Bernd Rabehl

Bernd Rabehl (* 30. Juli 1938 in Rathenow) ist ein deutscher Autor und war eines der bekanntesten Mitglieder des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bernd Rabehl (zweiter von rechts) als Teilnehmer bei einer Podiumsdiskussion auf dem „Pressefest der Deutschen Stimme“ am 5. August 2006 in Dresden-Pappritz. Links sitzt der NPD-Vorsitzenden Udo Voigt und daneben der JN-Bundesvorsitzenden Stefan Rochow
Bernd Rabehl (zweiter von rechts) als Teilnehmer bei einer Podiumsdiskussion auf dem „Pressefest der Deutschen Stimme“ am 5. August 2006 in Dresden-Pappritz. Links sitzt der NPD-Vorsitzenden Udo Voigt und daneben der JN-Bundesvorsitzenden Stefan Rochow

1960 nahm er für zwei Semester ein Studium der Agronomie an der Humboldt-Universität in Ostberlin auf, ging allerdings noch vor dem Mauerbau nach West-Berlin und begann dort Soziologie und Philosophie zu studieren. Als Fluchthelfer schleuste er nach dem Mauerbau Freunde und Bekannte aus der DDR. Damit und auch mit seinen politischen Schriften handelte er sich ein langjähriges Einreiseverbot in den Ostblock ein. Rabehl war in den sechziger Jahren ein enger Freund und Wegbegleiter Rudi Dutschkes. 1965 trat er zusammen mit Dutschke dem SDS bei. 1967/68 war er im Bundesvorstand des SDS tätig.

1973 schloss er seine Dissertation ab. In den 70er Jahren war er Mitglied der Redaktionskonferenz der Zeitschrift „Probleme des Klassenkampfs“ und des Rotbuchkollektivs. Zwischen 1973 und 1984 arbeitete er zunächst als Mitarbeiter und Dozent am Soziologischen Institut der Freien Universität Berlin. Er lehrte und forschte viele Jahre am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung (ZI 6), zuletzt am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Ferner war er mehrere Jahre als Gastprofessor an der Bundesuniversität von Campina Grande (Brasilien) tätig. Neben zahllosen Artikeln veröffentlichte er mehrere Monografien zu Marxismus und Arbeiterbewegung. Nach dem Zusammenbruch der DDR arbeitete er im Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin unter anderem zur Einflussnahme des MfS auf den SDS.

Zusammen mit Siegwart Lönnendonker und Jochen Staadt veröffentlichte er in diesem Zusammenhang Beiträge zu einer Geschichte des SDS. Hier stellte er die Verschiedenheit der Interessen von Flüchtlingen aus der DDR und Westlern im SDS heraus. Rudi Dutschkes Hauptinteresse habe demnach nicht wie bei den Westlern dem „Internationalismus“, sondern der „Deutschen Frage“ gegolten. Deutschland sei für Dutschke und andere „DDR-Abhauer“ im SDS ein von den Besatzungsmächten in Unfreiheit gehaltenes Land gewesen.

Ende 1998 hielt Bernd Rabehl eine Rede vor der Burschenschaft Danubia. Dort warnte er unter anderem vor einer kulturellen „Überfremdung“, die bürgerkriegsähnliche Zustände und Terrorismus in die westlichen Gesellschaften bringen könnte. Über Horst Mahler gelangte die Rede an die Wochenzeitung Junge Freiheit und wurde dort unautorisiert veröffentlicht. Den Redetext selbst bestritt Bernd Rabehl nicht, in der Folge schrieb er weiterhin zu verschiedenen Themen in der „Jungen Freiheit“.

Aufgrund dieser Tatsachen und seiner provokanten Thesen zur Revolte von 68 wurde Rabehl ein „Rechtsruck“ vorgeworfen. In einem Interview mit der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ sagte er dazu: „In letzter Konsequenz bin ich meinem Denken von damals treu geblieben, nur daß sich inzwischen die politischen Positionen verschoben haben. Was früher als ‚links‘ angesehen wurde, gilt heute als ‚rechts‘.“

Das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin versuchte ihm als Reaktion auf dieses Interview die Lehrbefugnis zu entziehen. Als sich dies als unmöglich herausstellte, beschloss das Institut, ihm keine Lehraufträge mehr zu erteilen und ihn nicht mehr an Prüfungen teilnehmen zu lassen. Die Rechtsabteilung der Universität erwirkte aber, Lehrveranstaltungen Rabehls wieder zuzulassen. Allerdings fanden sie außerhalb des prüfungsrelevanten Kanons statt.

