Österreichisch Schlesien

Wappen des Herzogtums Ober- und Niederschlesien
Wappen des Herzogtums Ober- und Niederschlesien

Österreichisch-Schlesien (offizielle Bezeichnung Herzogtum Ober- und Niederschlesien) ist eine ehemalige Gebietskörperschaft (Kronland) der österreichischen Monarchie.

Geografie

Das Gebiet des ehemaligen Österreichisch-Schlesien liegt heute zum größten Teil im Nordosten der Tschechischen Republik, lediglich der östlichste Teil um die Stadt Bielitz gehört zum polnischen Woiwodschaft Schlesien. Es gliederte sich in einen westlichen und einen östlichen Teil, getrennt durch den nördlichen Bereich der mährischen Bezirkshauptmannschaft Mistek. Nördlicher und westlicher Nachbar war die preußische Provinz Schlesien, der östliche Landesteil grenzte an Galizien und Ungarn. Die Landschaft war geprägt von den Höhenzügen Gesenke (Altvater 1490 m) und Beskiden (Lissa Hora 1320 m), die Oder und ihr Nebenfluss Oppa waren die wichtigsten Flüsse. Die Flächengröße betrug 5.147 km². Verwaltungszentrum von Österreichisch-Schlesien war die Stadt Troppau.

Städte mit mehr als 5.000 Einwohnern (1880):

Infrastruktur

Österreichisch-Schlesien hatte nach der Volkszählung von 1910 756.949 Einwohner, von denen 43 % Deutsche, 31 % Polen und 26 % Tschechen waren. Zu den wichtigsten Industriebereichen zählte der Bergbau (Steinkohle, Braunkohle, Eisenerz), die Verhüttung, Metallbearbeitung und Maschinenbau sowie die Textilherstellung. Daneben wurde Ackerbau und Viehzucht betrieben. Da der Warenexport sehr intensiv betrieben wurde, hatte das Land ein dichtes Verkehrsnetz. Die wichtigste Bahnlinie war die Strecke Wien - Krakau, die an der Ostgrenze des westlichen Landesteils verlief und mit zahlreichen Nebenstrecken alle größeren Orte erschloss.

Geschichte

Die zahlreichen deutschen Ortsnamen in Österreichisch-Schlesien zeugen davon, dass die meisten Städte und Dörfer von Siedlern aus Deutschland gegründet wurden. Dieser Prozess begann mit dem Piastenherzog Heinrich I., der zu Beginn des 13. Jahrhunderts Bergleute, Handwerker, Bauern und Händler aus den fränkischen, thüringischen und obersächsischen Gebieten anwarb. Den Städten wurde zumeist das Magdeburger Stadtrecht verliehen. Bis zur zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bildte das Gebiet um Troppau die Nordprovinz der Markgrafschaft Mähren, danach entstanden unter König Ottokar II. und seinen Nachkommen die böhmischen Herzogtümer Troppau, Jägerndorf und Leobschütz, die ab 1320 zu den oberschlesischen Herzogtümer gezählt wurden. Ab 1526 übernahmen die Habsburger die Herrschaft. Nach dem Sieg Preußens über Österreich im Ersten Schlesischen Krieg wurde der größte Teil Schlesiens durch den Frieden von Breslau 1742 preußisch, nur die Kreise Troppau und Teschen blieben bei Österreich und wurden zum Herzogtum Schlesien erhoben. Mit der österreichischen Reichsverfassung von 1849 erhielt das Herzogtum den Status eines Kronlandes. Nachdem sich nach dem 1. Weltkrieg die Tschechoslowakei von Österreich getrennt hatte, wurde das ehemalige Österreichisch-Schlesien mit Ausnahme der östlichen Landesteile um Bielitz, die zu Polen kamen, Teil des neuen Staatsgebildes. Es blieb bis 1928 eine eigenständige Verwaltungseinheit, danach schloss es sich mit Mähren zu einem einheitlichen Verwaltungsgebiet zusammen. Als Folge des Münchner Abkommens gehörte das Gebiet von 1938 bis 1945 großenteils zum Regierungsbezirk Troppau des deutschen Reichsgaus Sudetenland.

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