Bürgergeld

Dieser Artikel behandelt Bürgergeld im Sinne der modernen Theorie eines vom Staat gezahlten Grundeinkommens. Im Mittelalter war das Bürgergeld hingegen eine Gebühr der Bürger für die Aufnahme in die Bürgerschaft, die in der so genannten Bürgerrolle dokumentiert wurde. Siehe hierzu den Artikel Bürger.


Das Bürgergeld ist ein theoretisches Konzept für ein vom Staat ausgezahltes Grundeinkommen. Die Modelle unterscheiden sich hinsichtlich der an die Zahlung geknüpften Bedingungen Bedürftigkeit und Arbeitsbereitschaft.

Inhaltsverzeichnis

Liberales Bürgergeld nach Mitschke

Der deutsche Ökonom Joachim Mitschke stellte in seinem Buch Steuer- und Transferordnung aus einem Guß das Bürgergeld als Zusammenfassung aller direkten Sozialtransfers vor. Das Bürgergeld sollte daher nur an Bedürftige nach entsprechender Prüfung ausgezahlt werden. Das zuständige Finanzamt sollte diese Prüfung und auch die Auszahlungen des Bürgergelds vornehmen. Die FDP übernahm diesen Ansatz 1994 in ihr Programmatik. Das "Liberale Bürgergeld" wurde auf dem Bundesparteitag 2005 beschlossen. [1] Das Liberale Bürgergeld wird bei Vorliegen der Bedingungen Bedürftigkeit und Arbeitsbereitschaft gezahlt.

Negative Einkommensteuer

Die Idee des Bürgergeldes geht auf Milton Friedman zurück, der in den 1960er Jahren eine negative Einkommensteuer vorschlug. Danach würde das Finanzamt jedem Steuerpflichtigen, dessen Einkommenssteuerschuld unter einem festzulegenden Minimum liegt, die Differenz ohne Prüfung der Bedürftigkeit überweisen.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Das Bedingungslose Grundeinkommen erhält dem Konzept nach jeder Bürger unabhängig von Bedürftigkeit und Arbeitsbereitschaft. Es gibt verschiedene Modelle, hierzu zählen

Übersicht von Konzepten einer sozialen Grundversorgung

Sozial-
versicherung
Klassische
Grundversorgung
Lohn-
subventionen
Bürgergeld / Grundeinkommen
Negative Einkommensteuer Allgemeines, Bedingungsloses Grundeinkommen
Vorangehende Beitragszahlung ja nein nein nein nein
Prüfung der Bedürftigkeit ja ja ja ja ("Liberales Bürgergeld") bzw. nein (andere Konzepte) nein
Voraussetzung irgend einer Art von Einkommen nein nein nein konzeptabhängig nein
Kumulierbarkeit mit Einkommen nein nein ja ja ja
Individueller Anspruch ja nein nein nein ("Liberales" Bürgergeld) bzw. ja (andere Konzepte) ja
Gegenleistung nein ja ja nein nein
In Deutschland: Arbeitslosengeld I Arbeitslosengeld II (für Erwerbsfähige) bzw. Sozialgeld oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (früher: Arbeitslosenhilfe bzw. Sozialhilfe)
In Österreich: Arbeitslosengeld Sozialhilfe
In der Schweiz: Arbeitslosenentschädigung Sozialhilfe
Anderswo: in zahlreichen Ländern in zahlreichen Ländern z.B. Großbritannien, USA Alaska
Konzepte: Kombilohn "Liberales" Bürgergeld, Steuergutschriften Ulmer Modell, Grundeinkommensmodell nach Götz Werner


Kritikpunkte

Das Bürgergeld-Konzept stützt sich auf den gesellschaftlichen Ist-Zustand und leitet daraus Einsparmöglichkeiten und mögliche Kosten ab. Kritiker sehen dies als unrealistisch, weil dabei unterschlagen werde, dass das Bürgergeld-Konzept auch einen starken Einfluss auf die Gesellschaft ausübe. Im Zentrum der Überlegungen stehen dabei folgende Punkte:

Die radikale Vereinfachung der öffentlichen Verwaltung macht zahlreiche Behörden überflüssig und bedeutet den Wegfall von tausenden Arbeitsplätzen im Staatsdienst. Damit fallen Kosten weg, aber auch Steuerzahler, die bisher einen Teil dieser Kosten als Steuern wieder an den Staat zurück gezahlt haben. Die Frage sei, ob die Wirtschaft diese neuen Arbeitslosen beschäftigen kann.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die nicht vorherzusagenden Effekte auf die Beschäftigung. Das garantierte Bürgergeld für jedermann wirke der Aufnahme regulärer Arbeit entgegen, da Arbeit dann weniger als existenzsichernde Beschäftigung wahrgenommen werde. Arbeit nehme stärker die Funktion der Selbstverwirklichung ein. Auch die Zeiträume bis zur erstmaligen Aufnahme einer Arbeit (Stichwort Langzeitstudenten) und die zwischen zwei Anstellungen werden sich nach Ansicht von Kritikern unweigerlich verlängern, was das System teurer mache als es nach dem gesellschaftlichen Ist-Zustand scheint.

Zudem gehe durch die Zusammenlegung sämtlicher staatlicher Transfers jegliche Lenkungsabsicht dieser Gelder verloren. Derzeit sollen Transfers beispielsweise die Chancengleichheit in der Bildung fördern (BAföG), die Geburtenrate erhöhen (Kindergeld, Ehegatten-Splitting) oder die Arbeitsplatzmobilität verbessern (Pendlerpauschale). Wenn dies alles wegfällt, könne das diesen Zielen gesellschaftlich spürbar entgegen wirken, falls diese Transfers bisher den angestrebten Lenkungseffekt hatten.

Literatur

Weblinks

Quelle:
Artikel Bürgergeld aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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