Österreichisches Bundesheer

Österreichisches Bundesheer
Übersicht
Gründung 1955 (Neugründung)
Truppenstärke insgesamt 55.000 Mann
Militärbudget 2.930.000.000 US-$
Sitz Wien
Oberbefehlshaber Bundespräsident Heinz Fischer

Das österreichische Bundesheer als bewaffnete Streitmacht der Republik Österreich ist Teil der österreichischen Bundesverwaltung und steht gemäß Artikel 80 B-VG unter dem Oberbefehl des Bundespräsidenten. Die Befehlsgewalt über das Bundesheer, soweit diese nicht dem Bundespräsidenten obliegt, wird durch das Bundesministers für Landesverteidigung ausgeübt. Der Bundesminister für Landesverteidigung übt die Befehlsgewalt über die Dienststellen des Bundesheeres grundsätzlich durch deren Kommandanten und Leiter aus.

Rechtlich gesehen ist das Bundesheer Teil der Bundesverwaltung. Ein militärischer Befehl ist als Weisung im Sinne des Artikel 20 B-VG zu qualifizieren. Der derzeitige Bundesminister für Landesverteidigung ist Norbert Darabos, Chef des Generalstabes ist General Roland Ertl.

Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Garde Wien (Paradeanzug) im Innenhof der Wiener Hofburg
Garde Wien (Paradeanzug) im Innenhof der Wiener Hofburg

Die Aufgaben des Bundesheeres sind gemäß Art. 79 B-VG und § 2 Abs. 1 Wehrgesetz festgelegt. Neben der militärischen Landesverteidigung obliegt dem Bundesheer danach die Aufrechterhaltung der Inneren Sicherheit, sowie die Hilfeleistung bei Katastropheneinsätzen.

Das Bundesheer hat seit 1955 bereits mehrere militärische Einsätze zum unmittelbaren Schutz der Grenzen absolviert (Ungarn 1956, Tschechoslowakei 1968, Jugoslawien 1991)

Das Bundesheer besteht aus ca. 35.000 Mann im Präsenzstand und ca. 75.000 Mann der Miliz. (Bis 2010 soll die Truppenstärke auf 55.000 Mann herabgesetzt werden)

Die Organisation des Bundesheeres in Friedenszeiten umfasst nur Wehrpflichtige des Präsenzstandes, die Einsatzorganisation umfasst auch die Milizsoldaten. Für die Heranziehung von mehr als 5.000 Mann der Miliz oder Reserve ist die Ermächtigung des Bundespräsidenten erforderlich.

Die organisatorische Gliederung des Bundesheeres sieht vor allem folgende Kommanden vor: Das Streitkräfteführungskommando in Graz bzw. Salzburg und das Kommando Einsatzunterstützung in Wien.

Seinen personellen Höchststand erreichte das Bundesheer in der Raumverteidigungsära 1987 mit 14 höheren Kommanden, 7 Brigadekommanden, 34 Regimentern, 158 Bataillonen sowie 943 Einheiten.

Seit 1960 ist das Heer an Auslandseinsätzen unter UN-Mandat beteiligt, seit 1995 in der Partnerschaft für den Frieden der NATO. Um das Bundesheer an die Anforderungen der kommenden Jahre anzupassen, wurde vom damaligen Bundesminister Günther Platter eine Reformkommission eingesetzt, deren Bericht Mitte Juni 2004 offiziell an den Minister übergeben wurde.

Geschichte des Bundesheeres

Erste Republik und Anschluss

Hauptartikel: Österreichisches Bundesheer (1920–1938)

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden die kaiserlichen Armeen abgeschafft und statt dessen das Bundesheer eingerichtet. Es wurde unter anderem auch im Österreichischen Bürgerkrieg eingesetzt. 1938 wurde es nach dem Anschluss an Deutschland widerstandslos der deutschen Wehrmacht einverleibt, nachdem Bundeskanzler Kurt Schuschnig befohlen hatte, „kein deutsches Blut zu vergießen“. Generäle, Offiziere und andere Führungskräfte des Heeres, die anderer Meinung gewesen waren, wurden anschließend von der deutschen Wehrmacht entlassen und teilweise auch eingesperrt oder ermordet.

Die Geschichte der Österreichischen Streitkräfte 1945 bis heute

Nur Liste
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Geschichte bis zur Wiedererrichtung des Bundesheeres mit dem Staatsvertrag von 1955

Da das Bundesheer der 1. Republik nach dem „Anschluss“ zwangsweise der Deutschen Wehrmacht einverleibt worden war und mit dieser im 2. Weltkrieg unterging, verfügte Österreich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zunächst über keine eigenen Streitkräfte. Da im Kalten Krieg eine Aufhebung der Besatzung durch die Alliierten nur zu erwarten war, wenn die junge 2. Republik ihre Neutralität auch eigenständig militärisch sichern konnte, war die Wiedererrichtung einer österreichischen Streitmacht wesentliche Voraussezung für den Staatsvertrag von 1955 und die dadurch erlangte vollständige Souveränität Österreichs.

