Berlin-Kreuzberg

Kreuzberg
Ortsteil von Berlin

Lage von Kreuzberg im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Koordinaten 52° 29' 0" n. Br., 13° 23' 0" ö. L.
Höhe 52 m ü. NN
Fläche 10,4 km²
Einwohner 147.798 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte 14.239 Einwohner/km²
Neugründung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 10961, 10963, 10965, 10967, 10997, 10999
Ortsteilnummer 0202
Verwaltungsbezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Kreuzberg ist ein Ortsteil im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin. Bis zur Fusion mit dem damaligen Bezirk Friedrichshain im Zuge der Verwaltungsreform 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Kreuzberg.

Nach den – bis 1993 gültigen – Postleitzahlen unterscheidet man in Kreuzberg zwei Ortslagen:

  • Das größere „Kreuzberg 61“ (eigentlich „Südwest 61“) und
  • das kleinere, aber bekanntere „SO 36“ („SO“ steht für „Südost“).

Zur Zeit der Berliner Mauer war SO 36 von drei Seiten umschlossen und entwickelte eine alternative Eigenkultur am Ostrand West-Berlins.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Bezirk wurde 1920 aus der Fusion der Gebiete Tempelhofer Vorstadt, südlicher Friedrichstadt und eines Teils der Luisenstadt gebildet. Den Zweiten Weltkrieg haben nur die Tempelhofer Vorstadt und die Luisenstadt weitgehend unbeschädigt überstanden. Im Februar 1945 wurde das Gebiet der südlichen Friedrichstadt zwischen dem heutigen Halleschen Tor im Süden, der Prinzenstraße im Osten und der Kochstraße im Norden während eines US-Luftangriffs fast völlig zerstört.

Otto Piltz: Volkstreiben auf dem Kreuzberg in Berlin um 1886
Otto Piltz: Volkstreiben auf dem Kreuzberg in Berlin um 1886
Modernisiertes Eckhaus aus dem 19. Jahrhundert, nähe Landwehrkanal, Bau um 1875
Modernisiertes Eckhaus aus dem 19. Jahrhundert, nähe Landwehrkanal, Bau um 1875
Ev. Kirche Zum Heiligen Kreuz, fertiggestellt 1888
Ev. Kirche Zum Heiligen Kreuz, fertiggestellt 1888
1997 am aktuellen flächenmäßigen Mittelpunkt von Berlin niedergelegte Granitplatte
1997 am aktuellen flächenmäßigen Mittelpunkt von Berlin niedergelegte Granitplatte

Historie

Benannt wurde der Bezirk Anfang der 1920er Jahre nach dem Kreuzberg, einem kleinen Hügel am Rande des Teltows, im heutigen Viktoriapark, im Südwesten des Stadtteils gelegen. Nach der Gründung der Stadtgemeinde Berlin hieß der Bezirk zunächst Hallesches Tor. Auf der (damals noch) Tempelhofer Berg genannten Erhebung hatte man 1821 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel ein Denkmal in Grundform des Eisernen Kreuzes errichtet, um an die Befreiungskriege gegen Napoleon zu erinnern.

Seine überregionale Bekanntheit verdankt Kreuzberg vor allem der bewegten Geschichte des kleineren östlichen Bereichs (und Postbezirks) SO 36, später Berlin 36, der – von drei Seiten umschlossen von der deutsch-deutschen Grenze – in den 1970er und 1980er Jahren als Zentrum der alternativen Hausbesetzerszene legendär wurde. Dieser Teil erstreckt sich zwischen Spree, nördlich der Lohmühleninsel und des Landwehrkanals sowie östlich des heute zugeschütteten Luisenstädtischen Kanals. Heutzutage gilt diese Gegend als einer der ärmsten Teile Berlins. Den größeren Teil Kreuzbergs bilden die nordwestlich gelegene, stark kriegszerstörte südliche Friedrichstadt (Zeitungsviertel) und die ganze südliche Hälfte (Kreuzberg 61).

Fast ein Drittel der rund 160.000 Einwohner sind Migranten, viele türkische Gastarbeiter und deren Nachkommen. Auch für diese demografische Besonderheit ist Kreuzberg weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Die türkischstämmige Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf den östlichen Bereich SO 36 und hierbei den Wrangelkiez. In den letzten Jahren verändert sich die Bevölkerungsstruktur durch Gentrifizierungseffekte sehr stark.

Seit 1987 gerät Kreuzberg (SO 36) regelmäßig zum 1. Mai durch schwere Straßenschlachten in die Schlagzeilen. Ausgangspunkt der Krawalle war meist der Zusammenstoß von Teilnehmern der Mai-Kundgebungen und der Polizei. Heute hat sich die Gewalt mehr und mehr ritualisiert und ist von großer Medienpräsenz begleitet. Der ehemals politische Kontext ist nur noch schwer zu erkennen. 1987 vom Lausitzer Platz ausgehend, konzentrieren sich die Krawalle um Kottbusser Tor und Oranienplatz. An der Skalitzer Straße ging in jenem Jahr eine Filiale des Lebensmittelmarktes „Bolle“ in Flammen auf, wurde bis auf die Grundmauern zerstört, und nicht wieder aufgebaut. Auf dem Gelände wird seit 2004 ein islamisches Gemeindezentrum mit Moschee errichtet. Am Oranienplatz wurde die heute nicht mehr existierende Filiale des Discounters „Plus“ mehrmals geplündert. Seit dem Jahr 2005 ist ein Rückgang der Gewalt zu beobachten, die sich auf andere deutsche Großstädte übertragen hat (siehe: Erster Mai in Kreuzberg).

