Berlin-Friedenau

Friedenau
Ortsteil von Berlin

Lage von Friedenau im Bezirk Tempelhof-Schöneberg
Koordinaten 52° 28' 20" n. Br., 13° 19' 40" ö. L.
Höhe 40 m ü. NN
Fläche 1,68 km²
Einwohner 26.529 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte 15.791 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 12159, 12161
Ortsteilnummer 0702
Verwaltungsbezirk Tempelhof-Schöneberg
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Friedenau /ˌfriːdən'aʊ̯/ ist ein Ortsteil im Bezirk Tempelhof-Schöneberg von Berlin. Der zentrale und dennoch ruhige Charakter von Friedenau wird nicht nur durch die Rhein- und Hauptstraße als Einkaufsmeile geprägt, sondern durch die vielen kleinen und teilweise engen Wohnstraßen mit ihren Vorgärten, den Bäumen an den Straßen und den alten Häusern, von denen 185 Objekte unter Denkmalschutz stehen (Stand: 2005). Die Besonderheit dieses Ortsteils liegt in der Planung, bei der die Carstenn-Figur Grundlage der teilweise hufeisenförmigen Aufteilung der Straßen um den – als Dorfanger konzipierten – zentral gelegenen Friedrich-Wilhelm-Platz war, die hierdurch eine verbindende Struktur zueinander bekamen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Friedenau liegt auf dem Teltow-Höhenzug südlich des Berlin-Warschauer Urstromtales mit einer mittleren Höhe von etwa 40 Metern über Normalnull auf einer Fläche von 168 Hektar. Bis zum Brandenburger Tor sind es rund sechs Kilometer. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt ca. 1,6 Kilometer, in West-Ost-Richtung sind es in Höhe des Friedrich-Wilhelm-Platzes etwa 1,2 Kilometer, entlang der nördlichen Ortsgrenze rund 1,5 Kilometer.

Der Ortsteil grenzt im Norden parallel zur Ringbahnstrecke und im Westen entlang der Laubacher Straße an Wilmersdorf sowie im Süden entlang der Bornstraße an Steglitz. Die Ostgrenze Friedenaus zum Ortsteil Schöneberg verläuft entlang der Haupt- und Fregestraße.

Mitunter werden auch die noch weiter östlich in Schöneberg gelegenen Gebiete zu Friedenau gezählt, beispielsweise der S-Bahnhof Friedenau, die sehenswerte denkmalgeschützte Anlage der Ceciliengärten und die Umgebung der Rubensstraße bis hin zum Auguste-Viktoria-Krankenhaus (AVK) an der Thorwaldsenstraße. Dieser Bereich wird oftmals als „gefühltes Friedenau“ bezeichnet und hat seinen Ursprung aus der Zeit bis 1993, als dieses Gebiet die gleiche postalische Zuordnung hatte wie Friedenau, nämlich Berlin 41. (G. Blankenburg: Friedenau – Künstlerort und Wohnidyll.)

Geschichte

Anders als viele der Außenbezirke Berlins geht Friedenau nicht auf einen historischen Dorfkern zurück, sondern wurde in Wilhelminischer Zeit neu gegründet. Der am 9. Juli 1871 ins Leben gerufene „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“ erwarb zwischen 1871 und 1875 insgesamt 550 Morgen Land des Ritterguts Deutsch-Wilmersdorf, um dort einen Villenvorort zu gründen. Den Namen, der auf das Ende des Deutsch-Französischen Krieges im Jahr 1871 hinweist, gab ihm Hedwig Hähnel, die Frau des Baumeisters Hermann Hähnel. Das Gelände wurde nach einem festen Siedlungsplan parzelliert. Bereits im gleichen Jahr entstand in der ehemaligen Ringstraße 3–5 (heute Dickhardtstraße) das erste Gebäude als Keimzelle des Ortes. Im Jahr 1874 wurde der Bebauungsplan amtlich anerkannt und Friedenau zur selbstständigen Landgemeinde des damaligen Landkreises Teltow erhoben. 1875 hatte Friedenau 1104 Einwohner in 258 Haushalten. Im Jahr 1912 waren es bereits rd. 43.000 Menschen, die sich hier niedergelassen hatten.

Das Wappen der damaligen Landgemeinde Friedenau
Das Wappen der damaligen Landgemeinde Friedenau

Planung und Umsetzung

Ursprünglich war Friedenau von dem Hamburger Kaufmann und Großgrundbesitzer Johann Anton Wilhelm von Carstenn als Villenvorort englischen Stils konzipiert worden. Er erwarb 1865 das Gebiet und man nutzte die Situation, um eine Landhauskolonie am Reißbrett zu entwerfen, was sich an dem symmetrisch gestalteten Straßennetz gut erkennen lässt. Städtebauliches Merkmal Friedenaus ist die so genannte Carstenn-Figur, ein umlaufender Straßenzug (Stubenrauch- und Handjerystraße) mit einer Allee (ehemals der Kaiserstraße, später Kaiserallee, heute Bundesallee) im Zentrum, der von vier Plätzen eingefangen wird (dem Berliner Platz, später Maybachplatz, heute Perelsplatz, dem Wilmersdorfer Platz, heute Renée-Sintenis-Platz, dem Schmargendorfer Platz, heute Schillerplatz und dem Hamburger Platz, heute Teil des Friedhofs an der Stubenrauchstraße). Die eigentlich ursprüngliche Carstenn-Figur aus dem Jahr 1870 bildet die Bundesallee in ihrem nördlichen Bereich im Ortsteil Wilmersdorf des heutigen Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf mit den Eckpunkten Fasanen-, Nürnberger, Prager und Nikolsburger Platz.

Die geografische Nähe zur so genannten Stammbahn, der heutigen Wannseebahn, und die Einbeziehung der alten Reichsstraße Nr. 1, die das Berliner Stadtschloss mit Potsdam verband, stellte ein ideales Terrain für die Gründung der Landgemeinde dar. Gleichzeitig wurde durch die heutige Bundesallee eine weitere wichtige Verkehrsverbindung in die – seinerzeit sehr wohlhabende – City West hergestellt.

Der Bebauungsplan von Johannes Otzen aus der Zeit nach Gründung des Landerwerb- und Bauvereins (vermutlich 1871/72) sah vor, dass sich die Grundbesitzer dazu verpflichten mussten, keine Mietshäuser, sondern nur Stadtvillen zu errichten. Einige der aus der Gründungszeit stammenden Landhäuser und Villen sind noch heute in der Nied-, Albe- und Handjerystraße zu sehen. Es handelte sich hierbei um bescheidene, meist einstöckige Häuser mit Keller und ausgebautem Dachgeschoss sowie einem sehr kleinen Garten. Seinerzeit stritten sich die Bauherren darum, ob die Häuser verputzt oder als Ziegelrohbau errichtet werden sollen. Der Volksmund sprach von den „Rohbauern“, die die Ziegelbauweise bevorzugten, im Gegensatz zu den „Putzbauern“, die – insbesondere im Bereich westlich der Kaisereiche – ihre Häuser in Putz ausführen ließen.

Aufgrund des Wohnraummangels in Berlin wurde aber 1887 eine neue Bauordnung erlassen. Viele Villen wurden abgerissen und statt dessen Mietshäuser errichtet. 1892 folgte eine weitere Bauordnung, die für den alten Teil Friedenaus die Höhe der Gebäude auf vier Geschosse (inkl. Erdgeschoss) beschränkte.

Die junge Landgemeinde wurde durch ein lebendiges Vereinsleben zusammen gehalten. Neben der „Friedenauer Liedertafel“, dem „Haus- und Grundbesitzerverein“ sowie der „Friedenauer Schützengilde“ trafen sich u.a. der „Friedenauer Lehrerverein“, die „Vereinigung selbständiger Schneidermeister“ und der „Kegelverein Glatte Bahn“ regelmäßig. Im Jahr 1886 wurde ein Männer-Turnverein gegründet, der noch heute als „Friedenauer TSC 1886 e. V.“ existiert. Der damals sehr beliebte Radsport wurde auf der Zementbahn des Sportparks Friedenau betrieben, die eigens für den im Jahr 1891 gegründeten „Friedenauer Radfahrer-Verein“ erbaut wurde. Die Gewinner der Rennen erhielten das Goldene Rad von Friedenau in Form einer Medaille. Einer der ersten Stummfilme wurde 1904 unter dem Titel „Auf der Radrennbahn in Friedenau“ gedreht, was für den Bekanntheitsgrad der Rennbahn sprach.

