2001: Odyssee im Weltraum

Filmdaten
Deutscher Titel: 2001: Odyssee im Weltraum
Originaltitel: 2001: A Space Odyssey
Produktionsland: UK, USA
Erscheinungsjahr: 1968
Länge (PAL-DVD): 143 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick
Arthur C. Clarke
Produktion: Stanley Kubrick
für MGM
Musik: u. a. György Ligeti
Richard Strauss (Also sprach Zarathustra),
Johann Strauß (An der schönen blauen Donau)
Kamera: Geoffrey Unsworth
Schnitt: Ray Lovejoy
Besetzung

2001: Odyssee im Weltraum ist ein bekannter und einflussreicher Science-Fiction-Film aus dem Jahre 1968, der auf der Kurzgeschichte The Sentinel (Der Wächter) von Arthur C. Clarke basiert und ursprünglich „Journey Beyond the Stars“ heißen sollte. Er ist eine britisch-US-amerikanische Co-Produktion und entstand unter der Regie von Stanley Kubrick in England. Dieser entwickelte in Zusammenarbeit mit Clarke auch das Drehbuch. Der in Details etwas abweichende, deutlich ausführlichere Roman zum Film wurde von Clarke allein geschrieben und kurz nach Erscheinen des Films unter demselben Titel veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Nach knapp drei Minuten sphärischer Musik zu einem Schwarzbild ist das Erste, was der Zuschauer zu sehen bekommt, das Logo der Produktionsfirma Metro-Goldwyn-Mayer. In der darauf folgenden Szene befinden sich Mond, Erde und Sonne in Konjunktion. Die Sonne geht auf, und der Vorspann wird eingeblendet. Der Rest des Filmes kann in vier Akte geteilt werden, jeder Akt (mit Ausnahme des zweiten) wird zuvor mit Zwischentitel angekündigt.

Der Morgen der Menschheit

Eine Gruppe von Vormenschen in der afrikanischen Savanne. Ihr Alltag wird von Not und vom Kampf ums nackte Überleben bestimmt: Ein Leopard reißt ein Mitglied der Gruppe, Artgenossen aus einer anderen Sippe versuchen, ihnen ihre Wasserstelle streitig zu machen. Eines Morgens erwacht die Gruppe neben einem schwarzen Monolithen, der, unbemerkt von den Vormenschen, möglicherweise von einer außerirdischen Spezies auf die Erde gebracht wurde.

Welchem Zweck dient der Monolith? Fest steht, dass er eine Bewusstseinsveränderung bei den Vormenschen herbeiführt, die ihn zunächst ängstlich umtanzen und zaghaft berühren. Seine Funktion wird klar, als einem der Vormenschen beim Anblick eines ausgebleichten Knochens ein revolutionärer Gedanke durch den Kopf schießt: den Knochen als Werkzeug oder Waffe zu verwenden. Die Szene wird von der Introduktion Also sprach Zarathustra von Richard Strauss untermalt.

Schnitt: Das Leben der Vormenschenhorde hat sich entscheidend verändert. Es steht jetzt genügend Fleisch von erbeuteten Tapiren zur Verfügung. Als wieder einmal eine andere Horde versucht, sich der Wasserstelle zu bemächtigen, wird der Anführer der fremden Horde mit dem als Waffe verwendeten Knochen erschlagen. Triumphierend schleudert der neu entstandene homo faber sein Werkzeug gen Himmel. Die Kamera verfolgt den schnellen Flug des Knochens, um schließlich den kurzen Augenblick der scheinbaren Schwerelosigkeit (der sogenannte Umkehrpunkt) von diesem einzufangen.

Clavius

In einem künstlerisch oft zitierten Bildschnitt (einer der berühmtesten Match-Cuts der Filmgeschichte) wird das primitive Knochen-Werkzeug durch einen technologisch fortgeschrittenen Erdsatelliten ersetzt. Zeitalter sind seit der Urzeitszene der Einleitung vergangen. Man schreibt das Jahr 1999. Verschiedene Satelliten ziehen ihre Bahnen im Erdorbit. Die meisten sind durch Nationalflaggen als verschiedenen Staaten der Erde zugehörig gekennzeichnet. Ein pfeilförmiges Raumschiff nähert sich einer großen radförmigen, noch im Ausbau befindlichen Raumstation. Es trägt Schriftzug und Logo der Fluggesellschaft PanAmerican. Zu den Klängen des Walzers An der Schönen Blauen Donau gleitet die Fähre in die Nabe des riesigen rotierenden Rades.

