Übersetzerschule von Toledo ist ein im frühen 19. Jahrhundert von Armand Jourdain geprägter, in der Forschung heute mit kritischen Vorbehalten verwendeter Begriff, unter dem verschiedene Aktivitäten der Übersetzung aus dem Arabischen zusammengefasst werden, die seit dem 12. Jahrhundert in Toledo (Spanien) nachweisbar sind. Es handelte sich dabei nicht um eine Schule im Sinne einer Institution, sondern um verschiedenartige Aktivitäten der Übersetzung, die durch den Kontakt zwischen arabischkundigen Mozarabern und Juden mit Romanen bzw. lateinischen Autoren ermöglicht und zum Teil durch bischöfliche oder königliche Initiative gefördert wurden.
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Nach der gegen die Franken verlorenen Schlacht von Vouillé (507) und dem Verlust ihrer Hauptstadt Toulouse zogen sich die Westgoten in das von ihnen locker beherrschte Spanien zurück und machten die römische Stadt Toletum zu ihrer neuen Hauptstadt. Etwa zweihundert Jahre später, 711, eroberten die Mauren das toledanische Königreich. 1085 wurde Toledo, jetzt Tulaytula, vom Imperator Totius Hispaniae Alfons VI. „zurückerobert“. In der maurischen Zeit war Toledo eine Stadt mit einer sehr bedeutenden christlichen Minderheit, den sogenannten Mozarabern, welche bei der Entstehung der späteren Übersetzungen eine wichtige Rolle spielten.
Die erste etwa von 1130 bis 1187 andauernde Phase der Übersetzungen war durch Erzbischof Raimund von Toledo geprägt. Übersetzt wurden wissenschaftliche und philosophische Schriften (Platon, Aristoteles) antiker Provenienz, die unter der Abbassiden-Herrschaft in Madīnat as-Salām aus dem Griechischen ins Arabische übertragen worden waren, aber auch genuin arabische Schriften, etwa aus dem Bereich der Astronomie und Mathematik, sowie Schriften zur Kenntnis islamischer Religion und Theologie. 1142 kam der Abt von Cluny, Petrus Venerabilis, nach Spanien und gab eine Übersetzung des Korans in Auftrag, die 1143 durch Robert von Ketton, Hermann von Carinthia, Petrus Alfonsi und den Sarazenen Mohammed fertiggestellt und vom Sekretär des Abtes, Peter von Poitiers, sprachlich überarbeitet wurde.
Im 13. Jahrhundert gingen neue Übersetzungsinitiativen von Alfons X. und seinem Hof aus, wobei nun nicht mehr die Übersetzung ins Lateinische, sondern die ins Kastilische im Vordergrund stand und hierbei speziell der Dialekt des toledaner Hofes eine sprachlich normierende Rolle spielte. Thematisch bildeten Astronomie, Physik, Alchemie und Mathematik den Schwerpunkt, aber auch Spiele und orientalische Literatur sowie Werke zur Kenntnis der islamischen Religion wurden übersetzt. Unter Alfons X. blieben solche Aktivitäten nicht auf Toledo beschränkt, sondern dehnten sich, zum Teil abhängig vom Aufenthalt des Hofes, auch nach Sevilla aus.
Ein einheitlicher Entstehungsprozess lässt sich für die in Toledo entstandenen Übersetzungen nicht nachweisen. Aus den Incipits und Prologtexten einiger dieser Werke und aus dem Vergleich erhaltener Fassungen ergibt sich aber in vielen Fällen ein Zusammenwirken arabisch- und lateinkundiger Autoren, bei dem zunächst ein Jude oder Mozaraber nach dem arabischen Original eine romanische Zwischenstufe erstellte, die unter Umständen nur mündlich bestand und ihrerseits die Grundlage für die lateinische Version bildete. Mozarabisch oder Kastilisch diente in diesem Fall nur als nur Übermittlersprachen. Später, in der alfonsinischen Periode, wurde im Regelfall aus dem Arabischen ins kastilische Spanisch übersetzt und durch einen emendador die Schlussredaktion vorgenommen.
Da Schriften mit einer Vielzahl von im Westen bis dahin noch nicht oder wenig bekannter wissenschaftlicher Themen zu übersetzen waren, standen die Übersetzer vor der Aufgabe, geeignete Übersetzungen für arabische Wörter zu finden, für die in der Zielsprache noch kein Äquivalent existierte. Sie lösten diese Aufgabe vielfach durch Entlehnungen aus dem Arabischen und trugen so wesentlich dazu bei, dass bis heute ein wesentlicher Teil des wissenschaftlichen und technischen Wortschatzes in den europäischen Sprachen arabischen Ursprungs oder arabisch aus anderen orientalischen Sprachen vermittelt ist.
Die Universität Neukastiliens (Universität Kastilien-La Mancha) betreibt in Toledo seit 1994 mit Unterstützung der European Cultural Foundation eine Escuela de Traductores de Toledo, die an die mittelalterliche Tradition anknüpft, indem sie Spezialkurse zur Übersetzung aus dem Arabischen und Hebräischen ins Spanische anbietet.
Das Schachbuch Alfons des Weisen, spanisch Libro de los Juegos oder Libro de ajedrez, dados y tablas, basiert auf arabischen Texten, entwickelt aber das Schachspiel weiter und steht am Beginn der Literaturgattung der Schachzabelbücher.
Brockhaus-1809: Ferdinand Alvarez von Toledo, Herzog von Alba
Brockhaus-1911: Toledo [3] · Toledo [2] · Toledo
DamenConvLex-1834: Eleonore von Toledo · Toledo
Eisler-1912: Abraham ben David aus Toledo
Heiligenlexikon-1858: Maria de Toledo (292)
Meyers-1905: Tolēdo [2] · Tolēdo [1]
Pierer-1857: Tolēdo [2] · Tolēdo [3] · Neu-Tolēdo · Tolēdo [1]