Aurora (1900)


Pallada-Klasse:
Seiten- und Decksansicht
Baudaten
Bauwerft Neue Admiralitätswerft
Kiellegung 4. Juni 1897[1]
Stapellauf 24. Mai 1900
Fertigstellung 16. Juli 1903
Verbleib noch vorhanden
Technische Daten
Wasserverdrängung 6.731 ts
Länge 126,8 m
Breite 16,8 m
Tiefgang 7,3 m
Bewaffnung
(nach 1903)
  • 8 x 152-mm-Geschütze
  • 24 x 75-mm-Geschütze
  • 8 x 37-mm-Geschütze
  • 3 Torpedorohre \varnothing 38,1 cm
Bewaffnung
(nach 1917)
  • 14 x 152-mm-Geschütze
  • 4 x 76-mm-Luftabwehr-Geschütze
  • Maschinengewehre
  • 3 Torpedorohre \varnothing 38,1 cm
Panzerung
  • Kommandostand: 152 mm
  • Munitionsschächte: 38 mm
  • Kesselraumschächte: 64 mm
  • Hauptdeck: 51 mm
    (Böschungen: 76 mm)
Antriebsanlage 24 Belleville-Dampfkessel
3 stehende Dreifachexpansions-Dampfmaschinen
auf 3 Wellen
Maschinenleistung ca. 12.000 – 13.000 PSi
Brennstoffvorrat 1430 ts Kohle
Geschwindigkeit 19 Knoten
Fahrbereich
Besatzung 578 Mann

Die Aurora (russisch Аврора/ Awrora) ist ein russisches Kriegsschiff der ehemaligen zaristischen Marine und liegt seit seiner Außerdienststellung 1956 als Museumsschiff in Sankt Petersburg. Das Schiff gilt als Symbol der Oktoberrevolution von 1917.

Inhaltsverzeichnis

Schiffstyp

Die Aurora war ein Schiff der Pallada-Klasse. Die Schiffe dieser Klasse gehören zu einem Typ, der als Geschützter Kreuzer oder Panzerdeckkreuzer bezeichnet wird. Sie waren kleiner und schwächer gepanzert als die Panzerkreuzer.

Geschichte

Mit dem Bau des Schiffes wurde am 23. Mai (4. Juni) 1897 auf einer Werft in Sankt-Petersburg begonnen. Die am 11. Mai (24. Mai) 1900 vom Stapel gelaufene Aurora wurde am 16. Juli (29. Juli) 1903 in Dienst gestellt. Das Schiff wurde zu Beginn des Russisch-Japanischen Krieges 1904 dem 2. Pazifikgeschwader unter Admiral Sinowi Petrowitsch Roschestwenski zugeteilt, welches in den Fernen Osten verlegt wurde. Bereits in der Nordsee kam es zum Doggerbank-Zwischenfall, bei dem die russische Flotte verschiedene Fischerboote und eigene Schiffe beschoss. An Bord der Aurora, die von einigen Geschossen getroffen wurde, starb ein Matrose. Das Geschwader setzte seinen Weg fort, um das von den Japanern belagerte Port Arthur zu entsetzen. Nach dem Fall des Hafens versuchte die Flotte nach Wladiwostok durchzubrechen, wurde jedoch am 27. und 28. Mai 1905 in der Schlacht von Tsushima nahezu vollständig zerstört. Nur wenige russische Schiffe konnten der Vernichtung entgehen. In dieser Schlacht fielen 15 Besatzungsmitglieder des Schiffes, darunter der Kommandant, Kapitän Erster Klasse E. Jegorjew, 83 weitere wurden verletzt. Der Aurora und zwei weiteren Schiffen der russischen Kreuzerdivision unter Konteradmiral Oskar Enquist gelang die Flucht in den neutralen Hafen Manila, wo sie auf Geheiß des Zaren kapitulierten und interniert wurden. Nach Kriegsende 1906 kehrte das Schiff in die Ostsee zurück und wurde als Schulschiff eingesetzt, seine Bordwaffen und Torpedoabschussausrüstung wurden demontiert. 1907-1914 nahm die Aurora an Expeditionen nichtmilitärischer Art in die Ostsee, das Mittelmeer und in den Indischen Ozean teil.