Einziger Passagier der Fähre ist der Raumfahrtfunktionär Dr. Heywood Floyd. Von der Raumstation will er mit einer anderen Fähre zur Mondstation Clavius reisen. Auf der Raumstation trifft er eine Gruppe von sowjetischen Wissenschaftlern. Sie fragen ihn, was auf der Mondstation los sei. Seltsame Dinge scheinen dort vor sich zu gehen. Eine Nachrichtensperre wurde verhängt. Es kursiert das Gerücht über eine Epidemie, die auf der Station ausgebrochen sein soll. Floyd ist höflich, gibt ihnen aber keine Auskunft. Mit einem kugelförmigen Raumschiff reist er weiter zum Mond – wieder als einziger Passagier.

Als Floyd auf Clavius eintrifft, wollen ihm die Wissenschaftler der Basis etwas zeigen, das in einiger Entfernung außerhalb der Station im Krater Tycho ausgegraben wurde. Man bricht mit einer Mondfähre dorthin auf: In einer Grube steht ein Monolith, der dem aus der Eröffnungssequenz gleicht. Er ist absolut schwarz – nichts wird von ihm reflektiert. Das Gebilde scheint eindeutig außerirdischer Herkunft zu sein. Auch in dieser Szene berühren die Menschen den Monolithen. Als über der Grube die Sonne aufgeht und ihr Licht auf den Stein fällt, sendet dieser ein starkes, ohrenbetäubendes elektromagnetisches Signal aus – in Richtung des Planeten Jupiter.

Die Reise zum Jupiter

18 Monate später – die USA haben den Bau des Raumschiffs Discovery abgeschlossen. Offiziell besteht dessen Mission darin, am Jupiter wissenschaftliche Forschung zu betreiben. An Bord sind die Astronauten Poole und Bowman, drei weitere Kollegen, die in Tiefschlafkammern liegen, sowie der Computer HAL 9000, der mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet ist und das Raumschiff autonom steuert. Als Einziger an Bord hat der 9000er Computer Kenntnis von der wahren Bestimmung des Unternehmens – der Suche nach weiteren Spuren im Zusammenhang mit dem Monolithen auf dem Mond.

Die Computer der Serie 9000 repräsentieren zu dieser Zeit die Krönung der Computertechnik. Sie gelten als absolut perfekt – unfähig, den geringsten Fehler zu machen oder auch nur unklare Informationen zu liefern. Doch tatsächlich scheint HAL ein Fehler zu unterlaufen, als er eine offenbar voll funktionsfähige Baugruppe als schadhaft analysiert und zum Austausch vorschlägt. Poole und Bowman halten daraufhin das gesamte Unternehmen für gefährdet und erwägen HAL abzuschalten oder zumindest seine höheren Funktionen zu blockieren. Als HAL davon erfährt, sieht er seinerseits die Mission in Gefahr und tötet Astronaut Poole auf dessen Wartungsspaziergang (EVA) außerhalb des Raumschiffes. Ebenso schaltet er die Lebenserhaltungssysteme der drei tiefschlafenden Kollegen ab (siehe zum Verhalten HALs auch: Double Bind). Nur Astronaut Bowman kann sich retten, und es gelingt ihm, HAL zu überlisten und seine, dem Menschen gefährlich gewordenen, höheren Funktionen stillzulegen.

