Abdullah Gül

Abdullah Gül(José Cruz/ABr, 2006)
Abdullah Gül
(José Cruz/ABr, 2006)

Abdullah Gül (* 29. Oktober 1950 in Kayseri) ist ein türkischer Politiker. Er ist stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister der Türkei.

Gül kandidierte im April und Mai 2007 für das Präsidentenamt als Kandidat der Regierungspartei AKP, nachdem er von Parteichef Erdoğan dafür vorgeschlagen worden war.[1][2][3] Diese Kandidatur löste eine innenpolitische Krise in der Türkei aus.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Abdullah Gül studierte an der Istanbuler Universität Wirtschaft und schrieb dort seine Dissertation. Während seines Promotionsstudiums hielt er sich für zwei Jahre in London und Exeter auf. Danach blieb er seiner akademischen Laufbahn treu, arbeitete an der Universität von Sakarya bei der Gründung der Abteilung für Industrieingenieurswissenschaften mit und unterrichtete Managementseminare.

Von 1983 bis 1991 war Gül als führender Manager der Islamic Development Bank (IDB) tätig. 1991 wurde er Dozent für Internationales Management. Im selben Jahr wurde er in den vorgezogenen Neuwahlen als Vertreter der islamischen Partei RP („Refah Partisi", Wohlfahrtspartei) zum Abgeordneten von Kayseri gewählt und zog ins Parlament ein.

In den Jahren 1991 bis 1995 war Gül Mitglied der Planungs- und Budgetkommission des Türkischen Parlaments. 1995 wurde er wiedergewählt und war bis 2001 Mitglied der Kommission für außenpolitische Angelegenheiten.

1992 wurde Abdullah Gül Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, die ihn wegen seiner Bemühungen 2001 mit dem „Pro Merito“ auszeichnete, darüber hinaus wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.

In der 54. türkischen Regierung war er im Ministerium für Staatswesen tätig und fungierte als Regierungssprecher.

Nach dem Verbot der RP wurde Gül 1999 als Mitglied der Nachfolgepartei Fazilet Partisi (FP, Tugendpartei) zum dritten Mal ins Parlament gewählt.

Am 14. Mai 2000 verlor er knapp die Wahl zum Vorsitzenden der FP. In weiten Kreisen galt dies dennoch als anerkennenswerter Erfolg. Nach dem Verbot der FP nahm Gül eine wichtige Stellung in der Führungsriege einer politischen Bewegung („Neuerungsbewegung“, türk. Yenilikçi Hareket) ein, die im August 2001 in der durch sie gegründeten AKP aufging. Als eines der Gründungsmitglieder war er für juristische und politische Angelegenheiten verantwortlich, was ausschlaggebend dafür gewesen sein dürfte, dass er zum Vizepräsidenten der neuen Partei gewählt wurde.

Am 3. November 2002 wurde Gül erneut als Abgeordneter für Kayseri ins Parlament gewählt. Zwei Wochen später wurde er mit der Bildung der 58. Regierung beauftragt. Er übernahm das Amt des Ministerpräsidenten und bildete das Kabinett, wobei dieses als Übergangsregierung fungieren sollte. Ziel war es, so bald wie möglich durch eine Gesetzesänderung den Parteipräsidenten der AKP, Recep Tayyip Erdoğan, mit Hilfe einer Nachwahl in einer ostanatolischen Provinz (Siirt) zum Ministerpräsidenten zu machen. Am 14. März 2003 übernahm Erdoğan das Amt des Ministerpräsidenten und ernannte Abdullah Gül zu seinem Stellvertreter und zum Außenminister.

Abdullah Gül ist verheiratet und hat drei Kinder. Er spricht Englisch, Türkisch und Arabisch flüssig.

Präsidentschaftswahlen 2007

Im Jahre 2007 kandidierte Abdullah Gül für das Amt des Staatspräsidenten. Eine noch in der Wahlnacht veröffentlichte Erklärung des Generalstabs und ein Abstimmungsboykott mit anschließendem Gang vor das Verfassungsgericht verhinderte die Wahl Güls zum Präsidenten. In der Folge schrieb die Regierung Neuwahlen aus. Im Zusammenhang mit den Präsidentschaftwahlen kam es türkeiweit zu Massendemonstrationen für eine säkulare Türkei.[4]

Weblinks

Commons
Commons: Abdullah Gül – Bilder, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. Erdoğan verzichtet auf Präsidentschafts-Kandidatur, derStandard online, abgerufen am 24. April 2007
  2. Gül für Präsidentschaftswahl nominiert, FAZ online, abgerufen am 24. April 2007
  3. Erdoğan verzichtet, Zeit online, abgerufen am 24. April 2007
  4. Die Türkei an der Grenze zum Chaos, Welt online, abgerufen am 29. April 2007
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