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Das Bildungssystem in Finnland wird durch ein Schulgesetz und in Verordnungen festgehalten. Die Regierung beschließt die nationalen Ziele und Stundentafeln. Die Rahmenpläne und Standards werden vom Zentralamt für Unterrichtswesen (finn. Opetushallitus) vorgegeben. Oberste Schulbehörde in Finnland ist das Bildungsministerium. Das Bildungssystem gilt als besonders vorbildlich und beschert den Finnen ein hohes Ausbildungsniveau. In Finnland gibt es keine spezielle Aufsichtsbehörde. Die Koordinierung und Sicherstellung der Qualität obliegt den Bildungseinrichtungen selbst. Gesetzlich festgesetzte Ziele und die statistische Erhebung ermöglichen eine effiziente Kontrolle über die Qualität.
Besonders hervorzugehen ist die niedrige Analphabetenrate in Finnland. Diese war bereits im 20. Jahrhundert mit weit unter 1% die niedrigste weltweit.
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In Finnland gibt es seit 1921 eine allgemeine Lernpflicht. In den 1960er Jahren wurde in Finnland teilweise das Schulsystem der DDR übernommen ohne dessen Züge zur Uniformität und die Ideologisierung. 1968 entschied sich die parlamentarische Mehrheit für ein integriertes Schulsystem. Zwischen 1972 und 1977 wurden Einheits- bzw. Gemeinschaftsschulen (siehe weiter unten unter "Gesamtschulen") mit den Klassenstufen 1 bis 9 eingeführt. Ab 1980 wurde eine „klassenlose“ gymnasiale Oberstufe eingeführt. Durch die Einführung der neuen Lehrpläne 1994 wurde die Verantwortlichkeit der Kommunen und Schulen gestärkt. Gleichzeitig wurde die schulische Evaluation eingeführt und die Schule für die Informationsgesellschaft geöffnet. Neben dem regulären Schulbetrieb werden landesweite Fortbildungs- und Schulprojekte für Fremdsprachenvielfalt, Mathematik und Naturwissenschaften sowie Förderung der Lesekompetenz durchgeführt. Seit 1998 regelt das Gesetz den heutigen Gesamtschulunterricht.
Das finnische Bildungssystem gilt nach der so genannten PISA-Studie als das beste weltweit. Als Gründe für diesen Erfolg werden im besonderen die individuellen Förderungsmaßnahmen, die Autonomie der Schulen und die wirkungsvollen Qualitätskontrollen genannt. Zu den guten Ergebnissen trägt aber auch die äusserst restriktive Immigrations- und Flüchtlingspolitik des Landes bei.
Ein zentrales Ziel ist es, die Bildungsmöglichkeiten für alle Bürger, unabhängig von Alter, Wohnort, wirtschaftlicher Situation, Geschlecht oder Muttersprache, zu gewährleisten. Der Unterricht ist dabei ebenso kostenlos wie soziale Leistungen, warmes Schulessen, Unterrichtsmaterial, Schulbücher für den Vorschulunterricht (Lernmittelfreiheit). Auch der Schülertransport wird vom Bildungsträger gewährleistet.
Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2001 gibt Finnland 5,8% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Bildung aus. Bereits 2005 sind es 6,4%. Pro Jahr und Schüler investieren die Finnen im Primarbereich knapp 5.000 US-Dollar. In Deutschland werden zum Vergleich etwa 4,6% des BIP [1]für die Bildung investiert. Im Gegensatz zu Deutschland gibt Finnland mehr Geld für den Primarbereich aus. In Finnland hat eine Schulklasse eine durchschnittliche Klassenstärke von 14,8 Schülern. In den ländlichen Gebieten im Norden und Nordosten gibt es häufig Klassen mit weniger als 10 Schülern.