Während seines schrittweisen Abgeschaltet-Werdens scheint HAL fast Emotionen zu empfinden. Er berichtet von einem Gefühl der „Angst“, und erinnert sich an Bruchstücke aus seiner „Kindheit“, unter anderem an ein Lied, das ihm sein „Schöpfer“-Ingenieur beibrachte. Nachdem er von Bowman, der im Gegensatz zum fast kindlich anmutenden HAL keinerlei Gefühlsregungen zeigt, zum Singen aufgefordert wird, beginnt er dieses Lied zu singen: es ist ein triviales Kinderlied. Im Original heißt es Daisy, in der deutschen Fassung ist es Hänschen Klein. Während er singt, verlöschen HALs Funktionen nach und nach und seine Stimme wird schwächer bzw. langsamer. Durch die Abschaltung von HAL wird dann eine geheime Videobotschaft vorzeitig abgespielt, in der der Leiter des Unternehmens, Dr. Heywood Floyd, über den Fund des Monolithen auf dem Mond berichtet.

Wiedergeburt

Als Bowman mit der Discovery am Jupiter angelangt, schwebt ein weiterer Monolith im All. Bowman besteigt eine Raumkapsel, um den Monolithen zu untersuchen und gelangt nach einem dramatischen Flug an einen unbekannten Ort. Für das, was nun geschieht, lässt der Film viel Raum zur Interpretation.

Zunächst wird der Betrachter in eine lange psychedelische Farbsequenz geradezu hineingezogen, die an einen LSD-Trip erinnert. Sie endet, hin und her wechselnd zwischen (meist falschfarbenen) Bildern des Weltraums und von Sternen, einer Planetenoberfläche und Detailaufnahmen von Bowmans Auge. Anschließend sieht man eine leere Zimmerflucht, die durch ihren Fußboden aus leuchtenden Platten einen futuristischen Eindruck vermittelt, aber zugleich im Barock-Stil eingerichtet ist. Inmitten dieses surrealistischen Raums steht Bowmans Raumkapsel.

Aus ihr heraus erblickt Bowman sich selbst, im Raumanzug, als wäre er bereits längst in dem Raum anwesend. Die Kamera nimmt nun die Perspektive dieses zweiten Bowman ein, während der erste, mitsamt seiner Raumkapsel, mit dem nächsten Schnitt verschwunden ist. Bowman (im Raumanzug) sieht sich um und entdeckt einen Spiegel, in dem er sich betrachtet. Dann bemerkt er die Anwesenheit einer weiteren Person im Nebenzimmer; als er einen Blick in das Zimmer wirft, sieht er sich selbst, etliche Jahre gealtert, wie er an einem Tisch eine Mahlzeit zu sich nimmt. Die Perspektive wechselt erneut. Der Essende stürzt aus Versehen sein Glas um und betrachtet die Scherben. Als er aufblickt, sieht er sich ein weiteres Mal selbst als sterbenden Greis auf dem Bett liegen. Die Perspektive wechselt wiederum und übernimmt den Blick des Greises, der im Bett liegt und den schwarzen Monolithen betrachtet, welcher plötzlich mitten im Raum steht, umrahmt vom Interieur des Zimmers mitsamt zweier antiker Statuen zur Linken und zur Rechten. Der Greis hebt seine Hand, als wollte er den Stein berühren, wie ihn bereits die Urmenschen sowie die Astronauten auf dem Mond berührten.

In der nächsten Einstellung erscheint ein Fötus mit weit geöffneten Augen − und einer deutlichen Ähnlichkeit mit Dave − in der Fruchtblase. In der folgenden Schlusssequenz schwebt dieser Fötus (in der Titelmusik „Starchild“ genannt) zwischen Mond und Erde im Weltraum. Dabei scheint er die Erde zu betrachten. Wie zu Anfang erklingen die Bläser aus Richard StraussAlso sprach Zarathustra.

Produktion

Die Dreharbeiten zu 2001 begannen am 29. Dezember 1965 bei den Shepperton Studios in Shepperton, England. Das Filmstudio wurde wegen seiner Größe ausgewählt, da es groß genug für die 18 × 36 × 18 Meter große Grube war, die als Set für die Tycho-Krater-Ausgrabungsszene gebraucht wurde, welche als Erste gedreht wurde. Vom Jahr 1966 an fanden die weiteren Dreharbeiten bei den MGM-British-Studios in Borehamwood, England statt. Hier wurde auch ein „Kommandoposten“ aufgebaut, um das Filmen von speziellen Effektszenen zu unterstützen, der beschrieben wurde als ein „großes pochendes Nervenzentrum ... mit etwa der gleichen frenetischen Atmosphäre wie ein Cape-Kennedy-Blockhaus während der letzten Countdown-Phase“. Der Film wurde in Super Panavision 70 mit einem 65mm Filmnegativ-Format gedreht, und die 35mm Filmkopien wurden mit dem Technicolor-Verfahren erstellt. Kubrick begann den Filmschnitt im März 1968 und lieferte seine Filmfassung, um 19 Minuten gekürzt, nur wenige Tage vor der öffentlichen Premiere am 6. April. Bis dahin war der Film bereits 4,5 Millionen Dollar über dem ursprünglich vorgesehenem 6 Millionen Dollar-Budget und 16 Monate hinter der geplanten Fertigstellung.

