Alexander Selkirk (oder Selcraig) (* 1676 in Lower Largo, Fife, Schottland; † 13. Dezember 1721) war ein schottischer Seefahrer und Abenteurer. Er gilt gemeinhin als Vorbild für Daniel Defoes Figur Robinson Crusoe aus dem gleichnamigen Roman.
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Selkirk wuchs als jüngster Sohn eines schottischen Schuhmachers und Gerbereibesitzers auf. In seiner Jugend zeigte er eine streitsüchtige und ungehorsame Veranlagung. Am 27. August 1695 wurde er wegen ungebührlichen Verhaltens in der Kirche vor die Kirchenversammlung geladen. Sonst ist über seine Kindheit und Jugend wenig bekannt.
Seit 1695 fuhr er zur See und hatte früh Kontakte zu Bukanieren. Da er wegen seiner Neigung zu Alkohol und Schlägereien an Land häufig mit dem Gesetz in Konflikt kam, heuerte er 1703 auf dem englischen Kaperschiff St. George unter Kapitän William Dampier als Segelmeister an, um der britischen Gerichtsbarkeit zu entgehen. Die St. George wurde von der kleineren Cinque Ports unter Kapitän Stradling begleitet. Ausgestattet mit einem Kaperbrief der Britischen Krone, sollte vor der Küste Südamerikas Jagd auf französische und spanische Schiffe gemacht werden.
Als der Beutezug erfolglos blieb, geriet Selkirk mit Dampier in Streit und wechselte auf die Cinque Ports. Im Oktober 1704 erreichten die Schiffe den heutigen Juan-Fernández-Archipel westlich der chilenischen Küste im Pazifik. Sie benötigten neue Vorräte und Süßwasser.
Als man auf der unbewohnten Isla Mas a Tierra landete, stellte sich heraus, dass der Rumpf des Schiffes sehr stark durch Bohrmuscheln beschädigt war. Selkirk war entschlossen, auf der Insel zu bleiben und versuchte, weitere Schiffskameraden zum Bleiben zu überreden, da er befürchtete, das Schiff könnte sinken. Als er erkannte, dass er mit seiner Meinung alleine stand, soll er einer Anekdote nach ausgerufen haben: „Ich habe es mir anders überlegt“. „Ich aber nicht“, erwiderte kühl der Kapitän und ließ sich zum Schiff zurückrudern. Wie sich herausstellte, hatte Selkirk die richtige Wahl getroffen, da das Schiff wenig später sank und fast die gesamte Mannschaft ertrank.
Da die Insel ausreichend Trinkwasser, Früchte, Fisch und Robben bot und Selkirk entsprechendes Geschick in der Ausnutzung dieser Ressourcen bewies, gelang es ihm, vier Jahre und vier Monate auf der Insel zu überleben. Verschiedenen Quellen zufolge soll Selkirk etwa über folgende Ausrüstungsgegenstände verfügt haben: Eine Muskete mit Schießpulver und Kugeln, Tabak, Feuerstein, Zusatzkleidung, ein Beil, ein Messer, einen Kochkessel und eine Bibel.
Zunächst blieb Selkirk in Strandnähe, weil er fremdartige Geräusche auf der Insel vernahm, die er gefährlichen Tieren zuschrieb. In dieser Zeit kampierte er in einer kleinen Höhle und ernährte sich von Schalentieren. Jeden Tag observierte er den Ozean nach möglicher Rettung und litt unter Einsamkeit, Depressionen und Reue. Möglicherweise waren für ihn sich am Strand paarende Horden von Seelöwen der Antrieb, sich ins Innere der Insel zu begeben.