Friedenau-typisches Haus aus der Gründerzeit an der Kaisereiche
Friedenau-typisches Haus aus der Gründerzeit an der Kaisereiche
Eine in Friedenaus Nebenstraßen häufig zu sehende Gaslaterne
Eine in Friedenaus Nebenstraßen häufig zu sehende Gaslaterne

Das Zwanzigste Jahrhundert

In der Zeit nach der Jahrhundertwende wuchs die Bevölkerung der Gemeinde an und auch der westliche Teil Friedenaus wurde bebaut. Die Friedenauer Grundstücke wurden im Wesentlichen bis 1910, vereinzelt bis 1914 nahezu vollständig bebaut. Dabei wurden in der Regel für die damalige Zeit gut ausgestattete Mietshäuser mit Vorgärten, Personenaufzügen und großen Wohnungen errichtet. Die aus anderen Teilen des heutigen Berlin bekannten Mietskasernen mit mehreren Hinterhöfen sucht man in Friedenau vergeblich.

Typisch für die großzügigen Sechs-Zimmer-Wohnungen aus dieser Zeit ist das Berliner Zimmer, ein Durchgangszimmer mit relativ schmalem Fenster, das die Räume im Vorderhaus mit den Räumen in den Seitenflügeln verbindet. Weitere Merkmale dieser Wohnungen waren die Dienstmädchenkammer, ein eigener Dienstbotenaufgang vom Hof zur Küche und eine Zimmerrufanlage. Mit dieser Klingelanlage konnte das Dienstmädchen in jeden Raum gerufen werden; ein Signalklappenkasten war im vorderen Flur angebracht.

Friedenau erlebte in dieser Zeit einen Aufschwung und es entstanden auch zahlreiche Bauten des öffentlichen Lebens, unter anderem das zwischen 1913 und 1916 erbaute Rathaus Friedenau. Hervorzuheben ist der in dieser Zeit seit 1906 als Gemeindebaurat tätige Architekt Hans Altmann (1871–1965). Unter seiner Planung entstand eine Vielzahl von öffentlichen Gebäuden in der damaligen Landgemeinde, darunter neben dem Friedenauer Rathaus das Reform-Realgymnasium (das heutige Rheingau-Gymnasium), das Königin-Luise-Mädchenlyzeum (heute das Paul-Natorp-Gymnasium) sowie die Ruppin-Grundschule und die Bobertal-Oberschule. Diese – mit verklärtem Figurenschmuck versehenen – Trutzburgen der Bildung trafen die bürgerlichen Vorstellungen der Friedenauer Bevölkerung.

1920 wurde die Landgemeinde Friedenau mit der – seinerzeit noch selbstständigen – Stadt Schöneberg als damals elfter Bezirk in das neu entstandene Groß-Berlin eingemeindet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Friedenau vom 29. April bis zum 30. Juni 1945 unter sowjetischer Besatzung und für kurze Zeit ein eigenständiger Bezirk. Nach der Aufteilung der Berliner Bezirke unter den alliierten Siegermächten gehörte der Ortsteil Friedenau mit dem Bezirk Schöneberg zum amerikanischen Sektor. Enttrümmerung und Wiederaufbau setzen ein, wobei Friedenau im Vergleich mit den Stadtteilen in der Innenstadt relativ geringe Kriegsschäden aufwies. Das Leben normalisierte sich, wenn man davon absah, dass West-Berlin von seinem Umland abgeschnitten war und nur über die Transitwege mit dem damaligen Bundesgebiet verbunden war.

Die Beschaulichkeit, die Friedenau zunächst noch hatte, endete in den 1960er Jahren mit der Umgestaltung der Bundesallee im Zusammenhang mit dem damit einhergehenden Bau der U-Bahn in Richtung Steglitz. Friedenau wurde damit gewissermaßen entlang der Bundesallee in zwei Hälften zerschnitten. Durch den schnellstraßenähnlichen Ausbau der Bundesallee (Straßentunnel an der Berliner Straße und am Bundesplatz, die zugehörigen Tunnelrampen und zusätzliche Fahrstreifen) nahm die Verkehrsbelastung auf dieser Nord-Süd-Achse stetig zu, gleichzeitig wuchs die Trennwirkung in Bezug auf die benachbarten Wohnquartiere.

Friedenau heute

Dennoch übte der gesamte Ortsteil wegen der ruhigen Nebenstraßen und – der zum Verweilen einladenden – Plätze noch immer den Reiz eines etwas anderen Stadtquartiers aus, was sich in der Struktur der Bewohner niederschlug: Studenten, Akademiker, Künstler und junge Familien suchten die Ruhe verbunden mit der Nähe zur Großstadt. Auch heute noch zeigen sich diese Annehmlichkeiten in der guten Durchmischung der Bevölkerungsstruktur Friedenaus. Die Menschen identifizieren sich stark mit ihrem Ortsteil und beteiligen sich auch intensiv an örtlich aktuellen Themen. So traten die Anwohner der mehrfach aufgeworfenen Diskussion, ob die historischen Gaslaternen in den Seitenstraßen durch modernere (elektrisch betriebene) Straßenlaternen ersetzt werden können, entschieden entgegen.

Die Mischung von einfachen Landhäusern und mehrstöckigen Mietshäusern prägt das Stadtbild Friedenaus noch heute nachhaltig. Mitte der 1980er Jahre wurde der Ortsteil deshalb zum „Erhaltungsgebiet“ erklärt. Hierzu zählen auch die typischen Vorgärten, die noch oft von den ursprünglichen schmiedeeisernen Gittern eingefriedet sind. Für Friedenau gilt neben der genannten Erhaltungsverordnung das Berliner Denkmalschutzgesetz vom 24. April 1994.

Seit der Bezirksreform von 2001 ist Friedenau einer von sechs Ortsteilen des neuen zusammengelegten siebten Berliner Verwaltungsbezirks Tempelhof-Schöneberg. Die offizielle Ortsteil-Nummer innerhalb der Berliner Verwaltung lautet 0702.

Denkwürdiges

Gedenktafel für die Comedian Harmonists in der Stubenrauchstraße 47
Gedenktafel für die Comedian Harmonists in der Stubenrauchstraße 47
Tafel in der Handjerystraße 2 zur Erinnerung an einen Flugzeugabsturz während der Berliner Blockade
Tafel in der Handjerystraße 2 zur Erinnerung an einen Flugzeugabsturz während der Berliner Blockade
Das Haus in der Niedstraße 13, in dem Günter Grass zwischen 1963 bis 1996 wirkte
Das Haus in der Niedstraße 13, in dem Günter Grass zwischen 1963 bis 1996 wirkte

Der kleine Ortsteil Friedenau bot in seiner verhältnismäßig kurzen Geschichte seit seiner Gründung immer wieder einmal Anlass zu berichtenswerten Gegebenheiten:

  • Zur Jahreswende 1927/28 wurde das Vokalensemble Comedian Harmonists in der Stubenrauchstraße 47 gegründet. Die sechsköpfige Gesangsgruppe war international bekannt bis sie sich 1935 – politisch bedingt – auflösen musste.
  • In der Handjerystraße 2 stürzte während der Berliner Luftbrücke, die anlässlich der Blockade Berlins 1948/49 eingerichtet wurde, am 25. Juli 1948 ein „Rosinenbomber“ ab und beschädigte das Gebäude schwer. Das Dach des gegenüber liegenden Friedenauer Gymnasiums wurde dabei ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Eine Gedenktafel am Haus Handjerystraße 2 erinnert an die beiden US-Piloten, die damals ums Leben kamen.
  • Die Kommune 1 um Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann, Rainer Langhans u. a. entstand am 1. Januar 1967 durch die Besetzung der Wohnung des Schriftstellers Uwe Johnson in der Niedstraße 14. Sie war die erste politisch motivierte Wohngemeinschaft in Deutschland.
  • In der Hauptstraße 78 wurde in der Nacht vom 5. auf den 6. April 1986 auf die Diskothek La Belle ein Bombenanschlag verübt, bei dem zwei US-Soldaten und eine Türkin starben sowie zahlreiche Verletzte zu beklagen waren. Der Anschlag erregte weltweites Aufsehen. Als Auftraggeber des Attentats wurde später aufgrund umstrittener Indizien die Regierung Libyens identifiziert.

Kultur

Literarisches

Friedenaus „Literaturmeile“ ist die knapp 500 m lange Niedstraße, die zwischen Friedrich-Wilhelm- und Breslauer Platz liegt. Hier wohnten und wirkten zahlreiche bekannte Literaten und Künstler:

Das literarische Interesse der Friedenauer Bevölkerung spiegelt sich auch in den benachbarten Buchhandlungen und Antiquariaten wider: Die Nicolaische Buchhandlung hat sich seit 1929 in der Rheinstraße 65 als renommierte und traditionsreiche Institution etabliert. Kurze Zeit später wurde im Jahr 1931 Wolff's Bücherei in der Bundesallee 133 gegründet, dort befand sich auch ab 1963 die Friedenauer Presse. Als dritter Friedenauer Spiegel des literarischen Schaffens existiert seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Buchhandlung Thaer in der Bundesallee 77. Erwähnenswert ist auch die – gerade bei den jüngeren Lesern – beliebte deutsch-englischsprachige Buchhandlung Storytime in der Schmargendorfer Straße 36/37.

