Bewusstseinserweiterung ist ein Begriff, der auf sehr unterschiedliche Weise verwendet werden kann. Er bezeichnet zum einen eine über das alltägliche Bewusstsein hinausgehende Erfahrung, die sich durch eine Veränderung des Bewusstseinszustandes oder das subjektive Gefühl einer größeren Einsichts- oder Wahrnehmungsfähigkeit auszeichnet. Zum Teil werden auch Berichte von Phänomenen damit bezeichnet, die von Betroffenen als „außersinnliche Wahrnehmung“ oder „außerkörperliche Erfahrung“ bzw. als Erfahrungen der Ich-Entgrenzung (mit Gefühlen der "Grenzenlosigkeit" und der "All-Einheit") beschrieben werden. Grundsätzlich sind alle bewusstseinserweiternden Erfahrungen subjektiv, d.h. sie sind einer wissenschaftlichen Untersuchung in der Regel nicht zugänglich (vgl. Qualia) und haben über ihren Erlebniswert hinaus keine objektiv diskutierbare Bedeutung. Das Persistieren „bewusstseinserweiterter“ Zustände kann aus medizinischer Sicht unter Umständen mit Krankheitswert behaftet sein.
In einem erweitertem Sinn kann Bewusstseinserweiterung auch eine Veränderung der eigenen Wahrnehmung, Standpunkte und Einschätzungen durch Lernprozesse und Selbstreflexion bezeichnen.
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Meditation und andere mentale Praktiken können zu dem Eindruck einer Erweiterung des Bewusstseins führen. Schritte sind: bewusst werden über das eigene Selbst und dessen Verbindung zum Ganzen (Kosmos), die Identifikationen des eigenen Selbst, unabhängig werden von Gedanken und Prägungen, Blockaden auflösen. Ziel ist letztendlich Erleuchtung, was mit dem Empfinden umschrieben werden kann, das Abgetrenntsein als Individuum vom Ganzen, überwunden zu haben.
Einige Drogen (diverse Pilzarten oder Kräuter, LSD, Hanf, Ecstasy) zeigen bei bewusster und zielgerichteter Einnahme eine scheinbar bewusstseinserweiternde Wirkung. Derartige Substanzen werden als schamanische Technik spirituell und als psycholytische Psychotherapie therapeutisch eingesetzt. Andererseits werden Drogen häufig lediglich als Flucht vor der Realität missbraucht. In vielen Ländern ist der Einsatz von Drogen verboten. In Deutschland ergeben sich entsprechende Verbote aus dem Betäubungsmittelgesetz.
Das Gefühl der Bewusstseinserweiterung ist auch möglich im Rahmen der Über- oder Unterproduktion von körpereigenen Botenstoffen, die bei körperlicher Anstrengung, monotonen Rhythmen, extremer Freude, Dehydrierung, Unterzuckerung u.ä. produziert bzw. gehemmt werden. Darunter fallen zum Beispiel Flow-Gefühle beim Sport, Discobesuch und Techniken im islamischen Sufismus.
Stanislav Grof entwickelte das Holotrope Atmen als Alternative zur LSD-Therapie und zur angeblichen Erreichung erweiterter Bewusstseinszustände.
Eine ungefährlichere Möglichkeit der Herbeiführung des Eindrucks einer Bewusstseinserweiterung ist die Verringerung äußerer Reize (Reizdeprivation); sie wird von Mönchen in Tibet angewandt. Die Dunkelheit und Abgeschiedenheit tiefer unterirdischer Kammern reduziert die Stimulation des sensorischen Systems. Besucher der Pyramiden von Ägypten berichten ebenfalls von derartigen Effekten. In der absoluten Dunkelheit und Stille soll es innerhalb kürzester Zeit zu einer ungewohnten Weite des visuellen Gedankenflusses kommen. Das gewöhnliche Weiterproduzieren der Neurotransmitter verursacht eine Sensibilisierung aller Sinne und auch des Gehirns. Der Isolationstank verhindert zusätzlich die sensorische Stimulation durch das eigene Körpergewicht und unterstützt den Eindruck der Bewusstseinserweiterung.
Psychologie und medizinische Psychiatrie verstehen Bewusstseinserweiterung als einen Begriff, der für sehr viele unterschiedliche seelische Phänomene verwendet wird. Er wird synonym mit Bewusstseinsveränderung für Veränderungen der sinnlichen Wahrnehmung, der Orientierung über Ort und Zeit, der Affektivität und der Libido, des assoziativen Denkens sowie der Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit interpretiert. Solche Erfahrungen werden dann, wenn sie außergewöhnlich und vorübergehend sind, im Rahmen dieser Wissenschaften als „Bewusstseinserweiterung“ bezeichnet. Sind solche Veränderungen nicht vorübergehend, sondern permanent, werden sie im westlichen Kulturkreis von Medizinern gewöhnlich als seelische Störung begriffen und dem Aufgabenfeld der Psychiatrie zugerechnet.