Muhammad ibn Isma'il ibn Ibrahim ibn al-Mughira al-Buchari al-Dschu'fi محمد بن إسماعيل بن ابراهيم بن المغيرة البخاري / Muḥammed b. Ismāʿīl b. Ibrāhim b. al-Muġīra al-Buḫārī al-Ǧuʿfī , bekannt nach seinem Geburtsort unter dem Namen al-Buchari, * 810 in Buchara; † 870 in Chartank bei Samarkand heute Usbekistan), war ein bedeutender islamischer Gelehrter persischer Abstammung aus einer wohlhabenden Familie. Sein Urgroßvater trug noch den persischen Namen Ibn Bardizbah.
Bereits im Alter von zehn Jahren begann er Hadith und Hadith-Wissenschaften zu studieren. Im Alter von 16 Jahren begab er sich mit seiner Mutter und seinem Bruder auf die Pilgerfahrt und studierte anschließend bei Gelehrten von Mekka und Medina. Nach 16-jähriger Studienreise nach Ägypten und Chorasan kehrte er nach Nisabur zurück. Er soll, nach eigenen Angaben, bei über tausend Gelehrten seiner Zeit studiert haben. Zwar vertrat er die offizielle Lehrmeinung über die Unerschaffenheit des Korans, übertrug diesen theologischen Grundsatz aber nicht auf die Rezitation desselben durch den Menschen. Die Rezitation, das Aussprechen von Gottes Wort durch den Menschen ist, al-Bucharis Ansicht nach, erschaffen, d.h. ein Produkt des Menschen. Aus diesem Grunde musste er die Stadt verlassen und nach Buchara zurückkehren, um dort seinen Lehrbetrieb in der Hauptmoschee aufzunehmen. Nachdem er dem Wunsch des Stadtgouverneurs nicht nachkam, dessen Kindern in seinem Haus Privatunterricht zu erteilen, wurde er nach Chartank verbannt, wo er im Kreis von Verwandten seinen Lebensabend verbrachte.
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Der „Sahih“ ist das Hauptwerk al-Bucharis, woran er über sechzehn Jahre gearbeitet haben soll und das seinen Ruhm in der gesamten islamischen Welt begründete. Angeblich soll er aus 600.000 Hadithen rund 2.800 - ohne Wiederholungen im Werk - nach den strengsten Kriterien der Traditionskritik ausgesucht haben, um sie als „Sahih“ in seine Sammlung aufzunehmen.
Bis heute genießt seine Hadith-Sammlung im sunnitischen Islam höchste Autorität. Sie enthält 97 Bücher, die vom vierten Kapitel an entsprechend dem Aufbau der Fiqh-Bücher thematisch geordnet sind und das traditionelle religiöse Weltbild seiner Zeit reflektieren. In den ersten drei Kapiteln werden zunächst andere Themenbereiche abgehandelt: Beginn der Offenbarung, Fragen des Glaubens und die Vorzüge der Wissenschaften. Sie beinhaltet auch Traditionen über die Koranexegese, über gute Sitten und Traumdeutung, über die Bürgerkriege, über die Vorzüge von Mohammeds Gefährten (sahaba),über die Lehre vom Tauhid. Das Hauptziel des Werkes war jedoch, allen Themenbereichen der islamischen Jurisprudenz durch authentische Hadithe eine Stütze zu schaffen und dem Leser die Möglichkeit zu bieten, die widerstreitenden Thesen der Rechtsschulen durch die Hadithbelege zu lösen. Der Verfasser dieser Traditionssammlung ergänzt die Hadithe nicht selten mit seinen eigenen Glossen, die natürlich, nach den strengen Regeln der Hadith-Literatur, vom Wortlaut des Hadith getrennt sind, um die Inhalte etymologisch, syntaktisch und lexikalisch zu erörtern.[1]
Die Hadith-Sammlung verbreitete sich im islamischen Osten durch die von den unmittelbaren Schülern al-Bucharis hergestellten Abschriften rasch. In Nordafrika und in al-Andalus findet das Werk hingegen erst in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts erstmalig Erwähnung.
Es gibt in der außerkoranischen Literatur kein zweites Buch, dem die Nachwelt - bis in die Gegenwart hinein - so viel Aufmerksamkeit und Interesse gewidmet hätte, wie dem Lebenswerk al-Bucharis.
Fuat Sezgin, der Verfasser der Geschichte des arabischen Schrifttums urteilt über al-Bucharis Werk wie folgt:
Die arabische Übersetzung dieses Werkes von Fuat Sezgin, der 1978 als erster den Preis für Islamwissenschaften der König-Faisal-Stiftung von Saudi-Arabien erhielt, enthält die obige Kritik am „Sahih“ nicht, während sie in der Teilübersetzung des ersten Bandes (Kairo 1971, S. 307) noch berücksichtigt wurde.
al-Bucharis „Sahih“ ist im 9. und 10. Jahrhundert in den Gelehrtenzirkeln der islamischen Welt vor allem durch vier bekannte Überlieferungsvarianten unterrichtet und durch neue Abschriften verbreitet worden. Der im Jahre 1302 verstorbene ägyptische Gelehrte 'Ali ibn Muhammad al-Yunini fertigte anhand der zuverlässigsten Abschriften - darunter war auch eine Abschrift von Ibn 'Asakir - sein Exemplar an, das in der Folgezeit als die grundlegende Redaktion des „Sahih“ betrachtet wurde.
al-Yunini hat die Textvarianten und Interpolationen der von ihm verwendeten Abschriften in seinem Exemplar mit erstaunlicher Akribie dokumentiert und dabei einen der bedeutendsten Grammatiker seiner Zeit Ibn Malik († 1274) als Fachmann zu Rate gezogen. Auf das Exemplar von al-Yunini geht die wohl bekannteste Druckausgabe des „Sahih“, die berühmte „at-tab'a as-sultaniyya“ الطبعة السلطانية / aṭ-ṭabʿatu ʾs-sulṭāniyya aus dem Jahre 1893-1894 (Kairo,Bulaq) zurück, die von der Thesaurus Islamicus Foundation in Liechtenstein im Jahre 2001 in einer Faksimileausgabe neu aufgelegt wurde.
Spätere Generationen schrieben sowohl kommentierende als auch kritische Werke zum „Sahih“. Man warf al-Buchari unter anderem vor, juristische, historische und philologische Schriften seiner Vorgänger wahllos ausgewertet und undifferenziert übernommen zu haben; man warf ihm sogar eine Art „Imitationskrankheit“ vor (siehe Lit. Fuat Sezgin (1967)). Etwa einem Viertel des „Sahih“ fehlen die vollständigen Isnade; somit erweist sich al-Buchari - so Sezgin - „nicht als der Traditionsgelehrte, der, wie Caetani (Annali dell'Islam I, 15) behauptet, den Isnad zur Vollkommenheit entwickelte, sondern als der erste, mit dem er in Verfall geriet“ [3]
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Den bekanntesten und umfangreichsten Kommentar hat Ibn Hadschar al-'Asqalani in dreizehn gedruckten Bänden (Kairo 1959) verfasst.