Binnenschifffahrt ist die Schifffahrt auf Binnengewässern und Binnenwasserstraßen, also auf Flüssen, Kanälen und Seen. Die Binnenschifffahrt entwickelte sich von der Flößerei über Treidelschifffahrt und Dampfschifffahrt zur Motorschifffahrt, siehe auch Geschichte der Binnenschifffahrt. Wie in der Seeschifffahrt gibt es in der Binnenschifffahrt eine Vielzahl verschiedener Schiffstypen, siehe Hauptartikel Binnenschiff.
Bedeutsam ist die Binnenschifffahrt in Deutschland vor allem auf den Flüssen Rhein, Main, Donau, Mosel, Neckar, Weser, Elbe, Oder und Havel sowie auf verschiedenen Kanälen wie dem Mittellandkanal, dem Elbe-Havel-Kanal, dem Elbe-Seitenkanal, Main-Donau-Kanal, dem Oder-Havel-Kanal, dem Dortmund-Ems-Kanal, dem Rhein-Herne-Kanal, dem Datteln-Hamm-Kanal und dem Wesel-Datteln-Kanal. Die letzten vier genannten Kanäle treffen sich in Europas größtem Kanalknotenpunkt in Datteln. In Deutschland gibt es ca. 7.300 km Binnenwasserstraßen, 75 % Flüsse und 25 % Kanäle. Dazu gehören 335 Schleusen, 280 Wehre, drei Schiffshebewerke, zwei Talsperren und etwa 1.300 Brücken. Laut Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) haben 56 der 74 deutschen Großstadtregionen einen Wasserstraßenanschluss. Einen Hafen für den Binnenschiffsverkehr nennt man Binnenhafen. Der Duisburger Hafen ist der größte Binnenhafen Europas (siehe Kategorie:Ort mit Binnenhafen).
Frachtschiffe transportieren vor allem Container, Kohle und Erze, Agrargüter, Erdöl und Erdölprodukte, Sand und Kies, Stahl und Schrott sowie Gefahrgüter.
Jährlich werden in Deutschland 242 Millionen Tonnen Fracht über die Binnenschifffahrt transportiert gegenüber 294 Millionen Tonnen per Bahn und 982 Millionen Tonnen per LKW). 2004 arbeiteten 3286 Binnenschiffer auf Frachtschiffen, davon waren 832 Eigner. In der Passagierschifffahrt arbeiteten 2542 Personen, darunter 291 Eigner.
2004 wurden 336 Millionen Tonnen Gefahrgüter auf Straße, Schiene und Wasserwegen transportiert. 158 Millionen Tonne entfielen auf den Straßentransport, 54 Millionen Tonnen auf den Schienentransport und 50 Millionen Tonnen auf die Binnenschifffahrt (zum Vergleich: 74 Millionen Tonnen per Seeschiff).
Fahrgastschifffahrt spielt auf Binnengewässern, je nach Wasserstraße, als touristisches Verkehrsmittel eine immer größer werdende Rolle. Mittlerweile verkehren auf deutschen Gewässern rund 1000 Fahrgastschiffe, die jährlich ungefähr 10 Millionen Fahrgäste befördern. Besonders stark zunehmend ist die Flotte der Kabinenfahrgastschiffe für Kreuzfahrten auf Binnengewässern.
Fähren ergänzen an Flüssen und Kanälen die weit voneinander entfernten Brücken durch Nahverkehrsverbindungen. Auch an langgestreckten Seen ersparen sie Umwege.
Eine große Binnenschiffsreederei war und ist die DDSG in Wien. Heute sind außerdem als Binnenreedereien, die Passagierschifffahrt betreiben, die Reederei Wurm & Köck in Passau sowie die KD Köln-Düsseldorfer erwähnenswert. Im Bereich des Mittelrheins gibt es viele mittelständische Passagierschifffahrts-Unternehmen.
Platz 1 in Europa nehmen die Schweizer mit ihren Schiffen ein, Marktführer in Deutschland ist die Reederei „Viking River Cruises“.