Der Film ebnete den Weg für die Frontprojektion, die bei den Afrikaszenen verwendet wurde. Dabei wurden Dias einer afrikanischen Landschaft über einen halbtransparenten Spiegel auf eine hochreflektierende Leinwand projiziert, vor der die Darsteller der Affenmenschen agierten. Diese Technik produzierte weitaus realistischere Bilder als andere Methoden die zur damaligen Zeit verfügbar waren, ist aber inzwischen generell durch flexiblere computergestützte Bluescreen-Techniken verdrängt worden.

Nicht verwendete Szenen

Diese beinhalten unter anderem eine Klassenraum-Szene auf der Clavius-Mondbasis, in der Kubricks Tochter mitspielte, sowie den Kauf eines Buschbabys in einem futuristischen Kaufhaus für Heywood Floyds kleine Tochter, die in der Bildtelefon-Szene erschien. Es gab eine weitere nicht verwendete Szene, in der Bowman einen Teil einer Ersatzantenne in einem oktagonalen Korridor erneuert. MGM machte eine Werbefotografie davon, die dann als Kino-Aushangfoto benutzt wurde. Aber am meisten erwähnenswert ist eine Eröffnungsszene, in der Wissenschaftler gezeigt werden, als sie gerade die Möglichkeit außerirdischen Lebens diskutieren.

Filmmusik

Vorgeschichte

Stanley Kubrick, dessen Filme auch durch die oft unkonventionelle Musikwahl berühmt sind, hatte ursprünglich gehofft, Carl Orff für seinen neuen Film 2001 zu gewinnen. Orffs Carmina Burana hatte ihm sehr gefallen. Doch der damals schon 71-jährige Komponist lehnte aufgrund seines Alters ab.

So holte Kubrick den englischen Komponisten Frank Cordell an Bord. Dessen Auftrag war es, Teile von Gustav Mahlers 3. Sinfonie für den Film zu adaptieren. Aber Kubrick verwendete dann doch nichts von Cordells Beitrag im fertigen Film. Genauere Informationen über diese Arbeit sind spärlich und teils umstritten. Die Manuskripte und Musikaufnahmen sind verschollen beziehungsweise zerstört worden.

Im Dezember 1967 beauftragte Kubrick schließlich Alex North, eine Originalmusik für den Film zu komponieren. Mit North hatte er schon bei Spartacus erfolgreich zusammengearbeitet. Einige Szenen von 2001 waren von Kubrick mit klassischer Musik unterlegt worden, als er North eine Rohfassung zeigte und ihn bat, die Filmmusik inspiriert durch diese Musikauswahl zu komponieren.

Unter großem Zeitdruck schrieb North die Musik in London zunächst nur für die erste Filmhälfte. Den zweiten Teil sollte er, so der Plan, später in Angriff nehmen. Henry Brant orchestrierte die Partitur. Er übernahm auch das Dirigieren für die in London auf Anfang Januar 1968 angesetzten Musikaufnahmen, weil North aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage war.

Insgesamt wurden rund 40 Minuten von Norths Musik eingespielt. Danach wartete der Komponist darauf, mit der Komposition für den restlichen Film beginnen zu können. Aber Kubrick ließ ihn wissen, für die zweite Hälfte wolle er keine Musik einsetzen und nur mit Geräuschen arbeiten. Schließlich verwarf er Norths Arbeit vollständig zugunsten des Temp-Tracks, der aus bereits vorhandener Musik der Klassik und Moderne bestand. North erfuhr von diesem für ihn schmerzhaften Entscheid erst im Rahmen einer internen Studiovorführung des fertigen Films, die kurz vor der Weltpremiere stattfand.

