Der Amazonas (auch Amazonenstrom, portugiesisch Rio Amazonas bzw. im Oberlauf Rio Solimões, früher Rio Orellana) ist ein Fluss in Südamerika. Er ist der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde und befördert mehr Wasser als die sechs nächstgrößeren Flüsse zusammen.
Hinsichtlich der Länge und damit der Rangfolge als längster oder zweitlängster Fluss der Erde gibt es widersprüchliche Berechnungen. Der Amazonas hat nach Messungen von 1969 eine Gesamtlänge von 6.448 km.[1]
In den Amazonas münden ca. 10.000 Flüsse. Von den 1.100 größeren Nebenflüssen sind allein 17 über 1.600 km lang und damit länger als der Rhein. Die Breite des Flusses beträgt in Brasilien meist mehrere Kilometer und variiert jahreszeitlich bedingt durch die schwankenden Niederschläge an den Oberläufen. In den Zeiten größter Wassermengen kann er die angrenzenden Wälder auf einer Breite von bis zu 100 km überschwemmen. Die betroffenen Überschwemmungswälder bilden die „Várzea“, ein einzigartiges Ökosystem. Im Mündungsbereich des Amazonas liegt die Flussinsel Marajó (siehe Karte). Rechnet man diese 49.000 km² große Insel sowie die südlich von ihr mündenden Flüsse (insb. den Rio Tocantins) hinzu, hat das Mündungsdelta des Amazonas eine Breite von mehreren hundert Kilometern. Er durchquert von West nach Ost eine Landschaft, die als Amazonasbecken bezeichnet wird.
Inhaltsverzeichnis |
Die Herkunft des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Teilweise wird der Name darauf zurück geführt, dass die Entdecker unter der Führung von Francisco de Orellana kämpfende Eingeborenenfrauen gesehen hätten und den Fluss daher nach den Amazonen benannten. Andere meinen, dass eines der angetroffenen Eingeborenvölker einen Namen gehabt hätte, der so ähnlich klingt und in lateinischer Schrift dann zu „Amazonas“ wurde. Wieder andere sehen als Ursprung den Namen „Amassunú“, mit dem die Tupi-Indianer den Fluss bezeichnet haben sollen. Weitere Möglichkeiten wären von den indianischen Wörtern amazonassa, amacunu für „Wasserlärm“, wie die Indianer am Oberlauf ihn nannten oder Amassonas für „Schiffsverstörer“, wie ihn die Indianer beim Rio Negro nannten.
Umgekehrt gab der Fluss dem Amazonasbecken, aber auch mehreren Provinzen in Brasilien, Venezuela, Kolumbien und Peru den Namen.
Der Amazonas entspringt in den peruanischen Anden. Seine Quellflüsse heißen Marañón, Huallaga und Ucayali. Der nördlichste und wasserreichste der drei ist der 1.600 km lange Marañón, der mit seinem Ursprung in drei Lagunen oberhalb von Lago Lauricocha traditionell als der Quellfluss des Amazonas galt. Die Quelle wurde 1909 von Wilhelm Sievers festgelegt.
Der Ucayali mit seinen Zuflüssen ist länger als der Marañón, und als längster Quellfluss des Amazonas gilt derzeit der Río Apurímac bzw. einer seiner Nebenflüsse. Die seit 2001 belegte Quelle des Amazonas liegt am Nordhang des Nevado Mismi zwischen Cusco und Arequipa, rund 160 km westlich des Titicacasees. Der Quellfluss trägt über 19 km den Namen Lloquera und dann über weitere 46 km die Namen Callamayo und Hornillos, bevor er sich mit dem Río Apurímac vereinigt. Nach insgesamt 730,7 km findet er seine Fortsetzung im Río Ene (180,6 km), Río Tambo (158,5 km) und schließlich über weitere 1.600,1 km im Unterlauf des Río Ucayali, bis er sich nach insgesamt fast 2.670 km südwestlich von Iquitos in Peru mit dem Marañón vereinigt.
Auf seinen 3.106 km auf brasilianischem Gebiet nimmt der Amazonas allein 220 Nebenflüsse auf, von denen etwa 100 schiffbar sind. Er besitzt einige größere Nebenflüsse wie den Tigre, der seine Quelle östlich des Yerupajá hat.
