Die Wahl eines Präsidenten - sei es auch einer Gestalt wie Sarkozy - ist noch lange kein Ereignis. Beunruhigend ist, so Badiou, weniger die Figur Sarkozy als vielmehr dasjenige, wofür er steht: die Angst. Die primitive Angst vor dem jeweils anderen und die Angst vor dieser Angst, welche die Linke in ihrem Handeln lähmt. In ausdrücklicher Skepsis gegenüber der demokratischen Operation der Wahl per Stimmabgabe beschreibt Badiou den 'kleinen Sarko' als mediokren Vorstadtkarrieristen und übereifrigen Polizeibeamten, als den Ausdruck einer Gesellschaft, die dem Pétainismus der vierziger Jahre näher denn je steht. Das Reale unserer heutigen Welt ist der Krieg: im Inneren und außerhalb. Dies ist eine Wahrheit, die es zu benennen gilt. Woran es in dieser Situation fehlt, so Badiou, ist Mut, ist Courage. Hier geht es darum, die möglichen Grundlagen eines wirklichen Ereignisses zu skizzieren: die Behauptung des kreativen Aktes der Kunst, die Freiheit der Wissenschaft von sämtlichen ökonomis
chen Interessen, die Verpflichtung der Medizin, die Freiheit des gedruckten Wortes, die Gleichheit und die Liebe. Damit aber von künftigen Ereignissen gesprochen werden kann, muß den vergangenen die Treue gehalten werden: etwa dem Ereignis des Mai '68 als dem Ereignis einer Begegnung par excellence. Verfasst in einem Stil zwischen Manifest und Pamphlet, zeigt Badious Text: Es geht darum, laut zu werden und die Stimme zu erheben.