Alberto Giacometti

Alberto Giacometti (* 10. Oktober 1901 in Borgonovo (heute ein Ortsteil von Stampa) in Graubünden; † 11. Januar 1966 in Chur) war ein berühmter Schweizer Künstler und Plastiker. Er ist auf der 100-Franken-Banknote abgebildet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Giovanni Giacometti: Portrait Alberto Giacometti als Kind, um 1904
Giovanni Giacometti: Portrait Alberto Giacometti als Kind, um 1904

Seine Kindheit erlebte Alberto Giacometti fernab allen technischen Fortschritts. Er wurde von seinem Vater, dem impressionistischen Maler Giovanni Giacometti, geprägt, der stets sein künstlerisches Talent förderte. Bereits früh begann er selbst zu malen und wurde dabei stets von seiner Familie, der berühmten Künstlerdynastie Giacometti, unterstützt. Er erkannte seine Leidenschaft für Plastiken, und nach seiner Schullaufbahn studierte er 1919 an der Kunstakademie und der Kunstgewerbeschule in Genf. Er belegte bis 1925 Kurse bei Émile-Antoine Bourdelle an der Académie de la Grande Chaumière im Montparnasse-Quartier in Paris. Neben seiner Muttersprache Italienisch sprach er außerdem Deutsch, Französisch und Englisch. 1922 zog es ihn in die Kunsthauptstadt Paris und er schloss sich einer Surrealismusgruppe an. Schnell entdeckte er jedoch seinen ganz eigenen Stil und zog sich in ein kleines Atelier zurück, in dem er den ganzen Tag an seinen Kunstwerken arbeitete. Ein Ereignis im Jahr 1938 veränderte ihn nachhaltig. Als er nachts durch Paris spazierte, verlor ein Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug und erfasste Giacometti auf dem Bürgersteig. Er wurde am Fuß verletzt und hatte seitdem einen Gehfehler.

1942 lernte er Annette Arn kennen und heiratete sie später in Genf. Als sich langsam auch ein finanzieller Erfolg zeigte, kaufte seine Frau ein großzügiges Appartement, in dem sich Giacometti allerdings nur selten aufhielt. Er distanzierte sich von seiner Frau. Bald entwickelte er ein besonderes Verhältnis zu den Prostituierten von Paris. Eine von ihnen schätzte er so sehr, dass er ihr das Angebot machte, einen Teil von ihr käuflich zu erwerben. Sie willigte ein, und er erwarb für 1000 $ einen Teil ihres Beines. Aufgrund seines Kaffeekonsums und seiner ungesunden Ernährung entwickelte sich ein Magentumor, der allerdings operativ entfernt werden konnte. Nachdem er wieder zurück in die Schweiz reiste, starb er 1966 in Chur an einem Herzinfarkt. Als Ursache gilt der starke Husten, der aufgrund seines Zigarettenkonsums auftrat.

Werk

Alberto Giacometti war ein vielseitiger Künstler, der vor allem durch seine Plastiken weltberühmt wurde. Am ehesten lassen diese sich wohl als "surrealistisch" bezeichnen. Sein größter Wunsch war es, Menschen so abzubilden, wie er sie sah. Gleichzeitig betonte er jedoch, wie aussichtslos und unmöglich das sei. Trotzdem steckte er viel Ehrgeiz in seine Werke. Oft beschäftigte er sich wochenlang mit den kleinsten Details und verwarf dann letztendlich alles, um wieder neu zu beginnen. In diesem Prozess sah er eine ständige Verbesserung und Annäherung an seine Vorstellungen.

Immer wieder berichtete er seinen Freunden, dass er nun bald an seinem Ziel angelangt war. Seine Figuren waren stets sehr dünn und lang und hatten übertriebene Körperproportionen. Sein wohl bekanntestes Werk, das auch auf der 100-Franken-Banknote betrachtet werden kann, ist ein schreitender Mann. Seit seinem Unfall gestaltete er seine Figuren mit einem Klumpfuß; ein Zeichen, dass er dieses traumatische Ereignis nie richtig verarbeiten konnte.

Neben seinen Plastiken war er auch als Maler tätig, er schuf Portraits oder Stillleben. Alberto Giacometti war Teilnehmer der documenta II (1959) und der documenta III im Jahr 1964 in Kassel.

Literatur

  • Jacques Dupin, Alberto Giacometti, Maeght, Paris 1962.
  • Reinhold Hohl, Alberto Giacometti, Gerd Hatje, Stuttgart 1971.
  • Christian Klemm, Die Sammlung der Alberto Giacometti-Stiftung, Zürcher Kunstgesellschaft, Zürich 1990.
  • Yves Bonnefoy, Alberto Giacometti. Biographie d'une oeuvre, Flammarion, Paris 1991.
  • Suzanne Pagé, Alberto Giacometti. Sculptures - peintures - dessins, Musée d'art moderne de la Ville de Paris, Paris 1991-1992.
  • Toni Stooss, Patrick Elliott, Christoph Doswald, Alberto Giacometti 1901-1966, Kunsthalle Wien, 1996.
  • Jean Soldini, Alberto Giacometti. La somiglianza introvabile, Jaca Book, Milano 1998.
  • Agnès de la Beaumelle, Alberto Giacometti. Le dessin à l'oeuvre, Centre Georges Pompidou, Musée national d'art moderne, Paris, 2001.
  • Christian Klemm, Carolyn Lanchner, Tobia Bezzola, Anne Umland, Alberto Giacometti, Kunsthaus Zürich, 2001 und The Museum of Modern Art, New York,2001-2002.

Neue Medien

  • Alberto Giacometti (ARTE EDITION/absolut MEDIEN), zwei Dokumentarfilme von Jean-Marie Drot und Michel van Zele, Frankreich 1963/2001, DVD (Farbe und s/w)

Weblinks

Quelle:
Artikel Alberto Giacometti aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
Lizenz:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika
Bookmarks
delicious wong linkarena google
Sponsoren