Theater und Kinos

Aus dem früheren Korso-Kino am Südwestkorso 64 /Ecke Taunusstraße hat sich mit seinen 99 Plätzen das Kleine Theater als kulturelle Institution seit 1973 etabliert. Hier wurde unter anderem über viele Jahre hinweg die musikalische Revue „Das Küssen macht so gut wie kein Geräusch“ mit sehr großem Erfolg gegeben.

Kleines Theater am Südwestkorso
Kleines Theater am Südwestkorso

Von den ehemals zahlreichen Kinos, die es bis in die 1970er Jahre in Friedenau noch gab, sind nur noch das Cosima am Varziner Platz (Sieglindestraße 10) und das Cinema Bundesallee (Bundesallee 111) übrig geblieben. In das ehemalige Lichtspieltheater Roxy-Palast in der Hauptstraße 78–79 mit seinerzeit 1106 Plätzen zog Ende der 1970er Jahre die Diskothek La Belle ein, auf die 1986 ein Bombenanschlag verübt wurde (siehe Anmerkung unter dem Punkt „Denkwürdiges“).

Darüber hinaus befanden sich noch die folgenden Kinos in Friedenau:

  • Baby-Lichtspiele in der Stubenrauchstraße 21,
  • Hohenzollern-Lichtspiele in der Rheinstraße 21,
  • Kronen-Lichtspiele in der Rheinstraße 65 (bis 2006 ein Plus-Markt) sowie die
  • Rheinschloß-Lichtspiele in der Rheinstraße 60 (heute Aldi-Markt)

Wirtschaft

Zu Gründungszeiten ließen sich entlang der Grenze zu Steglitz an der Bornstraße und den benachbarten Nebenstraßen insgesamt 27 Fuhrunternehmen und Speditionen nieder. Hierunter fanden sich ganz große Unternehmen wie das „Bahnamtliche Rollfuhrunternehmen für Wilmersdorf-Friedenau“, die „Friedenauer Gepäckfahrt Kopania & Co.“ oder das Fuhrgeschäft der „Witwe Pählchen“. Das wirtschaftliche Umfeld dieser Zeit stellte sich auch durch den zwischen den S-Bahnhöfen Innsbrucker Platz und Bundesplatz gelegenen Güterbahnhof Berlin-Wilmersdorf dar, der wegen der Inbetriebnahme des in den 1970er Jahren neu eröffneten Containerbahnhofs in der Moabiter Heidestraße aufgegeben wurde. Nach Inbetriebnahme des Güterverkehrszentrums (GVZ) Großbeeren wurde auch der Containerbahnhof stillgelegt.

Traditionsunternehmen

Die ursprüngliche Konzeption Friedenaus war schwerpunktmäßig auf das Wohnen in diesem Ortsteil ausgerichtet. Durch die schnelle und gute Anbindung des Schienenverkehrs Ende des 19. Jahrhunderts entstanden kleine und mittlere Industriebetriebe, insbesondere im Bereich der Rheinstraße und der Bundesallee. Schwerpunkte der Industrialisierung Friedenaus waren die Bereiche Optik und Feinmechanik. Hierbei sind die folgenden Traditionsunternehmen erwähnenswert:

  • Die Firma Xaver Kirchhoff baute ab 1872 auf dem Gelände des heutigen Rathauses Friedenau Fahnenstangen und Blitzableiter (u. a. 1894 für das Reichstagsgebäude). Das Unternehmen ist noch heute in Tempelhof ansässig.
  • Die Optische Werkstätte Paul Wächter erlangte ebenfalls ab 1872 in der Albestraße 21 und der Niedstraße 19 durch die Spezialisierung auf Mikroskope einen weltweiten Ruf.
  • Die Schraubstollenfabrik der Gebrüder Dähne belieferte ab 1873 von der Ringstraße 51 (der heutigen Dickhardtstraße) aus das Militär, und deckte damit den Bedarf zur Beschlagung der Militärpferde des preußischen Heeres.
  • Uhrmacher und Juwelier Hans Lorenz gründete 1874 in der Rheinstraße 59 sein inzwischen traditionsreiches und stadtbekanntes Geschäft, das mittlerweile in der fünften Generation betrieben wird. Im Zweiten Weltkrieg überstand dort eine patentierte und prämierte Präzisionsuhr aus den 1920er Jahren die Bombenangriffe im Luftschutzkeller. Wegen der enormen Ganggenauigkeit der Uhr wurde 1946 eine Direktleitung zwischen der Rheinstraße und dem – in der Kufsteiner Straße in Schöneberg ansässigen – Sender RIAS verlegt, um die Zeitansage zu steuern. In das Juweliergeschäft ist mittlerweile das Berliner Uhrenmuseum integriert. Diese öffentlich zugängliche Privatsammlung bietet einen Überblick zur Geschichte der Zeitmessung.
  • Loewe-Opta legte 1882 in der Niedstraße 5 durch die Entwicklung von Rundfunk-Frequenzen den Grundstein für die Entwicklung des späteren „Volksempfängers“.
  • Die Schriftdruckerei, Buchbinderei und Prägerei Kistenmacher, Schulz & Co. spezialisierte sich 1884 in der heutigen Wilhelm-Hauff-Straße 2 auf die Herstellung der Friedenauer Seidenkarten, die Weltruf genossen und in allen gängigen Sprachen geliefert wurden.
  • Zeiss-Ikon-Logo
    Die Optische Anstalt C.P. Goerz (später Zeiss-Ikon) befand sich seit 1886 in der Rheinstraße 45–46. Dieser weitläufige Gewerbehof wurde in mehreren Bauabschnitten zwischen 1897 und 1916 von den Architekten Paul Egeling, Waldemar Wendt, Emil Schmidt, Albert Paeseler und P. Mitnacht errichtet. Der Gewerbehof ist gut von der auf der Rückseite verlaufenden Holsteinischen Straße zu besichtigen, da man von der Rheinstraße keinen Gesamteindruck der Anlage bekommt. Vom Eingang Rheinstraße aus kommt man im zweiten großen Hof auf ein – als Denkmal aufgestelltes – große Umlenkrad, das von einem Lastenaufzug stammt. Oben auf einem Gebäude im hinteren Teil des Gewerbehofes befindet sich eine große mit Stahlblech verkleidete und überdachte Bühne, die den optischen Werken Goerz gedient haben muss. Heute sind auf dem Grundstück mehrere Gewerbebetriebe und Büros tätig.
  • Der Mechaniker Paul Stückrath versorgte ab 1887 aus der Albestraße 11 seine Klientel mit Präzisionswaagen. Darunter auch die deutschen Bankhäuser mit automatischen Münzwaagen und Seismologen mit Geräten für die Erdbebenmessung.
  • Askania-Logo
    Askania-Logo
    Das Stammhaus der Askania-Werke in der heutigen Bundesallee
    Das Stammhaus der Askania-Werke in der heutigen Bundesallee
    Carl Bambergs Werkstätten für Präzisions-Mechanik und Optik wurden 1888 in der Bundesallee 86–88 (ehemals Kaiserallee 39) gegründet und nach dem Tod Bambergs 1892 von seiner Frau Emma weitergeführt. Die Firma baute u. a. erfolgreich Geräte der Wärmetechnik und fusionierte 1921 mit der Centralwerkstatt Dessau, einem Tochterunternehmen der Deutschen Continental Gasgesellschaft unter dem Namen Askania-Aktiengesellschaft. In der Stubenrauchstraße 72 ist noch heute das gut erhaltene Haus des ehemaligen Bamberg'schen Labors zu sehen. Das Unternehmen wurde in den 1960er Jahren aufgelöst und im Jahr 2006 in der Roennebergstraße 3a (unweit des ehemaligen Stammhauses) als Askania AG neu gegründet. Es ist derzeit die einzige Uhrenmanufaktur in Berlin, in der hochwertige mechanische Armbanduhren nach klassischen Vorbildern gefertigt werden. Das Grundstück Bundesallee 86–88, ursprünglich von den Askania-Werken ausgebaut, ist wie sein Pendant der Goerz'schen-Höfe in der Rheinstraße 45–46 ein großer Gewerbehof. Die Gebäude sind als Stahlbetonkonstruktion mit außen liegendem Vollmauerwerk und einer Stahlbetonstützenreihe in der Gebäudemitte ausgeführt. Die Straßenfront aus dem Jahr 1918 ziert eine aufwändig gestaltete Backsteinfassade mit expressionistischen Elementen, die vor einigen Jahren nach Vorgaben des Denkmalschutzes saniert wurde. Dabei wurde über dem Haupteingang der Schriftzug Askania Höfe angebracht. Auf dem Grundstück waren in den vergangenen Jahrzehnten die unterschiedlichsten Gewerbe ansässig, so z. B. während des Zweiten Weltkriegs eine Gasgeräteproduktion. Heute sind unter dieser Adresse u. a. mehrere Gewerbebetriebe, ein Dentallabor, ein Bauingenieurbüro und ein großes Softwareunternehmen tätig. Im Erdgeschoss war lange Zeit ein stadtbekanntes Spezialgeschäft für Outdoorzubehör, heute befindet sich dort ein großer Bio-Supermarkt mit relativ starkem Zulauf.
  • Die Bildgießerei Hermann Noack besteht seit 1899 in der Fehlerstraße 8 (Hofeingang: Varziner Straße 18). Hier entstanden unter anderem Werke von Käthe Kollwitz, Henry Moore, Georg Kolbe, Renée Sintenis und Ernst Barlach. Aus der – inzwischen in der vierten Generation geführten – Werkstatt stammen u. a. auch die Silbernen und Goldenen Bären (Preise der Berlinale) und deren großes Vorbild, die Bronzestatue am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Dreilinden auf dem Mittelstreifen der A 115 sowie die Vergoldung der Viktoria mit Lorbeerkranz auf der Siegessäule, umgangssprachlich Goldelse genannt. 1958 wurde in der Werkstatt auch der zweirädrige Streitwagen mit vier Zugpferden auf dem Brandenburger Tor, die Quadriga, restauriert und nach ihrer zeitweiligen Demontage wieder auf den angestammten Platz nach – damals noch – Ost-Berlin gebracht.

