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Weißensee |
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| Koordinaten | 52° 33' 0" n. Br., 13° 28' 0" ö. L. | |
| Einwohner | 44.558 (31. Dez. 2006) | |
| Postleitzahlen | 13086, 13088 | |
| Ortsteilnummer | 0302 | |
| Verwaltungsbezirk | Pankow | |
| Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg | ||
Weißensee ist ein Ortsteil im Bezirk Pankow von Berlin. Bis zur Verwaltungsreform 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Weißensee.
Am 1. Januar 2001 wurde der ehemalige Bezirk Weißensee mit den ehemaligen Bezirken Pankow und Prenzlauer Berg zum neuen Verwaltungsbezirk Pankow fusioniert. Der ehemalige Bezirk Weißensee umfasste neben dem namensgebenden Ortsteil Weißensee auch die Ortsteile Heinersdorf, Blankenburg und Karow. Spricht man vom Berliner Ortsteil Weißensee, so liegt die Betonung korrekterweise auf der dritten Silbe des Wortes und nicht etwa auf der ersten. Der Name leitet sich vom Weißen See, einem Gewässer, ab.
Inhaltsverzeichnis |
Der am beinahe kreisrunden See gelegene Ort Weißensee wurde um 1230 als Straßendorf an der mittelalterlichen Heerstraße von Berlin über Weißensee, Malchow und Bernau nach Oderberg gegründet. Seine erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1313 zurück, als dem Heilig-Geist-Hospital in Berlin Rechte über vier Hufen aus „Wittense“ (niederdeutsch: heller See) veräußert wurden.
Das Dorf Weißensee entstand im 13. Jahrhundert aus dem Dorf „Wittenze“ um den Weißen See herum. Seine Existenz geht auf eine Nebenurkunde über eine Verpfändung an Conradus von Widense (vermutlich der erste Lehnschulze des Dorfes) aus dem Jahre 1242 zurück. An einer Handelsstraße, die Böhmen und Sachsen mit der Ostsee verband, wurde das Dorf Anfang des 13. Jahrhundert gegründet. Der fischreiche See bildete die Erwerbsgrundlage der ersten Bewohner. Sie siedelten sich am Ostufer des Sees an. Reste der in dieser Zeit gebauten frühgotischen Kirche sind noch heute an der Pfarrkirche Weißensee zu sehen. Katharina von Alexandrien ist die Schutzheilige dieser Pfarrkirche. Das Wappen von Weißensee bezieht sich auf das Rad, mit dem sie gerädert, und auf das Schwert, mit dem sie gevierteilt wurde. Gegenüber der Kirche befand sich ein Lehnschulzenhof. Der Ort dehnte sich mit seinen Bauern- und Kossätenhöfen in einer Länge von 500 Meter beiderseits der Dorfstraße aus.
In einer Urkunde aus dem Jahre 1313 wurde das Dorf Weißensee zum ersten Mal erwähnt. 1376 lässt der in Prag residierende Kaiser Karl IV. Weißensee wie alle Dörfer seines Herrschaftsbereichs in das „Landbuch der Mark Brandenburg“ eintragen. Im 14. Jahrhundert waren vorrangig Berliner Bürger Eigentümer oder Pächter des Dorfes.
1486 belehnt Kurfürst Johann Cicero den Berliner Gewandschneider Thomas von Blankenfelde mit einem Bauernhof und macht ihn zum ersten Gutsherren von Weißensee.
Um 1540 wurde in Weißensee ein Rittergut eingerichtet, das in der Folgezeit mehrere Male geteilt wurde und häufig seine Besitzer wechselte Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Weißensee mehrmals besetzt so z. B. 1636 und 1639 von den Schweden. Nach dem Ende des Krieges leben in Weißensee nur noch drei Familien. Erst 30 Jahre später wohnen wieder 143 Menschen. Carl Gottlob von Nüßler vereinigte 1745 die getrennten Güter und errichtete am Südufer des Sees ein schlichtes Gutshaus. Der Verleger Friedrich Nicolai, beschreibt 1786 in seinem Buch Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend folgendes: „Weißensee, ein Dorf, 1 Meile von Berlin, dem Hrn. von Schenkendorf gehörig. Es ist daselbst ein sehr schöner Garten, dem die angenehme Lage an dem großen See, von dem das Dorf den Namen hat, noch mehr Reiz gibt… Es gehet von Berlin dahin eine Allee …“
Ab 1804 begann man mit dem Bau der „Provinzial-Chaussee“ Berlin-Weißensee-Bernau. Allerdings reichten die Mittel für diese Straße nur bis Weißensee. Erste wirtschaftliche Impulse kamen mit dem Brennen von Kartoffelschnaps, durch den 1817 von Johann Heinrich Leberecht Pistorius patentierten Brennapparat
Anstelle des Gutshauses am Südufer des Sees entstand 1859 ein schlossähnliches Gebäude mit einem Park, dem heutigen Park am Weißen See. Während es alle Immobilienspekulanten Berlins nach Westen zog erwarb 1872 der Hamburger Kaufmann Gustav Adolf Schön das Gut Weißensee für 700.000 Taler, das er parzellierte und dann stückweise weiter veräußerte. Dr. Ernst Gäbler errichtete mit seiner „Gesellschaft für Mittelwohnungen“ südöstlich der „Königschaussee“ das „Französische Viertel“, ein Wohngebiet das heute „Komponistenviertel“ heißt.
