Berlin-Fennpfuhl

Fennpfuhl
Ortsteil von Berlin

Lage von Fennpfuhl im Bezirk Lichtenberg
Koordinaten 52° 31' 42" n. Br., 13° 28' 27" ö. L.
Fläche 1,75 km²
Einwohner 31.109 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte 17.777 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 10369
Ortsteilnummer 1111
Verwaltungsbezirk Lichtenberg
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
Blick auf den Fennpfuhlpark, im Zentrum das Hochhaus am Anton-Saefkow-Platz
Blick auf den Fennpfuhlpark, im Zentrum das Hochhaus am Anton-Saefkow-Platz

Fennpfuhl ist ein Ortsteil im Bezirk Lichtenberg von Berlin. Der Name leitet sich vom Wohngebiet am Fennpfuhl bzw. dem dort seit mindestens 20.000 Jahren vorhandenen Fennpfuhl ab. Erst nach der Verwaltungsreform 2001 wurde das Wohngebiet zu einem eigenen Ortsteil.

Inhaltsverzeichnis

Planungen

Im April 1961 wurde mit der Bebauung des damaligen Gebietes Lichtenberg (Nord) begonnen. Die Planung war in drei Bauabschnitte untergliedert. Das insgesamt zu bebauende Gebiet umfasst eine Fläche von 175 Hektar. In der Erich-Kuttner-Straße am Rande des Gebietes (Bauabschnitt I) wurde das erste Haus des Plattenbau-Typs WBS 70 errichtet, eines der meistgebauten Wohnungstypen der DDR. Das Haus steht heute unter Denkmalschutz.

Dem heutigen Neubaugebiet mussten einige Kleingartenanlagen und eine alte Randbebauung um den Roederplatz herum weichen. Erste Ausschreibungen für die Bebauung des feuchten Gebietes gab es bereits 1956–1957 als gesamtdeutschen Architekturwettbewerb Fennpfuhl, die der Hamburger Architekt Ernst May gewonnen hatte. Die Realisierung wurde wegen der zu erwartenden Probleme mit der Trockenlegung des Gebietes und aus Geldmangel auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Bauphase 1972–1986

am Langpfuhl 1976
am Langpfuhl 1976
Die Kirche am Fennpfuhl
Die Kirche am Fennpfuhl

Am 2. Dezember 1972 erfolgte dann mit der Grundsteinlegung für das Doppel-Hochhaus am Roederplatz der offizielle Baubeginn für das Gebiet am Fennpfuhl, das die erste zusammenhängende Plattenbau-Großsiedlung der DDR wurde. In den nächsten Jahren wurden in dem heutigen Neubaugebiet Wohnhäuser für 50.000 Einwohner errichtet. Von der nur sehr dünnen alten Bebauung blieb nur wenig erhalten. Neben einem größeren Komplex alter Wohnhäuser zwischen Karl-Lade- und Erich-Kuttner-Straße blieben lediglich einige Wohnhäuser an der Alfred-Jung-Straße sowie alte Wohnbebauung auf der Nordseite der Möllendorffstraße erhalten. Außerdem gibt es an Altbauten noch die jetzige Volkshochschule in der Paul-Junius-Straße, eine ehemalige Fabrikantenvilla am Anton-Saefkow-Platz, die zeitweise als Standesamt des Bezirks diente, ein Kinderheim in der Möllendorffstraße sowie Reste einer ehemaligen Fabrik in der Franz-Jacob-Straße.

Gleichzeitig mit der Umbenennung der Landsberger Chaussee im Gebiet in Leninallee wurden am 11. Juli 1973 nördlich der Landsberger Chaussee und östlich des Weißenseer Wegs sechs neu angelegte Straßen benannt. Ebenso wie fünf weitere Straßen und der Anton-Saefkow-Platz, die am 2. April 1975 im Zentrum und im Süden des Gebietes benannt wurden, erhielten sie Namen von kommunistischen Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus aus der Gruppe um Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein. Am 14. Januar 1976 erfolgte die Umbenennung des Weißenseer Wegs nach dem ersten vietnamesischen Präsidenten in Ho-Chi-Minh-Straße sowie die Umbenennung der Möllendorffstraße in Jacques-Duclos-Straße.

Die Bebauung um den als gesellschaftliches Zentrum geplanten Anton-Saefkow-Platz mit Wohnhochhäusern mit Geschäften, einer Schwimmhalle, einer Sporthalle und einem Kaufhaus („konsument“) sowie die Anlage des Fennpfuhlparks dauerte hingegen noch bis in die 1980er Jahre.