Ab der peruanisch-brasilianischen Grenze heißt der Amazonas nun mehr Rio Solimões. Bei der Vereinigung des Rio Solimões mit dem Rio Negro bei Manaus bekommt der Fluss auch in Brasilien wieder den Namen Amazonas. Hier hat er mit circa 100 m seine tiefste Stelle. Der nördliche Mündungsbereich bildet ein Ästuar (Trichtermündung) mit beginnendem Unterwasserdelta. Der Amazonas ist bei Manaus noch etwa 280 km vom Äquator entfernt. An seiner Mündung bringt der Amazonas ca. 190.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, also etwa sechs Billionen Kubikmeter pro Jahr, in den Atlantik, was dem über 23-fachen Durchsatz der Wolga, des wasserreichsten Stromes Europas, entspricht.
Im Amazonastiefland sind infolge des geringen Gefälles (3,8 Zentimeter je Kilometer) die Nebenflüsse vielfach durch natürliche Kanäle miteinander verbunden. Die Gewässer südlich von Marajó (Tocantins, Guamã und andere) bilden den Rio Pará, welcher durch die Bahia de Guajará (ca. 20 km breit) in den Südatlantik fließt. Die Landenge zwischen Marajó und dem Kontinent ist bei der Stadt Breves am schmalsten, jedoch mit Ozeanschiffen zum Amazonas befahrbar.
Ein einzigartiges Naturphänomen ereignet sich einige Male im Jahr bei Neu- und Vollmond im Februar und März. Eine bis zu vier Meter hohe Gezeitenwelle rollt mit der einsetzenden Flut vom Atlantik her bestimmte Zuflüsse des Amazonas mehrere Kilometer flussaufwärts. Nach der Bezeichnung poroc-poroc, was in der Sprache der Tupi etwa „großer, zerstörerischer Lärm“ heißt, wird sie Pororoca genannt.
Voraussetzung für die Entstehung dieses Phänomens ist das Zusammentreffen des niedrigen Wasserstandes des Amazonas zu dieser Jahreszeit und die Springflut bei Voll- oder Neumond. Von den Anwohnern wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchtet, zieht die Pororoca Surfer aus aller Welt an. Der Brasilianer Picuruta Salazar hielt sich 37 Minuten und circa zwölf Kilometer auf der Welle.
Der Amazonas ist auch heute noch Hauptverkehrsader des Amazonasgebiets, insbesondere für den Gütertransport. Die meisten Städte sind mit Linienflügen zu erreichen, diese sind jedoch für einen großen Teil der Bewohner des Amazonasgebietes nicht erschwinglich, weswegen die typischen regionalen Schiffe benutzt werden. Der Großteil der Passagiere übernachtet in der mitgebrachten Hängematte. Im unteren Teil des Schiffes werden Güter transportiert. Straßen sind während der Regenzeit meist unpassierbar.
Der Amazonas ist von der Atlantikküste bis Manaus mit Ozeanschiffen befahrbar. Selbst die Nebenflüsse Rio Tapajos und Rio Negro werden mit Kreuzfahrtschiffen befahren. In Manaus und inzwischen auch in einigen anderen Orten können diese großen Schiffe anlanden. Elf der dem Amazonas zufließenden Flüsse zählen selbst zu den zwanzig wasserreichsten Flüssen der Erde.
siehe dazu den Artikel: Amazonasbecken
Es sind etwa 3.500 verschiedene Fischarten bekannt, deren Lebensraum der Amazonas ist [2]. Der Fischreichtum spiegelt sich auch in den Speisekarten wieder. Zu den wichtigsten Speisefischen zählen: Tambaquí (Colossoma macropomum), Jaraqui, Filhote, Tucunaré (Cichla spp.), Pirarucú (Arapaima gigas). Darüber hinaus gibt es aber eine Unmenge von regional vorkommenden Fischen, darunter Arten von Piranhas, der urzeitlich aussehende Tamuatã, und andere.
Zu den besonders bedrohten Tierarten, die den Amazonas besiedeln, gehören der „Peixe-Boi“, eine mit dem Dugong verwandte Art der Seekühe, und der rosafarbene Amazonasdelfin (Inia geoffrensis; bras. Boto cor-de-rosa).
Im Amazonas schwimmen grüne „Inseln“, die sich aus miteinander verhakten mitgeschwemmten Bäumen entwickeln oder bei Hochwasser losgerissene Wasserpflanzen und über Wurzeln vernetzte Grasinseln. Sie können über hundert Meter lang werden und bilden ein eigenes Biotop.
