Die Balten sind Angehörige verschiedener indoeuropäischer Völker, die den Ostseeraum zwischen Polen/Russland und Estland/Finnland, das so genannte Baltikum, bis heute besiedeln.
Vor zweitausend Jahren wurde die Ostsee von römischen Schriftstellern als Mare Suebicum nach den Sueben benannt. Später wurde der Name Mare Balt(h)icum (= Bernsteinmeer) benutzt. Ferdinand Nesselmann benannte die Sprache der Bewohner am Mare Balticum Baltische Sprache.‘
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Die meisten Balten lebten in Siedlungen, in denen häufig nur 250-500 Menschen lebten. Als Siedlungsstandort wählten sie häufig Inseln in Seen oder Flüssen. Weitere beliebte Siedlungsorte waren Quellen, lichte Haine und Flusstäler. Diese Siedlungen besaßen nur selten Wälle oder andere Schutzfunktionen, da sie durch das umliegende Wasser bereits gut geschützt waren, Moore etwa 30% des Baltikums ausmachten und so wenig Gefahr von anderen Völkern ausging. Die Häuser waren meist aus ganzen oder halben Baumstämmen gebaute viereckige Häuser. Diese waren auf dem Dach häufig mit Gras oder anderen Pflanzen bewachsen.
Bis in die jüngere Vergangenheit waren die Häuser zumeist nur spärlich möbliert: Es gab einen großen Tisch, zahlreiche Stühle, einen kleinen Tisch, einige Betten, 2-4 Feuerstellen und das nötige Zubehör für den jeweiligen Beruf.
Die Ernährung der Balten war sehr vielseitig: Sie bauten Getreide (Roggen, Hafer, Emmer, Einkorn) und Gemüse (Erbsen, Linsen, Erdbeerspinat usw.) an. Außerdem besaß fast jede Familie einen großen Obstgarten, einen Kräutergarten und einen Garten, in denen sie Beeren anbauten. Zusätzlich hielten die Balten zahlreiche Nutztiere wie Ziegen, Schafe, Kühe, Pferde, Schweine und Hühner. Sie besaßen auch Hunde, die sie als Wach- und Hüter-Hunde benötigten. Von zentraler Bedeutung war auch der Fischfang, den die Balten mit Hilfe von Speeren, Angeln, Netzen und später auch Reusen betrieben. Das Sammeln war trotz der Gärten sehr wichtig, so kam es vor, dass ein ganzes Dorf im Herbst für einige Tage auf der Suche nach Beeren, Pilzen und Früchten war. Die Jagd war im Laufe der Zeit nicht mehr für das Überleben des Stammes wichtig, wurde aber trotzdem von den Balten regelmäßig betrieben.
Die Religion der Balten ähnelt(e) der anderer Indoeuropäischer Religionen. Neben einem Pantheon vieler Götter gab es zahlreiche Naturgeister und Fabelwesen Siehe Baltische Mythologie
Aus mehreren Chroniken geht hervor, daß die Balten häufig sangen und sich Balladen und kleine, gereimte Sprüche ausdachten, was noch heute in baltischen Ländern spürbar ist.
Jedes Dorf besaß einen Dorfhäuptling, der von den Bewohnern des Dorfes gewählt wurde (Männern und Frauen, allerdings ist es ein Faktum, dass es eigentlich keine weiblichen Stammesoberhäupter gab.) In manchen Stämmen durfte schon mit 16 Jahren gewählt werden, während man in anderen Stammesgemeinschaften erst mit 19 Jahren dazu berechtigt war.
Der Häuptling war häufig ein kräftiger, mutiger oder ein kluger Krieger, ein weiser alter Mann oder ein Priester.
Die Balten kannten keine Sonntage. Wenn sie mal nicht arbeiteten, war ein Feiertag oder ein bedeutendes Mitglied der Gemeinschaft war verstorben.
Bei den Balten gab es keine genaue Arbeitsteilung.
Zwar wird Estland zu den baltischen Republiken gerechnet, aber die Esten und die estnische Sprache gehören nicht zu den Balten bzw. dem baltischen Sprachzweig, sondern wie das sehr nahe verwandte Finnisch zur Finno-ugrischen Völkerfamilie und den finno-ugrischen Sprachen, ebenso die heutzutage in ihren Nachbarn aufgegangenen Liven.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde diese gesamtbaltische Schicht in Unterscheidung zu den Esten, Liven, Letten und Litauern als "Balten" bezeichnet. Die Deutsch-Balten, welche in Kurland, Livland und Estland lebten, zählen sprachlich und ethnisch nicht zu den baltischen Völkern: Ab dem 12. Jahrhundert waren überwiegend deutsche, aber auch schwedische, dänische und schottische Ritter und Kaufleute in das damalige Estland, Livland und Kurland – gesiedelt und hatten im Jahre 1201 die Hansestadt Riga gegründet. Die Balten verwalteten, regierten und kommunizierten in deutscher Sprache - auch Esten und Letten, die in der deutschsprachigen Universität Dorpat (Tartu) studiert hatten, assimilierten sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts in diese staatstragende Schicht. Nachdem die Balten mit Ende des Russischen Reiches und Gründung der Staaten Estland und Lettland ihre Funktionen verloren hatten, wurden sie mit dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 planmäßig nach Deutschland ausgesiedelt. Verbliebene und ab 1941 zurückgekehrte Deutsch-Balten wurden nach 1945 systematisch durch die Sowjetunion vertrieben.
Während der Zugehörigkeit der baltischen Länder zum Zarenreich war die russische Zuwanderung relativ gering. Unter Stalin wurde sie jedoch forciert. Als die baltischen Staaten unter der Perestroika ihre Unabhängigkeit wiedergewannen, lag der russisch-weißrussich-ukrainische Bevölkerungsanteil in Litauen bei 10 – 20 %, in Lettland bei fast 50 %.
Typisch ist, dass in dieser Sprachfamilie (vor allem im Litauischen) besonders viele altertümliche Formen (Wörter, Struktur) erhalten blieben. Besonders konservativ sind die Baltischen Sprachen im Bezug auf den indogermanischen Wortakzent, der in den meisten anderen indogermanischen Sprachzweigen regularisiert wurde.
Herausragende Eigenheiten:
Die Geschichte der Balten war seit dem Mittelalter eng mit der Herrschaft des Deutschen Ordens verknüpft: Die Kultur der Pruzzen ging im am intensivsten von Deutschen kolonisierten Preußen (später Ostpreußen genannt) verloren. Der litauische Staat entstand im Widerstand gegen die Machtausbreitung des Ordens. Das Litauische Reich dehnte sich mit der Zeit so weit in slawisches Gebiet aus, dass es auch ganz Weißrussland umfasste, und vereinigte sich schließlich in der Union von Lublin mit dem polnischen Königreich. Lettland war wiederum Teil des Ordensstaates, wurde allerdings nicht als Einheit aufgefasst, sondern der Westen gehörte zusammen mit der heutigen litauischen Küste zu Kurland (lettisch Kurzeme), während der Osten zusammen mit Teilen Estlands das Gebiet Livland (lettisch Vidzeme) bildete.