anderem davor, Nazi zu werden. Und sie verhinderte, dass er in den Krieg geschickt wurde wie viele seiner Mitschüler, die nie zurückkamen.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Hans Jürgen heißen und in Hamburg wohnen: nichts besonderes. Aber Massaquoi heißen, schwarz sein und in Nazideutschland leben: Ja, ging denn das überhaupt? Das Buch erzählt davon. Als Hans Jürgen klein ist, lebt er beim Großvater in einer Villa mit Personal. Opa ist vornehm und sehr geachtet, Konsul des Staates Liberia. Der kleine Hans Jürgen sieht Schwarze als Herren, Weiße eher als Bedienstete. Eines Tages ist er mit seiner Hamburger Mutter plötzlich allein: Neger, Neger Schornsteinfeger rufen ihm die Kinder hinterher. Nicht lange, denn schnell ist er integriert. Ein kleiner Barmbecker Arbeiterjunge -- nicht mal elektrisches Licht gibt es zu Hause -- mit dunkler Haut und krausem Haar. Bei der Hitlerjugend hätte er gern mitgemacht, wäre gern auf die Oberschule gegangen, gern Deutscher Meister im Boxen geworden, ja zur Not sogar freiwillig Soldat! Alles das aber gab es nur für Arier. Allerdings, er überlebt: Die Nazis sind mit der Verfolgung der Juden beschäftigt. Was mit Massaquoi geschehen wäre, wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte, der Rassen-Wahnsinn weitergegangen wäre, kann man sich ausmalen. Wer Ralph Giordanos Die Bertinis gelesen oder als Fernsehfilm gesehen hat, wird hier auch einen Seitenstrang zur dort erzählten Geschichte wiederfinden: Ralph und Hans Jürgen, Jude der eine, schwarz der andere, begegnen sich sogar im Hamburg der Bombenangriffe. Sie sind bis heute miteinander befreundet. Nach dem Krieg bleibt Massaquois Leben abenteuerlich und endet als amerikanische Erfolgsstory: Nacheinander gelingen ihm der Sprung in die USA, ein Studium und eine Karriere beim Magazin Ebony. Dicke Leseempfehlung, spannendes Buch, gut übersetzt: Vor dem Verschenken unbedingt selber lesen! --Michael Winteroll

Audiobook-Rezensionen

Dass es im Nazi-Deutschland wenig Schwarze gab, kann man sich vorstellen. Schon allein deshalb ist die außergewöhnliche Autobiografie von Hans J. Massaquoi, eines schwarzen Deutschen bemerkenswert. Und in Zeiten von ansteigenden neonazistischen Aktivitäten ist diese Kindheitsgeschichte mit Sicherheit ein wichtiges Dokument. Als kleiner Junge wollte er unbedingt ebenso wie seine Schulkameraden zur Hitlerjugend. Im Teenageralter dann wollte er, wieder nur um nicht ausgegrenzt zu sein, zur Wehrmacht. Beides wurde ihm verwehrt. Der Sohn einer deutschen Krankenschwester und eines liberianischen Vaters kam 1926 zur Welt. Hans-Jürgen lebte mit seiner Mutter in der großbürgerlichen Familie seines Großvaters, des liberianischen Generalkonsuls in Hamburg. Kurz vor Hitlers Machtergreifung blieb er allein mit seiner Mutter in Deutschland zurück - und musste von nun an unter den schlimmsten Diskriminierungen leiden: Er wird vom Spielplatz gejagt, in der Schule ausgegrenzt, zurückgesetzt. Seine braune Haut bewahrte ihn allerdings auch vor dem Kriegsdienst. Hans J. Massaquoi ging drei Jahre nach Kriegsende nach Liberia und 1950 in die USA. Er studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Bei "Ebony", der bedeutendsten afro-amerikanischen Zeitschrift der USA arbeitete er und wurde später dort Chefredakteur. Christoph Lindert, bekannter Bühnen- und Filmschauspieler, der sich auch durch zahlreiche Hörbuch-Lesungen einen Namen gemacht hat, liest diese außergewöhnliche Geschichte. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen lässt er die ungeheuerlichen Erfahrungen und Erlebnisse eines Jungen mit brauner Haut lebendig werden. Eines Jungen, der es schaffte, in Hamburg in den Jahren zwischen 1925 bis 1948 zu überleben. Lesung, Spieldauer: ca. 392 Minuten, 6 CD. Auch als MC erhältlich. -- culture.text