In Finnland gibt es etwa 4000 Schulen mit insgesamt etwa 580.000 Schülern. An den finnischen Universitäten studieren etwa 150.000 Studenten (Ausländeranteil: 2,5 %) mit dem Ziel eines Studienabschlusses. An den finnischen Fachhochschulen sind es etwa 114.000 Studenten. (Stand: 2000)
| Akademisch | Berufsbildend | Alter | |
|---|---|---|---|
| Doktor Tohtori |
Berufsleben | ||
| Lizenziat Lisensiaatti |
|||
| Master Maisteri |
|||
| Bachelor Kandidaatti |
Fachhochschule Ammattikorkeakoulu |
Berufsleben | |
| Abitur Ylioppilastutkinto |
Berufsfachschule Ammattikoulu |
18-19 | |
| Gymnasium Lukio |
17 | ||
| 16 | |||
| Gesamtschule Peruskoulu |
15 | ||
| 14 | |||
| 13 | |||
| 12 | |||
| 11 | |||
| 10 | |||
| 9 | |||
| 8 | |||
| 7-8 | |||
| Vorschule Esikoulu | 6-7 | ||
Nach der vorschulischen Erziehung ist das Bildungssystem in Finnland in drei Stufen aufgeteilt:
Jedes finnische Kind hat bis zum Alter von drei Jahren Anspruch auf einen Kinderkrippenplatz. Der Anspruch ist freiwillig. Eltern, die ihre Kinder selbst zu Hause betreuen, werden dafür finanziell belohnt. Für die Betreuung von Kindern stehen von Geburt bis zum 6. Lebensjahr Kindertagesstätten zur Verfügung. Die allgemeine Schulpflicht beginnt in dem Jahr, in dem das Kind das 7. Lebensjahr vollendet hat und endet nach neun Jahren mit der Gesamtschule.
Seit 1999 wird die Gesamtschule nicht mehr in sechs Unter- und drei Oberstufenklassen eingeteilt. Stattdessen wird in den ersten sechs Jahren der Unterricht von Klassenlehrern geleitet (in etwa 3000 Schulen), in den letzten drei Jahren von Fachlehrern (in etwa 600 Schulen). Es gibt verbindliche Bildungsziele und Bewertungskriterien, die vom Finnish National Board of Education festgelegt werden. Die Gemeinden und Schulen erstellen auf dieser Grundlage dann einen Lehrplan. Lehrer haben die Freiheit, eigene Lehrmaterialien einzusetzen und den Unterricht nach ihren eigenen Lehrmethoden zu gestalten. Es gibt keine Bewertung in Form von Noten von der ersten bis vierten Klasse. Ab der fünften darf benotet werden, erst ab der siebten müssen Noten vergeben werden. Mindestens einmal im Jahr erhält jeder Schüler einen Bericht. Eine bestandene Abschlussprüfung der Gesamtschule ist die Voraussetzung für jegliche weitergehende Bildung[2]. Nach neun Jahren kann fakultativ ein 10. Schuljahr besucht werden. Großer Wert wird auf Fremdsprachen und Sonderunterricht gelegt.
Nach dem Ende der Schulpflicht bestehen im wesentlichen zwei Bildungswege. Übergänge in beide Richtungen sind dabei möglich.
In der allgemeinbildenden Sekundarstufe II werden die Schüler nach einer Aufnahmeprüfung drei weitere Jahre unterrichtet und in einem Kurssystem bis zum Abitur geführt. Man kann allerdings auch zwischen zwei und vier Jahren dafür in Anspruch nehmen. Über 90 Prozent aller Jugendlichen in Finnland (in Deutschland 43,1 % vgl. Abiturientenquote) erhalten das Abiturzeugnis (Ylioppilastutkinto) wobei der Anteil der Mädchen bei 60 Prozent liegt. Bei Nichtbestehen gibt es die Möglichkeit einer Wiederholungsprüfung (Uusinta). Die Abiturprüfung wird in Finnland zentral organisiert. Die Abiturprüfung umfasst obligatorisch die Muttersprache, eine Fremdsprache, Mathematik oder ein Fach aus der Geistes- oder Naturwissenschaft.
Der Weg der berufsbildenden Sekundarstufe II kann im Rahmen einer Berufsausbildung oder einer Lehre absolviert werden. In sieben verschiedenen Sektoren werden Berufsqualifikationen angeboten. Dazu zählen: Technik und Verkehr, Handel und Verwaltung, Naturressourcen, Ernährung und Wirtschaft, Soziales und Gesundheit, Kultur und Freizeit/ Sport.
Jede Berufsausbildung umfasst mindestens 20 Studienwochen Ausbildung am Arbeitsplatz sowie Kurse in den Kernfächern sowie Wahlfächer. Träger der beruflichen Bildung sind 55 Gemeinden, 70 Verbände, 95 private Gesellschaften und Stiftungen sowie fünf berufliche Sonderschulen. In Finnland werden die Auszubildenden auch Studenten genannt und können sich nach einer drei Jahre dauernden beruflichen Grundausbildung für ein nachfolgendes Studium an einer Hochschule befähigen. Der Berufsausbildungsabschluss umfasst eine größere Abschlussarbeit.