Nachdem ihn die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung ohne Anhörung von seiner Funktion als Vertrauensdozent entband, verließ er 2000 den DGB und schloss sich später dem Deutschen Handels- und Industrieangestellten-Verband (DHV) im CGB an. Aus diesem wurde er 2005 ausgeschlossen.

Seit 2005 trat Bernd Rabehl mehrfach bei Veranstaltungen der NPD auf. In Interviews sagte er dazu, er plane eine wissenschaftliche Arbeit über die NPD und wolle sich auf diese Weise seinem Forschungsobjekt nähern. Bei der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft 2007 kandidierte Rabehl auf dem 6. Listenplatz der rechtskonservativen Liste Bremen muß leben von Joachim Siegerist erfolglos für das Bremer Landesparlament.

Bernd Rabehl ist pensioniert und lebt als freier Autor in Berlin.

Publikationen

  • Notizen zum Problem: Marxismus und Nationalismus. o. O., o. J.
  • Von der antiautoritären Bewegung zur sozialistischen Opposition. In: Uwe Bergmann u. a. (Hrsg.): Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition. Reinbek 1968
  • Parlamentarismusdebatte 2, Die DKP eine neue sozialdemokratische Partei. Underground Press 1969
  • Marx und Lenin. Berlin 1973
  • Geschichte und Klassenkampf. Berlin 1973
  • Preobrashenskijs Theorie der „neuen Ökonomik“ beim Aufbau des Sozialismus. In: E. Preobrashenskij: Die sozialistische Alternative: Berlin 1974
  • Der „neue“ Staat und die Keimformen einer „neuen“ Klasse in der Sowjetunion. In: Rudi Dutschke u. a. (Hrsg.): Die Sowjetunion, Solschenizyn und die westliche Linke. Reinbek 1975
  • Die Kontroverse innerhalb des russischen Marxismus über die asiatischen und westlich-kapitalistischen Ursprünge der Gesellschaft, des Kapitalismus und des zaristischen Staates in Russland. In: Karl Marx: Die Geschichte der Geheimdiplomatie des 18. Jahrhunderts. Berlin 1977
  • Auf dem Wege in die nationalsozialistische Diktatur. In: M. Scharrer (Hrsg.): Kampflose Kapitulation. Hamburg 1984
  • Demokratisierung als Redemokratisierung. In: Liberal: Heft 1, Berlin 1984
  • (u. a.:) Arbeiterbewegung, Populismus und neue soziale Bewegungen. In: Rolf Ebbighausen u. a. (Hrsg.): Das Ende der Arbeiterbewegung in Deutschland. Opladen 1984
  • Bedeutung der Bundesassistentenkonferenz aus der Sicht der Studentenbewegung. In: S. Freyer, U. Groß und C. Oehler (Hrsg.): Wissenschaftlicher Nachwuchs ohne Zukunft. Kassel 1986
  • Marxismus heute, toter Hund oder Pudels Kern?. Frankfurt am Main 1986
  • (u. a.:) Provokationselite. Manuskript, Berlin 1986
  • „Geschichte wird gemacht, es geht voran“. In: Verein Kritische Sozialwissenschaft und Politische Bildung (Hrsg.): Linke Spuren. Wien 1987
  • Der Sozialistische Deutsche Studentenbund. In: Haus der Gewerkschaftsjugend (Hrsg.): Zwischen Kooperation und Konfrontation. Marburg 1988
  • Am Ende der Utopie. Berlin 1988
  • National-revolutionäres Denken im antiautoritären Lager der Radikalopposition von 1961 bis 1980. In: Junge Freiheit 18. Dezember 1998, wir selbst 3-4/1998, Mitteilungen der Gesellschaft für Kulturwissenschaft, Juni 1999
  • Feindblick, Der SDS im Fadenkreuz des „Kalten Krieges“. Berlin 2000.
  • Rudi Dutschke. Antaios, Dresden 2002
  • (u. a.:) Die antiautoritäre Revolte. Wiesbaden 2002

Weblinks

Quellen


Quelle:
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