Der Adler ist in der Heraldik eine Gemeine Figur und nach dem Löwen das zweithäufigste Wappentier. Er symbolisiert Unsterblichkeit, Mut, Weitblick und Kraft, gilt aber auch als König der Lüfte und Bote der höchsten Götter. Nach altem Glauben blickt er beim Auffliegen direkt in die Sonne, weshalb er auch ein Sinnbild für den Aufstieg in den Himmel und die Erlösung der Seele ist. Mythologisch wird der Adler bei den Griechen mit dem Gott Zeus, bei den Römern mit Jupiter und bei den Germanen mit Odin verbunden.
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Im Heiligen Römischen Reich galt der Adler als kaiserliches Symbol und als Symbol des Reiches. Die Verwendung eines Adlers stellte daher auch immer ein Bekenntnis zur Kaisertreue dar. So sind Adlerwappen typisch für viele freie Reichsstädte, die Wert auf ihre Reichsunmittelbarkeit legten und sich keinem Fürsten unterwerfen wollten. Der Löwe stellte dahingegen die fürstliche Macht und das regionale Streben nach Unabhängigkeit von kaiserlicher Macht dar. Bürgerliche Familienwappen zeigen oft einen Hund.
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Adlerwappen der ehemals Freien Reichsstadt Frankfurt am Main |
Adlerwappen der ehemals Freien Reichsstadt Lübeck |
Adlerwappen der ehemals Freien Reichsstadt Nürnberg |
In Wappen finden häufig auch nur Teile des Adlers Anwendung. So wird der Kopf, nur ein Fang (Bein) oder beide Fänge zur Gestaltung genommen. Farben entsprechen den heraldischen Regeln. Wird nur der Oberkörper im Wappen gezeigt, so kann er wachsend oder wenn er nicht den Schildrand berührt, schwebend sein. Sind nur die Flügel oder mindestens einer im oder über dem Wappen (Oberwappen) angebracht, spricht der Heraldiker vom Flug. Dieser Flug kann offen, geschlossen oder ein Halber Flug sein. Schnabel, Zunge, Körper und Schwanz, aber auch die Krallen und Flügel können immer andere Farben im Schild haben.
Eine Sonderform eines Fluges ist das Flügelrad, einsetig oder beidseitig. Die hauptsächliche Verwendung ist weniger in der Heraldik, sondern als Abzeichen auf Dienstuniformen.
Der Doppeladler, ein zweiköpfiger Adler, ist eines der ältesten Adlermotive in der Heraldik. Unter anderem nutzten ihn das Heilige Römische Reich, das Russische Reich und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.
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Doppeladler mit schwebender Krone im Wappen von Ruhland |
Quaternionenadler mit den Reichsständen als Symbol des Reiches, Holzschnitt von Hans Burgkmair d.Ä., 1510 |
Kaiserwappen, gut erkennbar sind die Wappen der habsburgischen Erblande, die rund um den doppelköpfigen Reichsadler angeordnet sind, Siebmacher 1605 |
Der Doppeladler im Wappen der ehemaligen Reichsstadt Lübeck |
Bei einem dreiköpfiger Adler sind die Sachsen nach innen gedreht und mit einwärts gerichteten Adlerköpfen an den Enden bestückt. Der eigentliche Adlerkopf folgt den heraldischen Regeln. Diese Darstellung ist aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift bekannt. Einen dreiköpfigen Adler in Conrad Grünenbergs Wappenbuch verweist auf das Wappenbild des römisch-deutschen Kaiser hin.
Der Adler Saladins, nach Saladin, ist eine besondere Form des Adlers. Viele arabische Länder besitzen ihn in der Landesfahne oder im Staatswappen, darunter Ägypten und der Irak.
Die USA nutzen im Gegensatz zu den anderen Nationen mit dem Weißkopfseeadler eine bestimmte Adlerart. Andere Nationen, die den Adler als Staatwappen führen, sind Albanien, Jugoslawien, (ehemalig) Serbien, Montenegro, Russland (alle Doppeladler), Irak, Jemen (beide Saladin-A.), Mexiko, Moldawien, Polen und Rumänien. Libyen, Syrien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Sudan führen jeweils einen Falken. Eine Sonderform ist der Alerion.
