Berber

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Berber (Begriffsklärung).
Berber
Gesamtbevölkerung: ca. 23 Millionen
bedeutende Bevölkerung in: Marokko:
12,000,000

Algerien:
8,500,000
Tunesien:
   200,000
Libyen:
   350,000+
Mauretanien:
   80,000
Ägypten:
   10,000
Belgien:
   200,000
Frankreich:
   1,000,000
Niederlande:
   200,000
Spanien:
   50,000
Syrien-Libanon-Israel-Jordanien:
   100,000

Sprache: Berber (Tamazight)
Religion: Islam (99%), Christentum, Judentum, Atheismus
verwandte ethnische Gruppen: Afroasiatisch

  Semitisch

Die Verbreitung der Berber in Nordwest-Afrika
Die Verbreitung der Berber in Nordwest-Afrika
Berberfamilie
Berberfamilie
Berberkrieger bei folkloristischer Darbietung in Marokko
Berberkrieger bei folkloristischer Darbietung in Marokko
Junge Berberfrau aus Tunesien (XIX)
Junge Berberfrau aus Tunesien (XIX)

Berber ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Gemeinschaften in Nordafrika westlich des Nils, die eine Berbersprache sprechen. Ob der Namen „Berber“ aus dem Arabischen stammt oder sich vom griechischen/römischen Wort für Barbar ableitet, ist umstritten. In der römischen Antike ist der Ausdruck „Barbar“ als Bezeichnung für die Völker Nordafrikas nicht belegt. Heute bezeichnen sich einige Berber, insbesondere in Marokko, als „Imazighen“ („Freie“), um sich in einer eigenen, in ihrer Muttersprache gefassten, Volksgruppenbezeichnung wiederzufinden. Üblichererweise benutzen die Berbervölker aber die Namen der einzelnen Volksstämme (z.B. Kabylen oder Tuareg). [1]

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Über die Herkunft der Berber oder Imazighen ist kaum etwas bekannt. Die Berber sind die Altschichtbevölkerung (→indigenes Volk) Nordafrikas.

Zeugnisse über die Berber erschienen auch schon regelmäßig im Alten Äypten, in griechischen und römischen Quellen. Bereits auf saharanischer Felsenkunst sind frühe Einwohner der Gegend zu finden. Als ihre Vorgänger gelten die Numider, Garamanten und Libyer. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot erwähnte sie in seinen Geschichten.

Berbervölker wurde zuerst in Schriften der Ägypten während der Prädynastik genannt. Während des Neuen Reiches kämpften die Ägypter an der Westgrenze gegen die Meschwesch (Ma) und die Libu. Etwa ab 945 n.Chr. wurden die Ägypter durch das Berbervolk der Meshwesh beherrscht, welche die 22. Dynastie unter Scheschonq I. begründeten. Dadurch begann eine lange Zeit der Berberherrschaft in Ägypten. Lange Zeit stellten sie die Hauptbevölkerung in der westlichen Wüste. Die byzantinischen Chronisten beschwerten sich oft über die Amazigh, die dort die abseits gelegenen Klöster überfielen.

Viele Jahrhunderte lang bewohnten die Berber die Küste Nordafrikas von Ägypten bis zum Atlantischen Ozean. Während dessen blickten die Küstenregionen Nordafrikas auf eine lange Reihe von Eroberern, Siedlern und Kolonisatoren einschließlich den Phöniziern, die Karthago gründeten, Griechen (hauptsächlich in Kyrene), Römer,Vandalen, Alanen, Byzantiner, Araber, Ottomanen, Franzosen und Spanier. Die meisten, wenn nicht sogar alle dieser Eindringlinge prägten die heutigen Berber. Ebenso brachten die ottomanischen Corsairs Sklaven von Südeuropa in den Barbareskenstaat. Eine Schätzung stuft die Zahl der Europäer, welche nach Nordafrika während der Ottomanenherrschaft verschleppt wurden, bei 1,25 Millionen an. Beeinflussungen des Sudanreichs, Schwarzafrikas und Nomaden aus Ostafrika hinterließen ebenfalls eine ernorme Prägung auf die Berber.