Früher fuhren zur Versorgung der Binnenschiffe mit frischem Proviant die Proviantboote. Das waren kleine schwimmende Tante-Emma-Läden. Außer Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs, bekam man auch Kleidung und Ausrüstungsgegenstände für das Schiff. Mittlerweile sind fast alle Proviantboote von den Wasserstraßen verschwunden, da heute jedes Schiff eine Stromversorgung hat, und so natürlich auch Kühlschränke an Bord sind.
Da ein Schiff nicht einfach an eine Tankstelle fahren kann, gibt es die Bunkerboote. Diese gehen während der Fahrt längsseits und versorgen die Schiffe mit Brennstoff, Trinkwasser, Schmieröl und auf Vorbestellung auch mit Ersatzteilen und Material, die zum Unterhalt der Schiffe notwendig sind. In einigen Städten gibt es auch feste Bunker- und Servicestationen. Dort kann man inzwischen auch Lebensmittel, Getränke und Zeitungen kaufen.
Zur Entsorgung von ölhaltigem Abfall, wie Putzlappen, verbrauchte Ölfilter und ölverschmutztem Bilgenwasser fahren die Bilgenboote. Diese pumpen das Bilgenwasser und Altöl ab. Das Bilgenwasser wird an Bord gesammelt und gereinigt bzw. fachgerecht entsorgt. An Bord jedes Schiffes muss ein Buch über den Verbrauch von Schmierstoffen geführt werden. Es wird von der Wasserschutzpolizei überprüft, und mit den Eintragungen im Bilgenbuch verglichen.
Auch geistlichen Beistand gibt es auf den Wasserstraßen für die Besatzungen. In Duisburg fahren zwei Kirchenboote (ev./kath.). An Bord finden neben Andachten auch Taufen und Trauungen statt. An kirchlichen Feiertagen werden an die Kinder der Binnenschiffer, wenn sie an Bord sind, kleine Geschenke verteilt.
Die deutsche Binnenflotte besteht im Jahr 2007 aus insgesamt 4841 Binnenschiffen.
Im Jahr 1969 gab es in Deutschland noch 6765 Frachtschiffe mit gesamt 4 627 000 Tonnen. Das Durchschnittsalter der heute im Betrieb befindlichen Frachtschiffe beträgt 36,55 Jahre. 1976 betrug es noch 30,80 Jahre. (Alle Angaben stammen von ELWIS und dem Statistischen Bundesamt)
In Westeuropa sind zurzeit 15.000 Fahrzeuge in der Binnenschifffahrt gemeldet - ohne Hilfs- und Versorgungsfahrzeuge.
Die Gesamtlänge der europäischen Wasserstraßen beträgt 39.500 Kilometer.
Siehe auch Netzdichte.
China hat 123.964 km schiffbare Wasserstraßen, 1.300 Häfen und verfügt über eine Flotte von 194.352 Schiffen. Ungefähr 60 % der Wasserstraßen sind für Schiffe über 50 m befahrbar, 6,5 % für Schiffe über 1.000 Tonnen Tragfähigkeit und 10 % für Schiffe unter 500 Tonnen. Alle Schiffe zusammen haben ein Ladevermögen von 30 Millionen Tonnen und 900.000 Passagiere.
Die drei größten Flüsse sind der Yangtse, der Perlfluss und der Kaiserkanal. Der Yangtse (6.378 km) verbindet Mittel- und Südwestchina mit Shanghai. Der Perlfluss ist die Schlüsselverbindung zwischen Hongkong und dem Südosten Chinas und dem Gelben Fluss. Über den Yangtse werden jährlich 795 Millionen Tonnen befördert, das entspricht ungefähr 80 % aller Güter im Binnenschifffahrtsverkehr. Im Jahr 2003 wurden rund 3 Millionen Container transportiert.