Zu Zeiten der Berliner Mauer in einer Nischenlage, ist Kreuzberg mit der Wiedervereinigung 1990 quasi über Nacht zu einem Ort im Zentrum der Hauptstadt geworden, das als Standort für Unternehmen an Attraktivität gewinnt. So ziehen jetzt viele Unternehmen und Organisationen zum Spreeufer an der Oberbaumbrücke. 1997 wurde der flächenmäßige Schwerpunkt von Berlin an der Alexandrinenstraße 12–14 /Ecke Verbindungsweg zur Wassertorstraße, mit einer – die Koordinaten enthaltenden – Granitplatte markiert.

Kreuzberger Bezirksbürgermeister (seit 1945)

  • 8. Mai 1945 – 31. Mai 1945 Nikolai Kickull
  • 1. Juni 1945 – 16. Dezember 1946 Willi Klimm
  • 17. Dezember 1946 – 9. Februar 1949 Georg Heschel (SPD)
  • 9. Februar 1949 – 13. Dezember 1962 Willy Kressmann (SPD)
  • 9. Januar 1963 – 8. Januar 1975 Günter Abendroth (SPD)
  • 9. Januar 1975 – 31. Januar 1981 Rudi Pietschker (SPD)
  • 5. Februar 1981 – 30. Juni 1981 Waldemar Schulze (SPD)
  • 30. Juni 1981 – 24. Juli 1985 Günter Funk (CDU)
  • 24. Juli 1985 – 26. April 1989 Wolfgang Krüger (CDU)
  • 26. April 1989 – 21. Oktober 1992 Günter König (SPD)
  • 21. Oktober 1992 – 24. Januar 1996 Peter Strieder (SPD)
  • 15. März 1996 – 31. Dezember 2000 Franz Schulz (Bündnis 90/Die Grünen)

Örtlichkeiten in Kreuzberg

Institutionen, Parks und Bauten

Bekannte Plätze

Bekannte Straßen

Sportvereine

Im Bezirk Kreuzberg sind – trotz seiner Größe – im Bereich Fußball die meisten Vereine der Stadt Berlin angesiedelt, obwohl der Bezirk mit nur einem Rasensportplatz, dem Katzbachstadion, relativ schwach ausgestattet ist. Alteingesessene Kreuzberger Fußballvereine sind u. a.: SC Berliner Amateure, FSV Hansa 07, BFC Südring 1935 und BSC Eintracht Südring e.V. Der erfolgreichste und wohl bekannteste Kreuzberger Fußballverein ist Türkiyemspor Berlin. Kreuzbergs multikulturelle Bevölkerungsstruktur spiegelt sich auch in dem breiten Spektrum weiterer Vereine wider, wie beispielsweise Türkspor Berlin, KSF/Umutspor, BSV Al Dersimspor, Hilalspor, FK Makedonija, Karadenizspor, SG Anadoluspor MG 1970, BFC Artvin 08 e.V. oder BSC Agrispor e.V.

Mit dem THC Franziskaner FC e.V. haben auch erklärte Kreuzberger Linke ihren Verein und im Sportverein Seitenwechsel e.V. treffen sich Frauen und Lesben.

Der SC Kreuzberg stellte mehrmals den Deutschen Meister im Schach und Eintracht Südring wurde 2001 im Badminton Deutscher Meister.

Kreuzberg im Film

  • Liebling Kreuzberg. Fünf Staffeln mit insgesamt 58 Folgen. Hauptrolle: Manfred Krug als Berliner Rechtsanwalt. Regie: Werner Masten, Deutschland, 1986–1998
  • Der kleene Punker. Regie: Michael Schaack, Deutschland, 1992
  • Prinz in Hölleland. Regie: Michael Stock, Deutschland, 1993
  • Geschwister – Kardeşler. Regie: Thomas Arslan, Deutschland 1996/1997
  • Downhill City. Regie: Hannu Salonen, Deutschland / Finnland 1999
  • Herr Lehmann. Regie: Leander Haußmann, Deutschland, 2003
  • Berliner Maifestspiele. Regie: Nives Konik, Deutschland, 2004
  • P05 Protection 05 Jugend in Kreuzberg. Regie: Nives und Marc Konik, Deutschland, 2006
  • Shootback Heimat Kreuzberg. Regie: Nives und Marc Konik, Deutschland, 2007
  • Prinzessinnenbad. Regie: Bettina Blümner, Deutschland, 2007

Siehe auch

Literatur

  • Hans W. Korfmann & Michael Hughes (Fotos): Kreuzberger. 15 Porträts, Verlag an der Spree, ISBN 3-9809951-0-0
  • Barbara Lang: Mythos Kreuzberg , Campus Verlag 1998
  • Sven Regener: Herr Lehmann, Goldmann Verlag. ISBN 3442453305
  • Jörg Sundermeier, Verena Sarah Diehl und Werner Labisch (Hsg.): Kreuzbergbuch, Verbrecher-Verlag, Berlin 2002.
  • Falk-Rüdiger Wünsch: Kreuzberg - Alte Bilder erzählen, Sutton Verlag Erfurt 1998, ISBN 978-3-89702-034-4

Weblinks

Commons
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