Janssen, Gerd

Forelle, Schwarzstorch, Flatterulme - Indikatoren lebendiger Bäche und Flüsse

Forelle, Schwarzstorch, Flatterulme - Indikatoren lebendiger Bäche und Flüsse
  • Verlag: Books on Demand
  • Erscheinungsdatum: 2007-12-21
  • Format: Broschiert
  • Umfang: 180
  • ISBN: 3833487917
  • EAN: 9783833487910
  • Amazon.de Verkaufsrang: 998.896
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Beschreibung von buecher.de

Gerd Janssen hat 1979 als Angler damit begonnen, die Meerforelle in den Elbe-Nebenflüssen Pinnau und Krückau wieder einzubürgern. Das Augenmerk galt dabei immer dem Lebens-raum Bach in seiner Gesamtheit. Diese ganzheitliche Betrachtungsweise schließt die im Titel dieses Buches genannten Arten Forelle, Schwarzstorch und Flatterulme ein, beschränkt sich aber nicht darauf. Daneben war es ihm immer wichtig, seine praktischen Erfahrungen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Gewässerrestaurierens einem breiteren Adressatenkreis zu vermitteln. Das waren zunächst vor allem die Angler, doch schon bald auch seine Schüler und darüber hinaus verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen bis hin zur Industrie- und Handelskammer. In seinen Veröffentlichungen griff Gerd Janssen schon früh Problemfelder auf, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben und deren praktische Umsetzung vielfach noch aussteht. So geht es um das nach wie vor problemgeladene Thema der Gewässerunterhaltung. Mit Kompromissbereitschaft sind durchaus Ergebnisse zu erzielen, der Autor macht aber auch deutlich, wo die Grenzen des Hinnehmbaren liegen. Einen entscheidenden konzeptionellen Schritt voran tat Gerd Janssen, als er bereits 1988 die Einbeziehung der Talaue und Waldbildung in den Talauen als Teil zukunftsweisender Gewäs-serrestaurierung forderte. In der Folge sind diese Aspekte immer wieder Gegenstand seiner Arbeiten vor Ort und seiner Veröffentlichungen gewesen. Die Entwicklung hin zum Wald-bach hat er schlüssig als notwendige Voraussetzung für das durch die EG-Wasserrahmenrichtlinie geforderte Erreichen des 'guten ökologischen Zustands' begründet.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
5 von 5 Sternen Weit vorausschauend und tatsächlich vernetztes Denken

"Forelle, Schwarzstorch, Flatterulme" lautet der Titel eines Buches, in dem Indikatoren lebendiger kleiner Flüsse und Bäche dargestellt werden, insbesondere Verlauf und Struktur dieser Fließgewässer. Bei der Lektüre des Buches wird deutlich, dass der Titel zwar ungewöhnlich jedoch gut gewählt ist. Und ungewöhnlich für eine gewässermorphologische Darstellung ist auch die Art des Buches. Es ist eine Sammlung von Schriften des Lehrers Gerd Janssen aus dem letzten Vierteljahrhundert, dem damit ein kleines Denkmal gesetzt wird - zu Recht.

Vor drei Jahrzehnten war der Rezensent stolz, als einer der von ihm betreuten Referendare ein Chemikalien zusammenbraute, einen Satz zusammenstellte und mit diesem in einer Hebammentasche die regelmäßigen Untersuchungen des eines Flusses begann. Gerd Janssen hat in dieser Zeit - weit vor den ab dem Jahr 2000 geltenden Wasserrahmenrichtlinien - nicht nur das Medium Wasser biologisch, chemisch und physikalisch untersucht, sondern bereits damals die kleinen Fließgewässer in ihrer Funktion als Lebensraum betrachtet.

Wenn man sich die Gewässergütekarten der letzten drei Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts ansieht, erkennt man leicht, in welch großem Ausmaß die Gewässergüte sich verbessert hat. 200 Mrd. € wurden in Klärwerke investiert und die biologische und chemische Güte des Wassers hat sich damit massiv verbessert.

Gerd Janssen zeigte jedoch, dass es damit noch nicht sein Befinden hat. Das Wasser als Lebensraum, funktionstüchtig, ein Gewässer, das die Wiederansiedlung verloren gegangener Arten, Flusskrebs, Forelle, Lachs und Neunaugen, möglich macht, all das verlangt weitaus mehr als stimmige pH-Werte und Sauerstoffkonzentrationen: Dynamik im Gewässer, Durchgängigkeit und Nahrungsketten. Bewertungsmaßstab sin die pflanzliche und tierische Lebenswelt.