Die Gegenden Nordafrikas, welche die Berbersprachen und die Traditionen der Berber erhalten haben, - im besonderen das Hochland von Kabylie im heutigen Algerien und die Volksstämme der Cleuh und Riffian - , sind im allgemeinen am wenigsten fremder Herrschaft ausgesetzt gewesen. Sogar in römischer und ottomanischer Zeit blieben die meisten von ihnen getrennt und unabhängig. Die Phönizier drangen sogar niemals hinter die Hafenstädte der Küste vor. Während viele Leute Verbindungen mit den Einheimischen herstellten und Waren und Dienste austauschten, war eine vollständige Verbindung nur mit den Römern gegeben, wodurch numidischen und mauretanischen Provinzen vollständig in das Römische Reich eingegliedert wurden und die Berber römisches Bürgerrecht erhielten. Unter den Leuten, die mit den Einheimischen siedelten, waren 80. 000 Familein der germanischen Vandalen, die durch die Römer und die Mittelmeerbewohner im allgemeinen auch als Barbaren bezeichnet wurden. Die germanischen Familien kamen weder um noch kehrten sie nach Germanien zurück, sondern vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung. Letztendlich wurden die Germanen durch römische Streitkräfte aus Nordafrika vertrieben.

Sprache

Die Berbersprachen gehören zu den afroasiatischen Sprachen (hamitosemischen Sprachen).

Ein Teil der Bevölkerung Algeriens, Marokkos und Tunesiens ist berberischer Herkunft, aber seit dem 7. Jahrhundert während der arabisch-islamischen Expansion zunehmend arabisiert worden, so dass heute nur noch kleinere Teile der Bevölkerung dieser Länder als berberisch angesehen werden. Berber gibt es auch in Libyen, Mauretanien, Ägypten und einigen westafrikanischen Staaten, vor allem im Niger, Tschad und Mali.

Kultur

Die Berber waren mutterrechtlich (matrilinear) gegliedert. Mit Ausnahme der Tuareg sind die Berber sesshaft. Das berberische Nomadenvolk der Tuareg hat eine eigene, aus dem altlibyschen bzw. phönizischen Alphabet entwickelte Schrift, das Tifinagh. Sie besaßen einen eigenen Kalender, der fast in Vergessenheit geraten ist. Ihre Zeitrechnung fing um 950 v. Chr. an. Dieses Datum entspricht der Thronbesteigung eines „Berberkönigs“, Scheschonq I. (Libyer, altägyptisch „libu“), in Ägypten (dieser gründete die Dynastie der Bubastiden, nach ihrer Hauptstadt Stadt Bubastis im Nildelta genannt.

Berühmte Berber

  • Terentius war einer der berühmtesten Komödienautoren der römischen Antike.
  • Macrinus war römischer Kaiser vom 11. April 217 bis zum 8. Juni 218
  • Augustinus von Hippo geboren als Augustinus Aurelius in Thagaste. Kirchenlehrer, Heiliger, Ordensgründer und Vorbild Martin Luthers. Seine Mutter stammte aus einer christlichen Berber-Familie.
  • Boerkman war ein deutscher Vertreter und Aufklärer über die Berbungskultur auf den Dörfern Deutschlands und Spaniens.
  • Tariq ibn Ziyad war ein muslimischer Eroberer des Westgotenreichs (711–714)
  • Ibn Khaldoun, Erfinder der Geschichte. Er gilt als der berühmteste arabische Historiker im Mittelalter.
  • Édith Piaf, französische Chansonsängerin. Ihr Vater war der Franzose Louis Alphonse Gassion.Ihre Mutter Anita Maillard war kabylischer Abstammung.
  • Isabelle Adjani, französische Schauspielerin. Tochter eines algerischen Kabylen (Mohamed Adjani) und einer deutschen Mutter (Augusta).
  • Jacques Villeret, französischer Schauspieler. Sein richtiger Name lautete Mohamed Boufroura. Er war der Sohn eines algerischen Kabylen Ahmed Boufroura und einer französischen Mutter Annette Bonin.
  • Abdelkrim El Khattabi, marokkanischer Freiheitskämpfer. Er versuchte, die spanisch besetzten Städte von Spaniern zu befreien und ein eigenes freies Land der Berber zu gründen.
  • Nadja Benaissa, Pop Star
  • Isam Bachiri, Mitglied von Outlandish.

