Die Altniederdeutsche Sprache bzw. Altsächsische Sprache umfasst die Sprache des alten Siedlungsgebietes der Sachsen und Angeln im frühen Mittelalter.
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Bereits im 5. Jahrhundert hatte sich die angelsächsische Sprache abgespalten, die sich in England - durchaus in Kontakt mit dem sächsischen Festland - zum Altenglischen entwickelte. Die Sprache der Angeln und Sachsen in England wird deshalb gewöhnlich nicht mehr zum Altniederdeutschen hinzugerechnet. Die Entwicklung des Niederdeutschen auf dem Boden des ostfränkischen, später deutschen Reichs ist von jeher stark von den hochdeutschen Mundarten beeinflusst worden.
Dem Altsächsischen besonders ähnlich sind das Altenglische und das Altfriesische. Diese drei Sprachen werden auch unter dem Begriff "Nordseegermanisch" zusammengefasst. Weitere verwandte Sprachen sind das Altniederländische und das Althochdeutsche. [1][2]
Der moderne Abkömmling des Altniederdeutschen ist die moderne niederdeutsche Sprache (Plattdeutsch).
Das Gebiet des Altniederdeutschen im 9. Jahrhundert ist nur schlecht belegt, umfasst aber im Wesentlichen das heutige Niedersachsen, Westfalen, Lipperland, Engern und Ostfalen, d.i. das heutige anhaltische Gebiet (etwa von Halle bis Magdeburg), immer linkselbisch. Im Süden verlief die Sprachgrenze zum Fränkischen und damit zum Althochdeutschen (Oberdeutschen) auf einer Linie von Merseburg über Göttingen bis zum Sauerland und Ruhrgebiet. Teile des Niederrheinlandes und ein Teil der Niederlande etwa nördlich vom Ruhrgebiet bis nach Groningen und im Westen bis an die Zuiderzee gehörten ebenfalls zum altniederdeutschen Sprachgebiet. Südlich davon begann das Altniederfränkische oder Altniederländische Sprachgebiet. Im Norden grenzte das Gebiet von Groningen bis nach Bremerhaven an das West- und Ostfriesische Sprachgebiet, sowie in Schleswig-Holstein ans Dänische und im Nordosten etwa auf der Linie Plön und bei Lüneburg die Elbgrenze entlang ans slawische Sprachgebiet.
Durch die deutsche Ostexpansion nach Osten und Norden, sowie den aufblühenden Handel vor allem der Hansestädte, entwickelte sich die altniederdeutsche Sprache zur Schrift- und Verkehrssprache. Es bildete sich das Mittelniederdeutsche heraus, das zu einer Spaltung in das alte Stammgebiet und die kolonisierten Gebiete östlich der Elbe führte, in der zahlreiche fremde Einflüsse aufgenommen wurden. Der Differenzierungsprozess zum Mittelniederdeutschen dauerte etwa 150 Jahre. Der unten erwähnte Sachsenspiegel repräsentiert den Sprachstand nach diesem Prozess.
Die altsächsische bzw. altniederdeutsche Sprache ist nur in wenigen Dokumenten überliefert, so in einigen Taufgelöbnissen, die die Sachsen unter Karl dem Großen sprechen mussten und vor allem in der größten Dichtung, dem Heliand, der als episches Werk nach dem Muster germanischer Heldensagas die Geschichte von Jesus Christus erzählt. Die wenigen anderen Quellen sind zumeist Übersetzungen aus dem Lateinischen und daher in der Lexik begrenzt.
Bei der Untersuchung der schriftlichen Quellen muss zudem bedacht werden, dass sie meist nicht von Sachsen, sondern von Franken oder Bayern aufgezeichnet wurden, die vermutlich der sächsischen Sprache nur begrenzt mächtig waren.
Erheblich reichhaltiger ist die Quellenlage für den angelsächsischen Raum, z.B. das Beowulf-Epos.
Wesentliches Merkmal des Altsächsischen ist, dass die hochdeutsche Lautverschiebung nicht vollzogen wurde. Das betrifft unter anderem die Konsonanten p, t und k. Die Lautverschiebung breitete sich im 6. bis 8. Jahrhundert vom Alpenraum her immer weiter nach Norden aus und blieb an der Sprachgrenze zum Sächsischen stehen.
Sprachprobe aus dem Heliand; der Abschnitt entspricht in episch nacherzählender Form dem Anfangsversen des 2. Kapitels aus dem Lukas-Evangeliums):
Thô ward fon Rûmuburg rîkes mannes
bar alla thesa irminthiod Octaviânas
ban endi bodskepi obar thea is brêdon giwald
cuman fon them kêsure cuningo gihuilicun,
hêmsitteandiun sô wîdo sô is heritogon
obar al that landskepi liudio giweldun.
Hiet man that alla thea elilendiun man iro ôdil sôhtin,
helidos iro handmahal angegen iro hêrron bodon,
quâmi te them cnôsla gihue, thanan he cunneas was,
giboran fon them burgiun. That gibod ward gilêstid
obar thesa wîdon werold.
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