Alex Norths Komposition für 2001 blieb ein Torso. Elemente davon rezyklierte er jedoch für spätere Arbeiten (The Shoes Of The Fisherman und Dragonslayer). Im Jahr 1993 führte Jerry Goldsmith eine restaurierte Fassung von 2001 konzertant auf und veröffentlichte das Werk auf CD bei Varese Sarabande. Damit kam erneut eine Debatte über die Verwendung präexistenter Musik in Filmen in Gang, die bis heute nicht verebbt ist.

Die Originalmusik von North unter dem Dirigat Henry Brants erschien erst im Jahr 2007 bei Intrada auf CD mit einem umfangreichen Begleitheft zur Musik und zu den Hintergründen der Entstehung und Verwerfung. Dabei werden auch Irrtümer berichtigt, die in der Varese-Sarabande-Edition ihren Ursprung haben. Zudem ist es nun möglich, einige Filmszenen mit der North-Musik zu unterlegen und so mit der offiziellen Filmfassung zu vergleichen. Kubricks Entscheid, Norths Musik abzulehnen, bleibt umstritten, wobei die Fürsprecher Kubricks klar überwiegen.

Die Musik im Film

Der Film selbst beginnt mit dem Stück Atmosphères von György Ligeti zu schwarzem Bild. Des Weiteren werden alle Erscheinungen der Monolithen leitmotivisch mit dem Kyrie aus Ligetis Requiem untermalt. Zu hören ist ferner das Lux Aeterna von Ligeti, eine Komposition für 16-stimmigen gemischten Chor a cappella.

Die erste Szene nach der Einblendung des Logos des Filmstudios zeigt Sonne, Mond und Erde in Konjunktion. Die Sonne geht auf und die Einleitung aus Also sprach Zarathustra von Richard Strauss ertönt. Richard Strauss hat in diesem Stück den zu Anfang des Buches beschriebenen Sonnenaufgang vertont. In diesem Kontext, dem Beginn von etwas Neuem, einer Zäsur, ist das Spiel dieses Stücks im gesamten Film zu verstehen.

Richard Strauss setzt Kubrick den Walzerkönig Johann Strauß gegenüber. So groß wie die herzliche Abneigung, die beide Musiker verband, ist der musikalische Kontrast: Straußens Walzer An der schönen blauen Donau fließt in und mit der Zeit. Legendär ist die Szene, in der ein Raumschiff die Raumstation zu den Walzerklängen umtanzt. Es gibt auch musikwissenschaftliche Ansätze, den 3/4-Takt des Walzers als moderne zahlenmystische Variante zu deuten: bei Pythagoras war die Zahl 3 Symbol für die ewige Wiederkehr, in der Kirchenmusik der Renaissance galt ein Dreiertakt als modus perfectus, der die Göttlichkeit umschreibt.

Der Aufbruch zum Jupiter wird unterlegt mit dem Adagio für Solo-Cello und Streicher aus der Gajaneh-Suite von Aram Chatschaturjan.

Der überwiegende Teil der Tonspur des Filmes wird durch Musik oder Geräusche bestimmt. So wird bei 143 Minuten Spielzeit nur in 48 Minuten des Filmes gesprochen.

Es gibt verschiedene Schallplatten- bzw. CD-Ausgaben dieser Filmmusik. Eine bei Columbia Records erschienene CD (Nummer AK45439) enthält aber den offiziellen Original-Soundtrack und somit folgende Titel:

  1. Overture: Atmosphères [Auszug] (György Ligeti) 2:48 - Sinfonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden, Leitung: Ernest Bour
  2. Title Music: Also sprach Zarathustra (Richard Strauss) 1:42 - Berliner Philharmoniker, Leitung: Karl Böhm
  3. From Earth To The Moon: An der schönen blauen Donau (Johann Strauß) 9:51 - Berliner Philharmoniker, Leitung Herbert von Karajan
  4. TMA-1: Lux Aeterna (György Ligeti) 6:00 - Schola Cantorum Stuttgart, Leitung: Clytus Gottwald
  5. Discovery: Adagio from Gayane Ballet Suite (Aram Chatschaturjan) 5:16 - Leningrader Philharmoniker, Leitung: Gennadi Roschdestwenski
  6. Star Gate: Requiem for Soprano, Mezzo Soprano, Two Mixed Choirs & Orchestra (György Ligeti) 5:58 - Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Francis Travis
  7. Star Gate II: Atmosphères (György Ligeti) 8:39 - Sinfonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden, Leitung: Ernest Bour
  8. Transfiguration: Also sprach Zarathustra (Richard Strauss) 1:39 - Berliner Philharmoniker, Leitung: Karl Böhm

Der auf Schallplatte veröffentlichte Soundtrack unterscheidet sich vom Film selbst darin, dass im Film bei Also sprach Zarathustra eine Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern unter Herbert von Karajan zu hören ist. Allerdings wollte die Plattenfirma Decca, der die Rechte an dieser Aufnahme gehörten, nicht mit einem Science-Fiction-Film in Verbindung gebracht werden. Deshalb durfte die Karajan-Aufnahme zwar für den Film verwendet werden, im Abspann des Films wird aber nicht angegeben, wer die Aufnahme eingespielt hat. Für die Veröffentlichung auf Schallplatte wurde Karajans Aufnahme dann durch die Einspielung von Karl Böhm ersetzt.

Würdigung und Interpretation

Es ist wohl kaum möglich, alle Komponenten von 2001: Odyssee im Weltraum, all seinen erschöpfenden Inhaltsreichtum, zur Sprache zu bringen, oder gar jede mögliche Interpretation hinreichend darzulegen. Im Spektrum der Abstraktion, der Ästhetik und des Symbolismus zeigt sich dieser Film unmittelbar.

“I tried to create a visual experience, one that bypasses verbalized pigeonholing and directly penetrates the subconscious with an emotional and philosophic content. I intended the film to be an intensely subjective experience that reaches the viewer at an inner level of consciousness, just as music does; to „explain“ a Beethoven symphony would be to emasculate it by erecting an artificial barrier between conception and appreciation. You're free to speculate as you wish about the philosophical and allegorical meaning of the film – and such speculation is one indication that it has succeeded in gripping the audience at a deep level – but I don't want to spell out a verbal road map for 2001 that every viewer will feel obligated to pursue or else fear he's missed the point.”

„Ich habe versucht ein visuelles Erlebnis zu schaffen, welches die sprachlichen Einordnungsschemata umgeht und mittels eines emotional-philosophischen Inhalts direkt zum Unterbewusstsein vordringt. Ich war bestrebt den Film als intensiv subjektive Erfahrung zu kreieren die den Zuschauer auf einer inneren Bewusstseinsebene erreicht, genauso wie Musik; eine Beethoven-Symphonie zu „erklären“ würde sie entzaubern, durch die Errichtung einer künstlichen Schranke zwischen Konzeption und Wahrnehmung. Es steht jedem frei, über die philosophische und allegorische Bedeutung des Films zu spekulieren – und derartige Spekulation ist ein Anzeichen dafür, dass es gelungen ist, das Publikum auf einer tiefen Ebene zu berühren – aber ich möchte keine verbale Roadmap für 2001 aufstellen, der sich jeder Zuschauer verpflichtet fühlen würde, auf die Gefahr hin, das Wesentliche zu verpassen.“

Stanley Kubrick: Playboy Magazin (1968)