Weitere Gewerbetreibende

In dem ab 1894 mehrmals wöchentlich erschienenen Friedenauer Lokal-Anzeiger wurden regelmäßig über Friedenauer Erfinder berichtet. Gleichzeitig diente das Blatt der Druckerei Leo Schulz aus der Rheinstraße 15 als Nachrichtenbörse für Werbe- und Familienanzeigen.

Rund um die Hauptverkehrsachsen der Bundesallee, der Rhein- und Hauptstraße sowie dem Südwestkorso entstand zudem eine gesunde Infrastruktur von Gewerbetreibenden, die dem Ortsteil eine gewisse Anziehungskraft verlieh. Hierzu zählt auch der Wochenmarkt auf dem Breslauer Platz, der seit 1881 noch immer regelmäßig stattfindet. Die Attraktivität Friedenaus spiegelt sich nicht zuletzt in der Liste der prominenten Anwohner wider.

Friedenau besaß einige Kaufhäuser, von denen das letzte im Jahr 2005 geschlossen wurde (Kaufhaus Hertie in der Bundesallee /Bornstraße, vormals hieß es Kaufhaus Held). Ein weiteres Kaufhaus befand sich in der Hauptstraße 78–79 im ehemaligen Roxy-Palast, einem Gebäude aus dem Jahr 1929, das als Hauptwerk der Neuen Sachlichkeit des Architekten Martin Punitzer gilt. Weiterhin befand sich in der Rheinstraße 30 das Kaufhaus Kepa. Darüber hinaus hatte das Konfektionsgeschäft Ebbinghaus sein Stammhaus in der Lauter- /Ecke Niedstraße am heutigen Breslauer Platz, bis es im Jahr 1962 in das damals neu errichtete Gebäude am Walther-Schreiber-Platz umzog.

Prominente Anwohner

Friedenau hat immer wieder Künstler, Literaten, Wissenschaftler und Politiker angezogen. Zu den bekanntesten Anwohnern gehörten:

Ehrengrab Marlene Dietrich, Friedhof in der Friedenauer Stubenrauchstraße
Ehrengrab Marlene Dietrich, Friedhof in der Friedenauer Stubenrauchstraße

In Friedenau liegen außerdem auf dem III. Städtischen Friedhof Berlin-Schöneberg (Friedhof an der Stubenrauchstraße, ehemals Friedenauer Friedhof) zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, u. a. Ferruccio Busoni, Marlene Dietrich, Helmut Newton und Paul Zech begraben.

Abschließend sei bemerkt, dass Jamaika seine Botschaft in der Schmargendorfer Straße 32 hat.

Verkehr

Bahnsteig des S-Bahnhofs Innsbrucker Platz mit Blick in östliche Richtung
Bahnsteig des S-Bahnhofs Innsbrucker Platz mit Blick in östliche Richtung

Schienenverkehr

Die S-Bahnzüge der Wannseebahn machen bereits seit 1874 Halt in der Nähe Friedenaus am – in Schöneberg gelegenen – Bahnhof Berlin-Friedenau. Ebenso halten an der nördlichen Ortsgrenze Züge der Ringbahn am Bundesplatz (von 1938 bis 1993 hieß dieser Bahnhof Berlin-Wilmersdorf, vor 1938 Berlin-Wilmersdorf-Friedenau). Dieser Bahnhof liegt im Ortsteil Wilmersdorf.

In Friedenau selbst liegt nur der S-Bahnhof der Ringbahn Innsbrucker Platz (S-Bahnlinien S41, S42 und S46). Dieser Bahnhof wurde 1933 an die bereits im Jahr 1910 eröffnete U-Bahn-Linie 4 angeschlossen.

Ebenso liegen in Friedenau die 1971 in Betrieb genommenen U-Bahnhöfe der Linie U9

Der U-Bahnhof Bundesplatz liegt unmittelbar nördlich der Friedenauer Gemarkungsgrenze im Ortsteil Wilmersdorf.

Im Verlauf der Hauptstraße unter dem Autobahntunnel des Innsbrucker Platzes befindet sich ein – in der so genannten „200-km-Planung“ aus dem Jahr 1977 vorgesehener – Bahnhofsrohbau für die ursprünglich projektierte U-Bahnlinie U10 (alte Bezeichnung „Linie F“). Näheres hierzu unter Geschichte der Berliner U-Bahn.

Individualverkehr

Friedenau ist mit einem fast symmetrischen Straßennetz durchzogen, bei dem der – in Form eines Hufeisens – sich um 180° verlaufende Straßenzug der Stubenrauch- und der Handjerystraße eine verbindende Rolle zu den benachbarten Straßen spielt. Darüber hinaus sind die folgenden Hauptverkehrsachsen bedeutsam:

Der Südwestkorso mit seinen getrennten Fahrstreifen für Autos und Radfahrer
Der Südwestkorso mit seinen getrennten Fahrstreifen für Autos und Radfahrer
  • Die Bundesallee als Symmetrieachse und wichtige Nord-Süd-Verbindung verläuft von der Schaperstraße in Wilmersdorf kommend und am Bundesplatz den Ortsteil Friedenau erreichend, bis zum Walther-Schreiber-Platz und teilt Friedenau somit in eine Ost- und eine Westhälfte. Am Friedrich-Wilhelm-Platz wird der Hauptverkehrsstrom der Bundesallee südöstlich über die Schmiljan- und Saarstraße in Richtung Stadtautobahn A 103 zur Friedenauer Brücke (Anschlussstelle 3 – Saarstraße) bzw. weiter über die Thorwaldsenstraße in die südlichen Bezirke Berlins geleitet.
  • Quer durch Friedenau verläuft in nordöstlicher Richtung die Rheinstraße (vom Walther-Schreiber-Platz bis zum Breslauer Platz), die in Fortsetzung vom Breslauer Platz bis zum Innsbrucker Platz Hauptstraße heißt. Dieser Straßenzug bildet das geschäftliche Zentrum des Ortsteils mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und einer gut entwickelten Infrastruktur. Ursprünglich verlief hier die alte „Reichsstraße Nr. 1“, die später die Bundesstraße 1 wurde. Zwischenzeitlich wurde die B 1 auf die ca. 400 Meter entfernt parallel verlaufende Westtangente verschwenkt, um Friedenau und Steglitz vom Durchgangsverkehr zu entlasten.
  • Der Südwestkorso stellt das ruhigere Pendant zur geschäftigen Haupt- und Rheinstraße dar und beginnt an der Bundesallee in Höhe der Varziner Straße. An der Kreuzung zur Laubacher- /Wiesbadener Straße wechselt er von Friedenau nach Wilmersdorf in Richtung Dahlem. Mitte der 1980er Jahre wurden als Modellversuch auf dem Südwestkorso im Zuge der Veloroute K die ersten Fahrradstreifen Berlins angelegt. Diese haben sich mittlerweile bewährt und sind noch heute vorhanden.