Im Staatswappen von Spanien ist der Johannisadler hinter dem Wappenschild gestellt. Er ist als Symbol auf den Evangelisten Johannis zu verstehen. Bereits die katholischen Könige benutzten ihn seit etwa dem 5. Jahrhundert als Emblem im Wappen. Von der spanischen Republik abgeschafft, wurde er 1938 wieder eingeführt, verblieb aber nur bis 1980 im Staatswappen.
In der Heraldik haben sich noch weitere Formen herausgebildet. So gibt es im Wappen der märkischen Familie von Flans den Wolfsadler, ein Adler mit Wolfskopf und in dem Wappen der Grafen von Reichenbach-Lessonitz eine Adler mit Ziegenkopf, den Ziegenkopfadler. Ein weiteres Beispiel ist das Wappen von Schwalmstadt.
Der Jungfrauenadler, ein heraldischer Adler mit dem nackten Oberkörper einer Frau, ist auch eine Sonderform. Diese Adlerformen sind zu den Fabelwesen zu zählen.
Der Adler ohne Schnabel und Krallen heißt Alerion. Beispiel ist das Wappen von Lothringen.
Ein aus der Asche, Glut oder Feuer aufsteigender Adler wird nach Phönix benannt. Er wird in der Heraldik oft eingesetzt. Beispiel ist das Wappen der Gemeinde Bechtsrieth.
Bereits die Römer nutzten seit etwa 100 v. Chr. den Adler als Heeres- und Wappenzeichen, sowie als Feldzeichen der Römischen Legionen. Als Symbol für die Himmelfahrt Christi verwendeten die Christen den Adler auch als Wahrzeichen von Johannes. Karl der Große verwendete ihn als Sinnbild für die kaiserliche Gewalt. Von Friedrich I. Barbarossa wurde der Adler zum Reichswappen und damit zum Symbol des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erhoben. Dieses erste deutsche Reich wurde erst 1806 offiziell zu Grabe getragen.
Auch für Napoléon I. und Napoléon III. war der Adler in Anlehnung an römische Cäsarenmacht Kennzeichnungssymbol der Heere. Neben vielen Nationen ist der Adler auch in zahlreichen Wappen von Städten und Fürstenhäusern vertreten.
In Deutschland stellte der Reichsadler – neben dem „Preußischen Adler“ (seit 1701) – auch das Symbol des „zweiten“ Deutschen Reiches (1871–1918) dar. Auch die Weimarer Republik (1919–1933) und das nationalsozialistische Deutschland (1933–1945) führten den Reichsadler im Wappen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der Reichsadler oft mit dem Hakenkreuz in Verbindung gebracht. Es wurden z. B. kleine und größere Statuen des Reichsadlers gefertigt, in denen ein Hakenkreuz eingraviert wurde.
In Deutschland und Österreich wird nach dem Zweiten Weltkrieg das Wappentier Bundesadler genannt.
In Österreich sind Adler in den Wappen von Tirol (Tiroler Wappen), Niederösterreich (Niederösterreichisches Wappen), dem Burgenland (Burgenländisches Wappen), und Oberösterreich (Oberösterreichisches Wappen) zu sehen.
Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens, erhielt in der Goldenen Bulle von Rimini den schwarzen Reichsadler als Gnadenzeichen verliehen, den er daraufhin in einem weißen Schild führte. Das Herzogtum Preußen übernahm diesen schwarzen Adler. Seit dem Königreich zeigt der gekrönte Preußische Adler neben einer hellen Spange auch die Initialen „FR“ (Fridericus Rex) auf der Brust, während er in den Fängen Zepter und Reichsapfel hält.
In den heraldischen Symbolen der Länder Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit von Landesteilen zum Königreich Preußen (1701–1918) und späteren Freistaat Preußen (1919–1945) ein Adler zu sehen, in Sachsen-Anhalt ist es der schwarze Preußische Adler, in Mecklenburg-Vorpommern der (Neu-) brandenburgische Adler in rot. Das Bundesland Brandenburg führt den roten Märkischen Adler in Flagge und Wappen. Auch die Wappen von Schlesien, Oberschlesien und Ostpreußen führen den preußischen Adler in modifizierter Form.