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Das Brahmasutra, das Fundament der Vedanta-Philoshie
Badarayana (auch Vyasa genannt) kodifizierte den Vedanta,um die richtige Perspektive bei der Interpretation dieser tiefgründigsten und bedeutungsvollsten Inhalte der Upanischaden neu zu beleben. Raphael, Weisheitslehrer des Westens und umfassender Kenner der östlichen Überlieferung, drückt sich in Begriffen aus, die vor allem für den westlichen Leser verständlich sind. So ermöglicht er, dieses älteste und weltweit bekannteste Grundlagenwerk des Vedanta in seinen spirituellen, philosophischen und ethischen Dimensionen korrekt zu erfassen.
Ein Buch für Ernsthafte!Wenn du kein/e Kenner/in der indischen Upanischaden und/ oder des Vedanta bist, oder nicht bereits viele andere Bücher von Raphael gelesen hast, würde ich dir dieses Buch (noch!) nicht empfehlen!
Raphael selber sagt im 1. Kap.: "Das Brahmasutra ... hat keinen logischen Leitfaden wie die Schriften westlicher Philosophen. Manche Sutra sind so dunkel und knapp, nur aus drei, vier Worten bestehend, dass sie Schwierigkeiten beim Verständnis und bei der Interpretation bereiten. ... In den Veden-Upanischaden ist alles enthalten, was erkannt werden kann; ... Die Upanischaden sind - wie das Brahmsutra - 'dialektische Splitter', um das Bewußtsein des Forschenden aus dem 'Schlaf' zu wecken, in den es durch seinen Verstand eingeschlossen ist." (S. 12 f.)
Für mich brauchte es hier den durch viel Raphael lesen entwickelten Gleichmut, um 'am Ball' zu bleiben. Wenn beispielsweise im '2. Buch' ein Gesichtspunkt der Lehre intensiv "von rechts nach links", von allen Seiten anhand aller möglichen potentiellen 'Gegenargumente' durchleuchtet wird oder, wenn in dem über 2000 Jahre alten Buch plötzlich die Funktionsweise von Atomen(!) erklärt wird (S. 165 f.), war es meinem Verstand manchmal einfach 'zu hoch' (oder: zu tief?!). Gut, dass Raphael immer wieder zwischendurch(!) 'Einschübe' macht, wo er den roten Faden eines längeren Textteils noch einmal zusammenfasst (wie z.B. S. 201-207 od. S. 279-294).
Trotzdem(!) zog(!) es mich förmlich immer wieder hin zu diesem Buch, um (doch) weiter und weiter (und bis zum Ende der 460 Seiten) zu lesen. Und dann kam - wie bei jedem Raphael-Buch (bei jedem!!!) - doch plötzlich auch irgendwann wieder dieser 'Punkt des Umschwungs': plötzlich und unerwartet war ich so gefesselt, dass ich lesend die Zeit (und sogar einen Termin!) vergaß! Bei mir war es hier in diesem Buch bei (bzw. ab!) Kap. 3 des 3. Buches. Zitate dazu:
"Indem sich das Wesen auf das konzentriert, was jenseits des Gehörs, jenseits des Tastsinns, jenseits des Sehsins, jenseits des Geschmacks und des Geruchssinns ist, was unzerstörbar und ewig, ohne Anfang und Ende ... ist, dauerhaft, rettet es sich aus dem Schlund des Totes." (S. 334)
"Um von einem Ort zu einem anderen zu gehen, muss man eine Wegstrecke zurücklegen, und die Zeit kann lang sein oder kurz; um unsere Avidya [Unwissenheit] aufzulösen, brauchen wir uns nicht bewegen oder eine Reise unternehmen; im Gegenteil, wir müssen nur stehen bleiben."(S. 345)
"Ritualität, die Reinigung, die Hingabe usw. sind in Zeit und Raum von äußerster Wichtigkeit. Aber um 'den Abgrund zu überschreiten' ist es notwendig, sich zu erkennen, sich zu verstehen, zu sein." (S. 382)
"Man muss also das Symbol [auf das man meditiert] ... als das höchste Brahma sehen, indem man das Symbol transponiert-erhöht und nicht umgekehrt. Andernfalls würde man dem Symbol als solchem einen ... metaphysischen Status verleihen. So wird der symbolische Körper eines Avatara auf der religiöse Ebene oft um seiner selbst willen betrachtet, ohne jene transeunte Körpervorstellung in das zu übertragen, was sie darstellen will. Ein Körper ist ein Werkzeug, ein Symbol, in dem man eine universale Wirklichkeit (z.B. Liebe oder Erkenntnis) manifestieren will. Die Identifikation mit der Form bringt eine Individualisierung der intelligiblen Wirklichkeit-Wahrheit mit sich - mit allen Konsequenzen, die in der uns umgebenden Welt zu beobachten sind." (S. 408)
"Da das Hinscheiden des physischen Körpers nichts anderes ist, als ein Verlagern des eigenen Bewußtseins auf eine andere Existenzebene, ist klar, dass auch nach dem Tod des Körpers weiter meditiert werden muss." (S. 412)
Ganz besonders spannend (und wertvoll!) fand ich das Buch ab S. 419, wo es um den "Verlauf des Rückweges des Jiva [d.h. der individuellen Seele; eines Widerscheins des Atman] nach dem Tod des physischen Körpers" geht.
"Der Jiva muss nichts erreichen, er braucht nichts zu erwerben, was er nicht hat, noch muss er seinem Wesen etwas Neues hinzufügen. Die Sadhana [spirituelle Übung] besteht darin, die Avidya aufzulösen, die die wirklich Natur überlagert." (S. 445)
"die Entschlossenheit desjenigen, der das empirische Ich überwunden hat, ist derart, dass er keine anderen Stützen oder kollaterlen Handlungen braucht, was hingegen bei demjenigen der Fall ist, der - statt der Entschlossenheit der Buddhi - lediglich das individuelle Begehren einsetzt. Die Sruti ist diesbezüglich ganz klar." (S. 449)