Adalbert von Prag

Adalbert von Prag - Darstellung aus dem 15. Jhdt.
Adalbert von Prag - Darstellung aus dem 15. Jhdt.
Adalbert, Teil des Wenzelsdenkmals auf dem Wenzelsplatz in Prag
Adalbert, Teil des Wenzelsdenkmals auf dem Wenzelsplatz in Prag

Adalbert (Vojtěch) von Prag, polnisch Wojciech (* um 956; † 23. April 997 an einem nicht genau bekannten Ort im Prußenland) war ein katholischer Glaubensbote in Ungarn und bei den Prußen, Bischof von Prag und Märtyrer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Adalbert war ein Sohn des mächtigen böhmischen Fürsten Slavník; seine Mutter Střezislava war verwandt mit Kaiser Otto I. Die Verwandtschaft konnte jedoch nur indirekt sein. So soll sie Schwester der Premysliden Wenzel und Boleslav gewesen sein. Eher geht man davon aus, dass sie Schwester der Stiefmutter, oder Blutsverwandte der Babenberger war [1]. Der Stiefbruder Adalberts, Gaudentius, war erster Erzbischof von Gnesen.

Er erhielt zehn Jahre lang im Moritzkloster in Magdeburg unter Adalbert von Magdeburg eine vorzügliche Ausbildung. Als sein Lehrer starb, nahm Vojtěch ihm zu Ehren den Namen Adalbert an. 981 kehrte er nach Prag zurück und wurde Geistlicher im Gefolge des ersten Prager Bischofs Thietmar. Ein Jahr später wurde er Zeuge seines Ablebens.

Am 19. Februar 982 wählte ihn Fürst Boleslav II. aufgrund seines großen Wissens und Kontakten zum Ausland zum Bischof von Prag. Die Bestätigung erfolgte ein Jahr später am 3. Juni 983 in Venedig. In der Zeit dazwischen, die er in Venedig verbrachte, lernte er weitere hohe Würdenträger kennen. Er kehrte nach Prag zurück und blieb dort bis 988.

Infolge seines Reformeifers stieß er auf Widerstand des dortigen Klerus. Er bekam jedoch auch Probleme mit den weltlichen Würdenträgern. Laut Johannes Canaparius soll die von Fürsten und anderen Adligen betriebene Polygamie, deren Verbot er nicht durchsetzen konnte, ihn zu seinem Weggang getrieben haben. Ihm gelang es auch nicht genügend Geld aufzutreiben, um Sklaven, die der böhmische Fürst an die Orienthändler verkaufte, zurückzukaufen. Insgesamt konnte er sich gerade in diesem Punkt politisch nicht durchsetzen, da der Sklavenhandel der privilegierten Schicht eine sichere, bequeme Einnahmequelle war, durch die zudem auch das böhmische Heer finanziert wurde.

Daraufhin trat er 988 in das Benediktinerkloster Monte Cassino und von dort in das Kloster St. Bonifacius und Alexius auf dem Aventin in Rom ein. Hier lebten griechische Mönche in einer asketisch-schwärmerischen Gedankenwelt. Hier lernte ihn auch Kaiser Otto III. kennen und verehren, der den gleichen mystisch-schwärmerischen Stimmungen anhing.

Im Jahre 993 wurde er von Papst Johannes XV. in sein Bistum nach Prag zurückgeschickt, nach anderen Quellen von Prager Gesandten Radla und den Mönchen Kristián aus Rom geholt. Unter anderem erhielt er das Versprechen, in Böhmen ein Kloster gründen zu dürfen. Mit zwölf Mönchen, die mit ihm nach Prag gingen, gründete er das Kloster Břevnov, das für Jahrhunderte ein geistig-religiöses Zentrum Böhmens werden sollte.

Die Situation in Böhmen spitzte sich dabei weiter zu. Adalbert wurde vermutlich in den zunehmenden Konflikt zwischen den Přemysliden und den Slavnikiden hineingezogen. Die Auseinandersetzungen mit der Herrschaftsriege nahmen wieder zu und gipfelten in der Verletzung des Asylsrechts. So soll eine Frau, die fremdgegangen ist, bei ihm Schutz gesucht haben. Die Verwandten des Betrogenen sollen sich dann gewaltsam Zutritt in die Kirche des Hl Georg verschafft haben und haben anschließend vor den Augen des Bischofs die Frau geköpft.

Im Zorn über die heidnische Wildheit der erst kürzlich christianisierten Böhmen verließ er sein Bistum und zog sich nach kurzer Missionstätigkeit in Ungarn nach Rom in das Kloster auf dem Aventin zurück. Mit Kaiser Otto III., dessen Kaiserkrönung in Rom am 21. Mai 996, am Feste Christi Himmelfahrt, er beiwohnte, verband ihn eine tiefe Freundschaft. Er hatte großen Einfluss auf das religiöse und politische Denken des jungen Kaisers, den er auch für seine Ostmissionspläne gewinnen konnte.