Gaststättenkomplex Seeterrassen
Gaststättenkomplex Seeterrassen
Blick über den Park zum Anton-Saefkow-Platz
Blick über den Park zum Anton-Saefkow-Platz

Zwischen 1978 und 1981 wurde der frühere Fennpfuhl mit dem ebenso alten Langpfuhl zu einem zusammenhängenden Gewässer verbunden und eine Brücke über den Verbindungskanal gebaut, die „Fennpfuhlbrücke“. Um das Gewässer wurde unter Einbeziehung vorhandener alter Bäume ein Park angelegt. Ein zweigeschossiges Gasthaus, die Seeterrassen, wurde direkt am Fennpfuhl gebaut. Der Name ist vermutlich eine Anlehnung an die hier um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts vorhandene Vergnügungslokalität Seeterrassen, die gut besucht war und auch kulturelle Veranstaltungen ausrichtete, wofür sie sogar über Tribünen verfügte.

1983/84 bauten Bauarbeiter aus dem erzgebirgischen Schwarzenberg im Zentrum des Gebietes das evangelische Gemeindezentrum am Fennpfuhl, das der zweite Kirchenneubau des bei dem Gespräch zwischen Erich Honecker und Albrecht Schönherr am 6. März 1976 vereinbarten Kirchenneubauprogramms wurde.

Die aus der vorherigen Bebauung erhalten gebliebene 1905/1906 errichtete Fabrikantenvilla im neoklassizistischen Stil, die während der Bauzeit als Standort für die Bauleitung genutzt worden war, wurde nach Bauabschluss renoviert und am 12. Mai 1986 zum neuen Standort des Standesamtes Berlin-Lichtenberg, das zuvor im alten Lichtenberger Rathaus angesiedelt war.

Änderungen und Ergänzungen 1987–1990

An der Ecke Leninallee/Ho-Chi-Minh-Straße hatten die Planungen eine Sportanlage mit Aschenbahn und Fußballstadion vorgesehen. Die Fläche wurde längere Zeit offen gehalten. Doch nach einer Besichtigung des Neubaugebietes durch wichtige Vertreter des damaligen Berliner Magistrats wurde an dieser Stelle eine Wohnbebauung vorgenommen. Es entstanden drei von Bauarbeitern aus Frankfurt (Oder) errichtete Punkthäuser. Ein kleinerer Sportplatz wurde danach etwas weiter südlich an der Ho-Chi-Minh-Straße doch noch fertiggestellt.

Nach 1990

Die Handels- und Dienstleistungsqualität des Ortsteils wurde durch Um- oder Neubauten erheblich verbessert. So zog das Warenhaus Horten in das alte konsument-Gebäude, (später Kaufhof bis April 2007), die drei Gebäude des ehemaligen Bauarbeiter-Hotels nordöstlich des Wohngebietes wurden mit einem Neubau zusammengefasst (wofür das Suhler Eck abgerissen wurde) und zu einem neuen Hotelkomplex (heute Quality Hotels) mit eigener Gaststätte Wilhelmsberg aufgewertet. Die Einkaufs- und Bürozentren „Storkower Bogen“ am S-Bahnhof Storkower Straße, „City-Point-Center“ am Roederplatz sowie die „Landsberger Spitze“ an der Landsberger Allee/Oderbruchstraße entstanden. Unmittelbar westlich des Gebietes wurde am S-Bahnhof Landsberger Allee das Einkaufs- und Dienstleistungscenter „Forum Landsberger Allee“ an der Ecke Storkower Straße am 5. November 1998 eröffnet.

1992 wurden die den Ortsteil querenden großen Magistralen, die Leninallee, die Ho-Chi-Minh-Straße und die Jacques-Duclos-Straße, wieder zurückbenannt.

Bis 2001 wurden fast alle Wohnhäuser saniert. Der Besitzer der meisten Wohngebäude im Fennpfuhl-Gebiet war bereits von Anfang an eine Genossenschaft, die AWG-Elektrokohle, aus der nun nach Beschluss durch die Mitgliederversammlung die Wohnungsbaugenossenschaft Lichtenberg e.G. (WGLi) wurde. Diese Genossenschaft saniert seit 1991 ihre Wohngebäude, das Umfeld wurde durch Grünanlagen und Parkmöglichkeiten aufgewertet. Ebenso wurde das Altersheim an der Judith-Auer-Straße umfassend saniert. Die frühere HO-Kaufhalle an der Judith-Auer-Straße /Ecke Landsberger Allee, in die kurzzeitig Kaiser's eingezogen war, wurde abgetragen. An ihrer Stelle entstand ein – durch den deutschen Architekten Hinrich Baller realisierter – Wohn- und Geschäftskomplex in sehr eigenwilliger Architektur, der den Namen Castello erhielt.

Ende 2001 wurde die Sanierung des Fennpfuhls abgeschlossen. Die WGLi zog aus ihren alten provisorischen Baracken an der Paul-Junius-Straße in einen Neubau an der Landsberger Allee, in dem auch attraktive Eigentumswohnungen vorhanden sind. An Stelle der Baracken entsteht zur Zeit eine gärtnerische Anlage, die den Fennpfuhlpark erweitert.

Quellen und Weblinks

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