Orte und Gebäude

Der Zugang zu den Friedenauer Grundstücken ist über 64 Straßen und diverse Plätze möglich. Bei der Aufzählung ist eine ungewidmete Privatstraße enthalten. Einige Umbenennungen der Friedenauer Straßennamen erfolgten u. a. nach Flüssen in Elsaß-Lothringen, die dem Grundgedanken zur Namensgebung von Friedenau – zur Erinnerung an den in dem Jahre seiner Gründung (1871) geschlossenen Frankfurter Frieden – Ausdruck verleihen sollten.

Die Vielzahl der Gebäude in Friedenau stammen aus den Gründerjahren zu Anfang des 20. Jahrhunderts und verleihen dem Ortsteil einen entsprechenden Charme. Viele dieser Häuser stehen heute unter Denkmalschutz. Friedenau blieb im Zweiten Weltkrieg allerdings nicht von Bombardements der Alliierten verschont, die an verschiedenen Stellen Lücken in das Stadtbild rissen. Diese sind mittlerweile fast vollständig durch Neubauten gefüllt worden.

Der Sintflutbrunnen von Paul Aichele auf dem Perelsplatz
Der Sintflutbrunnen von Paul Aichele auf dem Perelsplatz

Plätze in Friedenau

  • Friedrich-Wilhelm-Platz – der zentrale Platz Friedenaus – wurde ehemals von den in Nord-Süd-Richtung fließenden Verkehrsströmen angerförmig umfahren. Der Platz entstand um 1870 nach Plänen von Johann Anton Wilhelm von Carstenn und Johannes Otzen als Platzerweiterung an der damaligen Kaiserstraße. 1887 wurde er gärtnerisch gestaltet. Die auf dem Platz im Jahr 1893 im neugotischen Stil eingeweihte evangelische Kirche „Zum Guten Hirten“ ist von weitem gut sichtbar. Im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahn-Linie U9 (Inbetriebnahme im Jahr 1971) und der Herstellung der Anbindung zur Stadtautobahn A 103 (Westtangente) an der Friedenauer Brücke (Anschlussstelle 3 – Saarstraße) wurde er so umgestaltet, dass die Bundesallee seitdem den Friedrich-Wilhelm-Platz auf der östlichen Seite tangiert, um den inzwischen sehr stark gewordenen Durchgangsverkehr aufnehmen zu können.
  • Breslauer Platz in dreieckiger Form vor dem Rathaus Friedenau. Die Grundsteinlegung für das von Hans Altmann im Jugendstil entworfene Rathaus war am 13. Oktober 1913 und wurde im Kriegsjahr 1916 fertig gestellt. Der Platz hieß von 1875 bis 1964 Lauterplatz, davor wurde er unter anderem auch als Schulplatz bezeichnet. Die heutige Namensgebung erfolgte nach der ehemaligen Hauptstadt Schlesiens am 1. Oktober 1964. Derzeit sind Planungen in Vorbereitung, den Platz wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Hierzu soll die Lauterstraße auf dem kurzen Teilstück zwischen Nied- und Rheinstraße für den Durchgangsverkehr geschlossen und die Niedstraße vor dem Rathaus Friedenau für beide Fahrtrichtungen geöffnet werden.
  • Innsbrucker Platz an der nordöstlichen Grenze gelegen (ein Teil des Platzes gehört zu Schöneberg), wurde ursprünglich als großer – mit Rasen und Zierblumen ausgestatteter – Kreisverkehrsplatz angelegt. Den älteren Anwohnern ist noch die frühjährliche Krokuspracht auf der Mittelinsel bekannt. Zwischen 1971 und 1979 wurde der Platz im Rahmen der seinerzeitigen Konzeption Autogerechte Stadt vollkommen umgestaltet und verlor dadurch seine ursprüngliche Form. Hierbei wurde er zur Verlängerung der Stadtautobahn A 100 in Richtung Südosten komplett untertunnelt. Seitdem dient er als große innerstädtische Kreuzung zur Verteilung der Verkehrsströme zwischen der Haupt- und Wexstraße sowie der Stadtautobahn (Anschlussstelle 17 – Innsbrucker Platz).
  • Kaisereiche an der Kreuzung Rhein- /Saar- /Schmiljanstraße (ehemals Kirchstraße). Die auf dem Mittelstreifen stehende Eiche wurde anlässlich der Goldenen Hochzeit von Kaiser Wilhelm I. und seiner Gemahlin Augusta gepflanzt, die auch an den 82. Geburtstag des Kaisers erinnern sollte. Der Platz war vorher nur als Rondell bezeichnet worden. Die Eiche musste am 10. November 1883 ersetzt werden, weil der ursprünglich gepflanzte Baum aus Protest gegen die seinerzeitigen Sozialistengesetze Bismarcks stark beschädigt wurde.
  • Perelsplatz vor der Friedrich-Bergius-Oberschule (dem ehemaligen Friedenauer Gymnasium), benannt nach Friedrich Justus Perels, Justitiar der Bekennenden Kirche, der am 23. April 1945 in Berlin-Tiergarten in einer Gestapo-Aktion erschossen wurde. Er war im Herbst 1944 im Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 verhaftet worden. In den 1920er Jahren war er Schüler des Friedenauer Gymnasiums. Der Platz hat die Form eines langgestreckten Rechtecks mit einer Parkanlage und dem – von Paul Aichele entworfenen – 4,20 Meter hohen Sintflutbrunnen, der seit 1932 an dieser Stelle steht. Er hatte vorher auf dem ehemaligen Hamburger Platz am Südwestkorso sein Domizil. Die Anlage wurde 1907 von Fritz Zahn entworfen und gebaut. Gegenüber dem Eingang der Schule steht das Denkmal zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus dem Jahr 1923. Der Perelsplatz hieß von 1873 bis 1884 Berliner Platz, danach bis 1961 Maybachplatz, benannt nach dem preußischen Handelsminister und Minister für öffentliche Arbeiten Albert von Maybach. Im Volksmund wurde die Grünanlage wegen ihres Baumbestandes lange als „Birkenwäldchen“ bezeichnet.
  • Walther-Schreiber-Platz: Am südlichsten Punkt Friedenaus stellt der Platz die Kreuzung Bundesallee, Rhein- /Schloß- und Schöneberger Straße dar, weshalb er auch als Rheineck bezeichnet wird. Der ursprüngliche Platz erhielt anlässlich des Baus der U-Bahn-Linie U9 im Jahr 1971 seine jetzige Bestimmung als Verkehrsknotenpunkt. Am südlichen Ende wird er auf Steglitzer Gebiet vom Einkaufszentrum Forum Steglitz begrenzt. Auf dem Gelände des seinerzeitigen Kaufhauses Hertie entstand 2007 der Neubau des Schloss-Straßen-Centers. Im ehemaligen – und inzwischen unter Denkmalschutz stehenden – Ebbinghaus-Gebäude in der spitzen Ecke zwischen Rheinstraße und Bundesallee entsteht ein Ärztehaus. Unter teilweiser Verwendung des alten Stahlbetongebäudes wird die nutzbare Geschossfläche deutlich erweitert. In diesem Zusammenhang wurde auch der bereits auf Steglitzer Gebiet liegende Platzbereich vor dem Forum Steglitz umgestaltet. Die Bushaltestelle der Linien X76 und M76 in Mittellage (noch von der ehemals hier fahrenden Straßenbahn stammend) wurden aufgegeben und die Fahrstreifen der Rhein- und Schloßstraße in Fahrrichtung Süd zugunsten besserer Bewegungsmöglichkeiten der Passanten sowie zur Vergrößerung der bebaubaren Fläche für das Schloss-Straßen-Centers geradlinig angelegt.