Diese Blickweise ist der eine Grund, weshalb das Buch für engagierte Lehrkräfte lesenswert ist. Schritt für Schritt und, das es ja eine Aufsatzsammlung ist, auch mit Wiederholungen (die die jeweilige Wichtigkeit des Gedankens deutlich machen) werden die die Fließgewässer beeinflussenden Faktoren und ihre jeweiligen Wechselwirkungen dargestellt. Verlauf der Fließgewässer, Beschaffenheit und Bewuchs des Ufers, seine Ausprägung mit Prall- und Gleithang, Gewässerprofil, Gewässertiefe, Fließgeschwindigkeit, Kies- und Geröllbetten, die Sohle mit Kolk und Rausche), Lebensgemeinschaft des Interstitials, Licht-, Sauerstoff- und Temperaturverhältnisse. Der Leser wird bei der Entfaltung des Gedankens und der Sichtweise mitgenommen, wirklich von alleine erschließt sich einem eine tatsächlich vernetzte Sichtweise.

Der andere Grund, dies Buch in die Hand zu nehmen, liegt in der Arbeitsweise von Gerd Janssen begründet. Erwin Stresemann und Konrad Lorenz haben wiederholt darauf hingewiesen, dass weite Teile zoologischer Erkenntnis nicht ohne die Hobby-Ornithologen möglich gewesen wären. Gerd Janssen arbeitete mit Anglern, Gewässerunterhaltungsverbänden, Landwirten, Förstern, Industrie- und Handelskammer zusammen. Nicht Angeln oder Naturschutz, sondern Angeln und Naturschutz ist sein Thema. Die Befischung wird nicht in Frage gestellt, sondern die gemeinsamen Ziele werden erarbeitet und realisiert. Und dann findet man wieder bei den kleinen Bächen die Flatterulme und den Schwarzstorch, Indikatoren tatsächlicher Bachrenaturierung.

Und er ist Lehrer. Nach dem deutschen PISA-Debakel wird mit diesem Buch eine möglich Antwort darauf gegeben, was zu tun ist: Herausgehen und die Dinge anpacken und was da möglich ist, beschreibt Gerd Janssen deutlich, doch lesen Sie selber.

5 von 5 Sternen Notwendige und erfolgreiche Verbesserungen für Tieflandbäche

Seit der ersten Ökologisierung des deutschen Wasserrechts im Jahr 1977 sind 30 Jahre verstrichen. Bereits damals wurde hervorgehoben, dass jedermann darauf zu achten habe, die biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften der Gewässer nicht weiter zu verschlechtern. Der amtliche Gewässerschutz hat in den Folgejahren mit konsequent eingesetzten Umweltschutzverfahren gute Erfolge in der Abwasserreinigung erzielt.

Neben diesen primär auf chemische Gewässerentlastung zielenden Aktivitäten wiesen eine Vielzahl engagierter Menschen darauf hin, dass Verbesserungen nicht nur für das Medium, sondern auch die Funktion der Gewässer als Lebensraum dringend erforderlich seien. In mühsamer Kleinarbeit versuchten die meist aus Angler- und Naturschutzkreisen kommenden Aktiven, international bekannte Handlungsoptionen den Verantwortlichen näher zu bringen. Es muss leider festgestellt werden, dass diese aufreibende grass roots-Aktivität nur einige wenige Menschen der ersten Stunde bis heute, die Mitte der Wasserrahmenrichtlinien-Periode (2000-2015), durchhalten ließ.

Einer dieser früh Aktiven ist der Lehrer Gerd Janssen aus Barmstedt, Schleswig-Holstein. Von Anfang an suchte er den Kontakt zu den Zuständigen aus Wasserwirtschaft und Naturschutz, vor allem aber auch zu den eigentlich Handelnden, den Unterhaltungsverbänden. Mit Bezug auf Indikatororganismen aus Zoologie und Botanik ist es ihm immer gelungen, auch der interessierten Öffentlichkeit notwendiges und mögliches Handeln vor Augen zu führen. Immer war auch der im offiziellen Handeln so lange vermisste Zusammenhang zwischen Fließgewässer, Aue und gesamtem Einzugsgebiet Inhalt seiner Anstrengungen. Zum Erstaunen vieler gelingt es ihm durchweg, Begeisterung für lebendige Bäche und Flüsse zu wecken und neue Aktive beim Gewässerverbessern einzubeziehen. Die vorliegende Sammlung einiger seiner Schriften gibt ein treffendes Bild über den Ablauf dreier Jahrzehnte Fließgewässerschutz. Erreichtes, aber auch - insbesondere in Bezug auf angepasste Landnutzung und Gewässerunterhaltung - weiter dringend Notwendiges werden gleichermaßen plastisch dargestellt.


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