Eine Anspielung deutet einen Sachverhalt an, der nicht in eindeutiger Wortwahl ausgesagt werden soll oder kann. Sie ist neutral gehalten eine Andeutung, oder mit verstecketer Kritik ein Seitenhieb, auch spitze Bemerkung oder eine Stichelei.
Im Alltag dienen Anspielungen oft der verschlüsselten Verständigung, etwa durch Hinweise oder Schlagworte, deren situative Zusammenhänge von anwesenden Dritten nicht verstanden werden.
Anspielungen zeigen sich oft in der vielfältigen Verwendung von Begriffen oder Gesten, die Assoziationen zu deren ursprünglichen (engeren) Verwendungsbereichen wecken. So ist beispielsweise die Verwendung von Begriffen, die den Bereichen Sexualität oder Ausscheidung entstammen, sehr verbreitet.
Ein beliebter Zeitvertreib einiger Menschen ist die Suche nach Anspielungen, die vom Gegenüber gar nicht beabsichtigt sind (etwa das Heraushören sexueller Anspielungen, obwohl diese wissentlich die tatsächliche Aussage gar nicht berühren) und entsprechende verbale Erwiderungen. Ziel dieses Verhaltens kann neben spielerisch-freundschaftlichen Motiven die Bloßstellung oder Beschämung des Gegenübers sein. Je nach Ausprägung und Kontext kann es sich in letzteren Sinne etwa um Mobbing oder sexuelle Belästigung handeln. Herablassende Anspielungen, die auf die Person abzielen, können je nach Ausprägung eine Ehrverletzung im strafrechtlichen Sinne sein.
Anspielungen sind eine Standardmethode der Dichtung, etwa um auf metaphorische Weise Sachverhalte zu umschreiben oder um unterschiedliche Vorgänge symbolisch zu vereinen und dadurch eine bestimmte Emotion oder Geisteshaltung zu verdeutlichen. Unter literarischer Zensur blühen die Anspielungen auf, werden aber in der Rezeption oft auch dort vermutet, wo sie fehlen.
In der Wissenschaft ist sie gewagt, aber zulässig, und wurde früher mit der lateinischen Wendung sapienti sat ("dem Wissenden genügt's") als "Anspielung" gekennzeichnet.
Zu den zahlreichen Sonderformen vgl. Allusion, Kenning, Îhâm.