  • Renée-Sintenis-Platz (ehemals Wilmersdorfer Platz) 1872 als Rondell angelegt und 1967 benannt nach der – bis zu ihrem Tode 1965 zwanzig Jahre lang in der Innsbrucker Straße 23a in Schöneberg – lebenden Künstlerin. Die kleine Bronzeplastik Grasendes Fohlen erinnert auf dem Platz seit 1971 an das Schaffen von Renée Sintenis. Die Gestaltung der Viertelkreisflächen des Platzes wurde 1955 vom Gartenarchitekten Karl Tümler durchgeführt. Am Platz steht das imposante Gebäude des ehemaligen „Kaiserlichen Postamtes I. Klasse“ (heute „Postamt 410“) von Ludwig Meyer, das am 1. Oktober 1918 auf der Grundfläche des ursprünglich hier geplanten Rathauses Friedenau eröffnet wurde. Den Zuschlag zum Bau des Rathauses erhielt seinerzeit dann aber das Grundstück am Breslauer Platz. Die Erweiterung des Postamtes fand zwischen 1930 und 1935 durch Robert Gaedicke statt. Das Gebiet rund um den Renée-Sintenis-Platz repräsentiert das älteste Baugebiet Friedenaus.
  • Schillerplatz an der Kreuzung Wiesbadener- /Stubenrauchstraße. Ursprünglich war der Platz als Pendant zum damaligen Wilmersdorfer Platz (heute Renée-Sintenis-Platz) in Form eines Rondells angelegt worden und hatte in den Anfängen der Gemeinde den Namen Schmargendorfer Platz. Er erhielt anlässlich des 100. Todestages des Dichters Friedrich Schiller im Mai 1905 seinen heutigen Namen. Zu dieser Zeit war er zu einem – mit gärtnerischen Anlagen versehenen – Schmuckplatz umgestaltet worden. Um Ende der 1950er Jahre einen besseren Verkehrsfluss zu gewährleisten (insbesondere dem der damaligen BVG-Buslinie „17“), wurde 1957 die Wiesbadener Straße verbreitert und im rechten Winkel über die Stubenrauchstraße geführt. Ursprünglich war 1960 vorgesehen, den Schillerplatz amtlich aufzuheben, was aber dann doch unterlassen wurde. Heute zeugt noch der Schiller-Park als kleine viergeteilte Grünanlage von der ehemaligen Form des Platzes.
  • Cosimaplatz im Mittelpunkt des Wagner-Viertels in Form eines quadratischen Platzes mit einer kleinen Parkanlage, an dessen Spitzen windrosenorientiert kurze Wohnstraßen münden. Hier befand sich die Radrennbahn im damaligen Sportpark Friedenau mit einer 500 m langen ovalen Zementbahn. Der Sportpark wurde 1904 abgerissen und ab 1906 mit Mietshäusern bebaut. Der Platz ist nach Cosima, der Frau von Richard Wagner benannt. Die Umbenennung des ehemaligen Wagnerplatzes erfolgte 1935, um die häufigen Benennungen nach Wagner zu reduzieren. Das Wagner-Viertel hat seine Bezeichnung nach den umliegenden Straßen, deren Namensgeberinnen meist Figuren aus seinen Opern waren.
  • Varziner Platz vor dem viaduktartigen Durchgang zum S-Bahnhof Bundesplatz, unweit des Cosimaplatzes mit einer historischen fünfarmigen Laterne auf der Platzmitte. Anfang der 1980er Jahre entstand dieser Platz, nachdem die Varziner Straße im ehemaligen Einmündungsbereich der Sieglinde-, Brünnhilde- und Isoldestraße unterbrochen wurde und die beiden Straßenarme mit der Sieglinde- bzw. Isoldestraße verbunden wurden. Die Brünnhildestraße endet vor dem Platz in einer Sackgasse. Seinen Namen hat er seit 1983. Ziel war es, den Durchgangsverkehr (Schleichverkehr) aus diesem Wohngebiet herauszubekommen und die Bewegungsmöglichkeiten für Fußgänger zu verbessern.
  • Liane-Berkowitz-Platz als kleine dreieckige Grünanlage zwischen Südwestkorso, Wilhelmshöher Straße und Rheingaustraße mit einem dekorativ verklinkerten Kiosk mit Bedürfnisanstalt des Architekten Hans Altmann aus dem Jahr 1920. Der Platz erhielt am 18. Januar 2000 seinen jetzigen Namen. Die Namenspatronin Liane Berkowitz war Widerstandskämpferin und wohnte am Viktoria-Luise-Platz 1 in Schöneberg, wo eine Gedenktafel an sie erinnert.
Gedenkstele aus dem Jahr 1962 im Georg-Hermann-Garten
Gedenkstele aus dem Jahr 1962 im Georg-Hermann-Garten
  • Adam-Kuckhoff-Platz, der 1990 seinen Namen erhielt, ist das Pendant zum Liane-Berkowitz-Platz in vergleichbarer Form auf der gegenüber liegenden Seite des Südwestkorsos. Der Platz wird neben dieser breiten Straßenachse von der – an der hier spitz zulaufenden – Laubacher Straße und der an dieser Stelle verkehrsberuhigten Wilhelmshöher Straße begrenzt. Er beinhaltet als zentralen Punkt den Erikabrunnen, der in Anlehnung zum seinerzeit teilweise kriegsbeschädigten Kinderbrunnen im Jahr 1982 von Heinz Spilker neu geschaffen wurde. Der Namensgeber des Platzes Adam Kuckhoff war Schriftsteller und starb als Widerstandskämpfer.
  • Der ehemalige Hamburger Platz befand sich an der Straßeneinmündung der Stubenrauch- und Görresstraße (ehemals Wilhelmstraße) am Südwestkorso (vormals Schwarzwaldstraße) in Höhe der Offenbacher und der Mainauer Straße. Die Gemeindevertretung Friedenau beabsichtigte seinerzeit, den bereits in der Carstenn'schen Planung vorgesehenen Hamburger Platz – eine spiegelbildliche Anlage zum heutigen Perelsplatz – als Gemeindefriedhof anzulegen. Am 20. Mai 1881 fand die Einweihung des Friedhofs statt. Der Hamburger Platz (benannt nach der Hansestadt Hamburg) umfasste damit nur noch den Abschnitt an der Einmündung der Schwarzwaldstraße, Mainauer und Wilhelmstraße in die Stubenrauchstraße (heute etwa die Kreuzung Stubenrauchstraße /Südwestkorso /Görresstraße). Auf dem Platz, der angerförmig von der Straßenbahn auf beiden Seiten umfahren wurde, stand von 1909 bis 1931 der von Paul Aichele entworfene Sintflutbrunnen, der später auf dem Maybachplatz (heute Perelsplatz) seinen derzeitigen Standort fand. Der Platz musste wegen der Erweiterung des Friedenauer Friedhofs nach Süden hin aufgegeben werden, ist aber noch immer – wegen der sich hier ergebenden Öffnung der Straßen an dieser Stelle – als solcher zu erkennen. Er wurde in Adressbüchern und Plänen oft ohne Namen aufgeführt und um 1933 aufgehoben.
  • Der Georg-Hermann-Garten wurde 1962 auf dem Gelände des ursprünglichen Ulmenhofes (Park der Villa Sarrazin) als Gedenkort für den 1943 im KZ Auschwitz ermordeten Schriftsteller und Kunstkritiker Georg Hermann eingeweiht. Er gehörte bereits 1914 zu den wenigen Schriftstellern in Deutschland, die den Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht begrüßten. Der Garten gehört zwar nicht zum öffentlichen Straßenland, ist aber auf Anfrage bei der Kindertagesstätte Pestalozzi-Fröbel-Haus über die Bundesallee 79–81 zu besichtigen (am Wochenende geschlossen!). Die ehemaligen Zugänge in der Stubenrauch- und der Goßlerstraße sind zwischenzeitlich geschlossen worden. Georg Hermann hatte zu Friedenau ein liebevoll-distanziertes Verhältnis. In seinem Roman Der kleine Gast aus dem Jahr 1925 beschrieb er Friedenau seinerzeit liebevoll als „idyllisches Gartenviertel“ und als „Eldorado der Tonzwerge“.
  • Eine kleine Grünanlage in dreieckiger Form an der Kreuzung der Rheingau-, Kreuznacher, Odenwald- und Bornstraße an der Grenze zu Steglitz ist bisher namenlos.