Während des 1. Weltkriegs wurde das Schiff mit einer stärkeren Bewaffnung ausgestattet und wieder als Kriegsschiff für den Wachdienst und als Unterstützungsschiff für russische Infanterie in der Ostsee eingesetzt. Im Jahre 1916 wurde die Aurora nach Sankt Petersburg verlegt, wo eine größere Reparatur durchgeführt werden sollte. Ein Teil der Besatzung engagierte sich während der Februarrevolution auf Seiten der Bolschewiki.

In der Nacht auf den 25. Oktober 1917 (7. November nach heute geltendem Gregorianischen Kalender) wurde die Aurora auf Befehl des Petrograder Militärrevolutionären Komitee in die Nähe der Nikolaj-Brücke verholt, um die reibungslose Verlegung von Abteilungen der Roten Garde von der Wasiljew-Insel ins Stadtzentrum von Sankt-Petersburg zu gewährleisten. Am Abend des 25. Oktober gab die Aurora mit einem Platzpatronenschuss aus einer Bugkanone das Signal für den Sturm auf das Winterpalais, den Wohnsitzes des Zaren in Sankt Petersburg, durch die Bolschewiki. Diese Erstürmung gilt als Beginn der russischen Oktoberrevolution.

Ab 1923 wurde sie wieder als Schulschiff der Baltischen Flotte eingesetzt. Die Aurora absolvierte mehrere Visiten in den skandinavischen Ländern, darunter 1924, 1925, 1928, 1930 nach Norwegen sowie 1925 und 1928 nach Schweden.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden ihre Kanonen demontiert und zur Verteidigung Leningrads eingesetzt. Am 30. September 1941 wurde sie bei einem deutschen Luftangriff schwer beschädigt und sank im Hafen.

Schon vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Aurora am 20. Juli 1944 vom Grund gehoben und von 1945 bis 1947 wieder instandgesetzt. Ab dem 17. November 1948 befand sich der Kreuzer auf dem ehrenvollen „ewigen Liegeplatz“ am Ufer der Newa, diente jedoch bis 1961 als Ausbildungsschiff der sowjetischen Nachimow-Marineschule. 1957 wurde auf dem Schiff eine Filiale des sowjetischen Zentralen Marinemuseums eröffnet. In der Sowjetunion war die Aurora eine Art Nationalheiligtum, im St. Petersburg von heute ist sie eine beliebte touristische Sehenswürdigkeit. Seit 1956 haben mehr als 28 Millionen Gäste das Schiff besucht.

Von 1984 bis 1987 wurden umfangreiche Rekonstruktionen durchgeführt. Unter anderem wurde die komplette Außenhülle des Rumpfes unterhalb der Wasserlinie erneuert, da die Originalsubstanz wegen starker Korrosionsschäden als irreparabel angesehen wurde.

Heute beherbergt die Aurora ein Marine- und Seefahrtsmuseum, weiterhin ist sie Veranstaltungsort von Zeremonien wie dem Gelöbnis von Marinekadetten.

Auszeichnungen

Das Schiff wurde am 2. November 1927 mit dem Rotbannerorden und am 22. Februar 1968 mit dem Orden der Oktoberrevolution ausgezeichnet. Seit 1960 steht das Schiff per Gesetz unter Denkmalschutz.

Anmerkungen

  1. Die angegebenen Daten entsprechen dem Gregorianischen Kalender. In Rußland galt bis zum Ende der Zarenherrschaft der Julianische Kalender.

Literatur

  • Roger Chesneau und Eugene M. Kolesnik, Kriegsschiffe der Welt 1860 bis 1905 Band 2: USA, Japan und Rußland, Bernard & Graefe Verlag Koblenz, 1983, ISBN 3-7637-5403-2
  • Schiffe-Menschen-Schicksale - Russischer Kreuzer Aurora - Zwischen Zarenadler und Sowjetstern, Band 13.
  • Woennaja enciklopedija (auf russisch). Bd. 1.

Weblinks

Commons
Commons: Russischer Kreuzer Aurora – Bilder, Videos und Audiodateien

Quelle:
Artikel Aurora (1900) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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