Nicht nur der Regenwald im Amazonasgebiet wird von den Menschen langsam zerstört, auch der Fluss selber wird schon lange vergiftet: Goldgräber haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 2000 t Quecksilber in den Amazonas geleitet. Quecksilber hat durch seine hohe Dichte die Eigenschaft, nur Gold in sich aufzunehmen (Amalgamation); Schmutz und Schlamm bleiben außerhalb der Quecksilberkugel.
Diese Eigenschaft machen sich die Goldgräber zunutze und vergiften so allein den Rio Tapajós jährlich mit 800 t Quecksilber. Doch die Goldgräber beachten dabei nicht, dass Quecksilberdämpfe, die beim Trennen von Gold und Quecksilber entstehen, äußerst giftig für Mensch und Tiere sind. Folgen einer Quecksilbervergiftung sind oft schwere Erbschäden wie Missbildungen, doch häufig endet eine Vergiftung mit dem Tod.
Die Klimaerwärmung hinterlässt auch in der „Lunge der Erde“ ihre Spuren: dieses Jahr wird das Amazonasgebiet von einer Dürre heimgesucht, die in dem Ausmaß noch nie aufgetreten ist. Wenn sich die Natur wieder vollständig regeneriert, wird es Jahrzehnte dauern. Doch das biologische Gleichgewicht dieses Ökosystems ist überaus empfindlich und selbst wenn es dieser Naturkatastrophe widersteht, ist es auf Dauer durch die immer extremeren Schwankungen des Wetters bedroht.
Die fortschreitende Rodung der Urwälder verringert die Menge des verdunsteten Wassers, aus dem sich der Fluss speist und die Symbiosen der Tier- und Pflanzenwelt verlieren ihre Existenzgrundlage.
Hauptursache der Vernichtung des Amazonaswaldes ist die Fleischproduktion. Rund 70% des vernichteten Tropenwaldes wurden für Viehweiden gerodet, ein Großteil des Restes für den Futtermittelanbau. [3]
Der Amazonas hat eine braune Färbung, die von der Sedimentfracht herrührt, die insbesondere aus den in den Anden liegenden Quellflüssen eingetragen wird. 90 Prozent der Sedimente, die der Amazonas mitführt, werden durch den Madeira, den Ucayali und den Marañon eingetragen. Einige Zuflüsse kommen aber aus kristallinen Gebieten mit geringer Sedimentfracht (z. B. der Rio Tapajós, der Rio Negro und der Rio Xingu).
An den Zusammenflüssen unterschiedlich gefärbter Flüsse zeichnen sich die verschiedenen Farben der Wassermassen zum Teil kilometerweit ab. Jährlich werden an der Stadt Óbidos, etwa 800 km vor der Mündung, 1,2 Milliarden Tonnen Sediment vorbeitransportiert. Davon erreichen etwa 75 Prozent den Atlantik, die restlichen 25 Prozent werden auf den unteren 800 Flusskilometern abgelagert.
Die größte Stadt am Amazonas ist Iquitos, nahe der Vereinigung der Quellflüsse. Die Städte Manaus (am Rio Negro) und Belém (an der Bahia de Guajará) liegen entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht am Amazonas. Weitere große Städte sind Macapá und Santarém. Pucallpa liegt am Quellfluss Ucayali.
In der Amazonasregion leben etwa eine Million Angehörige indigener Gruppen. Ihre Territorien werden in Brasilien von der dortigen Indianerbehörde FUNAI demarkiert. In Brasilien wurden bislang über eine Million Quadratkilometer als Indianergebiete ausgewiesen, das entspricht etwa 20 Prozent der Fläche. In diesen Gebieten leben 150 indigene Völker. Dennoch kommt es in den Indianergebieten teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen mit eindringenden Goldsuchern (Garimpeiros) und Holzunternehmern. Die direkt an Flüssen lebenden Bewohner - oft in einfachen Hütten auf Stelzen (Hochwasser) - heißen Caboclos und leben oft vom Fischfang, der Herstellung von Kautschuk, etwas Viehzucht sowie dem Verkauf von Paranüssen und Früchten auf nahe gelegenen Märkten.
Die Mündung des Amazonas wurde 1499 oder 1500 zum ersten Mal von Europäern entdeckt. Der Italiener Amerigo Vespucci und der Seefahrer Vicente Yáñez Pinzón kamen fast gleichzeitig mit ihren Schiffen an. Meist wird Vespucci als Entdecker angegeben.