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von lil_tulpen fanden 21 von 23 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Sehr greifbar und ergreifend erzählt

Ich habe mir das Buch aufgrund der Empfehlung eines Bekannten gekauft und habe es selbst nach dem Lesen vielen Freunden weiterempfohlen, die alle ebenfalls begeistert waren. Hans-Jürgen Massaquoi hat ein einzigartiges Dokument aus der Zeit des Dritten Reiches geschaffen indem er seine Kindheit und Jugend unter Hitlers Regime aus einer nie dagewesenen Perspektive erzählt. Da seine Erzählungen nicht rein geschichtlich gehalten sind und er auch viele lustige Anekdoten anbringt wird alles sehr viel greifbarer als es bei anderen Werken der Fall ist. Angereichert mit einigen Fotos wird der Leser schnell vertraut mit den "Figuren" und beim Zuklappen des Buches tat es mir fast ein wenig leid, mit diesen "Freunden" abschließen zu müssen.

Diese Rezension von Eva Hildebrandt fanden 12 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Nicht nur für Barmbeker

Ein Buch, das in vielerlei Hinsicht unter die - in meinem Falle weiße - Haut geht. Einen besonderen Bezug habe ich zu diesem Buch, weil ich selbst in Hamburg-Barmbek aufwuchs, wenn auch ca. 4 Jahrzehnte nach Massaquoi. Es ist schon merkwürdig, welches Gefühl da hochkommt, während man über den Bombenhagel auf die bekannte Nachbarschaft liest. Plötzlich ist das Grauen sehr nah.

Mut machend ist es, weil Massaquoi das beste Beispiel dafür ist, dass man es trotz allergrößter, fast unvorstellbarer Widrigkeiten schaffen kann etwas besonderes aus seinem Leben zu machen und Erfolg und Glück zu erlangen.

Wunderbar geschrieben, lebhafte Bilder im Kopf, mitleiden, mitzittern, mitlachen - "Abenteuer" bestehen. Und eine Mahnung ohne erhobenen Zeigefinger - nie wieder Krieg (und doch findet ständig irgendwo auf der Welt einer statt), nie wieder Rassenhass (oder besser; nicht schon wieder? Nicht immer noch?). Ein Buch, eben nicht nur für Barmbeker. Danke Hans J. Massaqoui !

Diese Rezension von Klaus Prinz fanden 9 von 10 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein kleiner Karpfen im Hechtteich

Ein sechsjähriger Junge wird eingeschult. Es ist ein farbiges Kind. Insofern ist dies nichts Besonderes, weil dies jedes Jahr vermutlich Millionen von kleinen farbigen Kindern auf der ganzen Welt passiert. Aber man schreibt das Jahr 1932 und die Schule steht in Hamburg Barmbek. Und vier Jahre später wird dieses Kind sogar im örtlichen Büro der Hitlerjugend vorstellig und möchte Hitlerjunge werden, um auch dazu zu gehören.Inmitten einer sich wandelnden Gesellschaft findet der kleine Hans-Jürgen einen Weg relativer Normalität, denn die Nazis haben derweil andere Prioritäten: "Zu euch Negern kommen wir später, wenn wir mit den Juden fertig sind.", teilt man ihm vorsorglich mit.So halten wir eine kurzweilige biographische Erzählung in Händen, die aus ungewöhnlicher Perspektive Einblicke gewährt in die schwierigen Zeiten einer Stadt und eines Jungen. Dieser Junge lernt sich durchzubeißen und lässt sich einfach nicht unterkriegen. So wie die Stadt.Zitat:

"Ich hoffe, dass meine Geschichte die Lehre vermittelt, die ich selbst aus der kurzen, aber bedeutsamen historischen Phase gezogen habe, zu deren unmittelbaren Zeugen mich das Schicksal ausersehen hat: Wenn das entsetzliche Geschehen in Deutschland möglich war - dem Land Goethes und Schillers und solcher Musikgenies wie Beethoven, Bach und Brahms -, dann ist es überall möglich.

Rassismus, so meine Erfahrung, ist wie ein schlummerndes Virus in einem ansonsten anständigen Menschen, das durch politische Agitation und Demagogie virulent wird. Die Deutschen haben auf diese Krankheit kein Monopol."

Diese Rezension von IvonneWenig@web.de fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Dieses Buch legt man nicht aus der Hand.

Die Augen des kleinen schwarzen Jungens sehen den Betrachter eindringlich an. - Augen - der Spiegel der Seele, in diesem Fall auch ein Spiegelbild des Buches. Trauer, Nachdenklichtkeit und das nachhaltige Gefühl eine so himmelschreiende Ungerechtigkeit nicht mehr zuzulassen bleiben dem Leser. -Rassismus- Heute aktueller den je! Lernen wir nicht aus der Vergangenheit? Warum? Was kann ein KIND für seine Hautfarbe,Herkunft, Glauben? Ich weiß es nicht.

Diese Rezension fanden 8 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Muss für alle Hamburger!

Die Nazi- Zeit in Deutschland aus der Sicht eines Kindes, eines schwarzen Kindes. Der Autor dieses Buches schreibt seine Biographie so anschaulich, dass man denkt es wäre gestern passiert. Hier wird nichts verschönt, bereits nach der ersten Seite teilt man die Sorgen und Ängste des kleinen Hans Jürgen, dem erst spät bewusst wird, warum er anders ist als andere, obwohl er sich doch durch und durch als waschechter Hamburger fühlt! Eins wird klar: Das Leben muss trotz des hereinbrechenden Unheils weitergehen. Hitler ist zwar allgegenwärtig, doch gleichzeitig weit entfernt. Geboren in vornehme Verhältnisse am Rothenbaum, wächst Hans Jürgen mit seiner Mutter in Barmbek auf. Wegen seiner Hautfarbe bereits in der Schule geächtet,entwickelt er einen Selbstschutz um zu Überleben. Er erlebt den Rassenwahnsinn hautnah, die Gehirnwäsche des Nazi- Regimes in Gestalt seiner Nachbarn und Lehrer. Dieses Buch zeigt dem Leser wie das alltägliche Leben weiterging, Schulfreunde, Pubertät, der erste Job- manchmal wurde der Krieg zur Nebensache, wenn es darum ging die kleinen Probleme des Lebens zu meistern. Hier wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt oder an das Gewissen apelliert, hier wird sehr erfrischend und mal wirklich aus anderer Sichtweise erzählt! Durch die vielen Schauplätze in Hamburg besonders anschaulich. Ich bin so begeistert und kann das Buch jedem nur ans Herz legen!

'Neger, Neger, Schornsteinfeger!'



Empfehlungen

Massaquoi, Hans J.
12,00 €



Regie: Grünler, Jörg; Darsteller: Ferres, Veronica; Felder, Max; Fassbender, Lea; Kinsler, ...
15,99 €

Andersen, Hans-Christian; Nikoloudakis, Evangelia
9,80 €

Massaquoi, Hans J.
10,95 €


Massaquoi, Hans J.
8,95 €


Hacke, Axel; Sowa, Michael
8,90 €

Hacke, Axel
8,90 €



Bookmarks
delicious wong linkarena google