Heinrichs, Dirk

Da hab ich nur noch Rot gesehen

Da hab ich nur noch Rot gesehen
  • Verlag: fredeboldundfischer Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2008-04-17
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 304
  • ISBN: 3939674141
  • EAN: 9783939674146
  • Amazon.de Verkaufsrang: 121.546
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Beschreibung von buecher.de

Was ist nur los mit unseren Kindern? Eine Schreckensmeldung jagd die andere: Pisa und immer mehr Schulabbrecher. Jugendarbeitslosigkeit, Armut und Verwahrlosung. Zunehmender Drogenkonsum, ansteigende Gewaltbereitschaft und Kriminalität bis hin zu Amokläufen. Hängt das alles miteinander zusammen und woher kommt vor allem die wachsende Gewalt? Dieser Frage hat sich Dirk Heinrichs in seinem Buch angenommen, in dem er jugendliche Gewalttäter und Opfer aus ihrem Leben erzählen lässt. Da wird beleidigt, gedroht, abgezogen und geprügelt. Aber da wird auch in erschütternden, teils bewegenden Geschichten deutlich, wo die Ursachen dafür liegen und wo wir ansetzen müssen, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen und ihnen und uns zu helfen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Simon-uruk fanden 7 von 7 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ohne Schnörkel, sensibel und mit hervorragendem Taktgefühl

...fragt Dirk Heinrichs in diesem Buch Menschen nach ihren Erfahrungen mit Gewalt. Dabei lässt er "Täter" und "Opfer" zu Wort kommen und macht einmal mehr deutlich, dass diese Grenzen fließend sind. Wer die Begriffe Täter und Opfer statisch versteht, sozusagen als Persönlichkeitsmerkmal, der bekommt hier schmerzhaft den Zahn gezogen. Gewalt ist immer eingebettet in Biographie - Wenn Dirk Heinrichs bei dieser Aussage geblieben wäre, dann hätte er den vielen Büchern zum Thema noch einen Allgemeinplatz hinzugefügt. Hier wird aber etwas anderes versucht, nämlich zu zeigen, dass Tätersein und Opfersein auch etwas Situatives ist. Dass es Menschen gibt, die sich ändern wollen, aber nur schwer können, andere, die es können. Dass es manchmal ganz schnell geht, vom Opfer zum Täter und umgekehrt zu werden. Und: Es gibt sie eben auch, die Menschen, die gewalttätig werden und dann doch Verantwortung übernehmen für ihre Handlungen - etwa da, wo Kontakt zu den Opfern der Tat gesucht wird.

Im Vorwort sagt er: Jede Gewalt hat eine eigene Geschichte. Das ist eine der wesentlichen Aussagen des Buches.

Den Gedanken, dass es eben "dort auf der anderen Seite" die Schlechten, die Gewalttätigen stehen, und auf der anderen Seite, - nämlich immer auf meiner! - die Sanften, Gewaltlosen: Diesen Gedanken legt man nach der Lektüre des Buches ad acta. Und man ist sich klar darüber, dass es uns eben alle betrifft, dieses Thema, dass es diffizil ist und nicht mit Stammtischparolen zu lösen.

Stark ist das Buch da, wo es die Sprachlosigkeit der Jugendlichen verdeutlicht. Etwas in dem ersten Interview mit einem 16-Jährigen, der selten mehr als Dreiwort-Sätze herausbringt. Aber auch da, wo deutlich wird, dass der Wortschatz zu reduziert ist, um Gefühlen oder Gedanken Ausdruck zu verleihen. Nicht umsonst heißt der von Heinrich gegründete Verein "Sprache gegen Gewalt". Wo Worte fehlen, da ist die Faust schnell erhoben.

