Die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) in München ist die zentrale Landesbibliothek des Freistaates Bayern und nach der Staatsbibliothek zu Berlin zweitgrößte Universalbibliothek im deutschen Sprachraum. Ihr Bestand beläuft sich auf ca. neun Millionen Bände. Darüber hinaus verfügt sie in ihrem Altbestand über eine der wichtigsten Handschriftensammlungen der Welt sowie die umfangreichste Sammlung von Inkunabeln in Deutschland. Seit 1663 existiert ein Pflichtexemplarrecht, d.h., dass von jedem in Bayern erscheinenden Druckwerk zwei Exemplare an die Bayerische Staatsbibliothek abgeliefert werden müssen. Das gilt auch heute unverändert. Darüber hinaus ist die Bayerische Staatsbibliothek die zweitgrößte Zeitschriftenbibliothek Europas (nach der British Library). Die BSB gibt die Fachzeitschrift Bibliotheksforum Bayern und - gemeinsam mit der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz - ab 2007 das "Bibliotheksmagazin" heraus.
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Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek ist Dr. Rolf Griebel, Stellvertreter des Generaldirektors ist Dr. Klaus Ceynowa. Zur Direktion gehören ferner das Direktionsbüro, das Direktionsreferat und das Sachgebiet Öffentlichkeitsarbeit.
Die Zentralabteilung erledigt die allgemeine Verwaltung, außerdem ist sie Dienstleister für alle Gebiete der Bibliothek.
Medien aller Art werden in dieser Abteilung erworben (Zugangsarten sind Geschenk, Kauf, Lizenzierung, Pflichtablieferung und Tausch) und sowohl formal als auch sachlich katalogisiert.
Die Abteilung für Benutzungsdienste vermittelt die Bestände und Dienstleistungen der Bibliothek und bearbeitet diverse Anfragen.
Die Abteilung für Handschriften und Alte Drucke ist für die wertvollsten historischen Bestände der Bibliothek zuständig. Dieses kostbare Erbe begründet das weltweite Renommee der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Abteilung verfügt über einen speziellen Lesesaal, der für die Arbeit mit alten Büchern besonders ausgestattet ist.
Die Abteilung Informationssicherung und Bestandserhaltung schützt die Medien der Bibliothek (zuständig für Medien ab 1850) gegen Beschädigung und Verfall und sichert ihre langfristige Verfügbarkeit.
Diese Abteilung verwaltet Karten, Atlanten und das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek. Zum Bildarchiv gehören auch Teile der Archive Heinrich Hoffmann, Bernhard Johannes und Felicitas Timpe. Auch die Abteilung Karten und Bilder verfügt über einen eigenen Lesesaal.
Quantität und Güte ihrer historischen Bestände sowie das weite Erwerbungsprofil machen die Musikabteilung zu einer international bedeutenden Musikbibliothek ersten Ranges. Der Sammelschwerpunkt der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Musikwissenschaft“ wird in dieser Abteilung betreut. Den Benutzern steht innerhalb der Staatsbibliothek ein eigener Musiklesesaal zur Verfügung.
Die orientalischen Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek umfassen 250.000 Bände in Arabisch, Armenisch, Georgisch, Hebräisch, Jiddisch, Mongolisch, Persisch, Tibetisch und in indischen Sprachen. Die ostasiatischen Bestände schließen über 300.000 Bände in den Sprachen Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Thai und Vietnamesisch ein. Die Handbestände sind zusammen mit denen der Osteuropaabteilung im Ost-Lesesaal zugänglich.
Die Osteuropaabteilung ist die größte Sonderabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek mit circa 900.000 Bänden zu und aus Osteuropa. Sie befasst sich neben dem osteuropäischen Raum im engeren Sinn auch mit Ostmittel- und Südosteuropa, sowie dem asiatischen Teil Russlands. Der Handbestand der Abteilung ist im Ost-Lesesaal der Bibliothek untergebracht.