Francisco de Orellana befuhr den Fluss von 1541 bis 1542 als erster Europäer von der Quelle des Amazonas-Nebenflusses Napo im heutigen Ecuador bis zur Atlantikmündung. Er beteiligte sich an der Expedition von Gonzalo Pizarro. Eine Zeit lang wurde der Amazonas deswegen Rio Orellana genannt. Er war eigentlich auf der Suche nach dem legendären Goldland Eldorado.
Am 12. Februar 1542 entdeckten Francisco de Orellana und Gonzalo Pizarro die Quelle des Marañón, des kürzeren Quellflusses. Von Oktober 1637 bis August 1638 befuhr Pedro Teixeira den Amazonas flussaufwärts bis zur Quelle des Napo. Erst 1971 wurde die Quelle des Ucayali vom Amerikaner Loven McIntrye entdeckt und 2001 die Quelle des Apurímac als Ursprung des Amazonas von der National Geographic Society bestätigt, so dass die bis dahin geltenden Längenangaben für den Amazonas entsprechend korrigiert werden mussten.
Samuel Fritz, ein deutscher Jesuitenmissionar, kartographierte den Amazonas 1707 als erster.
Viele Südamerikaforscher erforschten den Amazonas, darunter die Deutschen Alexander von Humboldt - er erklärte die Gabelung von Orinoko und Amazonas (Bifurkation) -, Georg Heinrich von Langsdorff und Eduard Friedrich Poeppig sowie der das Quellgelände erforschende Wilhelm Sievers. Unter anderem haben auch die beiden deutschen Forscher und Naturwissenschaftler Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Philipp von Martius weite Teile des Amazonas befahren und wesentliche Beiträge zur Erforschung der wohl unendlichen Tier- und Pflanzenwelt des Amazonasgebietes geleistet.
Einer sich permanent wissenschaftlich erhärtenden Hypothese zufolge lag die Quelle des Uramazonas bis vor 130 Millionen Jahren in Afrika, im Ennedi-Massiv im Nordosten der heutigen Republik Tschad, das damals noch zum Superkontinent Gondwana gehörte. Neben Afrika waren in der Landmasse Gondwanas der indische Subkontinent, Südamerika, Australien und Antarktika vereint. Der Uramazonas floss damals in die entgegengesetzte Richtung, von Osten nach Westen, und mündete in den Pazifik. Mit einer Länge von ca. 14.000 km war der Uramazonas demzufolge der längste bekannte Fluss der Erdgeschichte.
Nachdem Gondwana auseinandergebrochen war, driftete die südamerikanische Lithosphärenplatte nach Westen. Da das Amazonasbecken somit von der Quelle des Uramazonas abgeschnitten war, fielen die östlichen Gebiete des Flusstales trocken. Die weiter westlich gelegenen Flussbereiche wurden aber weiterhin von den Zuflüssen des früheren Uramazonas gespeist.
Als Südamerika im Zuge der Kontinentaldrift (tektonische Plattenverschiebung) mit der Pazifischen Platte zusammen traf, falteten sich an der Westküste des Kontinents die Anden auf, welche den Abfluss des Wassers verhinderten. In der Folge entstand ein gewaltiges Süßwasserbecken. Aufgrund der Auffaltung der Anden im Westen fließt das Wasser in der Region seit ca. 50 Millionen Jahren nach Osten ab. Dazu wählt es den ausgetrockneten Lauf des Uramazonas. Daher lässt sich auch erklären, warum das Flussbett des Amazonas zur Mündung hin schmaler wird, was sonst gewöhnlich zur Quelle hin der Fall ist. Ebenso lässt sich damit erklären, dass sich im Oberlauf des Amazonas, tausende Flusskilometer von der Meeresküste entfernt, Tiere wie Rochen, Garnelen, Seezungen, Seekühe und Delfine finden, nicht jedoch in dessen Unterlauf. Die Tiere gerieten in den Amazonas, als dieser noch in den Pazifik mündete und wurden später vom Meer abgeschnitten.
Am 1. Februar 2007 startete der Slowene Martin Strel im Alter von 52 Jahren einen Rekordversuch im Durchschwimmen des Amazonas. Er legte dabei schwimmend insgesamt 5268km innerhalb von 66 Tagen längs den Fluss entlang zurück. Begonnen hatte er seinen Rekordversuch in Peru in dem Dschungelort Atalaya und endete ihn in der brasilianischen Stadt Belém.
| Commons: Amazonas – Bilder, Videos und Audiodateien |