Der accusativus cum infinitivo (lat. = Akkusativ mit Infinitiv, auch AcI) ist eine in der lateinischen und altgriechischen Sprache gebräuchliche Satzkonstruktion. Seltener findet man sie auch im Deutschen und Englischen.
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Ein AcI ist Objekt eines übergeordneten Verbs der Wahrnehmung, des Wissens oder des Sprechens (also "Kopfverben") (verba sentiendi et dicendi) oder bestimmter unpersönlicher Ausdrücke (constat – es steht fest). Das Prädikat des eingebetteten Satzes steht im Infinitiv. Ist der AcI vorzeitig, steht das Prädikat im Infinitiv Perfekt. Das Subjekt des eingebetteten Satzes steht im Akkusativ. Ist das Subjekt im AcI gleich dem Subjekt des Matrixsatzes, dann wird das Subjekt im AcI durch das Reflexivpronomen se (im Deutschen in der 3. Person sich) ersetzt.
Im Deutschen kann der AcI manchmal wörtlich übersetzt werden. Meist muss er aber mit der Gliedsatzeinleitung dass ... oder um zu ... wiedergegeben werden.
Ein bekanntes Beispiel ist das Cato zugeschriebene Zitat Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.
Ceterum censeo bedeutet im Übrigen bin ich der Meinung, Carthaginem ist der Akkusativ von Carthago und esse ein Infinitiv; delere bedeutet 'zerstören', in der vorliegenden nd-Form eine zu zerstörende (Stadt). Also Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.
Ohne AcI: Gaius dicit: "Lucius multos amicos ad cenam invitat." 'Gaius sagt: "Lucius lädt viele Freunde zum Essen ein.'
Mit AcI: Gaius Lucium multos amicos ad cenam invitare dicit. 'Gaius sagt, dass Lucius viele Freunde zum Essen einlade.'
Ohne AcI: Lucius videt: Amicus per aulam properat. 'Lucius sieht: Der Freund eilt durch den Hof.'
Mit AcI: Lucius amicum per aulam properare videt. 'Lucius sieht, dass der Freund durch den Hof eilt.'
Ohne AcI: Consul putat: Populus Romanus senatoribus fidem habet. 'Der Konsul glaubt: Das römische Volk hat zu den Senatoren Vertrauen.'
Mit AcI: Consul populum Romanum senatoribus fidem habere putat. 'Der Konsul glaubt, dass das römische Volk Vertrauen zu den Senatoren habe.'
Doppeldeutiger AcI: Aio te Romanos vincere posse. Entweder 'Ich sage, dass du die Römer besiegen kannst' oder 'Ich sage, dass dich die Römer besiegen können'; Worte der Pythia an Pyrrhus, überliefert von Quintus Ennius).
Auch im Deutschen lässt sich die AcI-Konstruktion verwenden, wenn auch nicht so häufig wie im Lateinischen. Vor allem nach Verben der Wahrnehmung kommt oft ein vergleichbarer Satzbau vor: Der Satz Ich höre das Orchester spielen ist gleichbedeutend mit ich höre, dass [oder wie] das Orchester spielt. Dabei steht das Orchester im Akkusativ, und spielen ist ein Infinitiv, der als Prädikat zu Orchester fungiert.
Auch im Englischen kann der AcI nach Verben der Wahrnehmung und des Wollens verwendet werden: *I saw her go. (Ich sah sie gehen. bzw. Ich sah, dass sie ging.)
Weiterhin kommt er in Kausativsätzen vor:
Der englische AcI kann - je nach Valenz des Hauptverbs - entweder mit dem "full infinitive" (to go) oder mit dem "bare infinitive" (go) gebildet werden. Bei manchen Verben muss hier zwischen Aktiv und Passiv unterschieden werden. Man vergleiche:
Eine analoge Konstruktion ist der Nominativus cum infinitivo (NcI).
Brockhaus-1911: Cum laude · Cum infamia · Cum grano salis
Heiligenlexikon-1858: Gurdianus, Criscentia cum aliis SS.
Meyers-1905: Si cum Jesuītis, non cum Jesu itis · Summa cum laude · Vulpecŭla cum ansere · Magna cum laude · Cum cura marīti · Cum grano salis · Cum infamĭa
Pierer-1857: Accusativus · Cum Leuvu · Cum infamĭa · Cum spe succedendi · Cum notis variorum · Cum · Concordat cum origināli · Cum grano salis · Cum bona venĭa