Das Bündnis 90 war ein Zusammenschluss von Bürgerbewegungen und Oppositionsgruppen in der DDR, die sich am 7. Februar 1990 zu einem Wahlbündnis für die Wahl zur Volkskammer zusammenschlossen. Es ging aus dem Neuen Forum, der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) und Demokratie Jetzt hervor.
Bei den ersten und letzten freien Volkskammerwahlen der DDR am 18. März 1990 erzielte das Bündnis 2,9 % der Stimmen und damit 12 Mandate. Sein weitaus bestes Ergebnis erzielte Bündnis 90 im Bezirk Berlin mit 6,3 %; in den übrigen Bezirken streuten die Ergebnisse von 1,6 % (Bezirk Neubrandenburg) bis 3,8 % (Bezirk Potsdam). Mit den acht Abgeordneten der Grünen Partei der DDR bildeten sie zusammen die Fraktion Bündnis 90/Grüne.
Bei den 12. Bundestagswahlen am 2. Dezember 1990, den ersten im wiedervereinigten Deutschland, stimmten 6,1 % der Wähler im Wahlgebiet Ost (1,2 % bundesweit) mit ihrer Zweitstimme für die Listenvereinigung „Bündnis 90/Grüne - BürgerInnenbewegung“ (B90/Gr), die mit acht ostdeutschen Abgeordneten in den Deutschen Bundestag einzog: Klaus-Dieter Feige, Ingrid Köppe, Gerd Poppe, Christina Schenk, Werner Schulz, Wolfgang Ullmann, Konrad Weiß und Vera Wollenberger. Ihr westdeutscher Partner, Die Grünen, verfehlte den Einzug ins Parlament.
Bei den ostdeutschen Landtagswahlen 1990 gelang Bündnis 90 der Einzug in alle Landtage außer in Mecklenburg-Vorpommern. In Brandenburg war dabei das Bündnis 90 allein angetreten, in den anderen Ländern war es mit gemeinsamen Listen mit den Grünen erfolgreich. In Brandenburg war Bündnis 90 von 1990 bis 1994 an der „Ampelkoalition“, einer Regierung gemeinsam mit SPD und FDP, beteiligt.
Am 21. September 1991 gründete sich Bündnis 90 als Partei neu, indem sich Teile des Neuen Forums, Demokratie jetzt und die Initiative Frieden und Menschenrechte vereinigten. Am 14. Mai 1993 erfolgte dann der Zusammenschluss mit der bereits seit Ende 1990 gesamtdeutschen Partei Die Grünen zur Partei Bündnis 90/Die Grünen.
Siehe auch: Politische Parteien in Deutschland