Die militärischen und Luftfahrt-Bestimmungen des Staatsvertrages von 1955 sehen zahlreiche, insbesondere Spezialwaffen betreffende, Einschränkungen des Bundesheeres vor, von denen die meisten jedoch Anfang der 90er Jahre von der Bundesregierung völkerrechtlich einseitig als obsolet aufgehoben wurden.

weitere Ereignisse bis 1955:

Zwischen Wiedererrichtung 1955 und Beginn der Raumverteidigungsära 1968

1968 bis 1989 – die Raumverteidigungsära

Das Raumverteidigungskonzept sah den Kampf und die starke Verteidigung von Schlüsselzonen vor, die auch mit tausenden „Festen Anlagen“ (Bunker), vorbereiteten Sperren, Feldsperren, Sprenganlagen, Landwehrlagern, etc. und starken Einheiten geschützt waren. Die Schlüsselzonen und Sperranlagen befanden sich großteils im alpinen, d.h. leichter zu verteidigenden Bereich und waren vor allem gegen den Warschauer Pakt, in Tirol vor allem gegen die NATO aus Deutschland und Italien gerichtet.

Die Bundesregierung hätte sich in die Einsatzzentrale Basisraum zurückziehen sollen. Außerhalb der Schlüsselzonen gab es die sogenannten Raumsicherungszonen, in denen durch eine guerillaartige Kleinkriegstaktik durch Jagdkampfbataillone ein potentieller Angreifer (der nach damaliger Planung NATO bzw. Warschauer Pakt oder Jugoslawien war) einen möglichst hohen Eintrittspreis ins neutrale Österreich zahlen sollte und auch danach in seinen Nachschublinien und Einheiten bekämpft werden sollte (siehe auch z.B. Kriegsführung in Afghanistan bzw. heute Irak). Eine starke Verteidigung außerhalb der Schlüsselzonen direkt ab der Staatsgrenze war für den Operationsfall Jugoslawien vorgesehen, der ja dann 1991 in abgeschwächter Form auch eintrat.

Das Raumverteidigungskonzept war, wie aus inzwischen veröffentlichten Dokumenten der ehemaligen potentiellen Gegner hervorgeht, vom Ausland doch „gefürchtet“. So plante z.B. die Ungarische Armee für eine nur leicht geschützte Raumsicherungszone 50 bis 70 Geschütze und Granatwerfer, 10 bis 15 Panzer und 15 bis 20 Geschütze (im Direktbeschuß) pro Kilometer ein. Bei einem derartigen Kräfteeinsatz würde das Tempo des Vormarsches innerhalb der Raumsicherungszone 2,5 bis 3 Kilometer pro Stunde betragen. Für einen Vormarsch in den Schlüsselzonen sahen sich die Ungarn damals nicht gerüstet. (Quelle: Vortrag eines Ungarischen Generals in „Information zur Sicherheitspolitik Nr.20“, Juli 1999) Ein Einmarsch der NATO aus Italien hätte dank der in den Tälern vorbereiteten Sperren und Sprengpläne effizient behindert werden können. Kritiker bezweifelten jedoch, ob eine reale Verteidigungsmöglichkeit angesichts des möglichen Einsatzes vonKernwaffen durch den Gegner bestanden hätte.

In großen Raumverteidigungsübungen wurden verschiedene Szenarien beübt - dabei wurden auch mehrmals Spione verhaftet; 1979 auch einer aus der Schweiz.

Die in Landwehrstammregimentern organisierte Armee hatte einen sehr hohen, aber gut ausgebildeten Milizanteil (Planung 300.000 Mann). Milizsoldaten des Vorarlberger Jagdkampfbataillon (JaKB) 911 hatten wie in der benachbarten Schweiz sogar das Sturmgewehr mit Munition zu Hause. Eine Ausdehnung dieser Regelung auf andere Einheiten in Westösterreich war geplant, wurde jedoch durch das absehbare Ende des Kalten Krieges nicht mehr umgesetzt. Mit dem Zerfall des Warschauer Paktes war auch das Raumverteidigungskonzept überholt. Ab 1992 erfolgte daher die Umgliederung der Landwehrstammregimenter in Jäger- und Stabsregimenter und eine deutliche Reduktion der personellen Stärke.

