Ein Bergsturz ist eine Fels- und Schuttbewegung, die mit hoher Geschwindigkeit aus Bergflanken niedergeht. Bei Bergstürzen verhält sich das Gestein großräumig "wasserähnlich" und kann sogar an gegenüberliegenden Hängen "aufbranden". Die Ablagerungsgebiete können Volumina von Millionen Kubikmetern und Flächenausdehnungen von mehr als 0,1 km² erreichen. Bergstürze sind großdimensionierte Felsstürze mit teils verheerenden Auswirkungen. In den zurückbleibenden Schuttmassen können sich kleinere Seen bilden. Eine Sonderart von Felssturz ist der Eissturz mit weit überhöhter Schadensfläche, da Eis (zusammen mit Schutt) weiter transportiert wird.
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Bergstürze entstehen in der Regel an der Grenze zweier oder mehrere Gesteinsschichten und an tektonischen Störungen, wenn derartige Grenzflächen durch Erdbeben, extreme Wetterereignisse (heftige Niederschläge oder Temperaturschwankungen) geschwächt werden. Eingriffe des Menschen in die Natur (Hangrodung, Rohstoffabbau) beschleunigen die Vorgänge. Der Absturz der Gesteinsmassen selbst erfolgt einzig durch Einwirkung der Schwerkraft. Zunehmende Steinschlagaktivität kann ein Hinweis auf bevorstehende Bergsturzereignisse sein.
Besonders in dichter besiedelten Gebieten können die Auswirkungen katastrophal sein: Verschüttung von Siedlungsgebieten und Verkehrswegen (Straßen, Eisenbahnlinien), Aufstauung von Flüssen und Bächen, Flutwellen (wenn Gesteinsmassen in größere Gewässer stürzen). Nach längeren Zeiträumen können durch Bergstürze aber auch durchaus reizvolle Landschaften entstehen. Typisch für das Ablagerungsgebiet ist ein kleinhügeliges Relief mit meist deutlicher Abgrenzung zur Umgebung.
Fels- und Bergstürze stellen neben Muren und Lawinen das Hauptgefahrenpotential im Gebirge dar. Solche Ereignisse können auch zu einem Tsunami an Seen und am Meer führen.
Das bei Bergstürzen zurückbleibende Material bildet eine Sturzhalde.
Im Jahr 1895 wurde der Ötztaler Pfarrer Adolf Trientl, der auch Naturkundler war, darauf aufmerksam, dass Zimmerleute zum Holzschleifen heimischen Bimsstein verwendeten, dessen Herkunft der angefragte Innsbrucker Geologieprofessor Adolf Pichler auf die Tätigkeit eines örtlichen Vulkans zurückführte. Diese Theorie ließ sich aber ebensowenig erhärten wie die Idee eines großen Meteoriteneinschlages. Der an Meteoriteneinschlägen besonders interessierte Mineraloge und Petrologe Prof. Ekkehard Preuss, Staatliches Forschungsinstitut für angewandte Mineralogie, Regensburg, erforschte die Bimssteinfundstellen und die Oberflächenform des Bergsturzes genau und kam zu dem Schluss, dass die für die Theorie nötige Reihenfolge, erst Meteoriteneinschlag, dann Bergsturz nicht stimmen könne.
Aufgeklärt wurde das Phänomen der Bimssteinvorkommen dann durch Prof. Theodor Erismann, den damaligen Direktor der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Versuchsanstalt in Dübendorf bei Zürich. Als vor ca. 8000 Jahren 2000 Millionen Kubikmeter Gestein vom Köfels in das Ötztal rutschten, entwickelten sich Geschwindigkeiten von 150 bis 200 km/h. Druck, Beschleunigung und Reibung führten zu einer so großen Hitzeentwicklung, dass der Gneis schon nach 100 m Wegstrecke zu schmelzen begann. Am Köfels überschritten die Temperaturen 1700 Grad. Während der Gneis schmolz, wurde der Kalk durch die Hitze in Branntkalk und Kohlendioxid zerlegt. Das so entstehende Gaspolster und die Gesteinsschmelze bildeten ein ausgezeichnetes Gleitmittel für die ganze Masse. Seither wird bei der Prognose großer Bergstürze dieser Effekt mit in die Berechnung einbezogen.
Ein ähnliches Szenario fand Prof. Preuss 1973 aufgrund von Hinweisen früherer Expeditionen im Langantal nördlich von Kathmandu, wo 10-15 Millionen Kubikmeter Gestein abgerutscht waren (ähnliche Menge wie in Flims). Eine solche Menge setzte gemäß einer Berechnung der Wissenschaftler genug Energie frei, um eine Masse von der Größe der Cheops-Pyramide in die Erdumlaufbahn zu schießen.
Prähistorische Bergstürze können aufgrund der geologischen Beschaffenheit des Bodens und der Oberflächenformen im Abbruchgebiet und im Ablagerungsgebiet erkannt werden.