Im Jahre 996 begab sich Adalbert von Rom aus zum Kaiser nach Mainz und von dort nach Polen zum Herzog Bolesław um von dort aus in das Land der Prußen zur Verbreitung des Evangeliums zu ziehen. Bolesław I. Chrobry gab ihm einige Soldaten als Reisebegleitung mit. Adalbert und sein Geleit kamen 997 nach Danzig, das als „urbs Gyddanizc“ in der Lebensbeschreibung Adalberts erstmals erwähnt wird. Hier soll er durch eine eintägige Missionspredigt viele Heiden bekehrt haben. Das könnte bei dem Ort St. Albrecht südlich von Danzig stattgefunden haben.

Mit nur zwei Begleitern hat er sich nach einer Wasserfahrt (vermutlich über das Frische Haff, das damals bis kurz vor Danzig reichte) an der preußischen Küste aussetzen lassen. Über den Ort gibt die Lebensbeschreibung Adalberts keine Auskunft. Adalbert, der der prußischen Sprache nicht mächtig war, wurde erschlagen. In seiner Vita heißt es, er habe verbotswidrig einen heiligen Hain betreten, aber sein Schüler, Freund und Nachfolger Bruno von Querfurt schreibt, ein Pruße habe ihn aus Rache für seinen im Kampf mit den Polen gefallenen Bruder erschlagen.

Lange Zeit nahm man an, dass Adalbert bei dem Dorf Tenkitten im Samland den Tod erlitten habe. Heute nimmt man eher einen Ort in der Nähe des späteren Elbing an.

Nachleben

St. Adalbert (Vojtech) und sein Bruder Gaudentius (Radim) Monument in Libice (Tschechien)
St. Adalbert (Vojtech) und sein Bruder Gaudentius (Radim) Monument in Libice (Tschechien)

Herzog Bolesław löste den Leichnam gegen Gold in Höhe von Adalberts Gewicht aus; er wurde zunächst (um 1000) in der neu gegründeten Metropolitankirche in Gnesen beigesetzt (nicht an dem bereits bestehenden Bischofssitz Posen), aber 1039 nach dem polnisch-böhmischen Krieg nach Prag verbracht. Hier fand man die Gebeine 1880 in einer Gruft am Domplatz und begrub sie in der Domkirche.

Bald nach seinem Tod, im Jahre 999, wurde er von Papst Silvester II. heilig gesprochen. Der damaligen Tradition entsprechend wurde sein Leben von Johannes Canaparius (Jan Kanapariusz) in einer Heiligenvita beschrieben.

Seine Gebeine wurden im Jahre 1039 vom böhmischen Herzog Břetislav I. aus Gnesen entführt und ruhen seitdem im Prager Veitsdom. Am Dom zu Gnesen befindet sich eine in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts angefertigte Bronzetür, die einen Reliefzyklus zum Leben des hl. Adalbert zeigt. Über dem Gnesener Hochaltar befindet sich ein Reliquie des Heiligen in einem silbernen Sarg.

Sein 1000. Todestag wurde 1997 in Polen gefeiert, zusammen mit dem tausendjährigen Jubiläum von Danzig. Auch in Deutschland und Ungarn wurden Sonderbriefmarken mit dem Porträt Adalberts herausgegeben.

Adalbert gilt als Schutzpatron von Polen, Ungarn, Böhmen und Preußen. Zahlreiche Kirchen tragen seinen Namen.

Ikonografie

In der Bildenden Kunst wird Adalbert in der Regel mit Mitra und im Bischofsgewand sowie Keule, Ruder oder Spießen dargestellt, da er mit einem Ruder erschlagen und mit Spießen durchbohrt worden sein soll. Gelegentlich wird er auch mit einem Adler als Attribut dargestellt, da ein Adler seinen Leichnam bewacht haben soll, bis er um 1000 in Gnesen bestattet werden konnte.

Die ältesten Darstellungen sind aus dem 12. Jahrhundert überliefert, als er auf böhmischen Denaren dargestellt worden war. Viele Darstellungen stammen aus dem 14. Jahrhundert, als er als Landespatron von Polen und Böhmen verehrt wurde. Die ausführlichsten Darstellungen zeigen ihn in einem Zyklus auf der Bronzetür aus dem Jahre 1175 und seinem silbernen Prunksarkophag aus dem Jahre 1623 im Dom zu Gnesen. In der böhmischen Barockkunst ist er häufig gemeinsam mit anderen böhmischen Landespatronen Wenzel, Ludmilla und Johann von Nepomuk zu sehen.

Gedenktage

Literatur

Quellen:

Es gibt drei Biographien von Zeitgenossen:

  • vom Abt des römischen Klosters Johannes Canaparius,
  • vom Erzbischof Bruno von Querfurt, einem Schüler und Freund Adalberts, und
  • die Passio Sancti Adalperti Martiris (um 1000–1025).

Darstellungen:

  • Jürgen Hoffmann: Vita Adalberti, ISBN 3-89861-387-9.
  • Hans Hermann Henrix: Adalbert von Prag, ISBN 3-7890-4834-8.
  • Michal Lutovský, Zdeněk Petráň: Slavníkovci ISBN 80-7277-291-0
  • Nový-Sláma-Zachová: Slavníkovci
  • Jiří Sláma: Slavníkovci ve středověkém písemnictví, Praha : Vyšehrad, 1987
  • Johann Loserth: Der Sturz des Hauses Slawnik

Weblinks

Anmerkungen

  1. Dušan Třeštík: Počátky Přemyslovců
Quelle:
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