Das Bundesheer seit 1990

Bundesminister und Ranghöchste Offiziere seit 1956

siehe auch: Ranghöchste Offiziere des Österreichischen Bundesheeres seit 1956

Bundesheer 2010

Um das Bundesheer an die Anforderungen der kommenden Jahre anzupassen, wurde von Bundesminister Günther Platter eine Reformkommission, bestehend aus militärischen Experten und prominenten österreichischen Persönlichkeiten, unter der Leitung von Helmut Zilk eingesetzt, deren Bericht Mitte Juni 2004 offiziell an den Minister übergeben wurde.

Der Bericht enthält im Kern folgende Vorschläge:

  • Verkürzung der Wehrdienstzeit von 8 auf insgesamt nur mehr 6 Monate ab Beendigung des Assistenzeinsatzes (für das Bundesministerium für Inneres) an der Ostgrenze (wurde aber aus innenpolitischen Gründen bereits mit Anfang 2006 verfügt)
  • Die Möglichkeiten eines Berufsheeres werden teilweise erwogen
  • Senkung der Mobilmachungsstärke von derzeit ca. 110.000 auf ca. 55.000 Mann
  • Änderungen der Aufgaben der Milizsoldaten
  • Zwei Bataillone (2500 Mann) und eine Brigade (3500) für Auslandseinsätze
  • Ca. 40 Prozent der Liegenschaften des Bundesheeres sollen verkauft werden

Gliederung 2010

Streitkräfteführungskommando (Graz und Salzburg)

Landstreitkräfte

Führungsunterstützung, zwei Fernmeldebataillone (Villach und St. Johann i. Pongau) und vier Führungsunterstützungskompanien in den Brigaden.

Kampf, zehn Infanteriebataillone gegliedert in zwei Panzergrenadierbataillone und acht Jägerbataillone, zwei Panzerbataillone.

Kampfunterstützung, drei Artillerie-/Aufklärungsbataillone , drei Pionierbataillone, vier leichte ABC Abwehrkompanien (Hörsching, Graz, Mautern, Schwaz) und eine schwere ABC Abwehrkompanie (Korneuburg) und drei Militärstreifenkompanien (Wien, Salzburg und Graz).

Spezialeinsatzkräfte, Jagdkommandobataillon (mobilisierbar) (Wiener Neustadt)

9 Militärkommanden, mit Expertenstäben (mobilisierbar) und jeweils einen leichten Jägerbataillon (mobilisierbar) und einem Pionierbataillon (mobilisierbar), in Wien zwei leichte Jägerbataillone (mobilisierbar) und dem Gardebataillon.

3. PzGrenBrig (Mautern) 4. PzGrenBrig (Ebelsberg) 6. JgBrig (Absam) 7. JgBrig (Klagenfurt)
  • PzStbB3 (Mautern),
  • PzB33 (Zwölfaxing),
  • PzGrenB35 (Großmittel),
  • JgB19 (Güssing),
  • AAB3 (Mistelbach),
  • PiB3 (Melk)
  • PzStbB4 (Ebelsberg),
  • PzB14 (Wels),
  • PzGrenB13 (Ried i. Innkreis),
  • JgB12 (Amstetten),
  • AAB4 (Horn)
  • StbB6 (Innsbruck),
  • JgB23 (Bludesch),
  • JgB24 (Lienz),
  • JgB26 (Spittal),
  • PiB2 (Salzburg)
  • StbB7 (Klagenfurt),
  • JgB18 (St. Michael),
  • JgB25 (Klagenfurt),
  • JgB17 (Straß),
  • AAB7 (Feldbach),
  • PiB1 (Villach)
Organisation des Österreichischen Bundesheeres 2010
Organisation des Österreichischen Bundesheeres 2010

Luftstreitkräfte

Kommando Luftraumüberwachung (Salzburg)

Passive Luftraumüberwachung (mobile und stationäre Radaranlagen) mit einem Radarbataillon (Salzburg), Aktive Luftraumüberwachung mit dem Überwachungsgeschwader (Zeltweg) und zwei Fliegerabwehrbataillone (Salzburg und Zeltweg) und Radar- (Salzburg) und Fliegertechnik (Zeltweg).

Kommando Luftunterstützung (Hörsching)

Luftunterstützungsgeschwader (Hörsching und Langenlebarn) Luftaufklärung und Fliegertechnik (Hörsching und Langenlebarn)

Kommando Einsatzunterstützung (Wien)

