Der Bamberger Reiter oder steinerne Reiter ist eine Steinskulptur aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, vermutlich vor der Weihe des Dom-Neubaus 1237. Sie befindet sich auf einer Konsole am Nordpfeiler des Georgenchors im Bamberger Dom.
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Die Deutung der Figur, die wahrscheinlich nach 1225 und vor 1237 entstand, ist strittig.
Der Reiter wird vielfach als Abbild einer historischen Person angesehen, wobei man sich nicht einig ist, welche. Weil der Reiter gekrönt ist, wird allgemein angenommen, dass ein König dargestellt ist. Da die Figur in einer Kirche aufgestellt ist und es keine Grabfigur ist, muss es sich zudem um einen Heiligen handeln.
Könige, die Beziehungen zu Bamberg haben und zugleich heilig gesprochen wurden, sind Heinrich II., der 1200 heilig gesprochen wurde und im Dom begraben ist, und Stephan I. von Ungarn, der heilige Stephan, der mit Heinrich II. verschwägert war und der im Bamberger Dom verehrt wurde. Von diesen ist Stephan wahrscheinlicher. Heinrich war nicht nur römisch-deutscher König, sondern auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und wäre als Kaiser dargestellt worden.
Teilweise wird in der Skulptur auch eine symbolische Abbildung der gesamten Welt gesehen. Der auf der Konsole rechts unter dem Sockel dargestellte Dämon stellt die Unterwelt dar, darüber kommt die Pflanzenwelt (beides im Original unterhalb des Bildausschnittes sichtbar), dann die Tierwelt, sodann der Mensch und darüber veranschaulicht der Baldachin die schwebende Stadt Jerusalem, das Weltall.
Der Mittelalterhistoriker Hannes Möhring, Privatdozent an der Universität Bayreuth, vertrat 2004 die Auffassung, dass der waffenlose und mit einem Tasselmantel bekleidete gekrönte Reiter den am Ende der Zeiten wiederkehrenden Messias aus der Offenbarung des Johannes darstelle, den König der Könige (Off. 19, 11–16). Er habe in den Zeiten der Kreuzzüge die Gläubigen daran erinnern sollen, dass die Feinde des Christentums, vor allem die Muslime, nur durch Gottes Wort wirklich zu besiegen seien.
Bei näherer Betrachtung des Pferdes erkennt man, dass es beschlagen ist. Es handelt sich dabei um eine der ersten Darstellungen vom Hufeisen überhaupt.
Im Dritten Reich wurde der Bamberger Reiter von den Nationalsozialisten als arisches Symbol zu Propagandazwecken missbraucht.
Für den Dichter Stefan George passte der Domreiter gut in seine Lehre vom „geheimen Reich“:
„Du Fremdester brichst noch als echter sproß
Zur guten kehr aus deines volkes flanke.
Zeigt dieser dom dich nicht: herab vom roß
Streitbar und stolz als königlicher franke!
bist du leibhaft in der kemenat
Gemeißelt - nicht mehr Waibling oder Welfe
Nur stiller künstler, der sein bestes tat.
Versonnen wartend bis der himmel helfe.“
Der Bamberger Reiter gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Bambergs. 2003 würdigte ihn die Deutsche Post mit einer Abbildung auf einer Briefmarke der Dauerserie Sehenswürdigkeiten.
In dem 2005 erschienenen Mittelalterroman Die Nacht des steinernen Reiters von Guido Dieckmann wird eine Romanhandlung mit der Entstehung des Reiters verknüpft.
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