Charakteristisch für das finnische Berufsausbildungssystem sind neben der theoretischen Ausbildung Abschnitte in eigenen Werkstätten sowie ein Werkspraktikum.
Das Universitätswesen bildet die älteste Tradition der Ausbildungsgeschichte Finnlands. Die erste finnische Universität war die Königliche Akademie in Turku und wurde 1640 gegründet. Die Universitäten beruhen auf der Freiheit der Wissenschaften und der Autonomie. Dazu zählen weitreichende Entscheidungskompetenzen in den Angelegenheiten der Prüfungsordnung, Lehrplan und die Anzahl der aufzunehmenden Studienanfänger. Träger der 20 finnischen Universitäten ist der Finnische Staat, der auch den größten Teil der Finanzierung trägt. Studiengebühren werden nicht erhoben. Aufnahmeprüfungen mit starker Selektion sind üblich, z. B. an der Universität Helsinki von bis zu 90 % Ablehnungsquote.
Das finnische Hochschulsystem besteht aus zwei parallelen Sektoren: den Universitäten und den Fachhochschulen. Die Dauer eines Studiums beläuft sich auf etwa vier bis fünf Jahre. Fachhochschulen sind praxisorientierter; in den Universitäten liegt der Schwerpunkt auf der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. In der Universität können sowohl niedere Bachelor-Examen und höhere Master-Examen sowie Lizenziaten- und Doktorprüfungen abgelegt werden.
Universitäten sind zur Wahrung der gleichen Studienmöglichkeiten über das ganze Land verteilt. Universitäten gibt es in Helsinki, Joensuu, Jyväskylä, Kuopio, Rovaniemi, Oulu, Tampere, Turku, Vaasa und Espoo. Von den 20 Universitäten sind 10 multidisziplinäre Universitäten, drei Technische Universitäten, drei Wirtschaftsuniversitäten und vier Kunstuniversitäten. In Helsinki gibt es darüber hinaus eine Militärhochschule (finn. Maanpuolustuskorkeakoulu).
Siehe auch: Universität Helsinki, Technische Universität Helsinki, Hochschule für Kunst und Design Helsinki
Das Fachhochschulwesen ist relativ jung in Finnland. Erst in den 1990er Jahren wurde es geschaffen. Voraussetzung für ein Studium an einer Fachhochschule ist das Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Im Gegensatz zu den Universitäten befinden sich die Fachhochschulen nicht im staatlichen Besitz sondern werden von den Kommunen oder privaten Institutionen getragen. Die Basisfinanzierung in Höhe von 57% gewährleistet jedoch auch der Finnische Staat. Die berufsorientierten Studiengänge dauern zwischen 3,5 und 4 Jahren.
An den Fachhochschulen wird in den Bereichen Technik und Verkehr, Verwaltung und Handel, Sozial- und Gesundheitssektor, Tourismus-, Ernährungs- und Hauswirtschaftssektor, Ressourcenwirtschaft sowie dem geisteswissenschaftlichen Unterrichtssektor Lehren erteilt.
An den Universitäten und Fachhochschulen gibt es für 65 % der Angehörigen eines Jahrgangs Anfängerstudienplätze. Bildungspolitisches Ziel ist es, dass ein immer größer werdender Anteil der Bevölkerung einen höheren Ausbildungsabschluss absolviert. Gleichzeitig werden immer mehr Ausbildungen als Studium deklariert, z. B. die zur Krankenschwester oder zum Feuerwehrmann.
Da das Ausbildungsniveau der älteren Bevölkerung niedriger ist als das der jüngeren, nahm in den vergangenen zwanzig Jahren die Erwachsenenbildung in der finnischen Bildungspolitik einen wichtigen Stellenwert ein. Neben der Möglichkeit, die gymnasiale Oberstufe mit dem Abitur als Erwachsener zu absolvieren, bieten Universitäten, Fachhochschulen, Berufsfachschulen, Volkshochschulen und Zentren für berufliche Erwachsenenbildung etwa 10 Millionen Unterrichtsstunden im Jahr an.
Das Interesse an diesem Angebot ist groß. Jährlich nehmen etwa eine Million Menschen aus eigenem Antrieb an den organisierten Kursen für Erwachsene teil.
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