  • Logistikregiment (Gratkorn),
  • Transportbataillon (mobilisierbar) (Gratkorn),
  • Militärmedizinischeszentrum (Wien),
  • Sanitätszentrum (Innsbruck und Graz),
  • Feldambulanz (Klagenfurt, Salzburg, Hörsching),
  • Feldambulanz (mobilisierbar) (St. Pölten und Innsbruck) ,
  • Patiententransportkompanie (mobiliserbar)(Graz und Innsbruck),
  • Heereslogistikzentrum (Wels, Salzburg, Wien mit NT-Sanitätskompanie (mobilisierbar), Graz, St. Johann und Klagenfurt),
  • Heeresbekleidungsanstalt (Brunn am Gebirge),
  • Heeresmunitionsanstalten (Großmittel, Stadl-Paura, Graz, Buchberg und Klagenfurt),
  • Heeressportzentrum mit Heeresleistungszentrum (Wien),
  • Heeresleistungszentrum (Linz, Graz, Faaker-See, Rif, Hochfilzen, Innsbruck und Dornbirn),
  • Militärhundezentrum (Kaisersteinbruch)

Akademien und Schulen

  • Landesverteidigungsakademie (Wien),
  • Theresianische Militärakademie (Wiener Neustadt),
  • Heeresunteroffiziersakademie (Enns),
  • Heerestruppenschule (Kampf- und Kampfunterstützungsschule) (Eisenstadt, Bruck a.d. Leitha, Zwölfaxing und Saalfelden),
  • ABC Abwehrschule (Korneuburg),
  • Flieger und Fliegerabwehrtruppenschule (Langenlebarn),
  • Führungsunterstützungsschule (Wien),
  • Heereslogistikschule (Wien),
  • Sanitätsschule (Wien),
  • Gesundheits- und Krankenpflegeschule (Wien)

Ämter

  • Heerespersonalamt (Wien),
  • Heeresabwehramt (Wien),
  • Heeresnachrichtenamt (Wien),
  • Feldzeugamt (Wien),
  • Informations- und Kommunikationstechnologieamt (Wien),
  • Heeres Bau und Vermessungsamt (Facility Management) (Wien)

Wehrsystem

Wehrpflicht

Das Wehrsystem sieht vor, dass jeder männliche österreichische Staatsbürger im Alter von 17 bis 40 (Offiziere, Unteroffiziere und Spezialisten: 65) Jahren wehrpflichtig ist und Frauen freiwillig Dienst im Bundesheer leisten können. Männliche Staatsbürger, die aus Gewissensgründen die Erfüllung der Wehrpflicht verweigern, müssen Ersatzdienst leisten (Zivildienst). Das Bundesheer wird somit vor allem auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht gebildet und ergänzt.

Milizsystem

Gemäß Artikel 79 B-VG ist das Bundesheer nach einem Milizsystem einzurichten, wonach es in Friedenszeiten nur zu Übungen und in geringerer Mannstärke zusammentritt. Die Wehrpflichtigen gehören für die Dauer ihrer Wehrpflicht dem Präsenzstand, dem Milizstand oder dem Reservestand an:

     Präsenzstand      Personen, die dem Präsenzstand angehören sind Soldaten. Dem Präsenzstand gehören Wehrpflichtige an, die zum Präsenzdienst (in der Dauer von insgesamt 6 Monaten) einberufen sind („Präsenzdiener“) - bzw Frauen, die sich freiwillig zum Ausbildungsdienst melden - sowie Personen, die dem Bundesheer aufgrund eines Dienstverhältnisses angehören („Berufssoldaten“).
  • Die Friedensorganisation umfasst nur Soldaten, die Einsatzorganisation Soldaten und Wehrpflichtige im Milizstand. Soldaten haben also planmäßig vordefinierte Funktionen in der Einsatzorganisation.
     Milizstand      Dem Milizstand gehören Personen an, die nicht im Präsenzstand sind, jedoch auch nicht in den Reservestand (siehe unten) getreten sind. Demnach ist „Milizsoldat“, wer beispielsweise im Zuge einer Mobilmachung vom Reservestand in den Milizstand versetzt wird oder sich in Friedenszeiten freiwillig, vor Rückkehr in den Zivilberuf, zur militärischen Weiterbildung in regelmäßigen Truppenübungen verpflichtet hat. Bis 2006 befanden sich im Milizstand auch jene Wehrpflichtige, die Grundwehrdienst von weniger als 8 Monaten geleistet hatten und die restliche Zeit in Form von z.B. alljährlichen Truppenübungen ableisteten.

Der Milizstand zeichnet sich dadurch aus, dass der Milizsoldat zwar in das Bundesheer eingegliedert, jedoch nur zu Übungs- und Einsatzzwecken militärisch tätig ist und ansonsten einem Zivilberuf nachgeht.

  • Die Friedensorganisation umfasst nur Soldaten, die Einsatzorganisation Soldaten und Wehrpflichtige im Milizstand. Milizsoldaten haben also, ebenso wie Soldaten, planmäßig vordefinierte Funktionen in der Einsatzorganisation.