Dort wurde sein Leben bedeutend besser. Eine Menge neuer Nahrungsquellen war erhältlich: wilde Ziegen, eingeführt vom Seefahrer Juan Fernández, lieferten Fleisch und Milch; unkultivierte Rüben, Kohl und Pfefferbeeren boten Abwechslung. Die Ziegen wurden schon 1574 auf der Insel ausgesetzt und hatten inzwischen eine neue Rasse herausgebildet, die Juan-Fernández-Ziegen, die kleiner waren als die eingeführten spanischen Ziegen und eine braune Farbe angenommen hatten. Ursprünglich ebenfalls auf der Insel nicht heimische Ratten waren ein Problem. Sie nagten gewöhnlich an Selkirk in der Nacht. Als er aber wilde Katzen domestizierte und in ihrer Nähe lebte, konnte er ruhig schlafen.
Selkirk machte außergewöhnlich guten Gebrauch von dem, was er vom Schiff mitgenommen hatte und dem Material, das ihm später die Insel lieferte. Er zimmerte zwei Hütten aus Pimentbäumen und verwendete Muskete und Messer zum Jagen und Ausweiden der Ziegen. Als ihm das Schießpulver ausging, war er gezwungen, seine Beute zu Fuß zu jagen. Dies führte zu einer schweren Verletzung, als er von einer Klippe stolperte und einen Tag bewusstlos blieb (glücklicherweise war seine Beute beim Sturz dazwischengeraten, was ihm einen gebrochenen Rücken ersparte).
Er las häufig in der Bibel, was vorteilhaft für seinen emotionalen Zustand war und zum Erhalt seiner englischen Sprachkompetenz beitrug. Als seine Kleider verschlissen waren, fertigte er neues Gewand aus Ziegenleder an, indem er einen Nagel zum Nähen verwendete. Als er seine Schuhe nicht länger nutzen konnte, waren seine Füße abgehärtet und gefühllos geworden, so dass er neue Schuhe als unnötig empfand. Er schmiedete auch ein neues Messer aus eisernen Fassringen, die am Strand zurückgeblieben waren.
1707 sichtete er erstmals ein Schiff vor der Küste. Es handelte sich jedoch um feindliche Spanier. Sie entdeckten Selkirk und verfolgten ihn bis in den Insel-Urwald, wo sie seine Spur verloren. Als Engländer und Kaperfahrer sah er sich einem Schicksal schlimmer als der Tod gegenüber, falls er gefangen würde.
Die lang erwartete Rettung geschah am 2. Februar 1709. Der britische Segler Duke, ein Kaperschiff unter Kapitän Woodes Rogers und William Dampier, der diesmal nur als Navigator mitfuhr, ging vor der Insel vor Anker, nahm Selkirk auf und brachte ihn in die Zivilisation zurück. Rogers machte ihn möglicherweise zu seinem Gehilfen und übertrug ihm das Kommando über eine seiner Prisen.
1712 wurde das Buch Cruising Voyage von Woodes Rogers veröffentlicht, das einen Bericht über Selkirks Abenteuer enthielt. Wieder in der Heimat, setzte Selkirk seinen ursprünglichen Lebenswandel fort, fuhr auch wieder zur See. 1717 war er nach Lower Largo zurückgekehrt, blieb aber nur einige Monate. Er traf dabei das 16jährige Milchmädchen Sophia Bruce und entlief mit seiner Geliebten nach London. Doch binnen eines Jahres war er wieder auf See. Bei einem Besuch in Plymouth heiratete er eine verwitwete Gastwirtin. Daraufhin wurde er des Heiratsschwindels bezichtigt, wobei er sich einem möglichen Prozess vermutlich durch neuerliches Anheuern entzog.
Selkirk starb 1723 als Leutnant an Bord des königlichen Schiffes Weymouth angeblich an Gelbfieber. Er erhielt ein Seemannsgrab vor der afrikanischen Westküste.
1966 wurde die Insel, auf der Selkirk mehrere Jahre lebte, zur Isla Robinsón Crusoe umbenannt. Ein Gedenkstein erinnert heute an Selkirks Schicksal. Die unbewohnte Isla Más Afuera, die westlichste der Juan-Fernández-Inseln, ist inzwischen zu Ehren des schottischen Seefahrers zur Isla Alejandro Selkirk umbenannt worden.
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