Allah

Allāh Kalligraphie in der Eski Cami Edirne
Allāh Kalligraphie in der Eski Cami Edirne

Allāh [ɒˈɬːɒːh], (arabisch: اﷲ‎), ist das arabische Wort für den einen Gott im Koran und der Bibel.

Manche islamische Richtungen vertreten die Ansicht, dass es sich bei Allāh um den Eigennamen Gottes handele. Die gängigere Interpretation geht von einer Silbenellipse beim Zusammentreffen des Artikels al (ال‎) und ilāh (إله‎ /„Gott, Gottheit“) aus, also „der Gott“, und wird auch durch den praktischen Gebrauch gestützt: Arabisch sprechende Juden und Christen verwenden Allāh (auch in der Bibel), und bei interlinearen Koranübersetzungen in nicht-arabische Sprachen finden sich an Stelle des Wortes Allāh z. B. die Übersetzungen persisch chodā (خدا‎) oder türkisch tängri (تكرى‎). Auch die deutsche Koranübersetzung der Al-Azhar Universität verwendet konsequent den Begriff Gott für das arabische Allah.

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft

Im Koran ist Allāh der arabische Name für den einen Gott. Er findet sich aber auch in der altorientalischen Umwelt schon als Gottesname. Die frühesten Belege des Namens stammen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.

In der Mitte des letzten Jahrhunderts gruben die Archäologen W. Phillips, W. F. Albright, R. Bower und andere Wissenschaftler verschiedene Ruinenstätten in Qataban, Timna und Marib, der antiken Hauptstadt Sabas, aus. Tausende von sabischen, minischen und qatabanischen Inschriften wurden ausgegraben.

Al ilāh war bei den nomadisch-heidnischen Stämmen Arabiens ursprünglich der mit der Sonnengöttin verheiratete Mondgott, und die Sterne waren seine Töchter. Allenthalben im Vorderen Orient haben Archäologen dem Mondgott al ilāh geweihte Tempel freigelegt. Von den Gebirgen der Türkei bis zu den Ufern des Nil findet sich als weitverbreitete Religion in der Alten Welt die Verehrung des Mondgottes. In Nordarabien wurden Tausende von Inschriften von Wänden und Felsen gesammelt. Reliefs und Weihegefäße, die zur rituellen Verehrung der „Töchter Allahs“ dienten, wurden freigelegt. So findet man oft die drei Töchter al Lat, al Uzza und Manat zusammen mit dem Mondgott Allāh, vertreten durch eine Sichel über ihnen, dargestellt.

Der Mondgott al ilāh, war bereits in vorislamischer Zeit zu Allāh abgekürzt worden. Heidnische Araber verwendeten Allāh sogar als Namen für ihre Kinder. So hatten bereits der Vater und der Onkel Mohammeds Allāh als Bestandteil ihrer Namen. Die Tatsache, dass ihnen von ihren Eltern solche Namen gegeben worden waren, zeigt, dass Allāh selbst noch zu Zeiten Mohammeds der Titel des Mondgottes war.

Sprachlich ist Allāh eng verwandt mit dem hebräischen El bzw. Eloah, gebräuchlicher in der formalen Pluralform Elohim (hebräisch ‏אלהים‎). El (Eloah/Elohim) bedeutet soviel wie „Starker“, „Mächtiger“ und ist nicht der geoffenbarte Eigenname des biblischen Gottes; dieser lautet (hebräisch ‏יהוה‎) JHWH (2 Mos 3,13–15 EU). El bzw. Elohim ist in der Bibel eine deskriptive Bezeichnung JHWHs und wird gewöhnlich mit „Gott“ übersetzt. Dieser Titel kann in der Bibel auch für Engel und sogar Menschen (2 Mos 4,16 EU) verwandt werden. Juden differenzieren in ihrer religiösen Sprache sehr stark zwischen dem Namen Gottes JHWH und der Bezeichnung El. Auch im Aramäischen, welches ebenfalls zur semitischen Sprachfamilie gehört, sagt man Alah bzw. Alaha, je nach Dialekt auch mit der Sprachfärbung Aloho, d. h. mit offenem O.

Die Begriffe Gott, Allah und Elohim sind im Deutschen, Arabischen und Hebräischen somit synonym.

Allah im Islam

Glaubensbekenntnis des Islams als Schriftzug auf der Flagge Saudi-Arabiens.
Glaubensbekenntnis des Islams als Schriftzug auf der Flagge Saudi-Arabiens.

