Berbersprachen
Die Berbersprachen sind ein Zweig der Afro-Asiatischen Sprachen. Sie werden von den Berbern gesprochen. Die ältesten Zeugnisse von Berbersprachen sind zwei Wörter (3b3qr = berber. abaikur "Windhund", tqrw = berber. tagere "Teller"[1]), die auf der "Hundestele" des Pharaos Antef II. (11. Dynastie) als Namen von Hunden erwähnt sind sowie möglicherweise numidische Inschriften um zwischen 100 v. Chr. und 150 v. Chr., deren Zugehörigkeit zu den Berbersprachen jedoch umstritten ist. Die Abgrenzung der einzelnen Sprachen untereinander ist nicht eindeutig geklärt. Der ISO 639-Alpha-3-Code ist ber.
Verbreitung
Stopp-Zeichen in Arabisch und Berberschrift in
Marokko
Der Sprachraum erstreckt sich in Ost-West-Richtung vom Atlantik bis nach Ägypten, in Nord-Süd-Richtung vom Mittelmeer bis nach Niger. Etwa 10 Millionen Menschen sind Muttersprachler, die meisten von ihnen allerdings zweisprachig mit Arabisch, Französisch oder Hausa. Noch in die historische Zeit hinein waren die Berbersprachen ein Dialektkontinuum, das erst durch das Eindringen des Arabischen zersplittert und damit zerstört wurde.
Sprachen
Nach Gruppen unterteilt
Die folgende Unterteilung orientiert sich an der bei ethnologue.com vorgenommenen.
Östliche Gruppe
Nördliche Gruppe
- Atlas-Berberisch
- Kabylisch (4 Mio. Sprecher in Algerien)
- Zenati
- östliches Zenati
- Ghomara (Marokko)
- Mzab-Wargla (Sprache der Mzabiten)
- Taznatit (Algerien)
- Tumzabt (Algerien)
- Tagargrent (Algerien)
- Temacine Tamazight (Algerien)
- Riff
- Tarifit (Marokko)
- Senhaja de Srair (Marokko)
- Shawiya
- Tidikelt
- Tidikelt Tamazight (Algerien)
- nördliches Tamascheq
- Tamahaq/Tahaggart (Algerien)
- südliches Tamascheq
- Tamascheq (Mali)
- Tamascheq/Tayart (Niger)
- Tamascheq/Tawallammat (Niger)
Zenaga
Sprachen mit unsicherer Zuordnung
Von West nach Ost gegliedert
- Guanche, die im 17. Jahrhundert ausgestorbene Sprache der Guanchen auf den Kanarischen Inseln, war wahrscheinlich eine Berbersprache
- Tachelhit (auch Schilh, Schlöh oder Chleuh genannt) in Marokko
- Tamazight mit etwa 2,5-3 Mio. Sprechern vor allem in Marokko, aber auch in Algerien
- Tarifit (auch Rif oder Tarifi) mit etwa 2 Mio. Sprechern in Marokko und Algerien, davon 1,5 Mio. in Marokko
- Kabylisch mit etwa 4,5 Mio. Sprechern in Algerien
- Schawiya (auch Chaouiya) in Algerien
- Mzab-Wargla in Algerien
- Tamascheq, die Sprache der Tuareg, mit etwa 1 Mio. Sprechern
- Nafusi in Libyen und Tunesien
- Ghadames mit etwa 2.000 Sprechern in Libyen
- Awjilah mit etwa 5.000 Sprechern in Libyen
- Siwi mit etwa 10.000 Sprechhern in der Oase Siwa in Ägypten
Sprachliche Merkmale und Grammatik
Die Berbersprachen sind in Vokabular und Grammatik sehr einheitlich, unterscheiden sich jedoch in der Phonetik. Die Sprachen besitzen viele Lehnwörter aus dem Arabischen, zudem von alters her aus dem Latein und dem Punischen.
Quellen
- ↑ Wilhelm Hölscher: Libyer und Ägypter (Ägyptologische Forschungen, Heft 4) Augustin, Glückstadt 1937, S. 26
Literatur
- Langues et littératures berbères des origines à nos jours (Bibliographie internationale), Lamara Bougchiche, Ibis Press, Paris, 1997 ISBN 2910728021.
- Linguistique berbère : Études de syntaxe et de diachronie, Salem Chaker, Peeters, Paris, 1995 ISBN 2877231526.
- Grammaire berbère (rifain, zayane, chleuh, kabyle), Michel Quitout, éd. L'Harmattan, 1997 ISBN 2738460046.
- Initiation à l'écriture de la langue berbère, Larbi Rabdi, éd. L'Harmattan, 2001 ISBN 2747509044.
- Dictionnaire des racines berbères (formes attestées), Kamal Naït-Zerrad : I, 1998 ISBN 90-429-0579-4 ; II, 1999 ISBN 90-429-0722-3 ; III, 2002 ISBN 90-429-1076-3.
- La langue berbère, André Basset, éd. L'Harmattan, 2004 ISBN 2747572781.
- Langue berbère. Introduction à la notation usuelle en caractères latins, Ramdane Achab, éd. Hoggar, Paris, 1998 ISBN 2-912996-007.
- Dictionnaire tamazight - français (variante zayane du Maroc central), Miloud Taïfi, éd. L'Harmattan, 1992 ISBN 2906659002.
- Dictionnaire des verbes Tachelhit-Français, Abdallah El Mountassir, éd. L'Harmattan, 2003ISBN ISBN 2747535770.
- Manuel de conjugaison du tachelhit (langue berbère du Maroc), Abdallah Boumalk, éd. L'Harmattan, 2003 ISBN 2747555275.
- Grammaire moderne du kabyle, Kamal Naït-Zerrad, éd. Karthala, Paris, 2001 ISBN 2845861729.
- Psycholinguistique touarègue (Interférences culturelles), Mohamed Aghali-Zakara, Inalco, Paris, 1992.
- Dialecte de l’Ahaggar', Charles de Foucauld, éd. L’Harmattan, Paris, réédition de 2005 ISBN 2-7475-8173-X.
- Langue et pouvoir en Algérie, Mohammed Benrabah, éd. Séguier, 1999 ISBN 2840491508.
- Hugo S CHUCHARDT , Die romanischen Lehnwörter im Berberischen, Vienna 1918 (Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien 188.4)
- Werner V YCICHL , Berberstudien & A Sketch of Siwi Berber (Egypt), Colonia, R. Köppe Verlag, 2005 (§§ 3 "Lateinische und Griechische Lehnwörter" e 4 "Antike Ortsnamen") ISBN 3-89645-389-0
Weblinks