Durch ihre Eingliederung in die Einsatzorganisation treffen Milizsoldaten besonders Pflichten im Rahmen der Einsatzvorbereitung, sie können Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände zur persönlichen Verwahrung bekommen und sind unter den Voraussetzungen des § 35 Wehrgesetz zum Tragen der Uniform auch in Nichtübungs- oder Einsatzzeiten berechtigt.

     Reservestand      Alle Wehrpflichtigen, die weder dem Präsenzstand noch dem Milizstand angehören, sind „Reservisten“. Sie können außerhalb des Bundesheeres ihren Dienstgrad nur mit dem Zusatz „dRes“ („des Reservestandes“) führen und sind unter den Voraussetzungen des § 35 Wehrgesetz zum Tragen der Uniform auch in Nichtübungs- oder Einsatzzeiten berechtigt.
  • Die Friedensorganisation umfasst nur Soldaten, die Einsatzorganisation Soldaten und Wehrpflichtige im Milizstand. Reservisten sind also nicht in eine Einsatzorganisation unmittelbar eingeteilt, können aber nach Maßgabe besonderer Bedarfssituationen zusätzlich bzw. ersatzweise herangezogen werden.
  • Wehrpflichtige des Reservestandes können in den Fällen eines Einsatzes des Bundesheeres nach § 2 Abs. 1 lit. a bis c Wehrgesetz (militärische Landesverteidigung, Assistenzeinsatz; Näheres siehe oben) - nach Maßgabe des Bedarfs und ihrer Eignung für eine Verwendung in der Einsatzorganisation - in den Milizstand versetzt werden, womit sie z.B. ersatzweise eine planmäßig vordefinierte Funktion in der Einsatzorganisation erhalten.

Von den mehr als 1.000.000 ausgebildeten Wehrpflichtigen im Alter von 18 bis 40 (bzw. 65) stehen ca. 35.000 im Präsenzstand (= ca. 18.000 Berufssoldaten + ca. 17.000 Präsenzdiener), ca. 75.000 im Milizstand und theoretisch ca. 945.000 im Reservestand. Von letzteren wird jedoch aufgrund von mangelnder Eignung für den Einsatz bzw. Unabkömmlichkeit im Zivilberuf nur ein sehr geringer Teil heranziehbar sein.

Organisation des Bundesheeres

Organisation des Österreichischen Bundesheeres
Organisation des Österreichischen Bundesheeres

Friedensorganisation und Einsatzorganisation

  • Friedensorganisation: Im Frieden tritt das Bundesheer zu Übungen und Assistenzeinsätzen zusammen. Um schnell auf vor allem terroristische Angriffe im Inneren, Assistenzanfragen ziviler Behörden (Hochwasserschäden, Lawinen etc.) sowie Veränderungen in der unmittelbaren Nachbarschaft Österreichs reagieren zu können, werden Präsenzkräfte in der Stärke von rund 10.000 Mann aufgestellt, zu deren Bildung bestimmte Verbände und Einheiten abwechselnd herangezogen werden.
  • Einsatzorganisation: Bei Einsätzen zur militärischen Landesverteidigung kann die Organisation des Bundesheeres von der Friedens- zur Einsatzorganisation werden. Letztere unterscheidet sich von der Friedensorganisation dadurch, dass ihr auch die Wehrpflichtigen des Milizstandes angehören, womit die Gesamtstärke des Heeres beträchtlich anwächst.

Der Übergang von der Friedens- in die Einsatzorganisation erfolgt durch die Mobilmachung. Alle für den Einsatz aufzubietenden Soldaten leisten dann Einsatzpräsenzdienst. Die Heranziehung von Milizsoldaten und Reservisten zum Einsatzpräsenzdienst verfügt bis zu einer Gesamtzahl von 5.000 Mann (innerhalb der ihm von der Bundesregierung erteilten Ermächtigung) der Bundesminister für Landesverteidigung, darüber hinaus der Bundespräsident.

Organisatorische Gliederung


Gliederung nach Waffengattungen

     Führungstruppen     
  • Aufklärung
  • Luftraumüberwachung
  • Fernmeldetruppen
  • Ordnungstruppen
     Kampftruppen     
     Kampfunterstützung     
  • Artillerie
  • Pioniere
  • ABC-Abwehr
  • Fliegertruppe
     Logistik     
  • Materialerhaltung
  • Nachschub
  • Wirtschaftstruppe
  • Sanitätstruppe
  • Transporttruppe

