Bettlerpfad

Der Bettlerpfad ist ein historischer Wanderweg, der von Merzhausen bei Freiburg im Breisgau durch das Hexental und den Norsinger Grund nach Badenweiler im Markgräflerland führt. Seine gesamte Länge beträgt etwa 27 km. Er lässt sich in fünf Etappen von unterschiedlicher Länge und Steigung einteilen und verläuft größtenteils durch wunderschöne Kultur- und Naturlandschaft, sowie sehenswerte Ortschaften (s.u.). Aufgrund seiner Exposition auf Freiflächen ergibt sich oft eine wunderbar weite Aussicht.


Inhaltsverzeichnis

Geschichtliches

Gedenkkreuz am Hauerhof
Gedenkkreuz am Hauerhof

Die Herkunft des Namens ist nicht vollständig geklärt. Hierfür liegen verschiedene Theorien vor:

Eine Theorie besagt, dass der Weg um 900 n. Chr. von Mönchen des Bettelordens zu Freiburg genutzt wurde, die sich von Zeit zu Zeit auf den Weg durchs Markgräflerland machten, um zu betteln. Darüber hinaus wird vermutet, dass Eremiten entlang des Weges lebten, die ihren Lebensunterhalt bei der Landbevölkerung erbetteln mussten.

Eine andere Version (und die ist die wahrscheinlichste) behauptet, dass ein Handwerksgeselle, der 1870/1871 des Winters auf dem Weg nach Freiburg war, kurz hinter Wittnau, also ungefähr zwei Kilometer vor dem Ziel, von der Dunkelheit überrascht wurde und die Orientierung verlor. Aufgrund seiner Erschöpfung übermannte ihn der Schlaf. Am nächsten Morgen wurde er von Bauern aus dem nahe gelegenen Hauerhof tot aufgefunden. Diese hatten am Abend zuvor den Wachhund bellen hören, sich aber nichts dabei gedacht. In Gedenken an den verstorbenen Wanderer erstellten sie ein Gedenkkreuz, das heute noch zu sehen ist.


Der Bettlerpfad ist etwa seit den 1930er Jahren als Wanderweg ausgewiesen. Eine nennenswerte Veränderung wurde im Jahre 2003 vorgenommen, als im Bereich des Norsinger Grundes der historisch originalgetreue Weg wieder begehbar gemacht wurde. Aus verschiedenen Gründen wurde dort der eigentliche Bettlerpfad vor mehreren Jahrzehnten auf einen Waldweg (das sog. Wiiwegli ) verlegt. Durch Kooperation der Gemeinde Ehrenkirchen, auf deren Gemarkung sich der Norsinger Grund befindet, des Schwarzwaldvereines und der ansässigen Landwirte ist es nun wieder möglich den historischen Pfad zu bewandern.

Die einzelnen Etappen

Die gelbe Raute dient als Wegweiser
Die gelbe Raute dient als Wegweiser

Der Bettlerpfad lässt sich entweder am Stück oder in mehreren Etappen erwandern. Generell ist der gesamte Weg hervorragend beschildert. Neben Wegweisern, die Kilometerangaben enthalten, kann man sich an der gelben Raute orientieren, die an Kreuzungen und Gabelungen den Bettlerpfad markiert.



Von Merzhausen nach Wittnau

Ca. 3 km, mäßige Steigung.

Bettlerpfad zwischen Au und Wittnau
Bettlerpfad zwischen Au und Wittnau

Der Weg beginnt inmitten der an Freiburg im Breisgau angrenzenden Gemeinde Merzhausen. Von dort aus steigt der Weg zunächst recht steil an um dann etwas abzuflachen. Er führt am Hauerhof mit dem Gedenk-kreuz vorbei durch die Gemeinde Au. Mit Blick auf den Hochschwarzwald geht es an Streuobstwiesen und kleinen Flurstücken vorbei nach Wittnau hinein.


Von Wittnau nach Bollschweil

ca. 4 km, geringe Steigung.