Vorwiegend für Landesaufgaben zuständig sind die Bayerische Bibliotheksschule, die Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen sowie die Verbundzentrale des Bibliotheksverbundes Bayern.
Gründung 1558 im Kanzleigewölbe am Alten Hof als Hofbibliothek von Herzog Albrecht V. durch den Ankauf zweier Sammlungen. Zum einen den Nachlass des österreichischen Juristen, Orientalisten und kaiserlichen Kanzlers Johann Albrecht Widmannstetter. Dieser bestand aus orientalischen Handschriften und Drucken, Ausgaben klassischer Autoren und Werken aus den Bereichen Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaft. Zum anderen die Sammlung des Augsburger Patriziers Johann Jakob Fugger, die 1571 erworben werden konnte. Fugger hatte Agenten beauftragt, in Italien, Spanien und den Niederlanden Bände mit Handschriften und Drucken zu sammeln. Dies wurden mehr als 10.000 Bände. Gleichzeitig hatte er in Venedig Handschriften kopieren lassen. Außerdem hatte Fugger 1552 die Handschriften- und Inkunabel-Sammlung des Arztes und Humanisten Hartmann Schedel erworben, die eine der reichsten humanistischen Privatbibliotheken nördlich der Alpen war. Betreut und organisiert hatte die Fugger-Sammlung zunächst der Antwerpener Arzt Samuel Quichelberg. Er hatte die Aufstellungsordnung der Hofbibliothek Augsburg übernommen. Später wurde die Sammlung von dem Bibliothekar Wolfgang Prommer betreut, der diese sowohl alphabetisch als auch nach Stichworten katalogisiert hatte. Der Nürnberger Aegidius Oertel wurde 1561 der erste Bibliothekar. Die hauptsächlichen Nutzer der Bibliothek waren die 1559 nach München geholten Jesuiten.
Wilhelm V. führte die Sammlung mit weiteren Ankäufen fort:
Im Jahr 1600 umfasste der Bestand 17.000 Bände.
Durch die Säkularisation in Bayern und die Überführung der Kurpfälzischen Hofbibliothek erhielt die Bibliothek um 1803 einen Zuwachs von ca. 550.000 Bänden und 18.600 Handschriften. 1832 bis 1843 wurde der Bibliotheksbau der damaligen Hof- und Staatsbibliothek in der Ludwigstraße nach Plänen von Friedrich von Gärtner erbaut. Seit 1919 trägt die Bibliothek den Namen Bayerische Staatsbibliothek. Während des Zweiten Weltkrieges kam es trotz Auslagerung von Beständen zum Verlust von über 500.000 Bänden. Das Gebäude selbst wurde zu 85% zerstört. Ab 1946 begann der Wiederaufbau des Bibliotheksgebäudes und die Rückführung ausgelagerter Bestände. Der Wiederaufbau wurde 1970 mit der Einweihung des wieder hergestellten Südflügels abgeschlossen. 1988 wurde die Speicherbibliothek Garching in Betrieb genommen.
Die Bayerische Staatsbibliothek hat auch umfangreiche Internetprojekte initiiert. 1997 erfolgte die Einrichtung des Münchner Digitalisierungszentrums und die Erstellung eines Internetauftritts mit eigener Website. Mit der Bereitstellung des konvertierten Blattkatalogs 1841-1952 und des Inkunabelkatalogs 1450-1500 ist heute der gesamte Druckschriftenbestand der Bayerischen Staatsbibliothek online verfügbar. Bei Digitisation on Demand, einem Projekt von derzeit dreizehn Bibliotheken aus mehreren europäischen Ländern werden auf Anfrage Millionen E-Books erhältlich sein. Am 7. März 2007 wurde von Generaldirektor Rolf Griebel bekanntgegeben, dass Google Book Search für die Staatsbibliothek den Bestand digitalisieren wird, soweit er urheberrechtsfrei ist.[1]
Siehe auch: Martin Schrettinger