Das Buch gibt vielen eine Stimme: jugendlichen Gewalttätern, Opfern häuslicher und anderer Gewalt, dem Anwalt, der Polizisten, dem Vollzugsbeamten, Mädchen (als Opfer und Täterinnen), Wissenschaftlern. Und so entsteht in dem Zusammentragen der unterschiedlichen Blickwinkel ein vielschichtiges Bild einer Gesellschaft, die - und darauf macht D. Heinrichs aufmerksam - noch viel zu oft wegsieht, weil es eben die "anderen" betrifft.

Der Autor stellt Fragen kurz, knapp, gezielt und nie pädagogisch, man spürt das menschliche und authentische Interesse. Dabei hält er sich selbst im Hintergrund und lässt den Interviewpartner viel viel Raum. Das Thema wird nicht vom Interviewer bestimmt, sondern von dem, der was zu sagen hat. Das ist taktvoll und klug und damit wahrscheinlich weiter führend als das, was man heutzutage oft in den Medien beobachten kann: Da wird mit voyeuristischem Interesse nach Blut gefragt, weil Quoten erfüllt werden müssen, da wird Täter und Opfer Detailwissen abgequetscht. Auf dies verzichtet der Autor des vorliegenden Buches. Details sind nebensächlich, die Geschichte des jeweiligen Protagonisten ist wichtig. Wer nun glaubt, hier wäre ein Buch vorgelegt worden, indem es einmal mehr um Ich-hatte-eine-schlimme-Kindheit-und-deshalb-muss-ich-schlagen-usw. geht, der wird enttäuscht. Ja, sagt Heinrich; es stimmt: Täter waren meist auch Opfer. Aber dies stimmt auch: Viele Opfer von Gewalt werden keine Täter, andere werden es und besinnen sich und - last but not least - es gibt auch Gewaltbereitschaft, die durch nichts zu erklären ist. Wer möchte sich nicht zurücklehnen, müde der Gewaltdebatte und sagen: "Mein Gott, ich kann es nicht mehr hören: Schlimme Kindheit." Oder: "Du liebe Güte, bei dem Strafvollzug ist es doch kein Wunder." Oder: "Da hat unser Bildungssystem versagt!" Oder: "Die Eltern sind schuld!" - Immer nach jeweiliger Position. DAS verdirbt uns der Autor. Mit Recht!

Ich finde, dass nach der Lektüre dieses Buches vor allem eins deutlich ist: Mit gegenseitigen Schuldzuweisungen der verschiedenen Gruppen wird sich nichts ändern! Vielleicht aber dadurch, dass man miteinander redet, dass man den anderen mal erzählen lässt. Die Gespräche, die Dirk Heinrichs geführt hat, streben nicht nach einer einfachen Lösung, sondern sie verdeutlichen gerade in diesem Verzicht, dass es wenn, dann nur gemeinsam geht.

Ich wünsche mir mehr von solchen Büchern. Fazit: Bravo, five Stars! Da hat mal einer nachgedacht!

Diese Rezension von Huelsbeck fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Muss für Eltern/Schüler/Pädagogen/Politiker

Keins, der auf dem Markt befindlichen Bücher zum Thema Jugendkriminalität zeigt so unzensiert worum es tatsächlich geht. Nicht die Polemisierung aus dem hessischen Wahlkampf von Koch, oder die schönfärberei anderer Politiker sind hier das Thema sondern einfach nur die Wahrheit. Dieses Buch gehört gelesen. Danke dass ich es lesen durfte.

Diese Rezension von Gabriele Schröter fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wichtig zu Lesen! Einfach für jedermann!!! 5 Sterne

In diesem Buch werden wichtige Themen behandelt, die den Menschen hauptsächlich vorenthalten werden...dort wird in vielen Interviews mit den verschiedensten Leuten gezeigt, das verurteilte Täter nicht einfach nur böse sind,sondern das sie schlimme Vergangenheiten hatten und Leute brauchen die mit ihnen reden. Unser heutiges System bietet aber leider nicht genug Personen an die sich dem annehmen... und das ist das eigentliche Problem...nicht unbedingt die Straftat selber denn die kann man verringern.

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