Gliederung nach Dislokation

Wien Niederösterreich Burgenland
  • Bundesministerium für Landesverteidigung
  • Militärkommando Wien
  • Gardebataillon
  • Jägerregiment Wien
  • Landesverteidigungsakademie
  • Heeresversorgungsschule
  • Fernmeldetruppenschule
  • Sanitätsschule
  • Heeresspital
  • Heeressportzentrum
  • Heeresnachrichtenamt
  • Abwehramt
  • Kommando Führungsunterstützung
  • Kommando Einsatzunterstützung
  • Heeres Bild- und Filmstelle
  • Österreichische Militärbibliothek
  • Amt für Rüstung und Wehrtechnik
  • Heerespersonalamt
  • Heeresbau- und Vermessungsamt
  • Heeresversorgungsanstalt
  • Heereszeugsanstalt
  • Heeresbauverwaltung Ost
  • Militärkommando Niederösterreich
  • Kommando Luftstreitkräfte - seit 31. August 2006 aufgelöst, das neue Kommando ist das Streitkräfteführungskommando mit Sitz Graz und Wals
  • Kommando Luftaufklärung
  • Fliegerregiment 1
  • Fliegerabwehrregiment 1
  • Fliegernfernmeldebataillon
  • Fliegerwerft 1
  • Panzerstabsbataillon 3
  • Panzergrenadierbataillon 35
  • Panzerbataillon 33
  • Aufklärungsbataillon 3
  • Panzerabwehrbataillon 1
  • Panzerartilleriebataillon 9
  • Panzerartilleriebataillon 3
  • Panzergrenadierbataillon 9
  • Jägerbataillon 12
  • Pionierbataillon 3
  • Theresianische Militärakademie
  • Fliegerabwehrschule
  • Pioniertruppenschule
  • ABC-Abwehrschule
  • Lehrabteilung Kraftfahrwesen (ehemalige Heereskraftfahrschule, nun der Heeresversorgungsschule angegliedert)
  • Artillerieschule
  • Panzertruppenschule
  • Zentrum Einsatzvorbereitung
  • Kommando Spezialeinsatzkräfte
  • Heeresbekleidungsanstalt
  • Truppenübungsplatz Allentsteig
  • Militärkommando Burgenland
  • Jägerbataillon 19
  • Militär-Hundestaffel
  • Assistenzkommando "Nord"
  • Assistenzkommando "Süd"
Oberösterreich Steiermark Salzburg
  • Militärkommando Oberösterreich
  • Heeresunteroffiziersakademie
  • Panzerstabsbataillon 4
  • Panzergrenadierbataillon 13
  • Panzerbataillon 14
  • Jägerbataillon 15
  • Fliegerregiment 3
  • Fliegerwerft 3
  • Fliegerfernmeldebataillon
  • 4.Kompanie des Pionierbataillon 2
  • 3.Batterie und 4.Fliegerabwehrlenkwaffenbatterie des Fliegerabwehrregiment 3
  • Heereszeugsanstalt
  • Heeresversorgungsanstalt
  • Luftfahrttechnisches Logistikzentrum
  • Kommando Internationale Einsätze
  • Militärkommando Steiermark
  • Jägerbataillon 17
  • Jägerbataillon 18
  • Aufklärungsbataillon 1
  • Artillerieregiment 1
  • Fliegerregiment 2
  • Überwachungsgeschwader
  • Hubschraubergeschwader
  • Fliegerwerft 2
  • Fliegerwerft Aigen/Ennstal
  • Fliegerabwehrregiment 2
  • Versorgungsregiment 1
  • Zentrum Internationale Kooperation
  • Militärspital 1
  • Fliegerschule
  • Heereszeugsanstalt
  • Heeresbauverwaltung Süd
  • Artillerieregiment 1
  • Streitkräfteführungs Kommando
  • Militärkommando Salzburg
  • Pionierbataillon 2
  • Fliegerabwehrregiment 3
  • Jägerbataillon 24
  • Aufklärungsbataillon 2
  • Jägerschule
  • Luftraumüberwachung
  • Heeresversorgungsanstalt
  • Heereszeugsanstalt
  • Heeresbauverwaltung West
  • Heeresfernmelderegiment
Kärnten Tirol Vorarlberg
  • Militärkommando Kärnten
  • Stabsbataillon 7
  • Pionierbataillon 1
  • Jägerbataillon 25
  • Jägerbataillon 26
  • Fernmeldebataillon 1
  • Fliegerabwehrregiment 2
  • Hubschraubergeschwader
  • Heereszeugsanstalt
  • Artillerieregiment 2
  • Militärkommando Tirol
  • Stabsbataillon 6
  • Jägerbataillon 24
  • Militärspital 2
  • Hubschraubergeschwader
  • Heeresversorgungsanstalt
  • Heereszeugsanstalt
  • Militärkommando Vorarlberg
  • Jägerbataillon 23

Uniformen

Felduniform „Anzug 75“

Im Felddienst ist der bequem geschnittene braungraue "Anzug 75" mit Feldhemd und Feldjacke (bei kühlem Wetter) immer noch weit verbreitet. Seit 1992 ist das braungraue Nationalitätsabzeichen mit der Beschriftung "ÖSTERREICH - BUNDESHEER" auf dem linken Oberärmel angebracht. Als Kopfbedeckung dienen die Feldkappe ( Barett, Fliegermütze) und die Plüschkappe (letztere mit Ohrenschutz).

