Anthropozentrismus

Anthropozentrisch bedeutet, dass der Mensch sich selbst als den Mittelpunkt der weltlichen Realität versteht. Es leitet sich vom griechischen άνθρωπος (anthropos = Mensch) und dem lateinischen centrum (= Mittelpunkt) ab. Der Anthropozentrismus hat eine weltanschauliche, eine ethische und eine religiöse Komponente als Schnittpunkt.

Ein im Zusammenhang mit dem Anthropozentrismus verwendetes Sprichwort ist "Der Mensch ist der Maßstab aller Dinge".

Inhaltsverzeichnis

Anthropozentrismus und Physiozentrismus

Als Ethikmodell dem Anthropozentrismus gegenübergestellt ist der Physiozentrismus. Moralischer Wert wird darin nicht nur dem Menschen, sondern in verschiedenen Ausprägungen auch der weiteren Natur beigemessen.

Ausprägungen des Physiozentrismus sind, in vom Anthropozentrismus ausgehend absteigender Reihenfolge:

  • Pathozentrismus: als Kriterium zur Abgrenzung gilt die Leidensfähigkeit. Moralisch "relevante" Objekte sind daher Menschen und höher entwickelte Tiere, bei denen die Leidensfähigkeit offensichtlich ist, wie z. B. bei Affen, Pferden und Hunden.
  • Biozentrismus: Jedes Lebewesen hat einen moralischen Eigenwert. Wurde u.a. von vegan bzw. vegetarisch lebenden Personen, Tierrechtlern und Umweltaktivisten entworfen; wird aber auch von Theologen wie Rupert Lay und dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer propagiert, der für mehr Biophilie gegen das Abgleiten in eine unmenschliche Welt plädiert. Siehe auch die Religion des Jainismus, in der Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen ein ethisches Grundprinzip ist.
  • Holismus: Moralisch relevantes Kriterium ist das Sein an sich. Daher sind für das ethische Handeln nicht nur Lebewesen, sondern auch die unbelebte Natur relevant.

Kritikern eines anthropozentrischen Weltbildes kann man die These vom Anthropozentrismusparadox entgegenhalten.

Anthropozentrismus und Theozentrismus

Das Christentum ist christozentrisch, also theozentrisch und anthropozentrisch zugleich, d.h. es hat Jesus Christus als Zentrum, der zugleich Gott und Mensch ist[1].

Die negativen, fatalen Auswirkungen des Theozentrismus und des Anthropozentrismus auf menschliches und auf nichtmenschliches Leben (Tiere, Pflanzen) sowie auf die übrige unbelebte Natur können möglicherweise nur mit Hilfe einer rationalen, universellen, minimalen Ethik überwunden werden, die unteilbar ist und für alle gilt, unabhängig von Ort, Zeit, religiösen, kulturellen oder politischen Gegebenheiten. Dazu scheint die Menschheit in ihrer derzeitigen Verfassung und Entwicklungsstufe aber noch nicht reif genug zu sein.

Quellen

  1. http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_30111980_dives-in-misericordia_ge.html

Siehe auch

Quelle:
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