Siehe auch

Fußnoten

  1. Mohand Akli Haddadou, Le guide de la culture berbère, Paris Méditerranée, 2000, S.13-14

Literatur

Deutsch

  • Gabi Kratochwil: Die Berber in der historischen Entwicklung Algeriens von 1949 bis 1990. Zur Konstruktion einer ethnischen Identität, K. Schwarz Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-87997-254-0.
  • Jörg-Dieter Brandes: Die Geschichte der Berber. Von den Berberdynastien des Mittelalters zum Maghreb der Neuzeit. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2004, ISBN 978-3-925825-87-3.
  • Makilam: Die Magie kabylischer Frauen und die Einheit einer traditionellen Berbergesellschaft. Kleio Humanities, Bremen 2007, ISBN 978-3-9811211-3-1.
  • Makilam: ZeichenSprache. Magische Rituale in der Kunst kabylischer Frauen. Kleio Humanities, Bremen 2007, ISBN 978-3-9811211-4-8.
  • Margaret Courtney-Clarke, Geraldine Brooks: Die Berber-Frauen. Kunst und Kultur in Nordafrika. Frederking & Thaler, München 1997, ISBN 3-89405-357-7.
  • Mohand bzw. Mohamed Tilmatine: "Berber" in Algerien. Menschenrechtsreport 16. Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen 1996

Französisch

  • Arezki, Dalila : L'identité berbère, Paris, Séguier, Biarritz, Atlantica, 2004, ISBN 2-84049-393-4
  • Chaker, Salem : Études berbères et chamito-sémitiques, Paris [u.a.], Peeters, 2000, ISBN 90-429-0826-2
  • Leguil, Alphonse : Contes berbères grivois du Haut-Atlas, Paris [u.a.], Harmattan, 2000, ISBN 2-7384-9904-X
  • Hélène Claudot-Hawad: Touaregs. Apprivoiser le désert, Paris : Gallimard, 2002. (Collection Découvertes Gallimard; Cultures et société; n° 418).
  • Bougchiche, Lamara : Langues et littératures berbères des origines à nos jours, Paris, Ibis Press, 1997, ISBN 2-910728-02-1
  • Leguil, Alphonse : Contes berbères de l'Atlas de Marrakech, Paris, L'Harmattan, 1988, ISBN 2-7384-0163-5
  • Féry, Raymond : Médecin chez les Berbères, Versailles, Ed. de l'Atlanthrope, 1986, ISBN 2-86442-013-9
  • Hachid, Malika : Les premiers Berbères - entre Méditerranée, Tassili et Nil, Aix-en-Provence, Édisud, 2000, ISBN 2-7449-0227-6
  • Allioui, Youcef : Timsal, enigmes berbères de Kabylie - commentaire linguistique et ethnographique, Paris, Ed. L'Harmattan, 1990, ISBN 2-7384-0627-0
  • Chaker, Salem : Amaziɣ (le/un) Berbère - Linguistique berbère. Etudes de syntaxe et de diachronie , Paris, Peeters, 1995, ISBN 2-87723-152-6
  • Direche-Slimani, Karima : Chrétiens de Kabylie, Saint-Denis, Ed. Bouchene, 2004, ISBN 2-912946-77-8

Weblinks

Commons
Commons: Berber – Bilder, Videos und Audiodateien

Quelle:
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