Ausonius

Decimius Magnus Ausonius (* um 310 in Burdigala (Bordeaux), † nach 393 ebd.) war ein spätantiker hoher gallo-römischer Staatsbeamter, Prinzenerzieher und Dichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Giovanni Pietro Lasagna, Ausonius-Monument in Mailand
Giovanni Pietro Lasagna, Ausonius-Monument in Mailand

Geboren wurde er 310 als Sohn eines Arztes in Burdigala, im heutigen Bordeaux. Er studierte in seiner Heimatstadt sowie in Tolosa (Toulouse) Rhetorik und freie Künste; ab 345 war er dort als ein angesehener Lehrer der Grammatik und Rhetorik tätig. Zu seinen Schülern zählte auch Paulinus, der spätere Bischof von Nola. Der im Westen Roms regierende Kaiser Valentinian I. berief Ausonius 365 an seinen Hof nach Trier, um dort am Kaiserhofe eine Stelle als Lehrer und Erzieher von Valentinians ältestem Sohn Gratian anzutreten, der von Ausonius geprägt wurde. Ausonius reiste in einer Kutsche über die Römerstraße, die heute seinen Namen trägt, von Moguntiacum über den Hunsrück nach Trier.

Nach einem kaiserlichen Feldzug gegen die Alamannen und Burgunden 365-367, an dem er als Kriegsberichterstatter teilnahm, fand er das Alamannenmädchen Bissula aus der Gegend der Donauquellen (Baar) unter der Kriegsbeute; er verliebte sich in die Frau, und Kaiser Valentinian I. schenkte sie ihm. Ausonius heiratete sie rechtmäßig als freie römische Bürgerin und nahm sie mit nach Italien. Sie inspirierte ihn zu dem nach ihr benannten Liederzyklus Liebesgedichte an die blauäugige, blonde Germanin. 370 wurde er zum Comes und 375 Quaestor sacri palatii erhoben; dies waren im spätrömischen Reich hohe Hofämter, die auch die Wertschätzung belegen, die Ausonius genoss, dem allerdings zuweilen opportunistisches Agieren vorgehalten werden kann. Valentinian I. starb 375, doch Ausonius’ Karriere setzte sich unter dem neuen Kaiser Gratian fort. Im Jahre 378 wurde er Prätorianerpräfekt von Gallien und bekleidete 379 das noch immer sehr prestigeträchtige Konsulat. Nach der Ermordung Gratians 383 kehrte er auf sein Landgut in die gallische Heimat zurück und widmete sich eifrig seinen literarischen Werken. In Burdigala verstarb Ausonius nach 393.

Es ist wahrscheinlich, das Ausonius, der auch mit Quintus Aurelius Symmachus befreundet war, Christ war, dem Heidentum dennoch nahe stand. Manches in seinen Werken verrät christliche Einflüsse, wobei die religiöse Zugehörigkeit im 4. Jahrhundert Schwankungen unterliegen konnte. Ausonius war mit der gesamten römischen Literatur vertraut. Seine Werke stellen eine wichtige kulturhistorische Quelle für seine Zeit dar und können sich mit den klassischen Werken der lateinischen Dichtung messen.

Die Reisebeschreibung Mosella aus dem Jahr 371 beschreibt seine Eindrücke auf der römischen Militärverbindung von Bingen nach Trier, die er 368 selbst bereist hatte. Erstmals bezeugt die nach Konrad Peutinger benannte Peutingersche Tafel, dass diese Straße seit dem Mittelalter Via Ausonia (Ausoniusstraße) genannt wird. An ihr befinden sich u. a. Belginum und Dumnissus. Durch Publius Cornelius Tacitus (55-116) wird diese Verbindung über den Hunsrück indirekt bereits früher erwähnt.

Werke

  • Mosella, eine Schilderung aus dem Jahre 371 der Mosellandschaft und der Stadt Trier in 483 Hexametern
  • Bissula, Liederzyklus über das gleichnamige Alemannen-Mädchen
  • Versus Paschales, ein Ostergebet für Valentinian I. mit nizäanischem Trinitätsbekenntnis
  • Briefwechsel mit seinem Freund Paulinus

Ausonius und der Weinbau

Ausonius besaß in Lucaniacus im heutigen Bereich Saint-Emilion ein Weingut. Möglicherweise befand es sich an der Stelle, wo heute das nach ihm benannte Château Ausone existiert. Nach jüngeren Erkenntnissen könnte es sich jedoch auch um das Château La Gaffelière handeln.

Literatur

  • Altay Coskun: Die gens Ausoniana an der Macht. Untersuchungen zu Decimius Magnus Ausonius und seiner Familie (Prosopographica et Genealogica 8). Oxford 2002, ISBN 1-900934-07-8.
  • Paul Dräger (Hrsg.): Mosella (lateinisch–deutsch). Paulinus-Verlag, Trier 2001, ISBN 3-87760-167-7 (und andere Ausgaben).
  • Hagith Sivan: Ausonius of Bordeaux: genesis of a Gallic aristocracy. New York 1993.

Weblinks

Quelle:
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