Blick vom Bettlerpfad auf Sölden
Blick vom Bettlerpfad auf Sölden

Läuft man in Wittnau an Rathaus und Kirche vorbei, so gelangt man auf eine unbefestigte Straße, die zwischen Weinreben rechterhand und Grünfläche linkerhand vorbei in Richtung des Ortes Sölden führt. Der Weg führt am westlichen Ende dieser Ortschaft vorbei in einen Talgrund hinab und von dort aus weiter zu einer kleinen Mariengrotte. Danach verläuft der Bettlerpfad leicht ansteigend in die Ortschaft Bollschweil. Gleich am Ortseingang befindet sich der Friedhof, auf dem Marie-Luise Kaschnitz begraben liegt. Ihre Familie stammt aus Bollschweil, weswegen sie zeitweise auch hier lebte. Das Grab kann auf dem Friedhof besichtigt werden. Durch das Neubaugebiet des Ortes und über das Anwesen der Familie von Holzing-Berstett hinweg (Elternhaus von Marie-Luise Kaschnitz) führt der Weg hinüber in Richtung Staufen.

Von Bollschweil nach Staufen

ca. 7,5 km, mäßige Steigung.

Dies ist die längste der fünf Etappen. Lässt man Bollschweil hinter sich, so begibt man sich auf einen Weg, der zwischen Feldern hindurch auf ein Waldstück zusteuert. Der Pfad läuft einen knappen Kilometer durch diesen Laubmischwald hindurch, um dann an einem Waldspielplatz vorbei in einen unbefestigten Grasweg im Freien zu münden. Dieser schlängelt sich an einer direkt an einem Bach gelegenen Mariengrotte vorbei und steigt gleich darauf ganz leicht zum Lehenhof an. Der Bauernhof, der seit 400 Jahren urkundlich bestätigt ist, liegt etwas verborgen am Waldrand. Die Legende will es, dass hier einst Karl May mit seinem guten Freund Friedrich Ernst Fehsenfeld einkehrte, um gemeinsam mit Ehrenkirchener Honoratioren zu jagen und fröhliche Abende zu verbringen. An diesem Bauernhof geht es vorbei und somit wieder in den Wald hinein in Richtung des Norsinger Grundes, der auch bald erreicht wird. Hier trennt sich, wie oben beschrieben, der historische Originalpfad von der vor Jahrzehnten festgelegten Strecke. Beide sind begehbar und haben ihre Reize: Während man auf dem originalgetreuen Pfad über Wiesen und Äcker in den Spuren der damaligen Wanderer und Bettler läuft, führt der abwechslungsreiche Waldweg an einer alten Grabstätte mit freigelegten Alemannengräbern aus dem siebtem Jahrhundert vorbei. Um diese besuchen zu können, muss man den Bettlerpfad allerdings für kurze Zeit verlassen. Wenig später vereinen sich die beiden Varianten wieder zu derselben Strecke und man erreicht ca 2,5 km später den nördlichsten Ausläufer der Gemeinde Staufen an der St. Gotthard-Kapelle. Von hier aus hat man eine fantastische Aussicht bis hinab in die Rheinebene, evt. sogar bis in die Burgundische Pforte. Folgt man dem Weg weiter, so lässt man den Staufener Schlossberg rechts liegen und kommt nach etwa einem Kilometer in die Stadt mit ihrem historischen Stadtkern.


Blick auf den Schlossberg in  Staufen
Blick auf den Schlossberg in Staufen

Von Staufen nach Sulzburg

ca. 6 km, mäßige Steigung.

Auf der Südseite des Marktplatzes in Staufen befindet sich ein Wegweiser, der die Richtung für diese Etappe vorgibt. Man verlässt die Altstadt auf der Hauptstraße und überquert den Fluss Neumagen über eine gusseiserne, 1871 erbaute Brücke. Nachdem man den Bonnevilleplatz hinter sich lässt, gelangt man über Felder in das Neubaugebiet von Grunern. Kurz hinter dem Friedhof von Grunern hat man eine großartige Sicht zurück auf Staufen im Norden und auf den Belchen im Westen. Der Weg führt auf einer asphaltierten Rebstraße vorbei am Fohrenberg und nach einem Parkplatz erreicht man rechter Hand den Castellberg, auf dem bereits in den Jahren 43 bis 70 n. Chr. die Römer siedelten. Zum Marktplatz von Sulzburg und Ziel dieses Abschnittes gelangt man über das sog. Himmelreich mit guter Aussicht auf Sulzburg und der Klosterkirche St. Cyriak.

Von Sulzburg nach Badenweiler

ca. 6,5 km

Literatur

  • Werner Kästle: Der Bettlerpfad. Schillinger Verlag, Freiburg im Breisgau 2003, ISBN 3-89155-285-8.

Weblinks

Wissenswertes/Impressionen rund um den Bettlerpfad

Impressionen vom Hauerhof

Der Schwarzwaldverein

Quelle:
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