Straßen in Friedenau

Die nachstehend genannten Straßen sind die im amtlichen Verzeichnis geführten Straßen Friedenaus, auch wenn mitunter andere Bereiche östlich von Friedenau hierzu gezählt werden (siehe Anmerkung unter „Geografie“). Die namensgebenden Bezüge werden im Anhang als Glossar zu den Namen der Friedenauer Straßen am Ende des Artikels erläutert.

  • Görresstraße[17]
  • Goßlerstraße[18]
  • Hackerstraße[19]
  • Hähnelstraße[20]
  • Handjerystraße[21]
  • Hauptstraße[22]
  • Hedwigstraße[23]
  • Hertelstraße[24]
  • Holsteinische Straße[25] (Straßenland teilweise in Steglitz).
  • Homuthstraße[26]
  • Illstraße[27]
  • Isoldestraße[28]
  • Kreisauer Straße[29]
  • Kreuznacher Straße[30]
  • Kundrystraße[31]
  • Laubacher Straße[32] (Straßenland in Wilmersdorf)

____________________________

  • Straße am Güterbahnhof Wilmersdorf [64] (nicht gewidmete Straße)

Institutionen

Kirchen und Glaubensgemeinschaften

Schulen in Friedenau

Grundschulen

  • Fläming-Grundschule, Illstraße 4–6 (ursprünglich „I. Friedenauer Gemeindeschule“)
  • Ruppin-Grundschule, Offenbacher Straße 5a (ehemals „III. Friedenauer Gemeindeschule“)
  • Stechlinsee-Grundschule, Rheingaustraße 7

Weiterführende Schulen

  • Bobertal-Oberschule (Hauptschule), Offenbacher Straße 5a
  • Friedrich-Bergius-Oberschule (Realschule), Perelsplatz 6–9 (vormals „Friedenauer Gymnasium“)
  • Paul-Natorp-Oberschule (Gymnasium), Goßlerstraße 13–15 (früher „Königin-Luise-Mädchenlyzeum“)
  • Rheingau-Oberschule (Gymnasium), Schwalbacher Str. 3–4 (ehemals „Reform-Realgymnasium und Oberrealschule“)

Lieder

Eine Achtelnote

Um 1880 entstand die „Friedenauer Nationalhymne“

Komm' mit nach Friedenau, da ist der Himmel blau,
da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau Galopp,
da lacht der lieben Kuh der Ochs' so freundlich zu.
Komm' mit nach Friedenau, da ist der Himmel blau.
(Verfasser und Komponist unbekannt)


Eine Achtelnote

Auszug aus „Kinder, war'n das Zeiten!“ von Carl Breer aus dem Jahr 1924

Am Sonntag ging's nach Friedenau,
da war der Himmel immer blau,
ganz langsam mit der Töff-Dampfbahn
kam man in gut zwei Stunden an.
Dann schrieb man Ansichtskarten
in einem Kaffeegarten.
Mein Friedenau, wie war's doch schön,
als du noch ledig und – alleen',
seit du mit Schöneberg getraut,
bist du schon etwas – abgebaut!

Literatur

  • Alfred Bürkner: Friedenau – Straßen, Häuser, Menschen. Stapp-Verlag, Berlin 1996. ISBN 3-87776-065-1
  • Christel und Heinz Blumensath: Das andere Friedenau – Spaziergänge durch 125 Jahre Kunst-, Literatur- und Baugeschichte. Bezirksamt Schöneberg, Berlin 1996.
  • Hermann Ebling: Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde, 1871–1924. Zinsmeister und Grass, Berlin 1986. ISBN 3980130908
  • Stefan Eggert: Spaziergänge in Schöneberg. Berlinische Reminiszenzen. Bd 78. Haude & Spener, Berlin 1997. ISBN 3-7759-0419-0
  • Peter Lemburg, Gabriele Schulz, Dietrich Worbs: Denkmale in Berlin, Bezirk Schöneberg, Ortsteil Friedenau. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Hrsg. v. Landesdenkmalamt Berlin und vom Bezirksamt Schöneberg von Berlin. Willmuth Arenhövel, Berlin 2000. ISBN 3-922912-52-4
  • Helmuth Pohren-Hartmann, Hermann Ebling, Evelyn Weissberg: Der Künstlerfriedhof in Friedenau. Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2006. ISBN 3-9811242-0-0
  • Alle Berliner Straßen und Plätze, von der Gründung bis zur Gegenwart. Lexikon hrsg. v. Hans-Jürgen Mende. 4 Bde. Edition Luisenstadt. Verlag Neues Leben, Berlin 1998. ISBN 3355014915
  • Gudrun Blankenburg: Friedenau – Künstlerort und Wohnidyll. Die Geschichte eines Berliner Stadtteils. Frieling, Berlin 2006. ISBN 3-8280-2350-9 (m. Register, sowie beiliegender Denkmalkarte)

Weblinks

Commons
Commons: Berlin-Friedenau – Bilder, Videos und Audiodateien

Glossar

Dieses Glossar gibt Auskunft über die Hintergründe der Namensgebung der Friedenauer Straßen sowie historische Informationen hierzu.