Die 1872 eröffnete Berliner Ringbahn erhielt 1875 einen Bahnhof Weißensee, den heutigen S-Bahnhof Greifswalder Straße. Am 1. November 1873 fuhr der erste Pferdeomnibus vom Alexanderplatz nach Weißensee, allerdings gab das Unternehmen wegen der schlechten Straßen nach kurzer Zeit wieder auf.
1874 wurde das Schloss zu einer Vergnügungsstätte umgebaut, deren Betreiber häufig wechselten. Erst Rudolf Sternecker entwickelt das Unternehmen zu dem vielbesuchten Welt-Etablissement Schloss Weißensee, mit zwei Tanzsälen, einer Rutschbahn, Ballonfahrten, Karussells, Würfelbuden, und verschiedene Bierlokalen. Mit zu diesem Erfolg trug die Pferdeeisenbahn bei, die ab 1877 den Alexanderplatz mit Weißensee verband. Das Schloss wurde 1919 durch einen Brand zerstört.
1875 wurde ein 42 Hektar großes Areal von der Jüdischen Gemeinde zur Einrichtung eines neuen Begräbnisplatzes erworben, der 1880 eingeweiht wurde. Der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee gilt heute als der größte erhaltene jüdische Friedhof Europas. Die Namen auf den Gräbern lesen sich wie ein Streifzug durch die deutsche Geschichte.
1877 errichtete der Berliner Traber-Club auf einem an Heinersdorf grenzenden Gelände die erste Berliner Trabrennbahn. Erste Rennen fanden am 16. und 17. Juni 1878 statt und führten mehr als 12.000 Besucher nach Weißensee. Später wurde sogar eine Sonderlinie der Straßenbahn bis vor die Tore der Rennbahn geführt. Nach mehreren Umbauten und zeitweiligen Schließungen wurden die Rennen 1912 auf neue und modernere Bahnen verlegt.
Aus dem Gutsbezirk Weißensee wurde, bedingt durch sein rasches Wachstum, 1880 die Landgemeinde Neu-Weißensee, die bis 1900 bereits auf über 30.000 Einwohner wuchs.
Zwischen 1898 und 1906 wurde in mehreren Etappen die Ruthenbergschen Fabrikanlagen errichtet. Es waren von Werkstätten und Lagerräumen umschlossenen Höfe, die sich zwischen der Langhansstraße und der Lehderstraße, sowie der Behaimstraße und der Roelckestraße erstreckte. Die Mieter bekamen auch Strom, Gas und Wärme geliefert. Man kann sie zu Recht als Vorläufer der heute neu wiederentdeckten Gewerbehöfe bezeichnen. Die einzigen zwei höheren, nämlich vierstöckigen Gebäude in der Lehderstraße 16–19 beherbergten eine Goldleistenfabrik.
1901 wird die Straßenbahn auf elektrischen Betrieb umgestellt, auch die seit 1892 bestehende Zweitlinie, die durch Langhansstraße und Prenzlauer Allee zum Zentrum führt. 1905 erfolgt die Vereinigung des Dorfes Weißensee mit der Landgemeinde Neu-Weißensee zur Gemeinde Weißensee um gemeinsam das Stadtrecht zu beantragen.
Die Bethanienkirche auf dem Mirbachplatz wird 1902 von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria eröffnet. 1906 wurde das Amtsgericht, erbaut „im Stile deutscher Renaissance mit gotischen Motiven“, eingeweiht.
Um weitere Industriebetriebe im Norden Berlins anzusiedeln, wurde beschlossen, eine Industriebahn zu bauen, Sie sollte Friedrichsfelde im Osten mit dem Tegeler Hafen im Westen verbinden und berührte auch Weißensee. Nach ihrer Eröffnung 1908 konnten nun auch Großbetriebe hier tätig werden.
Die Gemeinde erwirbt das Schloss und die Parkanlage mit dem See und machte ihn der Öffentlichkeit zugänglich. Mit der Errichtung des sog. Gemeindeforums am Kreuzpfuhl wurde um 1910 der gewachsenen Kommune ein repräsentatives, parkartig gestaltetes Zentrum gegeben. In dem Gebäude hat der Frei-Zeit-Haus e.V. seine Heimat gefunden. Das Gemeindeforum und die Wohnhäuser Woelckpromenade 2–7, auch bekannt unter Munizipalviertel, sind eine auch heute noch anerkannte städtebauliche und architektonische Meisterleistung des Architekten Carl James Bühring.