Symbolik der Formen

Es ist interessant die Bedeutung, die den Formen in diesem Film beigemessen wurde, zu erkennen. Zwei geometrische Formen gehen hauptsächlich aus dieser Beobachtung hervor: der Kreis und das Rechteck. Der Kreis scheint alles was sich auf den Menschen bezieht zu repräsentieren. Erkennbar z.B. an der Vormenschen-Horde, die einen Kreis um die Wasserstelle bilden, oder das „Sternenkind“. Aber auch bei den technischen Errungenschaften setzt sich die Orbitalstation aus zwei gigantischen Rädern zusammen, die sich harmonisch im Kreis drehen. Der bewohnbare Teil des Discovery-Schiffes hat eine Zylinderform, und viele Schiffe (z.B. die EVA-Pods) sind sphärisch. Die Form des Rechtecks hingegen nimmt eine Bedeutung ein, die man mit dem Monolith verbinden kann. Dieses vollkommene rechtwinklige Parallelepiped, als Entwicklungssymbol, kann uns veranlassen, die rechteckige Form als die Darstellung der höheren Intelligenz wahrzunehmen. Folglich enthüllt eine Einzelheit all ihre Bedeutung, was die Schnittstelle des HAL-Computers betrifft: diese teilt nämlich mit dem aufrechten Rechteck, in dem sich wiederum ein kreisförmiger Sensor befindet, sowohl Symbolikanteile mit dem Monolith als auch dem Menschen. Somit könnte man HAL als einen Vermittler zwischen dem Menschen und der höheren Intelligenz erfassen.

Kommentar

Obwohl Clarke am Drehbuch mitwirkte, trägt der Film deutlich die Handschrift Kubricks, insbesondere was seinen Pessimismus anbelangt. So ist beispielsweise die erste Auswirkung der Intelligenz für unseren Vorfahren die Erfindung einer Waffe, der schon bald ein feindlicher Artgenosse zum Opfer fällt. Die Protagonisten sind ungemein inaktiv: die Astronauten sind gänzlich unter der Kontrolle des Raumschiffcomputers HAL, und nur eine waghalsige Aktion erlaubt es dem letzten Überlebenden sich zu retten, und in weiterer Folge sich des außer Kontrolle geratenen HAL 9000 zu entledigen.

Der Film enthält eine Reihe von Spezialeffekten, die in den 60er-Jahren sensationell waren und auch heute noch verblüffen, wie zum Beispiel die Darstellung der künstlichen Schwerkraft und Daves Reise am Ende des Films. Nach Meinung mancher Kritiker sind einige der Filmtricks bei Pavel Klushantsev entlehnt, der sie Jahre vorher für Der Weg zu den Sternen (Doroga k zveyezdam) entwickelt hatte.

Daneben stellte er durch seinen Aufbau und seine Mehrdeutigkeit auch ein filmisches Experiment dar, das sich den gängigen Klischees des damaligen Science-Fiction-Filmes konsequent verweigerte – Raumschiffe lärmten plötzlich nicht mehr im Weltall (als einziger Regisseur hielt sich Kubrick an die physikalische Realität – Schall kann sich im luftleeren Raum nicht ausbreiten), es gab keine Außerirdischen zu sehen, und ob es sich beim Ende um ein Happy End handelt oder nicht, bleibt der Interpretation des Betrachters überlassen.

Der Film kam im berühmten welthistorischen „Umbruchjahr“ 1968 erstmals in die Kinos und avancierte aufgrund seines für Science-Fiction-Filme eher untypischen mystisch-philosophischen Charakters schnell zu einem Kultfilm der Hippie- und New-Age-Bewegung. Noch heute sorgt der Inhalt für Diskussionen. Seine Faszination ist vielleicht auch dadurch bedingt, dass er viele Interpretationen zulässt und mehr Fragen stellt als beantwortet. Trotzdem lässt sich die Gesamtaussage des Films am Ende grob so formulieren: Eine Parabel über die Evolution intelligenten Lebens und eine Gratwanderung zwischen Bewunderung technologischer Errungenschaften und Kritik an der rationalisierten menschlichen Zivilisation.

Die Qualität dieses Werks und der Perfektionismus des Regisseurs haben jene authentische Wirkungen erlaubt, die im Film dazu beitragen, eine zeitlose Illusion beizubehalten. Die durch diesen Film aufgegriffenen Themen (Natur der Menschheit, Intelligenz, unser Platz im Universum) bleiben auch heute, etwa vierzig Jahre später, von nachhaltiger Aktualität.