Gesellschaftsuniform "Anzug 65"

Die Ausgangs- bzw. Gesellschaftsuniform wird als "Anzug 65" bezeichnet und seit 1965 in unveränderter Form ausgegeben. Sie besteht sie aus feldgrauem Uniformrock, hellgrauer (früher: eisengrauer) Anzugshose, schwarzen Halbschuhen und Tellerkappe. Der weiße Uniformrock wird mit einer schwarzblauen Hose kombiniert.

Der Uniformrock (feldgrau): Gebräuchlich sind drei Arten von Knöpfen: Offiziere tragen goldfarbene Knöpfe mit glattem Rand, strichmattiertem Grund und geprägtem stilisiertem Bundesadler. Unteroffiziere desgleichen, jedoch silberfarben. Die Knöpfe der Chargen und Rekruten sind dagegen grau mit glattem Rand und fein gekörnter Innenfläche. Auf der linken Schulter des Uniformrocks tragen Offiziere eine geknöpfte Spange aus goldfarbener Litze; bei Unteroffizieren ist die Spange silberfarben, beim Vizeleutnant gold-silbern meliert. Zum "Anzug 65" sind weder Stoffgürtel noch Leibriemen erlaubt.

Der Uniformrock (weiß): Eine Besonderheit stellt der weiße Uniformrock dar. Trageberechtigt waren zunächst die Offiziere, seit 1980 auch die Unteroffiziere. Der weiße Rock ist auf eigene Kosten zu beschaffen. Zunächst nur im Sommerhalbjahr und zu offiziellen militärischen Veranstaltungen vorgesehen, darf er seit 1977 ganzjährig benutzt werden. Üblichlich ist mittlerweile auch das Tragen bei zivilen Veranstaltungen, wie etwa dem Wiener Opernball. 1986 wurde die Uniformhose schwarzblau eingeführt. Anstelle der Passepoillierung ist die Hose mit einem dunkelblauen Smokingband ausgestattet.

Die Tellerkappe: Das Modell orientiert sich an der ehemaligen österreichisch-ungarische Marineoffizierskappe. Sie hat einen schwarzen Lackschirm sowie einen farbigen Kopfstreifen (Landstreitkräfte: schwarz; Luftstreitkräfte: silbergrau), für Offiziere aus Samt, für Unteroffiziere, Chargen und Rekruten aus Halbkammgarn. Die Kappenrosen sind identisch mit denen der Fliegertellerkappe. Das Emblem (Landstreitkräfte: Bundesadler im Eichenlaubkranz; Luftstreitkräfte: Adler-Doppelschwinge im Lorbeerkranz) ist für Offiziere gold-, für Unteroffiziere silberfarben, jeweils aus Metall oder gestickt. Chargen und Rekruten legen ein altsilberfarbenes Abzeichen aus Metall an. Den Dienstgrad General unterscheidet seit 1982 ein scharlachrot unterlegtes Emblem vom Generalleutnant. Die beiden miteinander verdrillten Mützenkordeln sind für Offiziere goldfarben, für Unteroffiziere silberfarben, für den Vizeleutnant gold-silbern meliert.

Paradeanzug des Gardebataillons

Zu Paraden wird eine dem Gesellschaftsanzug ähnelnde Uniform getragen, jedoch mit Helm, Paradeschuhen (für Offiziere Paradestiefel), braunem Leibriemen und weißen Handschuhen. An der linken Schulter des Uniformrocks wird dazu eine Fangschnur angelegt -goldfarben für Offiziere, silberfarben für Unteroffiziere, weiß für Chargen und Wehrmänner. Offiziere tragen außerdem Säbel, Säbelkuppel und Portepee.

Barettfarben

  • Grasgrünes Barett (Infanterie z.B. der Jägertruppe, Pioniertruppe, etc.)
  • Schwarzes Barett (Panzertruppe, Panzergrenadiere und Panzerartillerie)
  • Scharlachrotes Barett (Garde)
  • Weinrotes Barett (Jägerbataillon 25 und Heeressportzentrum)
  • Blaues UN-Barett (Soldaten im internationalen Einsatz der Vereinten Nationen)
  • Jagdkommandobarett (Jagdkommando)

Dienstgrade und Rangabzeichen

siehe: Dienstgrade im Bundesheer

Bundesheer in Zahlen

Internationale Beteiligung des Bundesheeres

Das österreichische Bundesheer nimmt seit 1960 an friedenserhaltenden internationalen Einsätzen teil:

  • 1996–2001: Bosnien
    • 1 Versorgungskompanie, Versorgungsteile, 259 Mann
  • 2005: Afghanistan
    • Österreichische Soldaten zur Sicherung während der Wahlen, 100 Mann
  • 2005: Pakistan
    • AFDRU Einheit zur Trinkwasseraufbereitung nach Jahrhunderterdbeben, 60 Mann

Waffen und Gerät

Infanteriewaffen

Radfahrzeuge

  • Motorräder
  • LKW
    • Steyr Pinzgauer 712 / 716 M
    • Puch G mit kurzem und langem Radstand sowie mit Fest und Planenaufbau
    • Steyr 680M (wird nach und nach ausgeschieden)
    • 1.000 Steyr 12M18
    • ÖAF SLKW mit oder ohne Kranaufbauten / als ABC-Dekontaminationsfahrzeug / als "gehärtete" Versionen zum Schutz gegen max. 7,62 × 51 mm NATO Geschosse
    • ÖAF LKWs; Verschiedenste Modelle und Spezialfahrzeuge in diversen Größen/Gewichtsklassen und mit unterschiedlichen Aufbauten zB. als Kipper oder Tanklöschfahrzeug, tlw. auch "gehärtete" Fzge.
    • 268 Unimog U4000-ÖBH mit Wechselaufbausystem (wird aktuell bei der Truppe eingeführt)
    • 307 MAN TGW 12.240 4x4 BL mit Wechselaufbau (wird aktuell bei der Truppe eingeführt)

Panzer

Leopard 2A4
Leopard 2A4
  • Kampfpanzer:
  • Jagdpanzer:
  • Schützenpanzer:
  • Transportpanzer:
    • 230 Steyr A1 4K3FA-G2 12,7mm (SPz A1 12,7mm M-2)
    • 143 Steyr A1 (verschiedene Versionen)
    • 224 Steyr Pandur A1 (MTPz Pandur A1)
    • 1 Steyr Pandur 2 (MTPz Pandur 2)
    • 3 Steyr Pandur SAN
  • Bergepanzer:
    • 10 M88 A1 (BgePz M88 A1)
    • 36 Steyr Greif A1 (BgePz Greif A1)
    • 24 M578 (BgePz M578)
  • Pionierpanzer:
    • 18 Steyr Greif Pionierpanzer (PiPz)
  • Allschutz Transportfahrzeuge:
    • 35 Dingo 2 (ATF Dingo 2)

Artillerie

Luftfahrzeuge

Hauptartikel: Österreichische Luftstreitkräfte

Fliegerabwehr

  • 74 Zwillingsflugabwehrkanonen 35mm
  • 76 Fliegerabwehrlenkwaffen Mistral
  • 1 Luftraumüberwachungssystem "Goldhaube"
  • 6 Tieffliegererfassungsradargeräte RAC 3D "Flamingo"
  • 22 Rundsuch-/Zielzuweisungsradargeräte RAC 3D "Flamingo"
  • 36 Feuerleitgeräte "Skyguard 98"
  • 2 Mobile Tiefflieger 3D-Stationen Selenia MR (S 403)

Pioniergeräte

  • schweres Gerät
    • Baggerlader JCB - 4CX "Sitemaster"
    • Hydraulikraupenbagger Samsung SE 210-2
    • Radlader Fiat Allis 645B-BH
    • Schreitbagger Menzi Muck
    • Grader Faun-Frisch F 155 A
    • 24 VOEST Alpine Tross-130 schwerer Pionier-Mehrzweck-Radlader
    • diverse schwere ÖAF Spezial-LKW
  • Geräte zur Minenverlegung
    • Panzerminenleger 90 (PzMiLeg90)

Sondergeräte

  • 24 ABC-Dekontaminationsfahrzeuge ÖAF sLKW
  • 12 ABC-Personendekontaminationsfahrzeuge ÖAF 19/281
  • 12 ABC-Waffen- und Gerätedekontaminationsfahrzeuge ÖAF 19/281
  • 12 ABC-Wasserversorgungsfahrzeuge (Doppelkabine) Steyr 91 M
  • 18 Rettungsfahrzeug Pinzgauer 712/RuB
  • 18 Bergefahrzeug (Dopplekabine) Steyr 19S27
  • 12 Tanklöschfahrzeuge (TLF 4000) ÖAF 19/281
  • Flughafenlöschfahrzeuge (FLF 5000/1000-FIX MIX "Buffalo") ÖAF 26/604 DFAE/6x6
  • Trinkwasseraufbereitungsanlagen (chemisch) auf Anhänger

Siehe auch

Weblinks

Quelle:
Artikel Österreichisches Bundesheer aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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