1910 sucht die Gemeinde erneut um das Stadtrecht nach, wird aber wie beim ersten Mal abgelehnt. Eine leider inzwischen in Vergessenheit geratene Einrichtung ist das 1911 eröffnete erste kommunale Säuglings- und Kinderkrankenhaus Preußens, das sich in der Kniprodeallee, der heutigen Hansastraße befindet. Es besaß damals einen eigenen Kuhstall.
Eines der bekanntesten Cafés in Weißensee, das Milchhäuschen öffnete 1911 als kommunaler Betrieb. Um die Kühlanlage des 1906 gebauten Elektrizitätswerkes zu verdecken, wurde 1912 die Seebrücke erbaut. Hans Schellhorn schuf die beiden Skulpturen, die die Seebrücke zu „bewachen“ scheinen.
In der Zeit zwischen 1913 und 1929 wurden in Weißensee zahlreiche Filme produziert, u. a. Das Cabinet des Dr. Caligari. Zahlreiche Produktionsfirmen verlegten ihren Sitz nach Weißensee. 1929 eröffnete in der Gustav-Adolf-Straße das Kino Delphi. Allein um den Antonplatz gab es sieben weitere Kinos.
1920 wurde Weißensee mit Hohenschönhausen, Malchow, Falkenberg und Wartenberg zum 18. Verwaltungsbezirk von Berlin. Die Planschwiese, die sich gegenüber der Seebrücke befindet, wurde 1920 angelegt um eine Bademöglichkeit für Kinder zu schaffen. 1928 fiel der älteste Gasthof „zum grünen Baum“ einer Straßenverbreiterung der Berliner Allee zum Opfer.
In den zwanziger Jahren setzten umfangreiche Wohnungsbauprojekte ein, um den Zustrom nach Weißensee bewältigen zu können. So entstand nach 1925 in der Buschallee von Bruno Taut ein in sich geschlossenes Ensemble. 1929 war auch geplant Weißensee an das U-Bahn-Netz anzuschließen, aber Geldmangel verhinderte das Projekt und rettete so die alte Dorfkirche, da an dieser Stelle eine Station entstehen sollte.
Durch die Teilung Berlins wurde Weißensee 1945 Bestandteil des sowjetischen Sektors. In der Folgezeit hieß er bis zur Wiedervereinigung 1990 Stadtbezirk Berlin-Weißensee.
1955 erwachte das Gelände der Trabrennbahn für kurze Zeit zu neuem Leben als Radrennbahn. Ein umfangreicher Wohnungsbau setzte ein um die Spuren des Krieges zu verwischen: 1959 entstand das Wohngebiet am Hamburger Platz, 1967 an der Else-Jahn-Straße und 1975 entstand das Gebiet Falkenberger Straße Süd. Das erste Weißenseer Blumenfest wurde 1963 gefeiert und war seitdem fester Bestandteil des Sommerausklanges in Weißensee. Vor einigen Jahren wurde der Termin auf Juni verlegt. 1967 wurde das Milchhäuschen wegen Baufälligkeit abgerissen und in seiner jetzigen Form wieder aufgebaut.
Der Bezirksteil Hohenschönhausen wurde 1985 nach umfangreichen Wohnungsneubauten ein eigenständiger Bezirk. Zum 1. Januar 1986 wurden die Ortsteile Blankenburg, Heinersdorf und Karow vom Bezirk Pankow dem Bezirk Weißensee zugeordnet. Deren alten Ortsteile stammen aus der gleichen Zeit wie Weißensee.
In den 1990er Jahren wurde im Ortsteil Karow das neue Wohngebiet „Karow Nord“ gebaut. Es entstand Wohnraum für ca. 20.000 Menschen.
Zwischen den Ortsteilen Heinersdorf und Blankenburg befindet sich eine der größten zusammenhängenden Kleingartenanlagen in Deutschland. Sie ermöglicht vielen Berlinern ein Entspannen am Wochenende auf der eigenen Parzelle.
Bis zu seiner Auflösung war der Bezirk Weißensee der bevölkerungsärmste Teil Berlins. Durch die Verwaltungsreform verlor er 2001 seine Eigenständigkeit und ist nun als Ortsteil neben den ehmemals dazugehörenden Dörfern Bestandteil des neuen Berzirks Pankow.
Zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen in Berlin-Weißensee gehören:
Der Weißenseer FC ist ein traditionsreicher Fußballverein, gegründet 1900.
Am Stadion Buschallee gleich neben dem Faulen See befindet sich der Tennisclub Berlin-Weißensee e.V.
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