Kritiken

„Kubricks fantastisches Abenteuer vereint technische Utopie und kulturphilosophische Spekulation zu einer Weltraumoper von überwältigendem Ausmaß. Der kühne gedankliche Entwurf des Films wird mit nicht minder kühnen optischen Effekten und einer revolutionären Tricktechnik realisiert, die das Genre Science Fiction in den folgenden Jahren entscheidend prägten.“

Lexikon des Internationalen Films

  • Der bekannte Filmkritiker Leonard Maltin bewertete den Film mit 4 von 4 möglichen Sternen.

Auszeichnungen

  • Oscar 1968 für Stanley Kubrick (Spezialeffekte)
  • BAFTA-Award für Geoffrey Unsworth (British Cinematography)
  • BAFTA-Award für Tony Masters, Harry Lange und Ernest Archer (Art Direction)
  • BAFTA-Award für Winston Ryder (Soundtrack)
  • Cinema Writers Circle Award (Spanien) (Bester ausländischer Film)
  • David di Donatello Award für Stanley Kubrick (Italien) (Cinema Straniero)
  • Oscar-Nominierung 1968 für Tony Masters, Harry Lange, Ernie Archer (Ausstattung)
  • Oscar-Nominierung 1968 für Stanley Kubrick, Arthur C. Clarke (Original-Drehbuch)
  • Oscar-Nominierung 1968 für Stanley Kubrick (Regie)
  • BAFTA-Award Nominierung 1968 für Stanley Kubrick (Bester Film)
  • BAFTA-Award Nominierung 1968 für Stanley Kubrick (United Nations Award)
  • Directors Guild of America Nominierung 1968 für Stanley Kubrick (Feature Film)
  • Hugo Award 1969 (beste dramatische Präsentation)

Fortsetzungen

1984 erschien die Fortsetzung des Films, 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (engl. 2010: The Year We Make Contact), welche auf Clarkes Buch 2010: Odyssey Two (2010 – Die neue Odyssee) basiert.

Die Teile drei (2061: Odyssey Three) und vier (3001: The Final Odyssey) liegen nur in Buchform vor und wurden bislang nicht verfilmt.

Trivia

  • Wenn man das Kürzel des Bordcomputers „HAL“ im Alphabet einen Buchstaben nach hinten verschiebt, erhält man „IBM“. Arthur C. Clarke hat jedoch stets betont, dass dieser Zusammenhang reiner Zufall sei [1].
  • In dem Buch 2001: Odyssee im Weltraum von Arthur C. Clarke (der später noch die Nachfolgewerke 2010, 2061 und 3001 schrieb) spielt sich die Filmhandlung nicht vor Jupiter sondern vor dem Planeten Saturn ab. Aus technischen Gründen bei der Herstellung des Films hat sich Kubrick dann dazu entschieden, den Jupiter als Zielplaneten auszuwählen, da die Ringe des Saturns nicht realistisch im Film dargestellt werden konnten.
  • Schaltet man zu Beginn des letzten Themas „Wiedergeburt“ den Ton des Films stumm und lässt stattdessen das 23-minütige Pink-Floyd-Lied Echoes laufen (sodass beim ersten „Ping“ der Schriftzug „Jupiter“ erscheint), ergeben sich interessante Analogien. Beispielsweise passt sich die Musik geradezu den verschiedenen psychedelischen Bildern an.

Hommagen

In populären Medien wie Film, Fernsehen, Werbung, Musik oder Computerspiel gab es seit Erscheinen von 2001 – Odyssee im Weltraum unzählige Anspielungen und Anlehnungen an den Film. Insbesondere die "Knochenszene", der Monolith, HAL 9000, die Schlussszene sowie die Filmmusik wurden oft zitiert oder kopiert. Einzelne Werke stellen darüber hinaus Hommagen an den Film dar, da sie sich durchgängig mit dem Werk beschäftigen. Beispiele für solche Hommagen sind:

  • Die Sciencefiction-Film-Parodie Dark Star von Regisseur John Carpenter aus dem Jahr 1974,
  • Die Filmparodie 2002 - Durchgeknallt im All mit Leslie Nielsen in der Hauptrolle. (Englischer Titel: 2001:A Space Travesty),
  • David Bowie verfasste unter dem Eindruck des Films eines seiner bekanntesten Lieder: Space Oddity (1969). Er schaffte damit seinen musikalischen Durchbruch.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Quelle:
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