  1. Die ehemalige Querstraße II (1872–1875) wurde am 22.10.1875 nach der Albe, einem Nebenfluss der Saar, umbenannt.
  2. Friedrich Bache (* 20.11.1841, † 12.11.1917 in Friedenau) war Berliner Kommunalpolitiker. Im August 1893 wurde er in den Gemeindevorstand von Friedenau gewählt, dem er bis 1917 angehörte. Er fungierte viele Jahre als stellvertretender Amts- bzw. Gemeindevorsteher. Noch zu seinen Lebzeiten ehrte ihn die Gemeindevertretung durch die Benennung einer Straße. Bache vertrat Friedenau jahrelang im Teltower Kreistag und war einer der Vertreter des Kreises im Provinziallandtag. Er wurde zum Ehrenbürger von Friedenau und Gemeindeältesten ernannt. Die Straße hieß bis 1910 Straße 12.
  3. Rudolf von Bennigsen als Student im Jahr 1843
    Rudolf von Bennigsen als Student im Jahr 1843
    Die Bennigsenstraße hieß bis Anfang Januar 1903 Straße 43b. Sie ist benannt nach dem liberalen deutschen Politiker Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen (* 10.7.1824 in Lüneburg, † 7.8.1902 auf seinem Gut Bennigsen bei Springe)
  4. Louis Ludwig Karl Ernst Blankenberg (* 3.12.1821, † 22.12.1889 in Friedenau) war Unternehmer und Kommunalpolitiker. Er gehörte dem 1871 gegründeten „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“ als Aufsichtsratsmitglied an, der bei der Gründung Friedenaus seit Herbst 1871 die ersten Straßen anlegte. Im Oktober 1872 waren zwölf Häuser fertig, weitere 42 in der Bauphase. Am 11. Januar 1875 wurde unter Vorsitz des Schöneberger Amtsvorstehers Adolf Feurig der erste Gemeindevorstand Friedenaus gebildet, zu den elf Gemeindeverordneten gehörte auch Blankenberg. Ein Teil der Blankenbergstraße wurde um 1900 in Hertelstraße umbenannt. Von 1873 bis 1895 hieß sie Bischofstraße.
  5. David Born (eigentlich David Buttermilch, * 30.10.1817 Lissa/Posen, † 17.3.1879 Schöneberg), Unternehmer. Er gilt als der eigentliche Begründer von Friedenau. Born übernahm die Direktion des im Juli 1871 gegründeten „Landerwerb- und Bauvereins auf Actien“, der die Landhauskolonie Friedenau anlegte. Der Verein verfügte über einen großen Teil des Gebietes des heutigen Friedenau, der Westteil gehörte anderen Gesellschaften, vor allem dem „Berlin-Charlottenburger Bau-Verein“. Von David Born und dem Grundstücksspekulanten J.A.W. von Carstenn sollen die Worte stammen: „Die Vororte müssen die grüne Lunge der Großstadt werden.“ Der ursprüngliche Name der Straße war zwischen 1874 und 1889 Steglitzer Straße
  6. Die ehemalige Straße D erhielt 1906 ihren Namen nach Brünnhilde, einer Figur aus Richard Wagners Opern Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. Wagner knüpft an die in der nordischen Sage gebräuchliche Darstellung Brünnhildes (auch Brunhild genannt) an. Sie erscheint als Walküre, die für ihren Ungehorsam mit einem Zauberschlaf bestraft und von Siegfried geweckt wird. Bei den Burgundern vergisst Siegfried durch einen Zaubertrank Brünnhilde und heiratet Gutrune. Er begegnet Brünnhilde erst wieder als Werber für Gunther. Als diese nach ihrer Heirat den Betrug erkennt, lässt sie aus Rache Siegfried töten. Nachdem sie erfährt, dass auch sie Opfer des Fluchs des Nibelungenrings ist, teilt sie auf dem Scheiterhaufen den Tod mit Siegfried.
  7. Die Bundesallee hieß bis 1950 Kaiserallee. Sie ist die längste und breiteste Straße Friedenaus und durchquert den Ortsteil komplett in Nord-Südrichtung.
  8. Friedrich Wilhelm Büsing war Architekt und Kommunalpolitiker. Er wirkte als Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg. In Friedenau war er von 1888 bis 1892 sowie von 1902 bis 1904 Gemeindevertreter (Gemeindeschöffe). Die Straße trägt seit 1905 seinen Namen
  9. Bis 1909 hieß die Deidesheimer Straße noch Straße 14. In Wilmersdorf liegt sie im sogenannten Rheingauviertel, in dem die Straßen ihre Namen nach Gemeinden des Rheingaus, des Taunus und der Pfalz (an der Deutschen Weinstraße) erhielten. Sie ist benannt nach der Stadt Deidesheim.
  10. Konrad Dickhardt (* 16.12.1899 in Bad Vilbel, † 11.6.1961 in Berlin) war Kommunalpolitiker. Seit 1923 arbeitete Dickhardt in der Verwaltung und der Sparkasse seines Heimatortes, ab 1928 als Gewerkschaftssekretär in Hessen. In der faschistischen Zeit war er selbstständiger Steuerberater und Buchprüfer. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er in Schöneberg die SPD wieder auf und war bis 1960 deren Kreisvorsitzender. Seit 1946 war er Bezirksverordneter von Schöneberg und arbeitete als Dezernent in der Finanzverwaltung. Von 1947 bis 1959 wirkte er in Schöneberg als Bezirksstadtrat für Finanzen, von 1955 bis 1957 zugleich als stellvertretender Bürgermeister. Seit Dezember 1958 bis zu seinem Tode amtierte er als Bezirksbürgermeister von Schöneberg. Er erhielt ein Ehrengrab auf dem Friedhof Schöneberg II in der Eythstraße. Die nach ihm benannte Straße hieß zwischen 1872 und 1962 Ringstraße. Ursprünglich war vorgesehen, den Kaiser-Wilhelm-Platz an der Hauptstraße nach Dickhardt zu benennen.
  11. Die Elsastraße hat ihren Namen seit 1906 nach Elsa von Brabant, einer Frauenfigur aus Richard Wagners Oper Lohengrin. Vorher hieß sie Straße D.
  12. Die Benennung der damals neu angelegten Straße 11 erfolgte nach der Erstbepflanzung mit Eschenbäumen. 1945 war vorgesehen, die Eschenstraße in Fritz-Haber-Straße umzubenennen, was jedoch durch den Berliner Magistrat nicht bestätigt wurde.
  13. Eva ist eine Frauengestalt aus Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg. Eva ist darin die Tochter des Goldschmieds und Meistersingers Pogner. Sie soll den Bewerber zum Gatten nehmen, der im Wettstreit der Meistersinger siegt. Wenn sie dies ausschlage, dürfe sie nie einen anderen heiraten. Eva hatte Walther von Stolzing die Ehe versprochen. Dank der Hilfe von Hans Sachs gewinnt dieser den Wettstreit. Die Straße erhielt 1906 ihren Namen.
  14. Adolf Fehler {* 25.5.1828, † 27.3.1903 in Friedenau) war Kommunalpolitiker und von 1892 bis 1903 Schöffe sowie stellvertretender Amts- und Gemeindevorsteher in Friedenau. Fehler unterzeichnete 1899 als Schöffe von Friedenau einen – jedoch nicht verwirklichten – Vereinigungsvertrag von Schöneberg und Friedenau. Nach der Niederlegung der Amtsgeschäfte durch den Gemeindevorsteher Albert Roenneberg führte er von 1902 bis zu seinem Tode 1903 als interimistischer Gemeindevorsteher die Verwaltung von Friedenau. Danach übernahm Gustav Schnackenburg dieses Amt. Der nördlich des heutigen Stubenrauchfriedhofs verlaufende Abschnitt der Straße Am Friedhof wurde um 1900 in Fehlerstraße umbenannt. Dieser wurde bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts bebaut.
  15. Ferdinand Ludwig Frege (* 6.7.1804 in Berlin, † 6.7.1883 in Schöneberg) war Theologe und Historiker und von 1846 bis 1883 Erster Pfarrer in Schöneberg. Auf kommunalem Gebiet befürwortete er den Anschluss Schönebergs an Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Gemeinde Alt-Schöneberg in der Hauptstraße. Die Fregestraße (vorher Straße 27) entstand an der Grenze zweier Äcker und war bereits Mitte der 1880er Jahre dicht bebaut. Um 1896 wurde in Steglitz der Teil zwischen Flora- und Feldstraße in Alsenstraße umbenannt.
  16. Josef Görres, der Namensgeber der Görresstraße
    Josef Görres, der Namensgeber der Görresstraße
    Wilhelm Fröauf (* 23.3.1814, † 1.1.1899 in Berlin-Charlottenburg) war Kommunalpolitiker und Geheimer Rechnungsrat an der Gewerbeakademie. Er gehörte dem 1871 gegründeten „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“, der die Landhauskolonie Friedenau anlegte, als Aufsichtsratsmitglied an. Im Januar 1875 gehörte Fröauf zum ersten gewählten Gemeindevorstand Friedenaus. In den folgenden Jahren war er als Gemeindeschöffe tätig. Anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums wurde er Ehrenbürger von Friedenau. Die Straße entstand durch Teilung der Schillingstraße in Fröauf- und Hackerstraße. Sie trägt seit 1890 den Namen Fröaufs und hieß vorher Schillingstraße (um 1873 bis 1890).
  17. Josef Görres (* 25.1.1776 in Koblenz; † 29.1.1848 in München) war Schriftsteller und Historiker. Die nach ihm benannte Görresstraße hieß bis 1937 Wilhelmstraße, dann Golzheimer Straße, nach 1945 Aufbaustraße bis sie dann 1947 ihren jetzigen Namen erhielt.
  18. Gustav von Goßler (* 13.4.1838 in Naumburg /Saale; † 29.9.1902 in Danzig), war Politiker. Ab 1877 gehörte er dem Reichstag an. Von 1881 bis zu seinem Rücktritt am 11. März 1891 war von Goßler Unterrichtsminister. Im Februar 1881 wurde er Reichstagspräsident, im Juni desselben Jahres preußischer Kultusminister. Im Juli 1891 wurde er zum Oberpräsidenten der Provinz Westpreußen ernannt. Die Schreibweise Gossler- bzw. Goßlerstraße änderte sich wiederholt. Von 1876 bis 1883 hieß sie Centralstraße.
  19. Johann Carl Hacker (* 15.12.1811 in Verchen b. Demmin, † 21.8.1892 in Dresden) war Kommunalpolitiker und Geheimer Rechnungsrat im Kaiserlichen Kriegsministerium. Er gehörte zu den Gründungs- und Aufsichtsratsmitgliedern des „Landerwerb- und Bauvereins auf Actien“ und zu den ersten Ansiedlern der Landhauskolonie Friedenau. Im Herbst 1871 legte der Verein die ersten Straßen an. Im Oktober begann der Bau der ersten Wohnhäuser. Hackers Haus war das erste in Friedenau. Es stand in der damaligen Ringstraße 5, der heutigen Dickhardtstraße. Die am 11.1.1875 gewählte Gemeindevertretung stimmte für die Aufnahme Hackers in den Vorstand. Später wurde er Gemeindeältester in Friedenau. Die Hackerstraße entstand durch Teilung der Schillingstraße (1873 bis 1890) in Fröaufstraße und Hackerstraße. Der Steglitzer Teil der Hackerstraße, vorher Straße 13a des Bebauungsplanes, wurde vor 1910 benannt (auf der Karte von 1905 war sie noch nicht eingezeichnet).
  20. Hermann Hähnel (Hänel) (* 29.3.1830 in Herzberg, † 14.11.1894 in Berlin) war Baumeister und Unternehmer. Er erhielt seine praktische Ausbildung und Zeichenunterricht in Jüterbog. 1847/48 besuchte er das Gewerbeinstitut und wurde anschließend an der Königlichen Akademie der Künste weiter ausgebildet. Ab 1849 war er zwei Jahre an verschiedenen Architekturateliers angestellt. Hähnel ging 1851 als Maurermeister nach Merseburg und studierte dann ab 1853 an der Bauakademie weiter. Dort legte er sein Examen ab und war ab 1854 als Bauführer tätig. Am 7.6.1856 nahm man Hähnel in den Architektenverein auf. Von 1859 bis 1865 war er einer der Mitarbeiter von Edmund Knoblauch und baute an der Synagoge in der Oranienburger Straße mit. 1866 machte er sich als Architekt selbstständig. Hähnel war einer der Gründer und Aufsichtsratsmitglied bzw. Direktor des „Landerwerb- und Bauvereins auf Actien“, der ab 1871 die Kolonie und spätere Gemeinde Friedenau anlegte. Seine Frau Hedwig soll für den neuen Ort zur Erinnerung an den Frankfurter Friedensschluss von 1871 den Namen Friedenau, der am 16. Juli 1872 amtlich bestätigt wurde, vorgeschlagen haben. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Schöneberg III in der Stubenrauchstraße 43–45. Die Straße trägt seinen Namen seit dem 2.11.1892 und hieß vorher Straße 43a.
  21. Nicolaus Prinz von Handjery (* 18.12.1836 in Konstantinopel, † 7.12.1900 in Dresden) war Politiker. Der Sohn eines russischen Staatsrates stammte aus einer vornehmen griechischen Familie. Seit 1845 mit seiner Familie in Preußen lebend, erhielt Handjery 1851 das preußische Bürgerrecht, 1854 legte er in Berlin das Abitur ab und studierte dann in Berlin und Bonn Jura. Von 1858 bis 1861 diente er im Garde-Kürassier-Regiment. Nach dem Examen und juristischer Tätigkeit beim Berliner Stadtgericht und der Potsdamer Regierung wirkte Handjery von 1870 bis 1885 als Landrat des Landkreises Teltow und vertrat den Kreis im Abgeordnetenhaus und im Reichstag. 1885 wurde Handjery Regierungspräsident in Liegnitz, bis er 1895 wegen einer Krankheit aus seinen Ämtern ausschied und zurüc