Die Bertillonage ist die Bezeichnung für ein von Alphonse Bertillon entwickeltes anthropometrisches System zur Identifizierung von Personen.
Das in den Jahren 1879 bis 1880 von Bertillon entwickelte System wurde zu seinen Ehren später Bertillonage genannt. Es basierte auf den folgenden Annahmen:
Zur eindeutigen Identifizierung einer Person legte Bertillon die folgenden 11 Körpermaße fest:
Das Risiko einer Verwechslung betrug bei korrekter Abnahme der Maße 1 zu 191.304.
Die erste Identifizierung eines rückfällig gewordenen Straftäters anhand seiner Körpermaße gelang Bertillon am 20. Februar 1883. Bis zum Jahre 1905 konnte die Pariser Polizei insgesamt 12.614 rückfällige Straftäter durch die Bertillonage identifizieren.
Das System wurde jedoch innerhalb von zwei Jahrzehnten in den meisten amerikanischen und europäischen Nationen abgelöst, nachdem sich die Daktyloskopie durchsetzte. Bemerkenswerterweise konnte Bertillon selbst jedoch 1902 die erste Identifizierung eines Mörders innerhalb Europas anhand seiner Fingerabdrücke durchführen. Doch auch diese Tatsache ließ ihn weiterhin am Nutzen der Daktyloskopie zweifeln. Zuletzt wurde die Bertillonage auch in Frankreich nach Bertillons Tod im Jahre 1914 aufgegeben.
Die Bertillonage ist der Daktyloskopie aus verschiedenen Gründen unterlegen. Das System ist sehr komplex und damit fehleranfällig. Die Möglichkeit von Verwechslungen konnte auch bei Abnahme von 11 Körpermaßen nicht zu 100 % ausgeschlossen werden (tatsächlich konnte zumindest eine Verwechslung zweifelsfrei nachgewiesen werden). Für die Abnahme der Maße waren teure Spezialmeßgeräte und viel Zeit nötig. Auf Grund dieser Mängel setzte sich die einfachere und quasi unfehlbare Daktyloskopie sehr schnell durch.
Einige Elemente der Bertillonage sind jedoch bis heute im kriminalpolizeilichen Erkennungsdienst erhalten geblieben. So bildeten die von Bertillon unterschiedenen Gesichtsformen und Nasenformen z.T. die Basis für die Schaffung von Phantombildern.