In Europa wird durchschnittlich 5 % der Transportleistung durch die Binnenschifffahrt erbracht. In einigen europäischen Ländern liegt der prozentuale Anteil am Binnentransportaufkommen jedoch höher. In Deutschland beträgt er etwa 12,8 %, in Belgien 14,3 % und in den Niederlanden sogar 14,9 %. Der Gütertransport mit der Binnenschifffahrt auf Wasserstraßen steht damit an dritter Stelle hinter dem Transportaufkommen auf der Straße und auf der Schiene.
Die Binnenschifffahrt ist gegenüber Straße und Schiene beim Energieverbrauch der wirtschaftlichste Verkehrsträger. Ein Schiff mit 1000 Tonnen Tragfähigkeit transportiert soviel wie 40 Lkw oder ein Güterzug. Der Energieverbrauch in Liter Dieselkraftstoff liegt für 100 Tonnenkilometer bei 4,1 Litern für einen Lkw, 1,7 Litern für die Bahn und 1,3 Litern für ein Binnenschiff. Ein Containerbinnenschiff der neuesten Generation (Jowi-Klasse) kann bis zu 500 TEU transportieren.
Die Grundlage der Binnenschifffahrt bildet die Mannheimer Akte oder Rheinstrom-Akte. Sie geht auf das Jahr 1868 zurück und beinhaltet die Schifffahrtsfreiheit und die Abgabefreiheit durch Gleichbehandlung der Flaggen, Wegfall der Schifffahrtsabgaben, Durchfahrzölle, Umschlags- und Stapelrechte sowie vereinfachte Zollabfertigung und einheitliches technische und schifffahrtspolizeiliche Vorschriften. Neuere Verordnungen gründen auf diesem Vertragswerk.
In der Binnenschifffahrt gibt es eine Reihe von Verordnungen und polizeilichen Vorschriften:
siehe auch:ELWIS, Elektronisches Wasserstraßen Informations System.
In den anderen Ländern gelten andere nationale Vorschriften, die aber teilweise mit den deutschen Vorschriften übereinstimmen.
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und erwähnt auch Reedereien, die unter den angegebenen Namen nicht mehr bestehen.
Die Ausbildung zum Binnenschiffer erfolgt im dualen System, das Ausbildung an Bord und in der Schule beinhaltet. In Deutschland gibt es zwei Schifferberufsschulen:
Nach der dreijährigen Ausbildungszeit erfolgt die Matrosenprüfung. Ab einem Mindestalter von 21 Jahren, einer Fahrzeit von vier Jahren und dem Nachweis einer bestimmten Anzahl von Reisen, ist die Teilnahme an einem Patentlehrgang zur Erlangung des Rheinschiffer-Patents oder Binnenschifferpatents möglich. Nach bestandener Prüfung erfolgt ein Einsatz als Steuermann mit Patent, später auch als eigenständiger Schiffsführer.
Man unterscheidet:
Diese Patente erlauben das Fahren auf fast allen Binnenwasserstrassen der Zonen 1-4. Für verschiedene Teilbereiche müssen jedoch zusätzliche Streckenkenntnisse nachgewiesen werden.
Siehe auch:BinSchUO, Rheinpatentverordnung und Binnenschiffpatentverordnung.
Neben dem Patent benötigt ein Schiffsführer noch ein Sprechfunkzeugnis für UKW, und ,entsprechend nach seiner Beschäftigung in der Schifffahrt, ein Radarschiffer-Zeugnis (Patent) und eine ADNR-Prüfung (Accord Européen relatif au transport international des marchandises dangereuses par voie de navigation du Rhin, das ist: Europäisches Übereinkommen über den Transport gefährlicher Güter auf dem Rhein. Dies gilt auch durch entsprechend ergänzende Verordnungen auf anderen Wasserstraßen).
Das Rheinschiffer-Patent kann für verschiedene Streckenabschnitte erlangt werden. Für die Strecke von Duisburg nach den Niederlanden und Belgien beispielsweise kann das Patent von Duisburg bis ins offene Meer erlangt werden. Für die Donau wird ein zusätzliches Patent benötigt.
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