Von 114 Suren im Koran fangen 113 mit der Basmala an. Das Bekenntnis zu Allah als dem einen Gott, die Schahada, ist eine der fünf Säulen des Islam. Wenn Muslime von Gott bzw. Allah sprechen, setzen sie oft „Er ist gepriesen und erhaben“ (سبحانه وتعالى‎, DMG subhānuhu wa ta'ālā) hinzu.

Allāh (der Gott) ist der einzige nicht deskriptive Name Gottes im Islam. Die sprichwörtlich gewordenen 99 Namen Allahs sind Attribute, die aber nicht alle im Koran verankert sind. Viele Namen Gottes von dieser Liste stammen nur aus den Hadith, den überlieferten Worten des Propheten Mohammed. Zum Beispiel kommt das Attribut Ad-Daar („Der Verletzer/Gefährder“) nur in den Hadith vor. Der Koran verwendet dieses Attribut nur für Satan in Sure 58, Vers 10. Im Koran gibt es in Wirklichkeit mehr als nur 99 Attribute. Es sind ungefähr 114. Diese Liste der 99 Namen stellt im Koran neben einer Reihe anderer Attribute daselbst die „Schönsten Namen“ (asma’ul husna) dar. Aus allen diesen im Koran erwähnten Attributen leiten sich gebräuchliche arabische Vornamen ab, z. B. neben Abdullah („Diener Allahs“) auch Abdul Hayy („Diener des Lebendigen“), Abdul Madschid („Diener des Ruhmreichen“) usw. Bei diesen Attributen ist zu beachten, dass es sich jeweils um den Superlativ der genannten Eigenschaften handelt („Der Allbarmherzige“, „Der Allmächtige“, „Der Allsehende“ usw.)

Die Eigenschaften oder theologischen Definitionen Gottes im Islam werden sowohl im Koran als auch in den Hadith gegeben. So ist die zentrale Eigenschaft die, dass er von seinen Schöpfungen unabhängig ist. So ist Gott zeitunabhängig; Gott ist vor der Zeit gewesen und er wird nach Ablauf der Zeit bleiben. Gott ist der Schöpfer der Welten, jedoch ist er kein Teil der materiellen Welt. Gott hat der islamischen Definition gemäß kein Geschlecht, keine Kinder und ganz allgemein keine Partner, noch gibt es gleichwertige Wesen. Des Weiteren ist Gott demnach allgegenwärtig, allmächtig und allwissend, d. h. er weiß zu jedem Zeitpunkt, was an jedem Ort geschieht, geschah und geschehen wird sowie was geschehen könnte, wenn ein (vorhergesehenes) Ereignis nicht stattfinden würde.

Rezeption im Christentum

Ikone mit der Darstellung Jesu
Ikone mit der Darstellung Jesu

Für das Christentum stellt sich – gerade mit Blick auf den interreligiösen Dialog – die Frage, ob Allah und der Gott der Bibel identisch sind. Die Römisch-Katholische Kirche beispielsweise verabschiedete am 28. Oktober 1965 im Zuge des Zweiten Vatikanums die für alle römischen Katholiken verbindliche Schrift Nostra Aetate, in der es in Teil 3, der allerdings erst nach arabischen Protesten gegen die alleinige Ausrichtung der Erklärung auf das Judentum hinzugefügt wurde, heißt:

„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.[1]

Nach Wilfried Hofmann könnten diese Verse als Echo auf das 1. Konzil in Nizäa (325 n. Chr.) verstanden werden. Dort wurde damals im Bekenntnis von Nicäa formuliert, dass Jesus „wesensgleich“ mit Gott sei. Andere Kirchen äußern sich weniger klar.

Viele Christen evangelikaler Prägung lehnen die Gleichsetzung des in der Bibel sich offenbarenden Gottes mit dem koranischen Allah ab. Eine der Begründungen dieser Sichtweise ist das zentrale Bekenntnis des Islam, dass Allah keinen Sohn habe. Dazu im Gegensatz – so die Meinung vieler evangelikaler Christen – steht das Grundbekenntnis des Neuen Testaments, das Gott als den „Vater unseres Herrn Jesus Christus“ identifiziert.

Quellen

  1. Heiliger Stuhl: Erklärung - Nostra Aetate - Über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen 28. Oktober 1965

Weblinks

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